Neoprog • Melodic Rock • Symphonic Rock
(64:51; CD, digital; Shaded Moon Entertainment/Just for Kicks; 29.05.2026)
Die Band Different Light wurde 1994 auf Malta gegründet, wer also seine Sammlung nach Ländern sortiert, darf dann auch tatsächlich eine Prog-CD aus Malta einordnen, wobei Malta wohl eher wenig Platz in Anspruch nehmen wird. 1996 veröffentlichte die Band mit "All About Love" ihr Debütwerk und tourte danach ausgiebig, unter anderem war man Support Act von Fish. 1999 löste man sich jedoch auf – das Kapitel war (vorerst) beendet.
Keyboarder und Sänger Trevor Tabone entschied sich nach Jahren, sich in Tschechien niederzulassen und gründete dort eine Band – mit Namen Different Light. Komplett umbesetzt und lediglich mit ihm als einzigen Übriggebliebenen der 90er Variante. Obiger Fan steht jetzt vor der Frage, wo ordnet man denn die neuen Alben ein? Zieht "All About Love" mit nach Tschechien? Naja, das lässt sich lösen…
Die tschechische Version von Different Light jedenfalls veröffentlichte im Laufe der Zeit einige Vollzeit-Studioalben, nämlich "Icons That Weep" (2009) als (erneutes) Debüt, "The Burden Of Paradise" (2016) und schließlich "Binary Suns (Part 1 – Operant Condition)" in 2020. Das schreit natürlich nach einer Fortsetzung, und die liegt nun Mitte 2026 vor. Der zweite Teil hat den Untertitel "Alternate Reality".
Es hatte auch bei der neu aufgelegten Different Light im Laufe der Zeit Umbesetzungen gegeben, doch jetzt scheint man ein stabiles Line-Up gefunden zu haben, denn die Besetzung ist identisch mit der von Teil 1. Und die musikalische Ausrichtung ebenso. Geboten wird melodischer Neoprog ohne Ecken und Kanten, und im Wesentlichen auch ohne Härte, was dann doch irgendwie ein bisschen fehlt.
Auf 'Constant Silver Lining – III. Apophenia' oder auch 'The Stalker Talks – III. Binary Child' zeigen sie beispielsweise, dass sie auch anders können, aber das bleibt dann doch eher die Ausnahme. Sämtliche Songs und Texte stammen wieder aus der Feder von Gründungsmitglied Tabone, wobei einige Songs in mehrere Abschnitte unterteilt sind, sodass am Ende zwanzig Songs angezeigt werden. Mal liegt der Fokus auf der Tastenarbeit, dann wieder bringt sich Petr Lux ins Spiel – das ist alles sehr ausgewogen und es wimmelt nur so vor Melodien, die leicht ins Ohr gehen. Der Gesang wird weder auf Malti (Maltesisch), noch auf Tschechisch vorgetragen, sondern auf Englisch, sodass man sich auch gut vorstellen kann, gerade einer typisch britischen Neoprog Band zu lauschen. Die eher unbekannten Castanarc könnten da zum Beispiel in den Sinn kommen. 'The Stalker Talks – II. A State Of Disarray' erinnert in der Melodieführung ein bisschen an die schwedischen Moon Safari. Stark auch 'The Syncretist – II. Pillage Of Souls' mit feinem Gitarrenspiel oder mit 'The Stalker Talks – I. Happiness (Part 2)' eine weitere typische Neoprog Nummer. Auf 'Constant Silver Lining – IV. An Endful Winter' ist ein schönes Arrangement mit Cello enthalten (wobei ein Cello in der Auflistung unten gar nicht auftaucht).
Ein schönes Album für den Fan des melodischen Neoprog, doch das Gefühl bleibt, dass hier noch mehr drin war, wenn sie sich dazu durchgerungen hätten, gelegentlich noch etwas mehr Schwung und vielleicht sogar auch etwas Außergewöhnliches mal einzustreuen, das den sich durchs Album ziehenden Wohlfühlfaktor durchbrechen würde.
Empfehlung für den Freund des melodischen Neoprog.
Bewertung: 10/15 Punkten
Tracklist:
- Mindspeaker – I. Parallel Fantasy (05:09)
- Mindspeaker – II. Mrs. Winslow’s Soothing Syrup (02:12)
- Mindspeaker – III. The Escape Room (02:10)
- Mindspeaker – IV. Mythopoeia (02:01)
- Mindspeaker – V. An Unenviable Fate (01:34)
- Mindspeaker – VI. Singularity (03:07)
- Mindspeaker – VII. Labour Of Love (04:28)
- The Syncretist – I. Sober Dancing (02:53)
- The Syncretist – II. Pillage Of Souls (04:36)
- The Syncretist – III. Full Circle (02:10)
- The Syncretist – IV. Now Just Keep Well (02:51)
- A Fool’s Errand (07:12)
- Constant Silver Lining – I. Living The Dream (03:33)
- Constant Silver Lining – II. Our Destination (01:42)
- Constant Silver Lining – III. Apophenia (01:19)
- Constant Silver Lining – IV. An Endful Winter (04:19)
- The Stalker Talks – I. Happiness (Part 2) (01:15)
- The Stalker Talks – II. A State Of Disarray (05:12)
- The Stalker Talks – III. Binary Child (03:43)
- Last Call (03:13)
Besetzung:
Trevor Tabone - keyboards / vocals
Petr Lux - guitars / backing vocals / fretless bass solo / additional keyboards
Jirka Matoušek - bass guitar
David Filák - drums
Lucy Lux - additional backing vocals
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Abbildungen: Different Light

