
Stoner Doom • Heavy Rock • Psychedelic Grunge
(40:24; Vinyl, CD, Digital; Argonauta Records; 18.09.2026)
"Red River Black Roots" in der Doppelbetreuung
Teil 1: Raphael Lukas Genovese
Fast sechs ganze Jahre sind vergangen, seit Paranoid Reverb aus der griechischen Hafenstadt Thessaloniki ihr erstes Album "Billion Drops" bei Made Of Stone Recordings veröffentlicht haben. Und nun wird sich anno 2026 zeigen, ob sich das Warten gelohnt hat. Das Nachfolgewerk erscheint beim Argonauta-Ableger Octopus Rising und beinhaltet sieben Lieder, von denen das kürzeste etwa viereinhalb Minuten lang ist und das längste die Grenze von sieben Minuten überschreitet. Das Quintett aus Zentralmakedonien entführt die Hörenden auf "Red River Black Roots" in eine dunkle und mystische Welt. Die Thematik ist inspiriert von der griechischen Mythologie und führt durch eine zyklische Apokalypse.
Den Einstieg in "Red River Black Roots" gestalten Paranoid Reverb mit dem Stück 'Acantha'. Es handelt sich um eine der weniger bekannten Figuren aus der griechischen Mythologie. Ἀκάνθα war der Sage nach eine Nymphe, an welcher Apollon (Ἀπόλλων) seinen Gefallen gefunden hatte. Die Nymphe aber wies die fortwährenden Annäherungen seitens des Gottes des Lichts zurück. Zornig verwandelte er sie in eine Pflanze mit dornigen Blättern: den Akanthusstrauch.
Ab hier geht die Reise in Richtung Dunkelheit und Verfall erst richtig los. Paranoid Reverb nehmen das Thema Transformation auf und strukturieren ihr zweites Album anhand seiner zwei Hauptthemen: "Red River" und "Black Roots". Der Fluss steht für den unaufhaltsamen und fortschreitenden Weg der Welt in Richtung Untergang. Doch wie es häufig in der Eschatologie dargestellt wird, ist das Ende nicht das Ende. Hier kommen die "Black Roots" ins Spiel; hinter dem Niedergang verbirgt sich nämlich ein neuer Ursprung. Die zyklische Apokalypse beginnt, und sie schafft neues Leben, neue Hoffnung, einen neuen Start.
Apokalyptische Literatur hat seit Beginn der Zeit die Menschen und ihre Kunst fasziniert. Heißt, das Thema von "Red River Black Roots" ist nun nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades. Es ist die Umsetzung, auf die es ankommt. Und hier haben Paranoid Reverb wirklich gute Leistungen an den Tag gelegt. Nicht nur im Vergleich zu ihrem Debütalbum "Billion Drops", sondern auch im Vergleich zu vielen Veröffentlichungen aus dem gleichen Feld ist "Red River Black Roots" von einer erdrückenden Schwere und Dunkelheit geprägt. Auffallend sind vor allem die Bassläufe, die wie kleine Strudel zwischen den schwergewichtigen Rhythmen und den mächtigen Gitarrenriffs zirkulieren. In höherer Oktavlage sorgen verspielte Gitarrenleads für zusätzliches Gewitter inmitten der apokalyptischen Stimmung. So ist "Red River Black Roots" trotz aller genretypischen Motive ein sehr erfrischend klingendes Album mit einer klaren und der Thematik angepassten Struktur.
Bewertung: 11/15 Punkten
Teil 2: Rajko Baers
Mit Manos Gotsis haben die Griechen einen neuen Sänger im Schlepptau, und die Energie ist durchgehend kompakt, schwer und groovy auf "Red River Black Roots". Ich fühle mich oft an den Soundtrack und den emotionalen Habitus von Sons of Anarchy erinnert.
Mit einer breit aufgestellten Produktion fahren die meist schleppend-rockigen Songs gut rein, werden für Freunde von leidenschaftlichem Stoner Rock/Grunge keine Enttäuschung sein. Ich ertappe mich regelmäßig beim Kopfnicken, und Songs wie der schwebende Fuzz-Opener 'Acantha', das bluesgetränkte 'Red River' und vor allem die epische Halb-Ballade 'Come Undone' fahren einfach gut rein.
Originell ist hier nichts, aber die Zutaten passen und der schwere, intensive Heavy-Rock geht gut in die Beine. Man bewegt sich tempomäßig in eng gesteckten Abläufen, wird selten hastig, was der eher massiven Gangart aber eine angenehme Verdichtung verpasst. Gelegentlicher weiblicher Background-Gesang und schön schwelend driftende Psychedelia lassen die Griechen gelegentlich mit ordentlich Fuzz und ausladend schwingenden Arrangements in die Fülle kommen.
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Inhaltlich dreht man sich um die üblichen Themenkreise: Chaos, Rückzug, Zusammenbrüche und die Versuche, wiederaufzuerstehen. Die teils melancholische, hier und da psychedelisch entrückte Musik wirkt auf mich trotzdem positiv, kraftvoll und energetisch, erzeugt eher eine kämpferische/aufrechte Haltung. Wirklich Neues wird man hier nicht finden, aber diese griechische Hausmannskost ist über die gesamte Album-Länge gut verdaulich. Stereotypen muss man eben dazu mit einplanen.Bewertung: 10/15 Punkten
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Abbildungen und Pressematerial: Grand Sounds PR


