Progressive Rock • Klassik • Symphonic Prog • Italo Prog
(36:32; CD, Digital; Inner Garden Records; 20.03.2026)
Ligurien gehört sicherlich mit zu den attraktivsten Urlaubsregionen in Italien – neben schöner Landschaft, viel Sonne und Meer bietet dieser Landstrich weitaus mehr, als nur das. Sanremo, u.a. bekannt und berühmt durch das Festival della Canzone Italiana, zeigt das auch die Kultur ein wesentlicher Bestandteil des dortigen Lebens ist. Keine Überraschung also, dass genau dieser Ort die Geburtstätte einer der wohl renommiertesten italienischen Progressive-Rock-Bands ist. Es müssen ja nicht immer nur die ganz großen Namen wie Banco del Mutuo Soccorso, Premiata Forneria Marconi (PFM), Le Orme, Osanna, La Locanda delle Fate, Museo Rosenbach, Finisterre und New Trolls, um nur einige wenige zu nennen, im Blickfeld stehen. Nebenher gibt es ja auch Bands der jüngsten Vergangenheit wie z.B. Barock Project oder RanestRane, die ebenso die italienische Fahne des symphonischen Italo Progs hochhalten. Bei den zahlreichen Nennungen darf eine im Jahr 1972 in Sanremo gegründete Formation namens Celeste keinesfalls unterschlagen werden. Das Multiinstrumentalist, Komponist, Produzent und Celeste Gründungsmitglied Ciro Perrino sowie Multiinstrumentalist Leonardo Lagorio zuvor bei den italienischen Traditions-Proggern Il Sistema involviert waren, sollte sich nicht als Nachteil erweisen. Anstatt auf übermäßige Virtuosität oder komplexe und vertrackte Kompositionen zu setzen, vertraute das Quartett auf die eigenen Stärken. Diese waren (sind) besonders ausgewogene und schöne Melodielinien in Verbindung mit gelegentlich leicht dramatischen Passagen. Vor allem PFM Fans dürften da ihre helle Freude haben.
Vier Jahre nach Gründung der Band kam es endlich zur Veröffentlichung ihres Debüts, welches erstmals unter gleichem Namen erschien. Vielleicht etwas spät, um gebührend beachtet zu werden, denn die Blütezeit des italienischen Progressive Rocks neigte sich so langsam dem Ende entgegen. Für diese Stilrichtung galt diese Entwicklung allerdings leider nicht nur für Italien.
Jahre später, als wiederholte Neuauflage, wurde aus dem Albumtitel "Celeste" dann "Principe di un Giorno". Seit der Erstveröffentlichung sind zwischenzeitlich ein halbes Jahrhundert ins Land gegangen. Grund genug für Ciro Perrino dieses Jubiläum entsprechend zu würdigen. So wurde beschlossen, dieses Projekt neu zu beleben und zwar so wie es damals angedacht und vorgestellt werden sollte. Ursprünglich war geplant, mit englischem Text und weiblichem Gesang das Projekt umzusetzen. Ohne die Aussage und den Inhalt dabei zu verfälschen, wurden die italienischen Texte eins zu eins adaptiert. Bedauerlicherweise hatte sich zum damaligen Zeitpunkt eine Umsetzung mit einer Sängerin nicht ergeben und Ciro Perrino übernahm notgedrungen in seiner Landessprache den Gesangspart. Die anfängliche Idee hatte Perrino nie vollständig aus den Augen verloren. Die erste sich im Rahmen des Jubiläums anbietende Möglichkeit nutzte Perrino, um seine Herzensangelegenheit zwar spät, aber doch noch umzusetzen. Dabei kam ihm zu Hilfe, dass sich die Chance ergab mit einer außergewöhnlichen Künstlerin das Projekt erneut anzugehen. Siobhán Owen, walisisch-australische Harfinistin und Sängerin, stellte sich als ideale Besetzung für die Neuauflage des 1976iger Albums heraus. Ihre Stimme wurde dem ursprünglichen Projekt hinzugefügt, während gleichzeitig Ciro Perrinos Gesang ausgeblendet wurde. Die Neuinterpretation des Albums trägt nun den englischem Titel "Prince Of One Day" und mit englischen Lyrics erstrahlt das Album in neuem Glanz. Das überarbeitete Mastering verleiht dem Album zusätzlich neues Leben. Celeste brilliert mit ruhigem, fast pastoralem Symphonic Prog, klassischen Elementen, ergänzt durch zahlreiche akustische Momente. Dazwischen eingebettet, gibt der mit leicht keltisch, folkigem Touch versehene Gesang von Siobhán Owens dem Album eine ganz besondere Note. Erwähnswert sind gleichfalls – neben den teils spacigen Keyboard-Einsätzen – die Verwendung des allseits beliebten Mellotrons. Auch wenn nur wenigen Insidern die kanadische Formation Harmonium ein Begriff sein mag und der Vergleich dazu ein wenig hinkt, erinnert den Rezensenten das Album zumindest in Ansätzen an deren Einspielungen. Gefühlvoll, emotionsgeladen und dazu eingängig, so ist "Prince Of One Day" nach 50 Jahren des Dornröschenschlafs endlich neu erwacht.
Zu Ciro Perrino sei abschließend noch erwähnt, dass er die Zeit zwischen den 70iger Jahren und der Gegenwart stets aktiv ausgefüllt hat. Progressive Rock, seine Projekte Celeste und St.Tropez waren und sind nicht sein einziges Betätigungsfeld. Für zahlreiche New Age und Electronic Veröffentlichungen ist er ebenfalls verantwortlich. Dass das Musikbusiness in der Familie Perrino ein gewichtige Rolle spielt, bestätigt auch die Tatsache, das Ciros Sohn als hoffnungsvoller Pianist vielleicht zukünftig in die Fussstapfen seines Vaters tritt. Zumindest stammen schon einmal die Ideen zu den Covern der letzten beiden Celeste Alben vom Junior.
"Prince Of One Day" ist aktuell digital über Bandcamp erhältlich, wer alternativ die physische Variante bevorzugt, kann diese auch beim italienischen MaRaCash Records Store beziehen, er wird es sicherlich nicht bereuen.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Giorgio Battaglia - Bass Guitar, Electric Guitar, Xilophone, Bass Pedal, Choir
• Leonardo Lagorio - Acoustic and Electric Piano, All Saxes, Keyboards, Flute, Choir
• Ciro Perrino - Mellotron, Keyboards, Synthesizers, Flute, Recorders, Choir, Percussion
• Mariano Schiavolini - Guitars, Keyboards, Violin, Choir
Gastmusiker:
• Siobhán Owen - Vocals
Surftipps:
• Bandcamp
• Wikipedia
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Abbildungen mit Genehmigung: Celeste/Ciro Perrino/Inner Garden Records

