(45:38, Download, Eigenveröffentlichung, 2018) ‘It is the business of the future to be dangerous’. Da stand einmal wieder ein Zitat Pate, um das Universum einer Band zu erschaffen. Ein Zitat vom Schöpfer des ewigen Helden, Michael Moorcock nämlich, der auch hin und wieder bei Vertretern psychoaktiver Soundgebilde wie Hawkwind anzutreffen war. Auf „Race Against Time“, dem Debüt der The Dead Centuries, scheint sich das Trio aus Ottawa einen Wettlauf mit den eigenen Ansprüchen zu liefern. Schneller, weiter, höher ist auch hier die Devise. Dabei wirkt die anvisierte Dystopie gar nicht einmal so ausweglos wie man wohl gerne hätte. Sodass ein…
Autor: Carsten Agthe
(66:23, CD, Green Brain Krautrock, 2017) Schwer dräut die Orgel, man wähnt sich Ende der Sechziger, ein sympatisches Charakteristikum, das man von Space Debris schon irgendwie gewohnt ist. Erneut wurde man in den Archiven fündig und da eben diese die eigenen sind, kann man in diesem Zusammenhang auch nicht von einer Plünderung sprechen. Vier Tracks aus dem Jahr 2004 förderte man so zutage. Als Trio, hier noch mit Keyboarder Tom Kunkel, schlurften Space Debris hier tief in einem Hammond-Orgel-infizierten Morast und matschte aus diesem improvisierte Kleckerburgen aus psychedelischen Hardrock zusammen, die sich bis in eine Höhe von zwanzig Minuten aufbäumen,…
Eingebung und Zufallsprinzip Dystopien, Weltuntergang, die Apocalypse – Szenarien, auf die der Sound von Collapse Under The Empire (C.U.T.E.) geradezu zugeschnitten scheint. Das instrumentale Duo, das im letzten Jahr seine Livepremiere feierte, veröffentlichte jüngst sein Album „The Fallen Ones“, das sound- und konzepttechnisch fast schon nahtlos an die beiden Vorzeigealben „Shoulders & Giants“ sowie „Sacrifice & Isolation“ anknüpft, jenes beeindruckende Doppel, mit dem C.U.T.E. bereits tiefe Spuren im Postrockigen Schlamm für die Nachwelt hinterließen. „Shoulders & Giants“ und „Sacrifice & Isolation“ hatten ein zusammenhängendes Konzept. Kann man das auch von eurem aktuellen Album „The Fallen Ones“ behaupten? Chris: Einen direkten…
(46:20/48:47, CD/CD, Progressive Promotion/PPR-Webshop, 2017/2016) Nach dem ersten Eindruck könnte man Starsabout vorwerfen, ein wenig zu viel Weichspüler in den Hauptwaschgang geschüttet zu haben. Weil sich die Songs des polnischen Quartetts eigentlich ein wenig zu behaglich in den Gehörgängen einnisten. Sicher hat sich die Band selbst den Anspruch auferlegt, in progressiv rockenden Bereichen aufzuspielen. Obwohl der Aufbau der Songs eben auch einen gewisses Pop-Appeal aufweist. Was hier bedeutet, dass Starsabout auf maximalen Wohlklang ausgerichtet wurden. „Longing For Home“ setzt auf Entschleunigung und harmonische Auszeiten. Die Songs wirken, als hätte sich ein David Gilmour mit The Church ins Studio zurückgezogen –…
(42:47, Download, Tambou Rhinoceros/Indigo, 2017) Musik, wie aus einem Kunstfilm aus den Sechzigern. Verträumt, verhuscht und sonderbar melancholisch. August Rosenbaum war schon immer ein Strebertyp. Schon in der Schule interessierte er sich mehr für Sentimentales wie Erik Satie oder Thelonious Monk anstatt sich dem schnelllebigen Zeitgeist hinzugeben. Ein Anfang, der sich auch auf seine weitere musikalische Entwicklung ausschwirkte. Eine Entwicklung, die ihm mehrere Preise und Kollaborationen mit Acts wie Rhye, Nils Frahm, Quadron oder MØ einbrachte und welche nun beim vierten Album angekommen ist. https://www.youtube.com/watch?v=_NPAO6DSA00 Alles an „Vista“ wirkt merkwürdig gedämpft, man nimmt die Musik wie durch einen Schleier wahr.…
(39:22, Download, Pelagic/Cargo, 2017) Pg.lost. Tiny Fingers. Wang Wen. Tangled Thoughts Of Leaving… Und nun Spook The Horses: Pelagic Records hat es einfach drauf, besonders interessante Bands an Land zu ziehen. Es herrscht Goldgräberstimmung im Land des Postrock, Postmetal und Posthardcore. Und das Berliner Label hat es verstanden, sich hier die größten Nuggets herauszupicken. Obwohl Spook The Horses, das neuseeländische Sextett mit dem Hang zum Dunkelbunten, auf seinen bisherigen beiden Alben „Brighter“ und „Rainmaker“ wirklich von Rock bis Metal alle Facetten im Post-Universum abdeckte ,gibt es mit „People Used To Live Here“ eine geringfügige Richtungskorrektur. Aller guten Dinge sind drei…
(42:05, Download, This Charming Man/Cargo, 2017) Der Wolf ist das neue Black. Die Wölfe sind keine bedrohte Spezies im kontemporären Bandgefüge mehr und zeigen uns mit Rudeln wie Wolfmother, Wolf Parade, Wolf People, Wolf & Cub, Wolf Eye, Wolf Alice (oder Those Amongst Us Are Wolves, d. Schlussred.) usw. usf., dass sie gehörig mitmischen! Womit wir bei Wolf Mountains wären, die uns schon vor einiger Zeit mit ihren „Birthday Songs For Paul“ schräg und schroff beglückten, wobei man hier aber nicht so sicher war, ob die hier gezeigte Lässigkeit nun echt oder nur gespielt war. Nein, gespielt ist hier nichts.…
(14:31, Download, Eigenproduktion/Cargo, 2017) Für einen Extrem-Metaller (bis 2013: War From A Harlots Mouth, ab 2013: The Ocean) wirkt das neue Projekt von Paul Seidel reichlich entspannt und - Achtung! Wortspiel! – FERN ab seiner bisherigen Betätigungsfelder. Obwohl der Schlagzeuger schon bei WassBass und – ganz aktuell - bei Caspers „Lang lebe der Tod“ mitmischte, also nicht immer unbedingt Metal-affin unterwegs war. Nun also FERN, eine Band, die sich aus ihm sowie Jan Kerscher (Like Lovers), Peter Voigtmann (Heads, Hepting) zusammensetzt und mit welcher Paul Seidel wieder eine neue Facette seiner musikalischen Ausrichtung offenbart. Gerade einmal 15 Minuten lang aber…
(42:55, CD, Sportklub Rotter Damm, 2017) 'Monument', 'Haven', 'Maelstrom', 'Home', 'Waldeinsamkeit'. Die Titel – kurz, prägnant, auf den Punkt gebracht. Was man von der Musik, welche die Kölner Band hier zum Besten gibt, nicht behaupten kann. Denn eben diese ist pathetisch, episch und ausufernd. Und vor allem instrumental. Was nach einer Blaupause des Postrock klingt, ist dennoch viel mehr. Die fünf sieben- bis elfminütigen Stillleben kokettieren mit eruptiven Ausbrüchen, bis an die Grenzen ausgereizten ruhigen und lauten Momenten und perfekt ausgearbeiteten Spannungskurven, welche die Spannung in den einzelnen Tracks bis zum Reißen spannt. Beeindruckend auch der Melodiegehalt, der die doppelt…
(49:00, Download, City Slang/Universal, 2017) 1982? War da nicht was? Richtig - „Blade Runner“, „E.T.“, „Thriller“, „Pornography“, „Avalon“. Zugegeben, da war nicht allzu viel los Die Achtziger eben. Aber Liima haben auch nicht vor, mit ihrem zweiten Werk den Sound dieses Jahres einzufangen oder auch eine Laudatio darauf abzuliefern. Stattdessen liefern sie "ein Album, das von den Einflüssen und Umständen getragen wird, die bis zu diesem Zeitpunkt zurückreichen". Nun scheint Liima dann doch viel mehr, als die Interimsspielwiese der Musiker Casper Clausen, Rasmus Stolberg und Mads Brauer abseits ihrer eigentlichen Band Efterklang , was die Realisierung eines zweiten Albums bestätigt.…
(47:19, Download, Golden Robot/Soulfood, 2017) Diese Kollaboration nimmt schon wirklich ernstzunehmende Züge an, weil „Glow And Fade“ nun schon das fünfte Release dieser beeindruckenden Zusammenarbeit ist. Denkt man, dass Steve Kilbey mit seiner Hauptband The Church, die immerhin schon mehr als zwanzig offizielle Releases auf dem Kerbholz hat, seine zahlreichen Soloalben nicht mit eingerechnet, genügend ausgelastet wäre, hat der Musiker doch wirklich noch die Zeit für diverse Projekte, von welchen Kilbey/Kennedy sicher das Intensivste ist. Hier trifft der relaxte Psych-Pop der Hauptintention Kilbeys (die mit 'Under The Milky Way' gar einmal einen mittelschweren Hit landen konnten) auf die lässig atmosphärischen…
(57:44, Download, Elusive Sound, 2017) Da verspricht ja bereits der Name etwas ganz Großes. Und hält das auch auf ganzer Linie. Schon das 2009 erschienene Debüt der Franzosen, „Canopy“, geriet nach und nach zum Klassiker des Postrock und wurde insofern auch noch geadelt, indem es von Künstlern wie Loscil, Benoit Pioulard, Melodium sowie Witxes würdig remixed wurde. Nun, einige Zeit später, erscheint mit „Requiem“ der sicher ultimative Nachfolger, mit dem sich Silent Whale Becomes A° Dream (nur echt mit dem Grad-Zeichen!) ein weiteres Denkmal gesetzt haben. „Requiem“ entwickelt sich wahrlich zu einem solchen, ein kraftvolles Opus voller Melancholie, Pathos und…
(42:05, CD, Stickman/Soulfood, 2018) Wenn der Woodpecker auf Holz klopft, fragt man sich doch wirklich, welchem Tageswerk der Weedpecker wohl nachgehen mag - auf jeden Fall einem hoch sympathischen! Wie sonst ließe sich erklären, was die Band aus Warschau hier auf ihrem dritten Album zündelt und zusammenklopft. Unspektakulär mit „III“ betitelt hebt man sich das wirklich Spektakuläre für später auf. Nämlich für den Sound, der aus einer angenehmen Quintessenz aus Psychedelic, Art- und Stoner Rock besteht. Schon in der Eingangssequenz 'Molecule' entsteht ein in allen Regenbogenfarben schillernder Nebel flächiger Mellotron-Sounds und prickelnder Gitarren, der sich im nachfolgenden 'Embrace' bis…
(52:29, CD, Rare Noise/Cargo, 2017) Im Allgemeinen kann man bezüglich „HyperSomniac“ von einem Gesamtkunstwerk sprechen, welches Lorenzo Esposito Fornasari (u.a. O.R.k, Obake) alias LEF in monatelanger Arbeit auf den Weg brachte. Das Konzept in Form einer von Nana Oktopus Dalla Porta gezeichneten dystoptischen Graphic Novel wird ab Ende Januar 2018 auf hypersomniacproject.com freigeschaltet und jede Woche um ein Kapitel erweitert. https://soundcloud.com/lefmusic/hypersomniac-parallel-powers Doch ein Gesamtkunstwerk wäre nun einmal nicht vollständig, wenn da der Soundtrack nicht wäre, der auf „HyperSomniac“ mehr als nur die halbe Miete ist. Hierfür umgab sich der Musiker, den man schon von Institutionen wie O.R.k, Obake, Beserk oder…
(58:49, Download, Bandcamp, 2017) Es könnte alles so einfach sein. CUTE steht für Collapse Under The Empire, GY!BE für Godspeed You! Black Emperor, TWDY für This Will Destroy You, EITS für Explosions In The Sky… Und MMTH? Nein, nicht etwa für Morning Muffins Takes Hot oder Manfred Mann’s Totally Hitappeal sondern simpel und einfach für Mammoth. Aber so simpel und einfach macht es uns die Band aus Aurich dann doch nicht. Gut, anfangs plätschert es behaglich hin, im an den Anfang gestellten Titeltrack, aber eben das ist nur die Ruhe vor dem Sturm, der - wie man eigentlich schon ahnt…
(37:19, Download, Art As Catharsis, 2017) Merkwürdiges Zeuchs, was Ground Patrol in musikalischer Hinsicht auf ihrem Debütalbum vom Stapel lassen. Reduziert auf Gitarre und Schlagzeug, deren Klänge und Sounds aber durch diverse Effektgeräte und Filter gejagt und so zu neuem Leben erweckt werden, ist „Drift“ derweil so viel mehr als von der Leine gelassene musikalische Exzesse. Die vier Instrumentals beginnen alle scheinbar gelassen und übersichtlich, hier ein lässiger Groove, der fast schon krautrockende Tendenzen erahnen lässt („Roll“), dort ein wenig Crimsoneskes Gefrickel ('Drift'), was aber nicht so bleibt, verschachteln sich doch die Sounds, Groove und, später, die Loops zu einem…
(53:41, CD, Tribal Stomp/Cargo, 1992/2017) Es gab doch wirklich einmal Zeiten, da erlangten Platten wie „Elyzium“ der Fields Of The Nephilim sowie „Lavender“ von The Perc Meets The Hidden Gentleman im ME/Sounds mit sechs Sternen die volle Punktzahl. Heute undenkbar, damals, vor mehr als einem Vierteljahrhundert aber durchaus möglich. Tatsache ist, dass Tom 'The Perc' Redecker sowie Emilio 'The Hidden Gentleman' Winschetti 1991 gerade mit „Lavender“ das Magnum Opus ihrer Kollaboration sowie einen Meilenstein des Kraut’n Artrock veröffentlicht hatten. Im Zuge der Tour zum Album, auf welcher das Duo kongeniale Unterstützung durch das The Lavender Orchestra erhielt, dem unter anderen…
(40:22, Download, Neurot/Cargo,, 2017) Amenra zelebrieren mit „Mass VI“ eine neue Zeremonie der ‚Church Of Ra‘, einer ‚Kirche‘, in der es kein Regelwerk gibt und in der es, nach Amenra-Sänger Colin H. van Eeckhout, vor allem darum geht, ‚‚ein gutes Leben zu führen" und "ein guter Mensch zu sein". Das ist doch schon einmal ein Anfang, um die Welt ein wenig besser zu machen. Neben Amenra gehören weitere sympathische Zeitgenossen wie Oathbreaker, The Black Heart Rebellion, Hessian, Hive Distruction, Pieces Of Quiet, Treha Sektori sowie Sembler Deah zu den Verkündern dieser heiligen Religion. Und es ist schön, dass es solche…
(22:23, CD-EP, Golden Antenna/Broken Silence, 2017) Man mag es wirklich nicht glauben. „Vision Thing“, das letzte offizielle Album der Sisters Of Mercy, hat mittlerweile auch schon siebenundzwanzig Jahre auf dem schwarzen Buckel. Trotzdem treibt Lord Of The Darkness Andrew Eldritch auf den Bühnen der Welt weiterhin sein Unwesen. Da er immerhin mit Material aufwarten kann, das weitestgehend endemisch ist. Bis jetzt. Weil Fotocrime mit ihrer Debüt-EP dort ansetzen, wo das „Vision Thing“ einst endete. Nämlich bei dunklem Singsang, wavigen Gitarren, 'nem wummerndem Bass und der pflichtgemäßen Drummachine. Diese hört auf den Namen Mother und verleiht dem Fotocrime-Sound den nötigen stoischen…
(48:14, CD, Kscope/Edel, 2017) Jetzt isser hin. Das heißt, für die gemeine Metal-Klientel überhaupt nicht mehr tragbar. Sicher ist Anathema eine der Bands, bei der in den letzten zwanzig Jahren (fast) ein Fan-Komplettaustausch stattfand. Das letzte Œuvre der Sentimentalpoprocker, „The Optimist“, hat mit Metal ungefähr so viel zu tun wie eine vegane Fressorgie mit BBQ, also nichts. Dementsprechend könnte man „Monochrome“ in einer Linie mit den letzten Anathema-Releases sehen, da das Soloalbum des Hauptsongschreibers und Multiinstrumentalisten hinsichtlich schmerzerfüllter Melancholie noch einmal ein paar Etagen tiefer stapelt. So geriet „Monochrome“ mit all seinem gefühlten Schmerz zum wohl persönlichsten Album des Musikers,…