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    Du bist hier:Home»#Teapot of the week»Holissstik - Chapter 1: This Endless Solitude

    Holissstik - Chapter 1: This Endless Solitude

    0
    By flohfish on 15. August 2026 #Teapot of the week, Reviews

    Holissstic - Chapter 1: This Endless Solitude (Season Of Mist; 14.08.2026)

    Dark Electronic • Trip-Hop • Industrial • Ambient
    (46:06; Vinyl, CD,Digital; Season Of Mist; 14.08.2026)
    Nur selten hat man beim Hören eines Albums bereits nach wenigen Sekunden das Gefühl, etwas ganz Besonderes entdeckt zu haben. Noch seltener hält dieses Gefühl über die komplette Spielzeit an und verstärkt sich mit jedem weiteren Durchlauf sogar noch. Bei "Chapter 1: This Endless Solitude", dem Debüt von Holissstik, ist genau das der Fall.

    Zunächst musste ich allerdings ein wenig staunen, als ich die Presseinfo überflog: Style: Dark Electronic. FFO: Depeche Mode, Aphex Twin, Darkspace.Und das bei Season of Mist, einem Label, das nun nicht gerade als erste Adresse für gepflegte elektronische Klangexperimente bekannt ist.

    Dann fiel mein Blick auf den Namen hinter Holissstik: Tor-Helge Skei. Bekannt geworden als kreativer Kopf der norwegischen Manes. Und plötzlich ergibt das Ganze Sinn. Denn Skei hat bereits 2003 mit "Vilosophe" eindrucksvoll bewiesen, dass er mit musikalischen Grenzzäunen ungefähr so viel anfangen kann wie ein Elch mit einem Parkticket. Metal, Rock, Trip-Hop, Drum'n'Bass und Electronica wurden damals zu einem ziemlich einzigartigen Gebräu verrührt.

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    "Chapter 1: This Endless Solitude" steht eindeutig in dieser Tradition. Nur geht Skei diesmal noch einen Schritt weiter. Aus eigenen, teilweise bereits viele Jahre alten Skizzen hat er ein Album entwickelt, auf dem sich rund zwanzig Musiker und Sänger austoben durften. Ohne ausgefeilte Vorgaben, ohne Genre-Handbuch, ohne „bitte nur in diesem Rahmen kreativ sein“. Die Beiträge kamen aus allen möglichen Richtungen zurück und mussten anschließend irgendwie zu einem Ganzen geformt werden.

    Das klingt nach einer ziemlich zuverlässigen Methode, acht Songs in einen musikalischen Verkehrsunfall zu verwandeln.

    Stattdessen entsteht ein erstaunlich geschlossenes Album.

    Skei komponiert, arrangiert, programmiert, nimmt auf, produziert und mischt selbst und schafft es tatsächlich, die Vielzahl der Einzelbeiträge nicht wie ein Sammelsurium klingen zu lassen. Gitarren, Synthesizer, elektronische Sounds, Samples, Schlagzeug, Bass und die zahlreichen Stimmen greifen ineinander, als wären sie von Anfang an genau für dieses Album vorgesehen gewesen.

    Was ziemlich gut zum Namen Holissstik passt. Die Idee des Projekts basiert auf dem griechischen Hólos, dem Ganzen: Nicht die einzelnen Bestandteile sollen im Mittelpunkt stehen, sondern das, was aus ihrem Zusammenspiel entsteht.

    Und genau dieses Zusammenspiel ist die große Stärke des Albums.

    Beim Hören gehen mir ständig andere Namen durch den Kopf: Aphex Twin, Boards Of Canada, The Gathering, The 3rd And The Mortal, Archive, Massive Attack, natürlich Manes – und wahrscheinlich noch ein gutes Dutzend weitere, sobald ich das Album oft genug gehört habe. Mal ist es eine elektronische Textur, mal ein Rhythmus, eine Stimme oder schlicht diese schwer greifbare melancholische Atmosphäre, die irgendeine musikalische Erinnerung triggert.

    Das Entscheidende ist allerdings:
    Holissstik klingt niemals wie ein Abklatsch.

    Es gibt keine „Massive Attack auf norwegisch“-Nummer, kein „Aphex Twin mit Metalhintergrund“ und auch kein „Manes machen jetzt Dark Electronic“. Die Assoziationen entstehen im eigenen Kopf, während die Musik selbst jederzeit eine erstaunlich eigenständige Identität besitzt.

    Teapot of the Week
    "Teapot of the Week" auf Betreutes Proggen in der KW33/2026

    Und diese Eigenständigkeit erstreckt sich tatsächlich über die komplette stilistische Bandbreite.

    'The Rhythm Of Silence' verbindet elektronische Dunkelheit, Trip-Hop und sogar Rap, ohne dass irgendeines dieser Elemente aufgesetzt wirkt. Selbst einzelne Rap-Passagen stoßen nicht als entzündungsauslösender Fremdkörper auf, sondern wirken wie ein selbstverständlicher Bestandteil der Holissstik-DNA. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil gerade solche Genre-Ausflüge bei vermeintlich experimenteller Musik gerne mal nach „Schaut her, was wir uns noch getraut haben!“ riechen.

    Hier riecht gar nichts nach Absichtserklärung.

    Auch die unterschiedlichen Sängerinnen und Sänger fügen sich erstaunlich organisch ein. Martyna Halas, Marita Hellem, Anna Murphy, Nik Košar, Pierre Ripka, Gabriel Trentini und die weiteren Beteiligten verleihen den Stücken jeweils eigene Farben, ohne daraus einen Reigen von Gastauftritten zu machen. Dazu kommen buddhistische Mönche, die auf 'Would You Take This Heart' ihre Stimmen beisteuern, sowie Texte in Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch und Pali.

    Auf dem Papier klingt das nach einer Veranstaltung, bei der ungefähr alles eingeladen wurde, was nicht rechtzeitig weglaufen konnte.

    Auf der Platte funktioniert es.

    'My Salvation' beispielsweise lebt stark von Martyna Halas' Präsenz und ihrer melancholischen, zugleich erstaunlich selbstbewussten Stimme. 'Obsession Six' wiederum profitiert von der Kombination aus Anna Murphy, Gabriel Trentini und Tom Engelsøy, deren unterschiedliche vokale Charaktere sich nicht gegenseitig bekämpfen, sondern die ohnehin schon tiefschwarze Atmosphäre weiter auffächern.

    Überhaupt ist diese Atmosphäre schwer zu beschreiben, ohne in die üblichen Rezensionsfloskeln abzurutschen. Holissstik ist dunkel, aber nicht einfach nur düster. Elektronisch, aber niemals steril. Melancholisch, ohne sich permanent im eigenen Weltschmerz zu suhlen. Und obwohl die Musik häufig langsam und schwebend wirkt, herrscht darunter eine permanente Spannung.

    Vieles geschieht dabei eher im Hintergrund. Kleine elektronische Geräusche, verschachtelte Arrangements, Stimmen, die plötzlich aus irgendeiner Ecke auftauchen, Gitarren, die sich erst nach mehreren Durchläufen bemerkbar machen. Das Album ist deshalb nicht unbedingt eines, das man komplett beim ersten Hören ausleuchtet.

    Es ist eher eines, das man immer wieder betritt.

    Und jedes Mal steht irgendwo ein anderer Schrank.

    Das passt auch zu den Texten. Einsamkeit, Schmerz, Tod, Träume, Obsession und die Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Abgründen ziehen sich durch die Songs. Der Titeltrack verdichtet diese Themen schließlich zu einem besonders eindringlichen Schluss.

    This endless solitude / Is our own

    ist dabei mehr als nur eine hübsche Zeile für den Albumtitel: Einsamkeit erscheint als etwas, das nicht ausschließlich von außen über uns hereinbricht, sondern auch etwas, das wir selbst erzeugen und mit uns herumtragen.

    Interessant ist, dass ausgerechnet ein Album über Einsamkeit so stark vom Prinzip der Gemeinschaft geprägt ist. Holissstik ist das Ergebnis einer Vielzahl individueller Beiträge, die erst durch Skei zu einem Ganzen werden. Das Konzept und die Musik erzählen damit letztlich dieselbe Geschichte.

    Und Skei versteht es, dieses Ganze auch klanglich zusammenzuhalten. Die Produktion ist detailreich, ohne steril zu wirken, und großzügig genug, damit selbst kleine Elemente ihren Platz finden. Je höher die Lautstärke und je konzentrierter das Zuhören, desto mehr öffnet sich der Mix.

    Das ist vermutlich einer der Gründe, weshalb "This Endless Solitude" bei mir einfach nicht an Wirkung verliert.

    Ganz im Gegenteil.

    Schon nach wenigen Sekunden des ersten Durchlaufs war dieses Gefühl da: Das hier ist etwas Besonderes.

    Nach dem zweiten Durchlauf war es noch da.

    Nach dem fünften ebenfalls.

    Und irgendwann wird aus dem ersten Staunen die Erkenntnis, dass dieses Album offenbar nicht nur gut funktioniert, sondern mit jedem Hören tiefer in die eigenen Hirnwindungen kriecht.

    Das ist bei 46 Minuten Musik schon ziemlich frech.

    Skei setzt mit Holissstik seine jahrzehntelange Suche nach musikalischen Möglichkeiten konsequent fort. Vom frühen Black Metal über das schon damals grenzenlose "Vilosophe" bis zu diesem völlig entgrenzten Kollektivprojekt ist die Entwicklung nachvollziehbar – auch wenn man vermutlich nicht unbedingt darauf gewettet hätte, dass der Weg irgendwann hier enden würde.

    Wobei „enden“ das falsche Wort sein dürfte. "Chapter 1: This Endless Solitude" ist schließlich nur der erste Teil einer geplanten Trilogie.

    Wenn die nächsten Kapitel ähnlich stark ausfallen, dürfte das ziemlich interessant werden.

    Für den Moment bin ich jedenfalls erst einmal beschäftigt.

    Ich muss dieses Album noch ein paar Mal hören.

    Und dann wahrscheinlich noch ein paar Mal.
    Bewertung: 14/15 Punkten (RB 13, FF 14)


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    Weitere Informationen

    Holissstic - Chapter 1: This Endless Solitude (Season Of Mist; 14.08.2026)

    Besetzung:
    • Tor-Helge Skei - Songwriting, Arrangements, Produktion

    Gastmusiker:
    • Anna Murphy - Gesang
    • Christophe Denhez - Gitarre, Gesang, Texte
    • Eivind Fjøseide - Gitarre
    • Gabriel Trentini - Gesang, Texte
    • Kristoffer Oustad - Synthesizer
    • Tor-Arne Helgesen - Schlagzeug
    • Marita Hellem - Gesang
    • Martyna Halas - Gesang, Texte
    • Nik Košar - Gesang, Texte
    • Pierre Ripka - Gesang, Texte
    • Paritta Monks - Chanting
    • Rune Folgerø - Gesang
    • Rune Hoemsnes - Schlagzeug
    • Stig Waltoft - Synthesizer, Sounds
    • Tom Engelsøy - Gesang
    • Torstein Parelius - Bass, Texte
    • Trond Johansen - Gitarre

    Surftipps:
    • Homepage
    • Bandcamp
    • YouTube
    • Rezensionen, Liveberichte & Interviews

    Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.

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    Album der Woche Ambient Anna Murphy Avantgarde CD Christophe Denhez Dark Electronic Digital Eivind Fjøseide Gabriel Trentini Holissstik Industrial Kristoffer Oustad Marita Hellem Martyna Halas Metal Nik Košar Norwegen Paritta Monks Pierre Ripka Rap Rock Rune Folgerø Rune Hoemsnes Season Of Mist Stig Waltoft Teapot of the Week Tom Engelsøy Tor-Arne Helgesen Tor-Helge Skei Torstein Parelius TotW Trip-Hop Trond Johansen Vinyl
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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