(47:29, Digital, Eigenproduktion, 2020) Der Name ist Programm, wechselt die Band aus Oregon doch ihre Sounds, Stimmungsbilder und Genres im Minutentakt. Derweil es farbig, überaus extravagant schimmert und man ob der bunten Vielfalt ins Staunen kommt, entpuppt sich das Rainbow Face als Januskopf, der meistens jovial lächelt, manchmal aber sein wahres, unkontrollierbares Antlitz zeigt. So geht es reichlich spektakulär zu, auf dem Debüt des Trios um Sänger Jake Rose, welches sich hierfür eine Reihe an Gästen als musikalischen Beistand leistete. Eben weil das Album mit ‚Pirates‘ schon mal einen fast schon als klassisch zu bezeichnenden Progsong in erster Instanz auf…
Autor: Carsten Agthe
(40:59, CD, Vinyl, Digital, Timezone Records/ Timezone Distribution, 2020) Ob es mit der Monarchie in Großbritannien nun wahrhaftig zu Ende geht, lässt sich an dieser Stelle wirklich nicht klären. Fakt ist, dass sich Elizabeth the last, das deutsche Trio wohlgemerkt, auf seinem dritten Album zur nicht mehr zu übersehenden Institution im Refugium instrumentaler postrockender Exzesse hierzulande aufschaukelt. Nach dem nach der Band selbst betitelten zweiten Album fühlt sich „Task“ wie das Schwester- bzw. Bruderalbum zum Vorgänger an. Fünf dezente Knochenbrecher in Post Rock mit verhuschten Metal-Einschüben - bis auf den Interimstrack ‚Watchmen‘ kontern Elizabeth the last auch hier wieder mit…
(44:44, CD, Digital, Art As Cathaarsis, 2020) Wieder einmal wird eine falsche Fährte gelegt. Und zwar, weil Sydneys Arcing Wires recht ungestüm in ihr Debütalbum starten. Aufgrund der Kraft zweier Gitarren klingen die hier abgefahrenen Riffs schwer nach Djent, was so auch eine Zeit lang hätte weitergehen können. Doch die Australier stünden zu Unrecht ganz oben auf der Jazz-Rock-Skala ihres Landes, wenn da nicht noch irgendetwas in dieser Richtung passieren würde. Und in der Tat braucht man auf diesbezügliche Exzesse nicht lange zu warten - so kommt Saxophonist Nish Manjunath alsbald zur Sache und lässt erkennen, wer bei Arcing Wires…
(59:41, CD, Vinyl, Digital, Full Time Hobby/ Rough Trade, 2020) Was für eine Freude allerseits, als 2018 zum Album „Songs You Make At Night“ Gründungsmitglied Sam Genders, der eigentlich die Band ob seiner Livephobie verlassen hatte, zurück in den Schoß von Tunng kam und man sich so plötzlich in der Konstellation von 2007 wiederfand. Was aus diesem Release und starken Songs, ja, quasi Hits wie ‚Dark Heart‘, ‚Flatland‘ oder ‚ABOP‘, das bis dato erfolgreichste Album von Tunng machte. Aber Sam Genders wäre eben nicht er selbst, wenn er nicht noch ein paar Asse in Ärmel hätte. Aber dieses Mal geht…
(51:40, Vinyl, Digital, Midsummer Records, 2020) Das ist dann wohl einmal wieder ein Fall von und für grenzenlosen Herzschmerz. Nach dem Ende der Metalcorer Watch Them Fade hatte deren Macher Marc Fischer nichts Eiligeres zu tun, als gleich aus dem Stand ein neues Format an den Start zu bringen, mit welchem er seinen Seelenzustand sofort in dementsprechende Soundfontänen fassen konnte. Six Days Of Calm heißt das neue Projekt des Musikers, das nun mit dem 7-Track Debüt „The Ocean’s Lullaby“ daherkommt. Welcher Protagonist hier gefragt ist, ob nun der Atlantische, der Indische, Pazifische, Billy oder gar Danny wird indes nicht geklärt.…
(63:05 (77:49), CD, Vinyl, Dowload, Season Of Mist/ Soulfood, 2020) Sólstafir können es doch noch: Nämlich so richtig vom Gletscher ziehen. Das letzte Werk der Isländer „Berdreyminn“ war vom Prog-Gehalt zwar überaus hochwertig, doch vom Willen, als Sieger aus der Schlacht zu gehen, war kaum noch etwas zu spüren. Doch es scheint nun wirklich, als würde sich Aðalbjörn Tryggvason hier auf dem neuen und siebenten Album allen Frust aus der Seele hämmern. Und wer darf schon ein Album gleich mit einem Zehnminüter beginnen, wenn nicht Sólstafir?! So ist ‚Akkeri‘ dann auch das längste Stück in einem an Longtimern reichen Album.…
Jack Of All Trades (Centrozoon, Tuner, Stickman, Crimson ProjeKct…) und ‚Living The Dream‘-Aktivist Markus Reuter kann auch in der Konzert- und Tour-freien Ära nicht anders. Wenn schon nicht touren, dann wenigstens die Zeit mit ‚Gleichgesinnten‘ im Studio verbringen. Zugegeben liegen die Aufnahmen für die drei uns hier beschäftigenden Releases noch vor 2020, die Zeit der Besinnung wurde jedoch genutzt, um ihre Bearbeitung und Veröffentlichung zu forcieren. So erscheinen beziehungsweise erschienen Anfang August nun gleich drei Alben des Komponisten und Touch-Guitareros. Und in erster Instanz nun gleitet Reuter zusammen mit seinen Buddies Tim Motzer (Gitarre, Bass) und Kenny Grohowski (Drums) tief…
(24:48, Digital, Rock CD Records, 2019) Da schneite die Tage doch trotz diesbezüglichen eher kontraproduktiven Wetters eine Sache herein, die schon vor einem Jahr das Licht der Welt beziehungsweise ob seines only digital-Status das des World Wide Webs erblickte. Samedi b.c. nennen sich die leicht angeschrägten Zeitgenossen, die aus Spanien kommen und mit "The Infinite Sea Of A Doubt" im Juli letzten Jahres ihre Album-, oder, ob der ein wenig begrenzten Spiellänge eher – ihre EP-Debüt-Präsentation initiierten. Im Infotext ist zu lesen: "Influenced by bands like King Crimson, Amon Duul II or New Wave bands like Joy Division ...", womit…
(45:46, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Plastic Head, 2020) Heidewitzka. Hier wird wieder geproggt, bis der Arzt kommt. Schon in fünfter Instanz, nämlich mit dem ebenso vielten Album, empfehlen sich die Norweger als Speerspitze des Vintage Prog und biedern sich somit erneut bei all denjenigen an, welche die alten Zeiten von Yes, Genesis oder ELP noch für das Beste halten, was der Rock an sich zu bieten hatte. Wobei hier, bei Wobbler, eher eindeutig zu Yes Stellung bezogen wird. Der Bass von Kristian Karl Hultgren mäandert sich durch bassläufige Abgründe, Keyboarder Lars Fredrik Frøislie präsentiert ein Repertoire der schwarzen und weißen…
(32:35, CD, Digital, Future Archive Recordings, 2020) CNJR (stands for: Conjure) schaufelt in seinen in den tiefsten Katakomben musikalischer Anti-Exzesse dräuenden Dark Wave mächtig Rock und Pathos, auf dass die neueste Verlautbarung des Musikproduzenten zum bombastischen Sud aus Collapse Under The Empire und (zum Teil) instrumentaler Sisters Of Mercy gerät. „I Can See The Burning Through The Binoculars“ wäre so der geeignete Soundtrack zu einer dystopischen Neuverfilmung von „Once Upon A Time in The West“, wobei das die Endzeit einleitende Motiv von ‚The Destroyers‘ mit seinen dramatischen Gitarren das geeignete ‚Lied Vom Tod 2‘ abgeben würde. Der auf ein ‚Burning‘…
(36:11, CD, Vinyl, Digital, Art As Catharsis, 2020) Jochen Gutsch macht auf Geschichtenerzähler. Wohl durch sein letztes Werk, die EP "Sollbruchstelle" (2018), auf den Geschmack gekommen,favorisiert der nach Australien ausgewanderte deutsche Musiker nun kammermusikalische Werke, bei denen er mit den "Seven Tales" nun ein neues Kapitel aufschlägt. Das Album enthält dann, tja, wie soll es auch anders sein, sieben Geschichten, erzählt beziehungsweise sangestechnisch vorgetragen von Nicole Smede, die ihre Intentionen seitens des Vortrages auf gehobene Kunst ausrichtet. Irgendwie sind die "Seven Tales" dann auch eben wirklich "Kunst", sprich eher E- denn U-Musik. Mit einem kammermusikalischen Ensemble aus zwei Violinen, Cello…
(45:32/56:14, 2CD, Digital, Sulatron Records / Brokensilence, 2020) Nun gehen die 2012er Sun Dial’schen Psych-Exzesse bezüglich "Mind Control" in ihre zweite Inkarnation. Kam schon die erste 2015 mit zwei Bonustracks, so hat es die aktuelle Edition einmal mehr in sich, wie uns bereits der Titel unmissverständlich signalisiert. "The Ultimate Edition" kommt nämlich mit einer Bonus-CD und diese wiederum mit zwei weiteren Bonustracks, was den Trip der Institution um Bewusstseins-Guru Gary Ramon auf einhundert Minuten psychoaktive Anti-Ekstase verlängert. War das Original-Werk schon ein Hort aus Floyd’schem 'Set The Control ...' Trancesequenzen ('Mountain Of Fire And Miracles'), fiktiven Soundtracks für fiktive Halluzinationen…
(32:21, CD, Vinyl, Digital, Atypeek Music, 2020) Die ersten gutgelaunten Grungy-Hooklines, der ohrwurmige Effekt, der schon nach den ersten Takten des ersten Songs ‚Envision‘ zuschlägt, machen schwer auf Foo Fighters. Die (leichte bis mittelschwere) Kurskorrektur kommt bei Watertank dabei nicht von ungefähr, gab es doch in Gitarre und Bass eine nicht unerhebliche Umbesetzung bei der Band aus Nantes. Weshalb das dritte Watertank-Album mit weniger Post-Metal- und Shoegaze-touchig daherkommt. Stattdessen enthält es mehr als nur homöopathische Anteile von Alternative Rock, die schwer auf amerikanisch machen. Knapp etwas über dreißig Minuten lang konzentriert man sich hier auf das Wesentliche – nämlich Songs,…
(38:34, CD, Vinyl, Digital, Sixteentimes Music/Czar Of Crickets Productions/Soulfood, 2020) Das Yin und Yang der unheiligen Zweifaltigkeit manifestiert sich bei Echolot einmal mehr im Wechsel von brutalen vs. clean Vocals sowie von ambienten und sludgy Breitwandflächen. So sind die Baseler ein weiterer Beleg für ‚Gegensätze ziehen sich an'. Auffallend auch auf dem dritten Fulltimer ist der Hang zum Epischen – eine Gigantomanie, die auf „I“, das gleich mal mit einen Vierzigminüter zu glänzen wusste, ihren Anfang nahm und mit dem vier Langstrecken-Doombrocken enthaltenden „Volva“ fortgesetzt wurde. Das Trio kann wohl nicht anders und kommt auf „Destrudo“ ganz stilecht mit den…
(55:12, CD, Vinyl, Digital, Art As Catharsis / Kozmic Artifactz, 2020) Neues aus Doom Under. Kamen die Australier vor zwei Jahren mit ihrem Debüt, das sich ob seiner gerade mal halbstündigen Spielzeit eben nur als Kleinstwerk definieren ließ, meint man es nun ein wenig besser und liefert eine Platte ab, die ihrem Titel alle Ehre macht. Das Kollektiv aus Sydney, das im Zeichen des ausgedörrten Schildkrötenschädels das australische Outback unsicher macht (nicht ohne den Heiligtümern der Aborigines den gebührenden Respekt entgegenzubringen), verschmilzt hier Space-, Kraut-, Psychedelic-Rock sowie Doom zu einem gewaltigen, tja, Monolithen eben, wobei der klare Satzgesang und die…
(69:06, CD, Digital, Sulatron Records / Broken Silence, 2020) Die Mondgötter des gehaltvollen Schwurbelns sind wieder ... am Schwurbeln! Je höher, desto besser. Ohne Netz und doppelten Boden. Ob der Abstinenz gehaltvoller Liveevents macht sich eine Veröffentlichung wie eben vorliegende mehr als nötig. Mit der entsprechenden Vordröhnung gibt es mit diesem konservierten Gig dann auch die Doppeldröhnung. Inklusive Applaus und Zugabe. Im letzten Jahr fuhren dann Komet Lulu, Sula Bassana und Pablo Carneval beim kultigen Freak Valley Festival zur bestätigten Hochform auf, machten sich einmal mehr daran, wertloses Metall in musikalisches Gold zu verwandeln und fuhren einen Wall Of Sound,…
(48:31, CD, Vinyl, Digital, Gondwana Records, 2020) Mit Mammal Hands haben wir wieder einmal eine Jazz-Formation auf dem Schirm, die Jazz auch für Nichtjazzer spielt – sprich keine endlosen Soli, keine Free-Jazz-Attacken und auch keine Polyrhythmik. Dabei ist das, was das Trio aus Norwich hier kreiert, aber auf keinen Fall einfache Muzak für das Nebenher. Auch auf ihrem vierten Album entspannen Saxophonist Jordan Smart, Pianist Nick Smart und Schlagzeuger Jesse Barett erst sich und dann uns, da „Captured Spirits“ vor allem tiefenentspannt hinträufelt und man Schläge nur als vom Jazzbesen herrührende Luftzirkulationen zu spüren bekommt. Sicher ist das noch Jazz,…
(36:58, 41:02, 2CD, Digital, Sireena Records/Broken Silence, 2020) Da haben wir es dann wohl mit einem Jahrhundertprojekt zu tun. Wann genau der Grundstein zu diesem Unterfangen gelegt wurde, ist so recht nicht mehr nachzuvollziehen. Es muss sich aber irgendwann in den 80ern zugetragen haben, als sich Hauke Harms und Axel Ermes zum ersten Mal in musikalischer Hinsicht über den Weg liefen. Immerhin heuerte Ermes (Cancer Barrack) später beim Harms-Projekt Girls Under Glass an, womit die Zielrichtung für ein gemeinsames Unterfangen dann wohl auch klar wäre, waren oder sind doch beide dieser Bands dem Gothic-Rock verpflichtet. Nun lässt eben diese Hauptbeschäftigung…
(40:36, CD, Vinyl, Digital, Antigony Records, 2020) Vier mehr oder weniger wuchtig ausstaffierte Alben haben Threestepstotheocean schon auf dem Kerbholz. Stolze Leistung, gibt es die Band aus Italien doch nun auch schon knapp 15 Jahre. Grund genug, noch ein wenig Gewichte mehr auf die Waage metallischer Extravaganzen draufzupacken, um nun mit "Del Fuoco" ein Album zu schmieden, das in der Lage ist, mächtige Breitseiten von mit Psychedelia getränktem Postmetal abzufeuern. Für ihre ausufernden Instrumentals greifen die Mailänder dann auch ganz tief in die Trickkiste bis zum Anschlag gespannter Spannungsbögen, womit, auf die Grundstimmung bezogen, Threestepstotheocean eine unheilige Familienbande zu Institutionen…
(30:55 / 37:11 / 47:57, Digital, Atypeek Music, 2020) Queen Elephantine gehen in die "Pay What You Want"-Offensive. Denn die drei neuen Kleinformate gibt es, wenn man so will, für lau auf der Bandcamp-Plattform. Knapp zwei Stunden neue Merkwürdigkeiten vom schon ein wenig merkwürdigen Ensemble - da braucht man eigentlich nicht lange zu überlegen. Das vom indischen Musiker Indrayudh Shome in Hong Kong gegründete und heute von Philadelphia aus praktizierende Projekt, das noch im letzten Jahr mit dem hypnotischen Psychedelic-Doom-Brocken "Gorgon" beeindruckte, lebt auch hier seinen Hang zu ellenlangen Opfergaben an den Gott der langen Rille aus – nur eben…