(31:51, Vinyl, Download, Rock Freaks Records, 2020) Was haben wir in den letzten Monaten gelernt? Nach einer ersten Welle MUSS eine zweite kommen, sonst macht das alles keinen Sinn. Wie gut, dass sich Green Orbit dagegen entschieden haben, auf ihre "First Wave" die eigentlich logische "Second Wave" folgen zu lassen und stattdessen eine "Supernova" inszenierten, welche aber für gewisse Bereiche ähnlich destruktiv wirken kann. Bands wie Colour Haze oder Electric Moon haben es vorgemacht, dass psychedelische Gitarrenmusik im Trioformat durchaus erfolgreich sein kann. Green Orbit halten es nun ebenso. Mittels Gitarre, Bass und Drums werden wabernde Klangstrukturen erzeugt, die durch…
Autor: Carsten Agthe
(54:43, CD, Vinyl, Download, Karisma Records/Plastic Head, 2021) Nobel geht die Welt zugrunde. Mit Pauken, Trompeten, das heißt mit Strings und gleich mehreren Sänger*innen generiert sich die norwegische Band Meer hierbei als kleines beziehungsweise mittleres Orchester, was man bei den acht hier involvierten Musiker*innen dann auch bestätigt wissen will. Man spielt derweil Progressive Rock, aber keinen von der effektheischenden Fraktion, sondern einen mit einem angenehmen Flow behafteten Art Pop mit einer großzügig arrangierten Soundbasis. Derweil die Streicher schon einen Hauch von Kansas-Atmos, also einen unbestreitbaren Mid-70’s Flair mit sich bringen, machen die unaufdringlichen Vocals von Johanna und Knut Kippersund eher…
(54:38, CD, Vinyl, Download, ANTI/Indigo, 2020) Auch an den Fleet Foxes ging Corona nicht spurlos vorbei. Vielleicht auch gerade deshalb blieb „Shore“, das vierte Album der Foxes wie schon der Vorgänger „Crack-Up“ auch ein Quasi-Soloalbum von Frontmann Robin Pecknold. Eigentlich war die Musik schon vorher fertig, doch dann kam die Pandemie. Aber anstatt das Projekt erst einmal auf Eis zu legen, holte sich der Protagonist nahezu mit Macht Inspirationen für seine Texte mittels langer Autofahrten durch menschenleere Landschaften. „Shore“ erschien vorerst rein digital zur Herbsttagundnachtgleiche am 22.09. Soviel Drama musste sein. Trotz aller negativen Einflüsse im Entstehungsprozess des Albums sind…
(78:24, CD, Digital, Black Lodge Records, 2020) Kommen wir nun zu den Dingen, welche die Welt nicht braucht. Jedenfalls nicht zwingend. Also eigentlich doch wirklich gar nicht. Astrakhan, die Band um Sänger Alexander Lycke, schickt sich nämlich an, Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ in den Progressiven Metal herüber zu wuchten. Weil ein Track wie ‚Gethsemane‘ als Zugabe überraschend gut funktionierte. Natürlich übernimmt Lycke hierbei selbst die Rolle des Jesus – so viel Zeit musste sein. Die Rolle des Judas wird derweil von Trans-Siberian Orchestra Mats Levén (aber vgl. auch Yngvie Malmsteen, Therion, Candlemass) ausgefüllt. Und natürlich beschränkt sich…
(44:12, CD, Vinyl, Digital, Moment Of Collapse Records, 2020) Manchmal lässt sich doch nicht alles im vertrauten Alleingang regeln. Für seine beiden Alben „Lullabies To Vilhelmine“ und „Neverno“ präsentierte sich Wolfredt noch als Soloprojekt des estnischen Multiinstrumentalisten Margus Voolpriit. Doch die Arrangements und der Anspruch der Tracks für sein neues Unterfangen „Tides“ waren schon ein ganz anderes Kaliber. Breitwandiger und -flächiger begibt sich Voolpriit hier mit seinem zum Quartett modifizierten Projekt noch mehr in die pathetisch-bombastischen Gestade postrockenden Treibsands und treibt schon im passenderweise „The Flood“ betitelten Opener diese erweiterten Möglichkeiten bis an die Spitze des zu Erwartenden. Die sonstigen…
(39:09, CD, Vinyl, Digital, Crispin Glover Records/Soulfood, 2020) What a blast! Goat The Head haben sich 2005 aus den dunkelmetallischen Institutionen Thorns, Troll sowie Keep Of Kalessin heraus gegründet. Seither sind sie ein Garant für norwegischen Brachial-Metal, der trotz aller sangeskräftigen Überambitioniertheiten von Sänger Per Spjøtvold hin und wieder überaus elegisch vor sich hin dräut. Der aber vor allem den Hörer regelrecht aus den Stiefeln haut. So etwas nennen GTH dann selbst ‚Contemporary Primal Caveman Death Metal‘. Wer sich einen kurzen Überblick darüber verschaffen möchte, wie diese Band tickt, sollte sich ihr Video ‚Darwinian Minions‘ verabreichen. Hier wird der 19-Sekunden-Song…
(30:00, CD, Vinyl, Digital, Sunday Best Recordings/PIAS/Rough Trade, 2020) Songs from the sunny side of life. JW Francis entwickelt auf seinem Debüt Kleinformate zu wahren Kleinkunstwerken – jeder Song kommt zwar einfach gestrickt herüber, entfaltet sich aber ob seiner Unbekümmertheit und seiner guten Laune zur prachtvollen Kurzweiligkeit. Man wird an dieser Stelle sofort an den Badly Drawn Boy am Anfang seiner Karriere erinnert. Oder an einen Jonathan Richman. Bei denen ja auch der Song an sich immer im Vordergrund steht. Bedroom Dream Pop nennt der heute in New York lebende Protagonist seinen träumerisch verhuschten Pop. Lo-Fi mit Retro-Charme und Songs…
(43:56, CD, Vinyl, Download, Totem Cat Records, 2020) Bedenkt man, dass die Sons Of Otis auch schon knapp dreißig Jahre auf dem von schweren Lasten krumm gewordenen Buckel haben, dann fällt es noch nicht einmal so extrem ins Gewicht, dass das letzte Album des kanadischen Trios, das epochale „ Seismic “, auch schon 2012 veröffentlicht wurde. Aber die Zeit scheint bei einer Band wie den Sons Of Otis bleiern, genau wie der Sound, der sich auch auf „Isolation“ ebenso bleiern über die andächtige Hörerschaft ergießt. Wer sich schon nach einem der Massenmörder aus dem Film „Henry: Portrait Of A Serial…
(41:37, CD, Vinyl, Digital, Erased Tapes/Indigo, 2020) Ein wenig erstaunt war man schon, als Ende August, quasi aus dem Nichts, ein neues, rein digitales Album von Peter Broderick erschien. Eben weil es ohne Vorankündigung kam. Eigentlich ist ja der Multi-Instrumentalist, den Musikgourmets noch als Live-Mitglied von Efterklang kennen, nicht unbedingt um Solo-Alben verlegen. Ganze zwanzig davon in den letzten drei Jahren sprechen eine deutliche Sprache über den enormen Output des US-amerikanischen Musikers. Nur ist „Blackberry“ aber etwas Besonderes. Ist Broderick sonst in eher elektronisch eingefärbten Soundlandschaften sowie als Remixer unterwegs, präsentiert er sich hier wieder als Sänger - und das…
(57:26, CD, LP, digital, Gondwana Records, 2020) „Salute To The Sun“ wirkt wie dem Regenwald entsprungen, über dem gerade ein erfrischender Regen niedergegangen ist. Die Tropfen perlen noch von den Blättern und die Kraft der Sonne macht sich einmal mehr bemerkbar – ‚salute‘. Das sechste Album des Gondwana-Labelgründers und Trompeters Matthew Halsall ist vielleicht sein positivstes, vielfältigstes und wohl auch schönstes. Auf den sechs ellenlangen Tracks (plus dem Interims-Tune ‚Mindfullness Meditations‘) verarbeitet der Musiker seine Erlebnisse aus den Tropen, brachte diese mit zu sich ins heimische Studio in Manchester. Hier entstand nach und nach ein Album, das in seinen positive…
(49:32, CD, Vinyl, Digital, Ripple Music, 2020) Zumindest annähernd lässt sich schnell erahnen, wohin hier die Reise geht. Die Band aus Yorkshire startet mit ihrem zweiten Album (das erste hörte auf dem ebenso prägnanten Titel „Mojo Rising“) die Triebwerke und nimmt uns mit auf einen Kurztrip in Richtung Venus, wobei einige Kurskorrekturen während der Reise wohl volle Absicht sind. ‚Blast Off‘, ‚10.000 Volts‘, ‚Blow‘ - schon die ersten Abschnitte auf dem Weg ins wissentlich Ungewisse halten, was sie versprechen. Obwohl Psychlona die Stoner-Elemente zugunsten sphärisch flirrenden Spacerocks zurückgefahren haben, geben sie doch gewaltig Gas und schalten auch schon mal auf…
(67:08, CD, Vinyl, Download, Dissonance Productions/Abstract Distribution, 2020) Ascension Of The Watchers erschaffen ihre eigenen Apokryphen. Zehn Jahre Produktionszeit brauchte dieses Album, um zu reifen und zu gedeihen. Nebenbei ging die Crowdfunding-Plattform PledgeMusic Pleite, was die Produktion um zwei weitere Jahre verzögerte. Jetzt, zwölf Jahre nach dem letzten Album „Numinosum“, welches auf Al ‚Ministry‘ Jourgensens Label 13th Planet erschien und unter der Ägide von Paul Raven (Killing Joke - R.I.P.) stand, erscheint „Apocrypha“ nun doch. Hier wuchtet sich das Dreimann-Ensemble um Bandleader Burton C. Bell (ex-Fear Factory) durch über eine Stunde Dark’n Gothic Rock der melodiösen Art, wobei Bell keine…
(28:12, CD, Vinyl, Digital, Atypeek Music/Division Records , 2020) Black Metal für die Kundschaft, die es kühl bis eisig braucht. Der schwedisch/französische Dreier kommt mit seinem ersten Album seit drei Jahren, dem vierten insgesamt (sollte man bei „IIII“ auch annehmen) und bestätigt schon einmal in erster Instanz und erneut, dass Black Metal grottig und muffig produziert sein MUSS. Alles klingt dumpf, sogar die Screams und Growls von Sangeskünstler S.A., was das Hören schon (vermutlich gewollt) zur Tortur macht. Aber warum einfach, wenn es auch extrem geht?! Nun hat das Trio auch einen dezenten Hang zu industrialisiertem Noise, der in den…
(37:15, CD, Digital, Neurot Recordings, 2020) Der Harvestman macht sich auf die Suche. Nur leichtes Gepäck. Und so ist sein neues und fünftes Solo-Album (die Harvestman-Sachen nicht mitgerechnet) sein persönlichstes, melancholischstes und vielleicht auch schmerzvollstes geworden ist. Gitarren sucht man vergeblich. So vergeblich, wie man vielleicht in einem Geflecht aus Monokulturen, versiegelten Flächen und Metastasen-haften Städtebau noch ein klein wenig Wildnis sucht. Der Mensch steuert ob planloser Technisierung, verbunden mit gnadenloser Umweltzerstörung und Raubbau, auf seinen eigenen Untergang zu. Und Steve Von Till liefert hierzu den Soundtrack. Mittels dezenter Pianotupfer, Mellotron, Cello und French Horn werden, entsprechend der thematischen Ausrichtung,…
(54:12, CD, 2LP, Digital, Ván Records/Soulfood, 2020) Mit den Längen ihrer Tracks haben die Münchener Postmetaller schon mal einen Hingucker zu verzeichnen, bewegen sich diese doch allesamt in sieben- bis zwölfminütigen Bereichen, womit man mit sechs Titeln dann auch ein komplettes Album fast bis zum Eichstrich kurzweiliger Unterhaltung voll bekommt. TAV haben sich für ihr Debütalbum hörbar Zeit genommen. Dabei klingt die Band nach Metal, ohne sich konkret auf Metal festzulegen. Und klingt nach Doom, ohne sich diesem allzu sehr anzubiedern. Zeitlupenhaft ergießen sich die sich in atmosphärischen Tiefen manifestierenden Riffgewalten aus tiefschwarzen Quellen und sowieso scheint alles auf „I“…
(67:55, CD, Digital, BSC Music, 2020) Deep Imagination goes Gothic? Jein! Zwar klingen das Anfangsstück ‚In My Memory‘ (welches es als Abschluss auch als viertelstündige ‚extended version‘ gibt, soviel Zeit muss sein) oder das semi-düstere ‚Coming From The Cold‘ schon ein wenig nach Depeche Mode meets Sol Invictus, man sollte aber nicht zu viel Zeit in das Hochtoupieren der Haare legen, da Deep Imagination flächendeckend, das heißt albumfüllend, ihrem Namen wieder alle Ehre machen. Auch für sein fünftes Album umgab sich Thorsten Sudler-Mainz (Art Of Infinity) mit zahlreichen Gastmusiker*innen und zelebriert seine Musik derart intensiv, dass sich die hier innewohnende…
(33:45, CD, Digital, Erased Tapes/Indigo, 2020) Musik, die dieses Mal nur bedingt aus dem Computer stammt. Für „Articulation“ artikulierte Ryan Lee West alias Rival Consoles seine Sounds über Skizzen und Zeichnungen, die er im Vorfeld anfertigte, um so ein größeres Verständnis für die so erschaffenen Klangskulpturen zu erlangen. Mit sich überlagernden Wellen, Amplituden und Zick-Zack-Bändern ergeben sich so unterschiedliche Taktarten und komplexe Melodiestrukturen, welche sich aber im Verbund zu einem Großen und Ganzen aufaddieren, was auch für Rival Consoles selbst zu einer gänzlich neuen Erfahrung der Soundfindung erwächst. Von nervösen, aber nie nervenden Breakbeats im Opener ‚Vibrations On A String‘…
(34:06, CD, Vinyl, Digital, Meus Records/Plastic Head, 2020) Vom nebelverhangenen Norwegen ins sonnige Miami, vom Black Metal zum Neon-Chick der Eighties, von Dead und Necrobutcher hin zu Sonny und Tubbs. Nur der Tod als Thema bleibt. Mayhem-Gitarrist Morten Bergeton Iversen alias Teloch outet sich hier als großer Fan der Eighties und dem Sound des C64. Und liefert mit „Miami Murder“ dann gleich ein Album ab, das nicht nur thematisch sondern auch klanglich auf dieses Jahrzehnt abgestimmt ist. Jan Hammers Soundtrack im Hinterkopf, liefert Bergeton dann seine eigenen Filmmusiken zu fiktiven Movies ab, welche dann bezeichnende Titel wie ‚Arabian Nights‘, ‚Depeche…
(44:19, CD, Cassette, Digital, Eigenvertrieb, 2020) Da beweisen Blackgazer einen grünen Daumen und verwandeln ihre ehedem düstere Wirkungsstätte in ein halbwegs lichtes Gewächshaus. Die Sankt-Petersburger, die mit ihrem Sound hörbar den gewaltigen Klang ihres Bandnamens relativieren möchte, präsentieren auf ihrem neuen Release mit 'Sunflower' gleich einmal einen Blumengruß von einem Ort, an dem kein Licht jemals vorgedrungen ist. Womit bezüglich Sound und Habitus alles beim Alten geblieben ist. Und das ist gut so! Artem Selyugin leidet sich durch einen harschen Sound aus Blackgaze, Postmetal und Postrock, der ein stetes Auf und Ab an Emotionen offenlegt. Weil schon 'Marsh' mit dem…
(54:27, CD, Digital, RecordJet, 2020) Es klingt schon wenig nach einem anspruchsvollen Konzept, ein Album mit einem ‚Intro‘ zu beginnen und mit einem ‚Outro‘ ausklingen zu lassen. Ob sich jetzt Syntonic für ebenso wichtig halten, konnte an dieser Stelle nicht geklärt werden. Fakt ist jedoch, dass "[mo-zey-ik]" das erste Album nach einer recht langen Zeit ist - 2003 erschien mit dem "Demo 2003" eben dieses, drei Jahre später "Umbrella – The Single", ehe erst 2012 das Debüt-Album "New Old Film" auf dem Plan stand, gefolgt von noch der EP "Live from 105" 2015. Entweder sind Syntonic aus NRW also nicht…