Jazz • Jazzrock • Avantgarde
(64:35; CD, Vinyl, digital; MoonJune Records; 23.02.2026)
Mit dem Namen Soft Machine verbindet man recht viele bekannte Namen. Robert Wyatt, Kevin Ayers, Mike Ratledge, Elton Dean, Hugh Hopper, Keith Tippett, Allan Holdsworth und sogar Gongs David Allen, der zu den Mitgründern von Soft Machine gehörte, aber aussteigen musste, als er in Frankreich lebend kein Visum für die in Großbritannien tätige Band bekam. Stattdessen gründete er dann Gong – andere Geschichte.
In den 70ern ausgesprochen aktiv mit zahlreichen Studio- und auch Live-Aufnahmen gab es in den 80ern kaum Veröffentlichungen, nach dem sehr bescheidenen Erfolg des 81er Albums "Land Of Cocayne" (mit Jack Bruce am Bass) legte man die Band erst mal ad acta. Ende der 90er startete man erneut, erst unter dem Namen Soft Ware, dann als Soft Machine Legacy. Das "Legacy" wurde schließlich 2016 gestrichen und man trat wieder als Soft Machine auf. Von den Gründungsmitgliedern sind – wenig überraschend - keinerlei Musiker mehr dabei. Auf die längste Zeit bei Soft Machine kann in der aktuellen Besetzung Gitarrist John Etheridge zurückblicken, er war schon zwischen 1975 und 1978 dabei, und dann seit der angesprochenen Wiedergründung. Und auch Theo Travis, in der Prog-Szene kein Unbekannter durch sein Mitwirken unter anderem bei Steven Wilson und Tangent, ist ständiges Mitglied der neu formierten Variante. Die jüngsten Neuzugänge sind Bassist Fred T. Baker (2022) und der israelische Drummer Asaf Sirkis (2023), häufiger Gast auf MoonJune Records Veröffentlichungen.
Der Schreiberling kann keine besonderen Kenntnisse in Sachen Soft Machine vorweisen, im Gegenteil, das vorliegende Album ist die erste intensivere Beschäftigung mit dieser Band. Reichlich spät also. Das Quartett bietet genau 13 (natürlich) Songs an, allesamt rein instrumental gehalten. Soft Machine wird gerne auch mit der Canterbury Musikrichtung in Verbindung gebracht, hier geht es aber fast ausschließlich um Jazz bzw. Jazzrock. Im zweiten Track ('Open Road') bringt Theo Travis einige bemerkenswerte Tastenarrangements ein, unter anderem auch feine Mellotronparts.
Besonders stark wird das Album, wenn Travis bezaubernde Flötentöne produziert, so zum Beispiel im wunderschönen 'Waltz For Robert', auf dem auch ein prägnanter Bass zu hören ist. Highlight des Albums ist das 13(natürlich)-minütige 'The Longest Night', gleichzeitig auch the longest track. Da streift man auch schon mal den Progressive Rock Bereich, an einer Stelle wird gar kurz mal Yes mehr oder weniger zitiert. Und auch auf dem anschließenden Track 'Disappear' ist wieder einmal die Flöte gewinnbringend eingesetzt.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige sehr jazzige, bisweilen fast avantgardistische Tracks, meist auch mit wildem Saxophonspiel versehen. Als besondere Verneigung gibt es zum Abschluss noch auf 'Daevid's Special Cuppa' eine eingebaute Gitarrenpassage, die Archivaufnahmen des Künstlers entnommen wurden. Leicht erkennbar übrigens, da es hier um eine typische Glissando Gitarre geht.
Starkes Album, Freunde des Jazz dürften Gefallen daran finden.
Bewertung: 10/15 Punkten
Tracklist:
- Lemon Poem Song (03:23)
- Open Road (07:31)
- Seven Hours (05:13)
- Waltz For Robert (04:21)
- The Longest Night (13:04)
- Disappear (03:57)
- Green Books (05:35)
- Beledo Balado (04:34)
- Pens To The Foal Mode (02:43)
- Time Station (02:48)
- Which Bridge Did You Cross? (02:59)
- Turmoil (05:06)
- Daevid’s Special Cuppa (03:15)
Besetzung:
• John Etheridge - electric guitars
• Theo Travis - tenor and soprano saxes / flutes / duduk / Fender Rhodes electric piano / mellotron / piano / electronics
• Asaf Sirkis - drums / percussion / piano
• Fred Thelonius Baker - fretless bass
Gäste:
• Daevid Allen - glissando guitar (13)
• Pete Whittaker - organ (2, 5) / electric piano (2)
• Nick Utteridge - gong (5)
Surftipps:
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Abbildungen: Soft Machine


