Mystic Vintage Rock • Psychedelic Pop
(54:55; Digital; Eigenveröffentlichung; 23.05.2026)
Mit "ORO" wird sich der Freund mystischer Rock-Klänge zwischen Retro, Space, Psych- und dunklem Post-Punk-Einfluss eine feine Stunde Musik ins Haus holen.
Die Schweden haben aus meiner Perspektive einen sehr eigenen Stilmix, holen in instrumentalen kosmischen Parts richtig weit und atmosphärisch aus und kommen wahlweise mit schmissig-rockigen Parts sowie Vocals in der Landessprache ordentlich auf den Punkt.
Irgendwo zwischen Witchcraft, Gin Lady, The Tea Party, The Amazing, Demon Head und Graveyard rangiert der permanent die Dynamik auslotende Sound.
Auch wenn ich grundsätzlich ein Freund der psychedelisch-instrumentalen Schiene bin, muss ich beim schwedischen Gesang oft denken: Warum nicht mehr davon? Mal fast chorartig, dann melancholisch nah an meinen Lieblingen von The Amazing, haben Khadavra ein gutes Händchen für Dynamik, Arrangements und Dramatik. Songlängen von bis zu elf Minuten geben der Experimentierfreude jeden Raum fürs Geschichtenerzählen.
'Psykpsalm' rockt mit poppigen Synths, kosmischen Effekten und einfach stimmigen, modernen Psych-Pop-Vocals. Das fasst mich ordentlich an, geht runter wie Öl und wird hier und da zum Selbstläufer für Freunde der Materie. Kurze cineastische Instrumentals wie 'Kniven' nutzen tolle Effekte wie Orgel, haben etwas Düsteres und eine sehr heimelige Atmosphäre. Spannend, dass die übliche Stoner-Seite hier nicht zum Tragen kommt. Stattdessen ziehen vorsichtig schwebender Shoegaze, Neo-Psych und Alternative-Sounds dem Vintage Rock ein doch sehr individuelles Kleid an.
Musikalisch sitzt das alles, treibt ständig zwischen kosmisch-fernöstlichem Jam ('Vita Älgen'), fast poppiger Eingängigkeit und kraftvollem Rock. Der kosmisch-abgefahrene Vibe wird mit allerhand strangen Effekten gerne mal auf die Spitze getrieben. Spannend wäre zu sehen, wo die jungen Schweden mit einem komprimierteren Ansatz in Sachen Melodie und Songstrukturen stehen würden, weil irgendwie alles da ist.
Die letzten beiden Stücke sind dann nochmal richtig starke Abfahrten – kosmisch tief im Space Rock verhaftet. Die frühen Seventies im Prog tauchen ebenfalls auf – wirre Bläser und sanfte schwedische Vocals gibt es obendrauf … großartig!
Ich für meinen Teil höre diese gut produzierte, angenehm organisch klingende Platte sehr gerne und spreche mein Kompliment für einen doch sehr eigenwilligen, mystischen Ansatz aus. Viele ausufernde instrumentale Parts, gar unterhaltsame Jams in Relation zum eher melodiösen, sanften Gesang – aber aufs Ganze geschaut passen die einzelnen Puzzleteile hervorragend gut zueinander.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Abbildungen: Kadavra/Bandcamp


