(48:32, Vinyl, CD, Digital, Blues For The Red Sun/Stickman Records/Soulfood, 2019) Das ist ein Kreuz mit den ins Uferlose tendierenden Bandnamen: Nehmen bei Festival-Ankündigungen enorm viel Platz ein und prägen sich manchmal nur schwer ein. Aber, wenn es wahr ist?! TDATAB tragen ihre Intentionen schon einmal großspurig im Namen, welcher einem dann auch noch lässig über die Lippen kommt. Und kommen soundtechnisch dann eben so, wie man es sich vorstellen würde. Und das nun auch mit dem dritten Album, das die Osloer der Einfachheit willen „Tre“, drei, betiteln. Mit sechs Songs in knapp fünfzig Minuten warten The Devil And The…
Autor: Carsten Agthe
(44:06, Vinyl, Digital, Art As Catharsis/Small Pond, 2019) Mit Gewalt, das heißt schon irgendwie reichlich brachial, gehen Town Portal ihr drittes Album an. „Of Violence“ ist dann auch das erste Album der Dänen, welches via Art As Catharsis nun auch in Australien Fuß fassen könnte. Mit seinen harschen, noisigen Soundexkursionen scheinen Town Portal fast schon prädestiniert für das Label from Down Under, Soundexkursionen, die nun auch schon in dritter Instanz die Ruhe vor dem Sturm zelebrieren, bei der es wie zu erwarten aber nicht bleibt. Denn der Sturm kommt auf jeden Fall, ein Sturm, der ob seiner auf- und abschwellenden…
(14:58, CD, Digital, Art As Catharsis/Bird’s Robe, 2019) „3.1“ scheint nicht nur die konsequente Fortsetzung von „3“, die EP ist es in der Tat auch. Wurde doch auf der Vorabveröffentlichung mit ‚Cyan‘, ‚Magenta‘, ‚Yellow‘ und ‚Imperfect Black‘ das CMYK-Farbmodell im Ansatz abgearbeitet, so folgt, jedenfalls partiell, nun die Weiterleitung auf dem Fuß. Mit ‚Absolute Black‘ startet das Projekt um Multiinstrumentalist Simeon Bartholomew nun tiefschwarz und in ein stilistisches Tohuwabohu aus Math-, Prog-, Noise- und Post-Rock. Mithin sind bis zu zwölf Musiker damit beschäftigt, die musikalischen Vorstellungen ihres Leaders in die Tat umzusetzen. Nur nimmt das vermeintliche Tohuwabohu Strukturen an, kristallisiert…
(40:28, Vinyl, CD, Digital, Tonzonen Records/H‘Art, 2019) Jedwede Herkunft könnte man No Man’s Valley bescheinigen, nur dass die Band aus den Niederlanden kommt, das muss man so erst einmal sacken lassen. Denn No Man’s Valley steht in erster Instanz für grenzenlose Weite in Sound und Habitus, und zweitens eben für grenzenlose Weite in Sound und Habitus. In Siebenmeilenstiefeln durcheilt der Fünfer die doch beachtliche Strecke zwischen dem amerikanischen Joshua Tree Nationalpark und dem australischen Outback, wobei man lässigst hemdsärmeligen Swamp Rock mit transzendenten Psych in Einklang bringt. Was auf „Outside The Dream“ bezogen bedeutet, dass einerseits die Bourbon-Flaschen kreisen, andererseits…
(50:40, Vinyl, CD, Digital, Dur et Doux/Inouie, 2019) So viel Phobien, nämlich ganze elf, wie sich ni auf’s Revers geheftet haben, kann man sich wirklich nicht ausdenken. Von der Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Geräuschen (‚Phonophobie‘), über die Angst vor Gemüse (‚Lachanophobie‘), die Angst vor Versagen (‚Kakorraphiphobie‘) bis hin zur Angst vor der Unendlichkeit (‚Apéirophobie‘), nichts ist für das französische Projekt zu abstrakt, um nicht irgendwie in den eigenen musikalischen Konsens gepresst zu werden. Unter dem Konzept „Pantophobie“ (was so zur Phobie Nummer zwölf, nämlich der Angst vor ALLEN Dingen, gerät) zusammengefasst teilen uns ni ihre Ängste und Sorgen in Form von…
(37:16, Vinyl, CD, Digital, Heavy Psych Sounds/Cargo Records, 2019) The Sonic Dawn leben hörbar in einer Zeitblase. Und haben diese mit Sicherheit auch noch nie verlassen. Dementsprechend trägt der Opener zum aktuellen Album den vielversprechenden Titel 'Forever 1969'. Das Jahr, das sich nun zum 50. Mal jährt, gibt sich immer noch als Leuchtfeuer in der Historie populärer Musik. Woodstock, "In The Court Of The Crimson King", "Led Zeppelin", "Tommy", "Abbey Road" – was für ein Jahr. Und das Gute an der Sache ist, dass uns The Sonic Dawn einladen, an ihrer Zeitreise teilzunehmen. Einer Zeitreise, die eben nicht nur versucht,…
(55:47, Vinyl, CD, Digital, Meta Records/RareNoise, 2019) Dave Liebman (*1946), Adam Rudolph (*1955) und Hamid Drake (*1955) haben sich dem Einklang des Taoismus verschrieben und versuchen, mit ihrem gemeinsamen Album ihr „Chi“ zu finden. Und auch wirklich sprühen die hier enthaltenen Tracks vor ungezügelter Lebensenergie – Energie, die sich in Form irrwitziger und mehr als nur freier Improvisationen niederschlägt, wobei dem Begriff ‚Improvisation‘ hierbei schon eine gänzlich neue Bedeutung beigemessen werden müsste. Weil Liebman (saxophones, piano), Rudolph (percussion) und Drake (drums) hier wirklich alle Zügel schleifen lassen und den Dingen ihren Lauf lassen, der sich als Zickzack-Kurs durch hin und…
(37:48, Digital, Elusive Sound, 2019) Darf es etwas dezentes Ohrenbluten sein? Bitte schön … Das sich auf beeindruckend und spannungsreich inszenierten Post-Rock spezialisierende Label Elusive Sound (Blak, Silent Whales Become A° Dream, Glasir u.v.m.) macht nun auf heftig und taucht ein in die harsch-brutale Headbanger-Blackgaze-Welt, ohne jedoch gewisse für dieses Genre so wichtige Atmosphären außen vorzulassen. Dass diese ins abgrundtief Schwarze tendieren, mag auf der Hand liegen. Nein, die Band aus Sankt Petersburg hat es sich wahrlich nicht auf die Agenda gesetzt, irgendwelche Gefangenen zu machen. In vier ausufernden Tracks lassen Somn ihren Aggressionen freien Lauf, die in eisigen Gitarrenbreitseiten…
(53:59, Vinyl, CD, Digital, Fuzzorama/Soulfood, 2019) Was wie eine ernstzunehmende Halskrankheit anmutet, ist eigentlich nur die schwedische Abart von Godzilla. Und wie eben jener in Tokio stapft unsere europäische Abart durch heimische Gefilde und macht hierbei alles platt, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Dabei bleibt der Dreier selbst auf seinem aktuellen Album konsequent auf dem Boden der Realitäten, sprich: der Erde (means: „Eorþe“), was aber nicht unbedingt bedeutet, dass man nicht meilenweit außerhalb gängiger Realitäten umherflaniert. Die Story hinter der Story stammt vom Science-Fiction-Schreiberling Nils Håkansson, ist in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt und wird…
(60:27, Vinyl, CD, Digital, Pelagic Records/Cargo Records, 2019) Jetzt darf also wieder aufgeschichtet werden. Sound für Sound, bis letztendlich Gebilde entstehen, die verdammte Ähnlichkeiten mit Kathedralen haben. Im Fall von Mono - Klangkathedralen. Wenn es denn eine Institution gibt, welche diesen größenwahnsinnigen Baustil klangtechnischer Ekstase bis zu kaum zu überbietender Perfektion gebracht hat, dann Mono. Jene Institution, die quasi das Fundament des Post-Rock in Südostasien begründet hat, kommt im zwanzigsten Jahr ihrer nicht zu überhörenden Existenz mit ihrem zehnten Fulltimer, der genau dort ansetzt, wo das „Requiem For Hell“ vor nunmehr zweieinhalb Jahren aufhörte. Ja, eine Steigerung ist noch möglich.…
(26:59, Digital, Ogorekords, 2019) Diese Band ist Tot. So jedenfalls der selbst gewählte Leitsatz der Combo aus Ostfriesland, die quasi ein Sideproject des beeindruckend produktionsfreudigen КОМВУИАТ ЯОВОТЯОИ ist. Eine Tatsache, die erst einmal komplett auf die falsche Fährte lockt. Weil Tot eben nichts mit dem improvisationsfreudigen Kraut n'Psychedelic Rock des Volkseigenen Betriebes gemein haben: dies hier ist der Soundtrack für den "Untergang", erschaffen im Schlamm aus Garage, Noise und Punkrock. Die sieben Tracks dieser EP tragen bezeichnenderweise Titel wie 'Der Untergang', 'Lied einer Jugendrevolte', 'Knüppel und Granaten', 'Terror', 'Nuclear War', 'Das Schlachthaus' sowie 'Was sich nicht gehört', was vom thematischen…
(29:54, Digital, Eigenvertrieb, 2018) "This music was recorded for the subliminally shady areas in your headspace. Listen closely for maximum effect, headphones advised." Ob das nun als Anweisung oder als Drohung zu verstehen ist, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Aber immerhin gibt es die dritte Zeug-EP als ‚pay what you want‘-Option auf bandcamp (wobei man für das Debüt "Demo" schon einmal 100 Euronen bereitstellen müsste, was hoffentlich nur als gelungener Scherz zu werten ist) und das ist sicher schon einmal Grund genug dafür, sich "Low" einmal in aller Ruhe zu Gemüte zu führen. Nach den beiden wirklich ein wenig kurz…
(40:27, CD, Vinyl, Digital, Stickman Records/Soulfood, 2019) Die Fanband der Redaktion der letzten Zeit sind mit Sicherheit die drei umtriebigen Norweger von Motorpsycho. Gerade einmal etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass man mit "The Tower" einen wahren Monolithen von einem Album erschuf – solche zehn Tracks auf 85 Minuten müssen erst einmal gehört, verdaut und sacken gelassen werden. Im Vergleich dazu gehen es Motorpsycho nun ein wenig ruhiger an - in Bezug auf den Umfang, nicht auf das Resultat. "The Crucible" kommt mit für die Band recht übersichtlichen 40 Minuten, aber drei gar nicht einmal so übersichtlichen…
(36:11, CD, Vinyl, Digital, Omnichord Records, 2019) Der erste Atemzug nach einem Koma kann erlösend, aber auch überaus schmerzhaft sein. Das mit dem 'back to life' ist, je nach dem Standpunkt, dann auch sicher eine ambivalente Sache. Welche vom Standpunkt der Portugiesen aus sicher positiv gemeint ist. Sicher? Auf jeden Fall! Langsam und zaghaft schälen sich die ersten Klänge aus den Tiefen soundmotivierten Wohlbefindens und klären gleich einmal über den Titel des dritten First Breath After Coma-Werkes auf - "NU", was, aus dem Portugiesischen übersetzt, 'nackt' bedeutet. Und gleichsam nackt, von allem störenden Ballast befreit, geben sich dann auch die…
(37:52, CD, Vinyl, MC, Digital, Tambou Rhinoceros/Rough Trade, 2018) Dänemark soll ja eines der Länder sein, in welchem die glücklichsten Menschen leben. Warum das wohl so ist? Sicher hat das auch mit der Musik zu tun, die hier gemacht wird. Bands wie Efterklang, Alcoholic Faith Mission, Choir Of Young Believers, Kashmir, When Saints Go Machine oder VETO (oder D-A-D! Nicht zu vergessen Liserstille, Under Byen, Lampshade, The Sonic Dawn, Evil Masquerade, Ryk, ..., d. Schlussred.) sind sicher auch Grund der gestiegenen Lebenserwartung in dem skandinavischen Ländle. https://www.youtube.com/watch?v=s6VqbseGplA The Entrepreneurs nun veräußern ihre Intentionen mit dem Titel ihres Debütalbums – „Noise…
(50:35, CD, Vinyl, Digital, Rude Records / Equal Vision Records, 2019) Häufig erzählen Institutionen des sich als Post-Rock verstehenden Musizierens ausladende Geschichten. Erst einmal mit ihrer ohnehin schon ausladenden Musik. Weiterhin mit ihren an Kreativität und sprachlicher Grandezza ausgestatteten Bandnamen. The End Of The Ocean ist ein weiterer Vertreter der Spezies, die ihr Ansinnen schon in der Namenswahl mit sich spazieren trägt. Und ebenso großkalibrig wie das hier zu Erwartende präsentiert sich nun auch "-aire", das nach dem fulminanten "Pacific-Atlantic" zweite Fulltime-Album des Quintetts aus Columbus/Ohio. Acht Jahre hat es gedauert, dass sich The End Of The Ocean nun aufraffen…
(41:13, CD, Vinyl, Digital, Fuzzmatazz Records, 2018) Die Erde ist nicht genug, jetzt müssen die Weiten des Weltraums für extravagante Soundfindungsprozesse herhalten. Nun ist Sojus3000 im Programm der russischen Raumfahrt sicher noch Musik, die sich in ferner Zukunft abspielt, was an dieser Stelle eine Menge Raum für Spekulationen liefert. Die Band aus Ilmenau präsentiert sich als "Wanderers", die zwar nicht kälteklirrend weiß daherkommen, wohl aber im Grenzgebiet zwischen Post- und Stonerrock entlang scharwenzeln. Viermal lang, einmal kurz ist die Devise, wobei eine bezeichnende 'Prelude' das Bindeglied zwischen den Longtrackern 'Vostok', 'Terraformer', 'Reqiuem' und 'Wanderers' bildet. Da im Weltraum ohne Technik…
(72:46, CD, Digital, Atypeek Diffusion, 2018) Gitarrist Louis Godart, der die Band 2013 ins Leben rief, ist zwar der Macher hinter Monolithes, geprägt wird die Musik aber von den Vibraphon-Klängen von Romain Lay, welcher auf „Limites“ das Gründungsmitglied Nathan Vandenbulcke ersetzte. Sonst blieb eigentlich alles beim Alten bei der Band aus Nantes (inklusive Rémi Allains Kontrabass!), wenn denn bei dieser alles in geordneten Bahnen ablaufen würde. Monolithes sind die Theoretiker des Jazz-inspirierten Progressive-Rock, derweil hierbei eher Chaos als Ordnung regiert. In den instrumentalen Stillleben, bei welchen es auch schon einmal so richtig laut werden kann, dominieren wohl eher Jams denn…
(41:43, CD, Vinyl, Digital, Kick The Flame/Broken Silence, 2018) Einerseits werden heroisch Mauern eingerissen, andererseits mit voller Ernsthaftigkeit wieder errichtet. Bei Wooden Peak müssen es nun unbedingt gelbe sein – die blanken Tablets für angehende Graffiti-Künstler. Oder, bezogen auf das hier agierende Duo, die blanken, jungfräulichen Festplatten bestätigter Indie-Helden. Weil Wooden Peak ihre Sounds eher digital denn analog verwalten, auch wenn hier immerhin Gitarren, Schlagzeug und ähnliches, für den alternativen Gebrauch zu verwendendes Instrumentarium zu vernehmen ist. Mit einem ausgeprägten Sinn für ultracoole Lässigkeit spielen sich die Indie-Nerds durch die zehn neuen Tracks ihres vierten Albums, das dieses Mal einige…
(41:42, Digital, Art As Catharsis, 2018) Mit Minimum zum Maximalen. Das Lo-Fi der Aufnahmen täuscht darüber hinweg, dass es MNMM vor allem großzügig und ausladend mögen. Ausladend in Arrangement und dem weltmusikalischen Aspekt. Die iranische Sängerin Gelareh Pour spielt nebenbei beziehungsweise hauptsächlich die Kamanche oder auch Kamantsche, ein Violinen-ähnliches Saiteninstrument aus dem iranischen und pakistanischen Raum, das dem ganz speziellen Post-Rock, ja, MNMM spielen Post-Rock, einen wunderbaren Flow und eine dementsprechende Atmosphäre beschert. Es macht Sinn, dass das Trio, das neben der Kamancheh weiterhin mit rockkompatiblem Equipment wie Schlagzeug und Gitarre aufwartet, das elfminütige ‚Heart Of Stone‘ an den Anfang…