(57:44, Download, Elusive Sound, 2017) Da verspricht ja bereits der Name etwas ganz Großes. Und hält das auch auf ganzer Linie. Schon das 2009 erschienene Debüt der Franzosen, „Canopy“, geriet nach und nach zum Klassiker des Postrock und wurde insofern auch noch geadelt, indem es von Künstlern wie Loscil, Benoit Pioulard, Melodium sowie Witxes würdig remixed wurde. Nun, einige Zeit später, erscheint mit „Requiem“ der sicher ultimative Nachfolger, mit dem sich Silent Whale Becomes A° Dream (nur echt mit dem Grad-Zeichen!) ein weiteres Denkmal gesetzt haben. „Requiem“ entwickelt sich wahrlich zu einem solchen, ein kraftvolles Opus voller Melancholie, Pathos und…
Autor: Carsten Agthe
(42:05, CD, Stickman/Soulfood, 2018) Wenn der Woodpecker auf Holz klopft, fragt man sich doch wirklich, welchem Tageswerk der Weedpecker wohl nachgehen mag - auf jeden Fall einem hoch sympathischen! Wie sonst ließe sich erklären, was die Band aus Warschau hier auf ihrem dritten Album zündelt und zusammenklopft. Unspektakulär mit „III“ betitelt hebt man sich das wirklich Spektakuläre für später auf. Nämlich für den Sound, der aus einer angenehmen Quintessenz aus Psychedelic, Art- und Stoner Rock besteht. Schon in der Eingangssequenz 'Molecule' entsteht ein in allen Regenbogenfarben schillernder Nebel flächiger Mellotron-Sounds und prickelnder Gitarren, der sich im nachfolgenden 'Embrace' bis…
(52:29, CD, Rare Noise/Cargo, 2017) Im Allgemeinen kann man bezüglich „HyperSomniac“ von einem Gesamtkunstwerk sprechen, welches Lorenzo Esposito Fornasari (u.a. O.R.k, Obake) alias LEF in monatelanger Arbeit auf den Weg brachte. Das Konzept in Form einer von Nana Oktopus Dalla Porta gezeichneten dystoptischen Graphic Novel wird ab Ende Januar 2018 auf hypersomniacproject.com freigeschaltet und jede Woche um ein Kapitel erweitert. https://soundcloud.com/lefmusic/hypersomniac-parallel-powers Doch ein Gesamtkunstwerk wäre nun einmal nicht vollständig, wenn da der Soundtrack nicht wäre, der auf „HyperSomniac“ mehr als nur die halbe Miete ist. Hierfür umgab sich der Musiker, den man schon von Institutionen wie O.R.k, Obake, Beserk oder…
(58:49, Download, Bandcamp, 2017) Es könnte alles so einfach sein. CUTE steht für Collapse Under The Empire, GY!BE für Godspeed You! Black Emperor, TWDY für This Will Destroy You, EITS für Explosions In The Sky… Und MMTH? Nein, nicht etwa für Morning Muffins Takes Hot oder Manfred Mann’s Totally Hitappeal sondern simpel und einfach für Mammoth. Aber so simpel und einfach macht es uns die Band aus Aurich dann doch nicht. Gut, anfangs plätschert es behaglich hin, im an den Anfang gestellten Titeltrack, aber eben das ist nur die Ruhe vor dem Sturm, der - wie man eigentlich schon ahnt…
(37:19, Download, Art As Catharsis, 2017) Merkwürdiges Zeuchs, was Ground Patrol in musikalischer Hinsicht auf ihrem Debütalbum vom Stapel lassen. Reduziert auf Gitarre und Schlagzeug, deren Klänge und Sounds aber durch diverse Effektgeräte und Filter gejagt und so zu neuem Leben erweckt werden, ist „Drift“ derweil so viel mehr als von der Leine gelassene musikalische Exzesse. Die vier Instrumentals beginnen alle scheinbar gelassen und übersichtlich, hier ein lässiger Groove, der fast schon krautrockende Tendenzen erahnen lässt („Roll“), dort ein wenig Crimsoneskes Gefrickel ('Drift'), was aber nicht so bleibt, verschachteln sich doch die Sounds, Groove und, später, die Loops zu einem…
(53:41, CD, Tribal Stomp/Cargo, 1992/2017) Es gab doch wirklich einmal Zeiten, da erlangten Platten wie „Elyzium“ der Fields Of The Nephilim sowie „Lavender“ von The Perc Meets The Hidden Gentleman im ME/Sounds mit sechs Sternen die volle Punktzahl. Heute undenkbar, damals, vor mehr als einem Vierteljahrhundert aber durchaus möglich. Tatsache ist, dass Tom 'The Perc' Redecker sowie Emilio 'The Hidden Gentleman' Winschetti 1991 gerade mit „Lavender“ das Magnum Opus ihrer Kollaboration sowie einen Meilenstein des Kraut’n Artrock veröffentlicht hatten. Im Zuge der Tour zum Album, auf welcher das Duo kongeniale Unterstützung durch das The Lavender Orchestra erhielt, dem unter anderen…
(40:22, Download, Neurot/Cargo,, 2017) Amenra zelebrieren mit „Mass VI“ eine neue Zeremonie der ‚Church Of Ra‘, einer ‚Kirche‘, in der es kein Regelwerk gibt und in der es, nach Amenra-Sänger Colin H. van Eeckhout, vor allem darum geht, ‚‚ein gutes Leben zu führen" und "ein guter Mensch zu sein". Das ist doch schon einmal ein Anfang, um die Welt ein wenig besser zu machen. Neben Amenra gehören weitere sympathische Zeitgenossen wie Oathbreaker, The Black Heart Rebellion, Hessian, Hive Distruction, Pieces Of Quiet, Treha Sektori sowie Sembler Deah zu den Verkündern dieser heiligen Religion. Und es ist schön, dass es solche…
(22:23, CD-EP, Golden Antenna/Broken Silence, 2017) Man mag es wirklich nicht glauben. „Vision Thing“, das letzte offizielle Album der Sisters Of Mercy, hat mittlerweile auch schon siebenundzwanzig Jahre auf dem schwarzen Buckel. Trotzdem treibt Lord Of The Darkness Andrew Eldritch auf den Bühnen der Welt weiterhin sein Unwesen. Da er immerhin mit Material aufwarten kann, das weitestgehend endemisch ist. Bis jetzt. Weil Fotocrime mit ihrer Debüt-EP dort ansetzen, wo das „Vision Thing“ einst endete. Nämlich bei dunklem Singsang, wavigen Gitarren, 'nem wummerndem Bass und der pflichtgemäßen Drummachine. Diese hört auf den Namen Mother und verleiht dem Fotocrime-Sound den nötigen stoischen…
(48:14, CD, Kscope/Edel, 2017) Jetzt isser hin. Das heißt, für die gemeine Metal-Klientel überhaupt nicht mehr tragbar. Sicher ist Anathema eine der Bands, bei der in den letzten zwanzig Jahren (fast) ein Fan-Komplettaustausch stattfand. Das letzte Œuvre der Sentimentalpoprocker, „The Optimist“, hat mit Metal ungefähr so viel zu tun wie eine vegane Fressorgie mit BBQ, also nichts. Dementsprechend könnte man „Monochrome“ in einer Linie mit den letzten Anathema-Releases sehen, da das Soloalbum des Hauptsongschreibers und Multiinstrumentalisten hinsichtlich schmerzerfüllter Melancholie noch einmal ein paar Etagen tiefer stapelt. So geriet „Monochrome“ mit all seinem gefühlten Schmerz zum wohl persönlichsten Album des Musikers,…
(42:45, CD, Depot 214, 2017) Gar nicht so leicht, dem Kürzel NOX einen Sinn zu geben. So nannte sich das Trio aus Brüssel nämlich zu seiner Gründung vor nunmehr genau zehn Jahren. Hauptprotagonistin in dieser Band ist sicherlich Violinistin Catherine Graindorge, die mitunter auch bei Kollegen wie Hugo Race, John Parish und Pascal Humbert von den 16 Horsepower anzutreffen ist. Zusammen mit David Christophe am Bass und Elie Rabinovitch am Schlagzeug inszenierte sie als NOX und nun als Nile On waX eine ganz spezielle Kategorie in der Sparte Post-Rock, da die Gitarrendominanz dieses Styles hier vollkommen ignoriert und übergangen wird.…
(30:38, Download, Eigenproduktion, 2017) Das ist doch mal überaus sympatico. Ne Platte voller verfrickelter, aufgepimpter Math’n Progressive Rockmugge für Umme. Die gibt’s dann zwar ‚nur‘ als Download, aber, wie heißt das so schön – einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Nur dass der Gaul im Zusammenhang mit Transpanda eben eine Ziege ist. „Goats Against Humanity“ ist dann auch ein nachvollziehbares Resultat auf Schwachsinnsstudien wie „Männer, die auf Ziegen starren“. Genug gestarrt. The Goats strikes back. Aber so richtig. Goats Against Humanity by transpanda Die ganze Angelegenheit dauert zwar bloß eine geschlagene halbe Stunde, enthält aber vier Stillleben, die…
(66:41, CD, Afraid Of Sunlight/Timelock/Cargo, 2017) Ein Album für Langstrecken-Gourmets. Das heißt für Sympathisanten des gepflegten Longtracks. Das Trinity Xperiment ist seinen Fans immerhin noch etwas schuldig geblieben. Mit „Honeymoon On Mars“ veröffentlichte der aus dem H-Blockx Basser Stephan "Gudze" Hinz, dem ex-Matalex Keyboarder Matthias Kraus sowie Triton -Gitarrist Franz Holtmann gebildete Dreier sein abgefeiertes Debüt. Es sollte aber noch einmal geschlagene acht Jahre bis zum Nachfolger dauern. Die Schießbudenfraktion auf „Anaesthesia“ wird abgedeckt durch Jost Nickel (Matalex, Jan Delay), womit die Band nun eigentlich komplett wäre. In sieben zum Teil scheinbar endlosen Tunes, die Improvs mit einstudierten Wendungen verschachteln,…
(68:37, CD, Art As Catharsis, 2017) OMG - was für ein Album! Es geschieht nicht allzu oft, dass man geplättet, ja fassungslos bei einer Musik verweilt und doch nicht so recht auf die Reihe bekommt, was hier gerade passiert beziehungsweise passiert ist. „Man Is Wolf To Man“ heißt das Album, Bolt Gun sind die Protagonisten, die dafür verantwortlich zeichnen. Mit dem Opus, auf dem sich der Titeltrack in drei wahrhaft epische Teile splittet, stößt die australische Institution ein Wurmloch zu einem neuen Universum auf. 30 (Part I), 22 (Part II) und 15 Minuten (Part 1 excerpt) schwer sind dann auch…
Der Wolf im Menschen Australien…, unendliche Weiten. Wo man, die Ostküste und ein paar bewohnte Enklaven einmal ausgeklammert, zum Großteil ein Nichts bis zum Horizont findet. Aber da gibt es noch einen kleinen Flecken bewohntes Land an der Westküste, eingenommen von der Millionenstadt Perth… … und in deren Süden liegt Fremantle, eine Hafenstadt mit knapp 8.000 Einwohnern – also nicht weiter der Rede wert. Oder doch?„Fremantle und Perth liegen sehr nahe beieinander, so dass wir die Szenen hier an sich nicht als getrennt ansehen. Und die Musikszene hier ist ziemlich klein, wodurch sich die meisten Bands aus den verschiedensten Genres…
(52:45, CD, Timezone/Timezone, 2017) Ein wenig führen uns Nump mit ihrem neuen Album schon auf die falsche Fährte, anfangs - verträgt sich das akustische Intro, das in proggiger Manier vor sich hin flaniert, doch nur bedingt mit dem, was dann noch folgen soll. Sicher sind Nump auch progressiv. Aber eben auch mächtig metallisch veranlagt. Die Institution aus dem Frankenland möchte es hörbar allen recht machen. Könnten im Rahmen des Konzepts abgespulte Screams und Growls bei "gemäßigten" Hörern für Irritationen sorgen, bekommt der Fünfer um seinen Sänger Christian Seynstahl aber manchmal mehr, manchmal weniger souverän die Kurve und beeindruckt mit Stadion-,…
The Genesis Of A Spacecraft Die Odyssee nahm einst mit „Mutter Maschine“ ihren Anfang. Nach dem „Absturz“, der diese hätte eigentlich beenden sollen, ja, müssen, kommt nun der ‚Neuanfang‘. Via „Hangar“, ihrem dritten Longplayer, katapultieren sich Mother Engine in eine neue Dimension psychoaktiven Storytellings. Vier Tracks ist das Album schwer beziehungsweise lang und erzählt ohne herkömmliche Erzählstrukturen. „Hangar“ basiert vollkommen auf instrumentaler Psychdelik mit Einsprengseln aus Stoner- und Space-Rock, die Geschichte einer Wiedergeburt auf dem Planeten X-Alpha Wolf, wohin es die Crew nach ihrem „Absturz“ unfreiwillig verschlagen hat. Wie war das gleich nochmal? Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das…
(36:21, 40:10, 42:20, CDs, Sireena/Broken Silence, 2017) Dreifachkult vom Maestro der teutonischen Undergroundpoesie Kiev Stingl, der zwischen 1975 und 1981 unter der Ägide von Achim Reichel drei Alben veröffentlichte, welche bezüglich ihrer Punk und Wave-Einflüsse die NDW um ein paar Jahre vorwegnehmen sollten. Da war erst einmal das Debüt „Teuflisch“. Erschienen 1975 war diesem Werk leider nicht der Erfolg beschieden, den es eigentlich verdient hätte. Der wohl unterschätzteste deutschen Songpoeten, der im wirklichen Leben Gerd Stingl heißt, hatte seine Hausaufgaben bei Kollegen wie Ton Steine Scherben oder bei einem (rebellischen) Udo Lindenberg gemacht. So ist „Teuflisch“ wahrhaft teuflisch, mit witzig…
(39:51, CD, Noisolution/Soulfood, 2017) Hier ist es also, das ‚schwierige‘ zweite Album. Eine angedachte Hürde, die von The Loranes aber souverän und lässig gemeistert wird. Man hatte sich schon ein wenig rar gemacht, in der Zeit, die dem Debüt „Trust“ folgte. Wobei die Stille aber wohl als Ruhe vor dem Sturm zu werten war, der via den Zweitling nun über uns kommt. Schon von Anbeginn an schaltet man in den höchsten Gang und gibt auf dezente Weise Vollgas. So, als wolle man das schon Erreichte egalisieren und allem noch einmal einen drauf setzen. https://youtu.be/IbPe3f_9piA Ein Album wie „2nd“ wirkt wie…
(45:54, Download, Rillbar, 2017) Musik wie heimelige Schatten. Also nicht die grauen, unheimlichen, die um uns herumschleichen. Nein, die Schatten von Anders Holst, die er uns mit seinem Soloprojekt Shadow Ray veräußert, sind eben nicht von der todtraurigen Sorte. Sie sind, wenn auch nicht gleich farbenfroh, so doch mit pastellenen Nuancen ausgestattet, die uns wenig zum Träumen animieren. Wenn man den elektronischen Überbau dieser Musik akzeptiert, dann kann man das, was hier auf „Eyes, Gleaming Through The Dark“ zu hören ist, als Freaky Folk abhandeln. Die Sounds sind trotz ihrer Transparenz beeindruckend dicht und fordernd, wobei in aller Übersichtlichkeit dann…
(48:00, CD, FinalTune/Broken Silence, 2017) Wieder einmal eine der Bands, bei welcher man die Rezension zum letzten Album herauskramen und auf den neuen Stand pimpen könnte. Soweit, so gut. "Gut" oder besser: "hervorragend" wäre auch der richtige Aufhänger für ein Album wie „The Fallen Ones“, da es wieder mit Superlativen aufwartet, die nun einmal nicht höher anzusetzen sind. Also bleibt dann auch bei CUTE alles beim Alten. Mehr oder weniger, jedenfalls. Nach dem thematischen Doppel „Shoulders & Giants“ und „Sacrifice & Isolation“ sowie dem Interimsalbum „Fragments Of A Prayer“ hauen Chris Burda und Martin Grimm weiterhin in die schon mächtig…