
Progressive Metal
(26:20; Vinyl, CD, Digital; InsideOut Music/Sony Music; 17.07.2026/18.09.2026)
Als Haken im vergangenen Jahr "Liveforms: An Evening With Haken" beziehungsweise "Liveforms: Fauna Live In London" veröffentlichten, konnte wohl kaum jemand ahnen, dass damit eine Ära der Bandgeschichte enden würde. Heute weiß man es besser: Es war die letzte Veröffentlichung mit Charlie Griffiths und Conner Green.
Als die beiden Musiker die Band verließen, bezeichneten die verbliebenen Mitglieder ihre ehemaligen Mitstreiter als unersetzbar. Umso spannender ist also die erste Veröffentlichung nach diesem Einschnitt. Denn plötzlich besteht Haken auf der Gitarrenposition nur noch aus Richard Henshall, während am Bass verschiedene Gastmusiker aushelfen mussten.
Ob die veränderte musikalische Ausrichtung von "In A Fever Dream" eine Folge dieser personellen Veränderung ist oder ob diese Entwicklung letztendlich sogar ein Grund für das Ausscheiden von Griffiths und Green war, bleibt Spekulation. Wahrscheinlich bedingten sich beide Faktoren gegenseitig.
Fest steht jedoch: Ein neuer Haken ist es nicht. Aber immerhin noch derselbe Haken.
Denn "In A Fever Dream" zeigt eine Band, die ihre eigene Klangwelt etwas entschlackt hat. Weniger vertrackt, weniger verspielt und weniger komplex als frühere Werke, wirkt die EP deutlich zugänglicher und konzentriert sich stärker auf Songs statt auf instrumentale Selbstverwirklichung.
Das Fehlen von Charlie Griffiths und Conner Green ist dabei unüberhörbar. Die charakteristischen Shred-Passagen und Gitarrensoli sind nahezu verschwunden, während der Bass deutlich weniger prägnant als früher ausfällt. Statt den Songs seinen Stempel aufzudrücken, dient er nun vor allem dem Gesamtbild. Richard Henshall übernimmt derweil eher die Rolle des Rhythmusgitarristen und setzt dabei häufig auf djentige Riffs.
Das eigentliche Rückgrat des Sounds bleibt Ray Hearne. Sein kraftvolles und energetisches Schlagzeugspiel sorgt dafür, dass die EP trotz der reduzierten Ausrichtung ihre progressive DNA nicht verliert. Auch Peter Jones agiert zurückhaltender als auf "Fauna". Seine Keyboards dienen vor allem dem Sounddesign und weniger der solistischen Entfaltung.
Eine Überraschung liefert Ross Jennings, der erstmals seit dem Debütalbum wieder Growls einsetzt. Diese bleiben zwar die Ausnahme, zeigen aber eine neue Facette seines Gesangs. Ansonsten klingt seine Stimme deutlich geradliniger als noch auf "Fauna", überzeugt aber weiterhin durch seine enorme Qualität.
Der Titeltrack 'In A Fever Dream' entwickelt sich bereits nach wenigen Durchläufen zum Ohrwurm. Nicht nur wegen des eingängigen Refrains, sondern auch, weil Haken trotz aller Progressivität den Song nicht in technischen Spielereien verlieren lassen. Polyrhythmische Schlagzeugfiguren, die typische Dynamik von Henshall und überraschende Growls machen aus den über sieben Minuten tatsächlich einen musikalischen Fiebertraum.
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'Delirium' schlägt anschließend modernere Töne an. Die Produktion ist kraftvoll, für meinen Geschmack allerdings etwas zu stark komprimiert. Musikalisch betritt Haken neues Terrain, wobei stellenweise Metalcore-Anleihen durchscheinen. Das riffbetonte Stück funktioniert besonders im Refrain, in dem Jennings wieder genau so klingt, wie man ihn hören möchte.
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'Eclipsed By You' zeigt eine andere Seite der EP. Der abgehackte Gesangsstil und der eher gehauchte als gesungene Chorus erzeugen eine atmosphärische Spannung. Dazu kommt eine fast mechanisch wirkende Rhythmik, die einen interessanten Kontrast bildet. Ein Stück, das mit zunehmender Dauer immer mehr Fahrt aufnimmt.
'Bleeding Sky' beginnt erneut mit spannenden Soundexperimenten und entwickelt eine beinahe unheimliche Atmosphäre. Der Song benötigt etwas länger, um sich festzusetzen, besitzt aber durchaus Grower-Potenzial. Besonders der Chorus leidet allerdings erneut unter der starken Kompression. Stellenweise erinnert die Stimmung sogar an Porcupine Trees 'Lazarus'.
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Den Abschluss bildet 'Lotus', das wohl proggigste Stück der EP. Es greift die musikalische Linie des Openers wieder auf und sorgt dadurch für einen runden Abschluss. Erneut gibt es Growls, während sanfte Passagen im Mittelteil einen gelungenen Kontrast zu den teilweise enorm schweren Momenten bilden. Gleichzeitig groovt der Song überraschend stark.
"In A Fever Dream" ist somit kein Neustart für Haken. Dafür fehlen die individuellen Beiträge von Charlie Griffiths und Conner Green zu deutlich. Die Band hat allerdings einen Weg gefunden, auch mit veränderter Besetzung ihre Identität zu bewahren. Weniger verspielt, aber weiterhin progressiv, präsentiert sich eine Band, die ihre Komfortzone nicht verlässt, diese aber neu ausleuchtet.
Der Haken sitzt also nicht mehr ganz an derselben Stelle. Aber er hält noch.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Besetzung:
Raymond Hearne - Drums & Backing Vocals
Richard Henshall - Guitars, Keyboards & Backing Vocals
Ross Jennings - Lead Vocals
Peter Jones - Keyboards & Backing Vocals
Gastmusiker:
Bryan Beller
Adam „Nolly“ Getgood
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

