
Psychedelic Doom • Stoner Metal • Post Metal • Shoegaze
(42:48; Vinyl, CD, MC, Digital; Sargent House/Cargo; 24.07.2026)
Eigentlich wollte ich ja schon REZNs 2024er-Album "Burden" rezensieren. Irgendwie ist die Platte dann aber vom Stapel gefallen – vermutlich, weil ich fälschlicherweise dachte, ein Kollege würde sich darum kümmern. Damit "Cycles In The Infinite Dream" nicht dasselbe Schicksal ereilt, nehme ich mich der Sache diesmal lieber selbst an.
Wobei das vielleicht sogar ganz passend ist. Denn REZN sind eine Band, deren Musik ohnehin in Zwischenwelten existiert. Psychedelic Doom? Stoner Metal? Post Metal? Shoegaze? Ambient? Ganz egal, welche Schublade man bemüht – REZN sprengen sie vermutlich bereits mit dem ersten Riff wieder auseinander.
Dabei erinnern mich die Chicagoer weniger musikalisch als vielmehr in ihrer Herangehensweise an Deafheaven. Nicht, weil beide Bands denselben Sound spielen würden, sondern weil beide extreme Härte mit ätherischer Schönheit verbinden. Gewaltige Riffs treffen auf himmlische Melodien, massive Klangwände verschmelzen mit schwebenden Atmosphären.
Nach den beiden Gegenpolen "Solace" und "Burden" wirkt "Cycles In The Infinite Dream" wie die logische Zusammenführung dieser Extreme. Wo "Solace" in kosmische Weiten entführte und "Burden" in düstere Tiefen hinabstieg, verbindet das neue Album Schwere und Schwerelosigkeit zu einem hypnotischen Ganzen.
Thematisch bewegen sich REZN zwischen Wachzustand und Traum, zwischen Realität und Unterbewusstsein. Und genau so klingt das Album: halluzinatorisch, tranceartig und leicht entrückt. Die Musik zieht den Hörer langsam hinein, bis man irgendwann nicht mehr sicher ist, ob man gerade zuhört oder bereits Teil dieses Traums geworden ist.
Besonders "Cloudfall" zeigt die ganze Bandbreite von REZN. Doom, Heavy Psych, Shoegaze, Post Metal und Ambient verschmelzen hier zu einem einzigen Song. Was bei anderen Bands wie ein überladenes Genre-Bingo wirken könnte, ergibt bei REZN einen völlig natürlichen Fluss.
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Einen großen Anteil daran haben die besonderen Klangfarben von Saxophon, Lap-Steel-Gitarre und Synthesizern. Sie verleihen dem Album Tiefe und Weite und verhindern, dass die massiven Gitarrenwände zu bloßer Schwere verkommen. Stattdessen entsteht ein Klangkosmos zwischen Kathedrale, Raumschiff und Fiebertraum.
Auch Rob McWilliams' Gesang trägt entscheidend zur Wirkung bei. Seine verhallte, verletzliche Stimme schwebt durch die monumentalen Arrangements und funktioniert weniger als klassischer Frontmann-Fokus, sondern vielmehr als zusätzliches Instrument und Wegweiser durch diese fremde Klanglandschaft.
"Cycles In The Infinite Dream" ist damit weit mehr als ein weiteres Doom- oder Stoner-Album mit psychedelischem Anstrich. REZN erschaffen einen Zustand: zwischen Dunkelheit und Schönheit, Schwerkraft und Schwerelosigkeit.
Vielleicht braucht es tatsächlich eine neue Genrebezeichnung. Doomgaze? Dream Doom? REZN-Musik? Am Ende ist das egal. Denn diese Band funktioniert nicht über Schubladen, sondern über Atmosphäre. Und diese Atmosphäre ist schlicht betörend.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Rob McWilliams - guitars and vocals
• Phil Cangelosi - bass and rainstick
• Patrick Dunn - drums
• Spencer Ouellette - synths, lapsteel, sax, flute, and keys
Gastmusiker:
• Natalie Frakes - violin on 'Devotion' & 'Terra Preta'
• Ómkara Gil - cello on 'Devotion' & 'Terra Preta'
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Cargo zur Verfügung gestellt.

