
Hunnu Rock • Folk Metal • Alternative Metal • Mongolischer Folk Rock
(50:30; Vinyl, CD, Digital; Better Noise Music; 24.07.2026)
Der Death Metal hat sich jahrzehntelang damit geschmückt, mit seinen Growls die tiefsten Abgründe menschlicher Lautäußerung ausgelotet zu haben. Dabei saß der eigentliche Urgroßvater dieser gutturalen Gesangskunst womöglich längst auf der mongolischen Steppe. Der Kehlkopfgesang, diese faszinierende Mischung aus Ober- und Untertönen, klingt tatsächlich wie ein archaischer Vorfahre dessen, was später durch den Metal gegrunzt, gegurgelt und aus den Boxen geschleudert wurde. Dass diese uralte Gesangstechnik inzwischen auch die härteren Gefilde der westlichen Musik erreicht hat, ist nicht zuletzt The Hu zu verdanken.
Die mongolische Band hat mit ihrer Mischung aus traditionellen Instrumenten, Kehlkopfgesang und modernen Metal-Riffs einen Nerv getroffen. Pferdekopfgeige trifft auf Gitarrenbrett, Nomadenkultur auf Festivalbühne – eine Kombination, die so ungewöhnlich ist, dass man sich eigentlich wundern muss, warum nicht schon früher jemand auf diese Idee gekommen ist. Nach den internationalen Erfolgen von "The Gereg" und "Rumble Of Thunder" ist es also durchaus an der Zeit, sich einmal ausführlicher mit einem Album der Hunnu-Rock-Pioniere zu beschäftigen. Und "Hun" kommt da durchaus passend um die Ecke.
Dabei handelt es sich zum Glück nicht um die englische Kurzform von "honey", also das musikalische Äquivalent einer klebrigen Schmusedecke für verliebte Kuschelbären. "Hun" bedeutet im Mongolischen schlicht "Mensch". Was auch deutlich besser zu einer Band passt, die ihre Musik mit Kriegergeist, Ahnenbezug und der rauen Energie der Steppe auflädt.
Und tatsächlich funktioniert die Grundidee von The Hu weiterhin hervorragend. Sobald die traditionellen Instrumente erklingen und sich die markanten Kehlkopfgesänge über die schweren Rhythmen legen, entsteht diese ganz eigene Atmosphäre, die zwischen Lagerfeuer, Schlachtfeld und Metal-Festival pendelt. Songs wie 'Warrior Chant' oder 'The Men' bedienen genau diese Stärke: epische Hymnen, die vermutlich spätestens beim nächsten Festivalauftritt mehrere tausend Menschen gleichzeitig zum Mitstampfen bringen werden.
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Für die großen Bühnen dieser Welt ist das Konzept nahezu perfekt. The Hu verstehen es, eine klare musikalische Identität zu schaffen, die auch ohne Übersetzung funktioniert. Die mongolische Sprache wird dabei nicht zur Barriere, sondern zum zusätzlichen Ausdrucksmittel. Gerade darin liegt eine der größten Stärken der Band: Sie müssen ihre Herkunft nicht künstlich erklären, sie lassen sie einfach erklingen.
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Allerdings zeigt "Hun" auch die Grenzen dieses Konzepts. Denn so faszinierend die Verbindung aus Tradition und Metal zunächst wirkt, so wenig reicht sie über die komplette Albumdistanz. Die Überraschung nutzt sich irgendwann ab, und gerade die Metal-Seite bleibt häufig zu generisch. Die Riffs erfüllen ihren Zweck, bleiben aber oft hinter dem zurück, was die außergewöhnliche Klangwelt eigentlich erwarten lässt. Was als Konzept einzigartig ist, entwickelt sich musikalisch nicht immer zu ebenso spannenden Songs.
Auch die Versuche, den Sound zu erweitern, funktionieren nicht immer optimal. 'Lost Soul' mit Jonny Hawkins von Nothing More ist sicherlich eine spannende Idee, verliert aber genau das, was The Hu eigentlich besonders macht. Statt wie ein The-Hu-Song mit Gastauftritt zu wirken, klingt der Track eher wie eine Nothing-More-Nummer, in der die Mongolen als exotische Verstärkung vorbeischauen dürfen.
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Auch elektronische Elemente tauchen auf "Hun" auf, wirken aber teilweise eher wie Fremdkörper als wie eine natürliche Erweiterung der eigenen Klangwelt.
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Dabei fehlt es The Hu keineswegs an Experimentierfreude. Das Problem liegt eher darin, dass ihre eigentliche Stärke bereits gefunden wurde. Die organische Verbindung aus mongolischer Tradition und Metal wirkt überzeugender als jede zusätzliche Modernisierung. Denn genau dort entsteht die Magie: nicht im Versuch, noch internationaler oder zeitgemäßer zu klingen, sondern in der Tatsache, dass eine jahrhundertealte Kultur plötzlich mit Gitarrenverstärkern kommuniziert.
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"Hun" ist deshalb ein Album mit zwei Gesichtern. Für die Stadien und Festivalbühnen dieser Welt ist diese Mischung aus Pathos, Tradition und metallischer Wucht wie gemacht. Als musikalisches Gesamtwerk fehlt dem Album jedoch die Abwechslung und Tiefe, um über den besonderen Klangkosmos hinaus dauerhaft zu fesseln.
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The Hu bleiben eine außergewöhnliche Band mit einer außergewöhnlichen Idee. "Hun" zeigt aber auch, dass ein faszinierendes Konzept allein noch kein herausragendes Album garantiert. Die Steppe ist weit, die Landschaft beeindruckend – doch musikalisch führt nicht jeder Weg in bislang unerforschte Gebiete.
Wertung: 10/15 Punkte
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Besetzung:
• Galaa (Galbadrakh Tsendbaatar) - Gesang, Morin Khuur, Kehlkopfgesang
• Enkush (Baatar Enkhsaikhan) - Gesang, Morin Khuur, Kehlkopfgesang
• Jaya (Nyamjantsan Galbadrakh) - Gesang, Tumur Khuur, Tsuur, Flöte, Kehlkopfgesang
• Temka (Temuulen Nyamjants) - Gesang, Tovshuur, Kehlkopfgesang
• Jambaa (Jambaldorj Ayush) - Lead-Gitarre
• Davaa (Nyamdavaa Byambajav) - Bass
• Odko (Odbayar Guntumur) - Schlagzeug
• Unu (Unumunkh Munkhbayar) - Percussion
Gastmusiker:
• Jonny Hawkins - Gesang ('Lost Soul')
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Head Of PR zur Verfügung gestellt.

