
Acoustic Rock • Post Rock • Alternative Folk
(31:06; Vinyl, Digital; Western Vinyl; 09.01.2026)
Ken „Bundy K.“ Brown, Curtis Harvey, Chris Brokaw und Doug McCombs haben sich Ende der 90er Jahre in Chicago zusammengetan, um mit Pullman akustische Musik zu machen, die in ihren jeweiligen Hauptbands keinen Platz fand. Und bei den Namen muss man schon einmal genauer hinschauen: Brown und McCombs waren bei Tortoise aktiv, Brokaw bei Come und Harvey bei Rex. Später stieß mit Tim Barnes ein weiterer Musiker hinzu, der unter anderem mit Jim O’Rourke und den Silver Jews gearbeitet hat. Ganz unbekannte Größen haben sich hier also beileibe nicht zum gemeinsamen Gitarrenzupfen versammelt.
Der Ansatz von Pullman ist dabei durchaus spannend: Post Rock im akustischen Gewand, angereichert mit deutlichen Folk-Anleihen und einer Vorliebe für filigrane, eher kammermusikalische Klangbilder. Nach "Turnstyles & Junkpiles" (1998) und "Viewfinder" (2001) war allerdings erst einmal rund ein Vierteljahrhundert Sendepause. "III" entstand schließlich zwischen 2021 und 2023 unter besonderen Umständen, wobei Tim Barnes trotz seiner früh einsetzenden Alzheimer-Erkrankung gemeinsam mit Bundy K. Brown und zahlreichen Weggefährten an den Aufnahmen arbeitete. Das verleiht dem Album natürlich eine zusätzliche emotionale Ebene.
Musikalisch ist "III" allerdings leider nicht ganz mein persönlicher Zug. Einzelne Verdichtungen und Steigerungen sind wirklich schön anzuhören, und die sanfte, bedächtige Grundstimmung hat durchaus ihren Reiz. Im Großen und Ganzen ist mir das aber schlicht zu unspektakulär. Die Songs ziehen sich in ihrem Spannungsaufbau teilweise wie ein Kaugummi, und gerade bei einer Spielzeit von über 32 Minuten braucht es schon verdammt viel Geduld, bis sich aus dem behutsamen Gitarrengezupfe tatsächlich etwas entwickelt. Das ist atmosphärisch, intim und handwerklich zweifellos fein gemacht – nur passiert mir über weite Strecken einfach zu wenig.
Eine Ausnahme bildet das gut 13-minütige 'October', das tatsächlich etwas mit mir macht. Hier werden mit den Gitarren wunderschöne Klangbilder gemalt, die sich langsam verändern und verdichten, ohne dabei in hektischen Aktionismus zu verfallen. Genau in solchen Momenten funktioniert Pullmans Konzept für mich am besten: Wenn aus der akustischen Reduktion plötzlich eine kleine Welt entsteht.
"III" ist damit sicherlich ein stimmiges und bemerkenswert geduldiges Album – nur muss man diese Geduld eben auch mitbringen. Und meine persönliche Gedulds-App war bei Pullman leider nicht ganz auf dem neuesten Stand.
Bewertung: 8/15 Punkten
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Besetzung:
• Ken „Bundy K.“ Brown
• Curtis Harvey
• Chris Brokaw
• Doug McCombs
• Tim Barnes
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Cargo zur Verfügung gestellt.

