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    Du bist hier:Home»Reviews»Shearwater - The New World

    Shearwater - The New World

    4
    By Rajko Baers on 16. August 2026 Reviews

    Cinematic Art Folk • Atmospheric Songwriter Pop
    (45:00; Vinyl, CD, Digital; Polyborus/Cargo; 31.07.2026)
    Neben seinem Musikerdasein ist Sänger Jonathan Meiburg auch noch Forscher (irgendwas mit Vögeln, soweit ich mich erinnere) und nach diesen Aufnahmen mal eben zu einer Antarktis-Expedition aufgebrochen.

    Dass Meiburg ein klassischer Fast-Misanthrop ist, lässt sich anhand seiner Alben/Texte nicht leugnen, ändert aber nichts daran, wie sehr er einen als Hörer an die Hand zu nehmen weiß. Mit Shearwater geht man irgendwie immer auf eine Reise. "The New World" klingt für mich wie ein Tag am Meer: einsam, neugierig, nachdenklich, entrückt und trotzdem voller sehnsüchtiger Blicke in eine ungewisse Zukunft.

    Was ich an der neuen Platte liebe, sind die vielseitigen Einflüsse der späten Talk Talk. Auch ein David Sylvian findet sich in all den leicht experimentellen Tunes wieder, und diese atmosphärischen Momente geben dem Album genau in den richtigen Momenten eine ungehörige Tiefe, Raum und Weite. Minimal, mal fast still/puristisch wie Nick Drake, dann opulent orchestral und voller wehmütiger Vocals und Melodien.

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    Sanftes Guitar-Picking, eine Sehnsuchtsstimme im Opener 'Even Song', die mich an den guten Martyn Bates von Eyeless In Gaza erinnert, und dazu unruhige Hintergrund-Drones – fertig ist der perfekte, sehr atmosphärische Einstieg in dieses wundervolle Release. 'More And More' gerät schon wesentlich rockiger, kraftvoller, ebenso das vollmundige 'Daydream Unbeliever' mit Piano, stoischen Downbeat-Drums, majestätischen Streichern und tollen Vocals.

    Ähnlich wie ein David Sylvian arbeitete Meiburg mit spannenden Musikern an dieser Platte, wie Thor Harris (ex-Swans) oder Ngoni Ba, einer afrikanischen Band. Diese Fülle an Musikalität zeigt sich in fantasievollen Tracks wie 'A Mink In The Dusk', wo sich Jazz, Atmosphäre, World Music, Naturgeräusche, Folk und Progressivität umarmen.

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    'The Only Sound Im Afraid Of' hat was Ahnendes, fast Bedrohliches, bäumt sich nach und nach düster und kraftvoll auf und erinnert in den Riffs sogar an manche Arbeit von Porcupine Tree. Der oben bereits angedeutete Hauch Mark Hollis schleicht immer wieder durch die sanftmütig-experimentellen Arrangements. Das Hineinhorchen in die Stille macht introvertierte Stücke wie 'The High Ranges' so unglaublich voll und dicht, obwohl alles so überschaubar wirkt.

    Dieses Substanzielle im Sound, erschaffen mit minimalen, fast Late-Night-Jazz-artigen Tunes, erinnert mich auf wundervolle Weise an "Laughing Stock" oder das Überwerk "Spirit Of Eden" der späten Talk Talk. 'Slugs In The Marigolds' ist dann mal klassischer, fast tanzbarer Songwriter-Pop – geradlinig, melancholisch und bittersüß.

    Wenn im abschließenden, siebenminütigen Duett 'You And Your Dog' mit Laurie Anderson noch einmal jedwede poetische, cineastische Schönheit in Töne gegossen wurde, der langsam aufsteigende Nebel überm Meer einen daran erinnert, dass der Heimweg anzutreten ist, hat man doch immerhin für kurze Zeit einen spürbaren Frieden gefunden.

    Ob Field Recordings, Jazz, strange Rhythmik, Bläser, Slow Pop zwischen Sylvian und Hollis – es fügt sich dank der schönen Melodien, der präsenten Sehnsucht, einer großen Produktion und umarmender Vocals alles wie zu einem kleinen Soundtrack zu einem nie gedrehten Film zusammen.
    Bewertung: 13/15 Punkten


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    Abbildungen: Shearwater/Bandcamp

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    Ambient Art Folk Atmospheric CD Cargo Chamber Jazz Digital Experimental Indie Pop Polyborus Progressive Pop Shearwater Singer/Songwriter Vinyl cinematic
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    Rajko Baers

    75er Jahrgang...Musik-Junkie seit ich denken kann-die Nischen zwischen Post/Prog/Athmo/Metal/Shoegaze sind´s irgendwie!

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    4 Kommentare

    1. Dieter on 30. August 2026 20:57

      Meiburg ist fraglos von Mark Hollis beeinflusst. Das Album “Rooks” enthielt seinerzeit zumindest in der iTunes-Download Version eine Cover-Version von “The Rainbow”. Thor Harris war übrigens eine Zeit lang Mitglied von Shearwater. Schade finde ich, dass eigentlich kein Review von “The new World” auch nur mit einem einzigen Wort auf das Ringen Meiburgs mit den geopolitischen und gesellschaftlichen Realitäten eingeht. Ich glaube er ist mitnichten ein Misanthrop. Ganz im Gegenteil ist er eine Stimme der Vernunft in einer verrückten Welt.

      Reply
      • Rajko Baers on 30. August 2026 21:15

        Moin Dieter, danke für die Rückmeldung und ja, schön dass Du den famosen Sänger so differenziert zurückmeldest. Das Wort Misanthrop musste hier nicht zu hoch hängen, weil das aus meiner persönlichen Sicht auch kein s/w Ausdruck meinerseits war. Somit ist es sehr richtig, dass Du auf die zusätzlichen Facetten nochmal hinweisen möchtest. Hab in jedem Fall ne gute Woche. Grüsse Rajko

        Reply
    2. Old Reiner on 5. September 2026 1:25

      Hi Rajko;
      Top-Review………..voll mein Ding!!!!!
      Ich liebe die Shearwater-Alben plus so einige Nebenprodukte schon seit etlichen Jahren..
      diese hier ist ‘n Highlight/Top-Anwärter für ,beste Alben in 2026”’
      ……..ne herrliche Herbststimmung!!!!!!!!,nicht unbedingt geeignet für/bei Dreckhitzewetter welche jetzt hoffentlich langsam abklingt…..
      mit Grüßen
      Old R

      Reply
      • Rajko Baers on 6. September 2026 15:42

        Ja oder? Klingt bereits nach verwaisten Nordstränden im Herbst das Ganze.

        Reply
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