(39:29, CD, Cassette, Digital, Elusive Sound, 2019) Eine Band aus St. Petersburg nennt sich nach einer Gemeinde in Westflandern. Warum auch nicht. The east strikes back, gibt es doch eben auch unzählige ausländische Bands, die sich namentlich mit wohlklingenden im Osten gelegenen Ortschaften schmücken. Minsk, Lost In Kiev, Murmansk und wie sie alle heißen. Es geht auch andersherum. Vor allem, weil Blankenberge ungefähr in jenem musikalischen Milieu angesiedelt sind, welches auch die oben angeführten Beispiele beackern. Das russische Klangkollektiv wartet dann auch mit den notwendigen zwei Gitarren auf, die den Sound des zweiten Albums der Band in optimale Höhen wuchten.…
Autor: Carsten Agthe
(38:32, Vinyl, CD, Digital, Atypeek Music, 2019) Ähm, tja. Atypeek wird seinem Ruf wieder einmal mehr als gerecht und kommt mit einem Produkt, das stolz die Charakteristika wahnsinnig, abgefahren, bekloppt und unter gewissen Umständen auch genial auf der großformatigen Stirn trägt. Nach drei Kleinformaten, die, passend zum Thema, mit Titeln wie „Ebuz“, „Ebuzz“ und - klar doch - „Ebuzzz“ aufwarten, war es nun Zeit für ein Fulltime-Album. Was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Der Wahnsinn aus zappaeskem Schleudertrauma, Kirmesmusik und dadaistischem Trallala hat Methode. Und gerade hier dürften sich die Geister scheiden. Entweder ist Ultra Zook die Genialität in…
(13:41, Digital, Art As Catharsis, 2019) „Now, We have passed the peak. Reserves now dwindle. Our world, built from oil. Countries will clash Fuel for progress Lays locked beneath the ice." Der Wettlauf hat begonnen. Das Wettrennen um die riesigen Ressourcen der Arktis, die nun, in Folge der Schmelze der Polkappe(n), offenliegen. Cascades nehmen sich dem von Russland forcierten Problem an und gestalten aus diesem für die allgemeine Weltlage überaus heiklen Sachverhalt ihr neues Release, das sich als knapp 14-minütige One-Track-EP äußert. Wie schon das nach der Band betitelte Debütalbum gibt es diese Produktion als ‚pay what you want‘ auf…
(38:10, Vinyl, CD, Digital, Brainstorm Records/Rough Trade, 2019) Da hat man sich wohl die Ratschläge zum Debüt wenigstens partiell zu Herzen genommen. Ja, "Ape Shifter II" kommt dieses Mal mit Gesang. Wenn auch nur im abschließenden 'Matilda', das sich obendrein durch seine Gastvioline reichlich extrem vom Rest des Albums abhebt. Ape-Shifter-Chef Jeff Aug, welcher gar einen Guinness-Rekord vorweisen kann (9 absolvierte Konzerte in 24 Stunden) will es mit seinen Ape Shifters dann auch wirklich wissen, rockt er hier doch zusammen mit seinen Buddys Florian Walter (Bass) und Kurty Münch (Schlagzeug) wie die Hölle. Sonst bei Acts wie Dead Tuna, Floating…
(58:32, Vinyl, CD, Digital, RareNoiseRecords, 2019) Die Primi-Band, welche Marilyn Mazur 1978 mit durchweg weiblichen Musikerinnen gründete, bekommt nun, vierzig Jahre später, via "Shamania" eine spektakuläre Wiederauflage. Dabei ist der Name "Shamania" hierbei auch Programm, inszenieren die zehn hier versammelten Künstlerinnen einen mithin reichlich rituellen Crossover aus Worldmusic und nordischem Jazz. Dabei konnte die Leiterin dieses überaus beeindruckenden Kollektivs, die nebenbei in den Achtzigern als Percussionistin im Ensemble von Miles Davis diesbezüglich schon einmal geadelt wurde, dann auch die innovativsten Kolleginnen Skandinaviens versammeln, die aus "Shamania" eine Wechselwirkung der Gefühle aus jazziger Ekstase und rhythmischem Voodoo machen. Eine Kombination, die…
(50:16, CD, Digital, Trail Records, 2019) Irgendetwas ist dort, ganz weit draußen. Aus den unübersichtlichen Weiten des Altai-Gebirges heraus schicken sich Sonora Sunrise an, uns die Route durch bunte Landschaften zu zeigen, die sich nach und nach auffalten und zu Canyons verdichten, welchen die Konsistenz von Lavalampen anhaftet. Es liegt auf der Hand, dass man einen Guide bräuchte, der einen sicheren Fußes durch die sich in Form und Farbe ständig veränderlichen Landscapes führt. "The Route Through The Canyon" entpuppt sich als psychoaktiver Trip aus dem tiefsten Sibirien, der nun diesen bisher weißen Fleck auf der Spacerock'n Psychedelic-Karte mit Farbe beseelt.…
(33:38, Vinyl, CD, Digital, Tonzonen Records/H‘Art, 2019) Kamala geben dem Affen Zucker. Und das mittels einer überaus entspannten Symbiose aus Psych- und Krautrock, die mittels gar nicht einmal so homöopathisch eingesetzter Saxophonstöße hin und wieder ins dezent Jazzige abdriftet. Man merkt also schon, dass es nicht ganz uninteressant ist, was die mittlerweile in Leipzig beheimatete Band auch auf ihrem zweiten Album musikalisch vielschichtig breitwalzt. Und das auf gerade einmal etwas mehr als einer halben Stunde. „Your Sugar“ ist gepflastert mit angenehmen Déjà-vus, einem Wiedererkennen, wobei Kamala den Trip am Ende doch in eine gänzlich andere Richtung als vorher angenommen driften…
(63:34, CD, Digital, Moment Of Collapse Records, 2019) Nein, Stoner’n Doom ist mitnichten nur ein Jungen-Ding. Black Vulpines Sarah Voß und Daria Stirnberg relativieren die Frauenquote, jedenfalls in ihrer Band, und zünden mit „Veil Nebula“ schon in zweiter Instanz ein Brett, bei welchem einem Hören und Sehen vergeht. In positiver Hinsicht. Mit seinen über sechzig Minuten ist das zweite Album der Dortmunder, die sich in den letzten Jahren eine respektable Vita erspielt haben, nicht nur im Sound ein Schwergewicht. https://youtu.be/iEan67EHMn4 Nun gibt sich „Veil Nebula“ als Yin und Yang des Stoner Rock, warten die hier enthaltenen Tracks doch einerseits mit…
(45:27/45:27, Vinyl, CD, Digital, This Charming Man/Cargo, 2019) Das Brett des Monats dürfte dann wohl von BLCKWVS kommen. Ganze sieben Jahre nach ihrem epochal hämmernden „0150“ bringen BLCKWVS einen Doppeldecker an den Start, der eine Neuerung im Vorgehen der Band darstellt. Bisher komplett instrumental, wartet man dieses Mal mit Vocals auf, die von SängerInnen befreundeter Kapellen beigesteuert wurden. Wahlweise erscheint „0160“ nun als Instrumental- oder Vocalversion sowie auf der Hand liegend als Doppeldecker. Letzteres macht auch Sinn, funktionieren die Tracks doch in jeder Ausführung. Dabei hilft sicher, dass die jeweiligen Tracks den Gästen angepasst wurden. Unter der Ägide von Space…
(39:35, Vinyl, CD, Digital, Neurot Recordings/Cargo, 2019) Da haben die Deafkids ja bei Neurosis einen mächtigen Stein im Brett, war das brasilianische Trio doch bei der letzten Tour des postmetallischen Großkalibers zugegen und wird mit „Metaprogramação“ nun auch sein drittes Album auf dem Neurosis-eigenen Label Neurot Recordings veröffentlichen dürfen. Was insofern Sinn macht, da die Deafkids doch mit der gleichen Kompromisslosigkeit agieren wie ihre Förderer. Nur sind die Südamerikaner nicht in metallischen Gefilden, sondern in den trostlosen Brachen postindustrieller Landschaften unterwegs, in welchen noch der Lärm und der stoische Maschinenbeat vergangener Tage zu vernehmen ist. Sicher, „Metaprogramação“ ist wahrlich harter…
(70:25, Vinyl, CD, Digital, Denovali Records/Cargo, 2019) „Als Automatismus (plural: Automatismen) bezeichnet man in der Verhaltensbiologie alle Aktivitäten, die ohne erkennbare willentliche oder äußere Steuerung und Kontrolle vollzogen werden. Dies unterscheidet sie von Reflexen und Instinktverhalten, die zumindest durch äußere Faktoren beeinflusst werden können“ (Wikipedia). Mit dieser Intention als Grundlage könnte man das aktuelle Release des aus Sardinien stammenden Musikers Eugenio Caria aka Saffronkeira schon als Konzeptalbum sehen. Der Künstler betrachtet in diesem Zusammenhang vom Menschen geschaffene Kunst, die eher unbewusst entstanden ist. Soviel zum Konzept, das, auf „Automatism“ bezogen, eben auch ein Konzept bleibt. Weitaus entspannter und weniger harsch…
(34:20, Vinyl, CD, Digital, Kapitän Platte/Cargo, 2019) From Another Mother haben keine Lust auf vorhersehbare Geradlinigkeiten. Die Songs von „ATATOA“, dem zweiten Longplayer der Kroaten, entpuppen sich als sprunghafte, dynamische Kleinode in mit Math Rock-Einsprengseln versehenem Indie Rock, welche auf jeden Fall das Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben. Weil sich FAM auch auf in die Gehörgänge bohrende Hooklines verstehen, die den Songs hin und wieder einen nicht unangenehmen Hit-Appeal bescheren. Unter dieser Vorgabe macht sich „ATATOA“, aufgedröselt in seine Bestandteile, zum Hort singletauglicher Alternative Rocker, weil das Trio sich vor allem wendungsreichen Dreiminütern verschrieben hat, die zwischen offensichtlichem Spaß (‚May‘),…
(42:44, Vinyl, CD, Digital, Pelagic Records/Cargo, 2019) Wer hier bezüglich der Vocals ein Déjà-vu erlebt, ist auf der richtigen Fährte. Weil der neue Herod-Sänger Mike Pilat im Post-Metal nun einmal kein Unbekannter ist, war jener doch gesangstechnisch einst bei The Ocean unterwegs. Da sich dieser nebenbei zur Aufgabe gesetzt hat, Gitarre zu spielen, wird die Dichte dieses unverzichtbaren Relikts des Rocks hiermit gleich einmal auf ganze drei Instrumente gesteigert. Was in dieser Konstellation deswegen ein wenig ungewöhnlich ist, da Herod immerhin ohne Bass unterwegs sind. https://www.youtube.com/watch?v=p3La0CoA7D0 Dass Carcass-Gitarrist Bill Steer auf ‚Fork Tongue‘ als Gast zu hören ist, soll hier…
(42:27, Vinyl, CD, Digital, Agonia Records/Soulfood, 2019) The Moth Gatherer auf dem Weg zum Licht - ein Licht, bei dem man aber mitnichten Gefahr läuft zu verglühen. Weil es doch dermaßen eisig leuchtet, dass es Raureif wirft. Nach dem Weggang seines Buddys Alex Stjernfeldt muss sich nun Gitarrist Victor Wegeborn alleinig um die Vocals kümmern, derweil Dan Hemgren der neue Mann am Bass ist. Der Titel des dritten Albums der Stockholmer ist dann auch Programm – „Esoteric Oppression“, inszenieren The Moth Gatherer hier doch Mantras in Post-Metal, denen ob ihres transzendenten Flows doch schon ein wenig die anvisierte aggressive Basis…
(51:44, CD, Digital, Pelagic Records/Cargo, 2019) Wie nicht anders zu erwarten, bleiben auch hier die Schuster bei ihren Leisten. Es lag ja auf der Hand, dass die Mitglieder solch sympathisch sludgender Zeitgenossen wie Tombstones und Hymn auch hier ihre unheilige Bestimmung fortführen, die uns nun im Fall von Sâver in die tiefsten Abgründe des Doom’n Sludge zieht. „They Came With Sunlight“ ist dann mit Sicherheit ein Titel, der komplett auf die falsche Fährte führt. Aber, wo kein Licht, da auch kein Schatten. Womit man sich mit dem Debüt der drei Finsterbolde Ole Christian Helstad, Ole Ulvik Rokseth und Markus Støle…
(48:32, Vinyl, CD, Digital, Blues For The Red Sun/Stickman Records/Soulfood, 2019) Das ist ein Kreuz mit den ins Uferlose tendierenden Bandnamen: Nehmen bei Festival-Ankündigungen enorm viel Platz ein und prägen sich manchmal nur schwer ein. Aber, wenn es wahr ist?! TDATAB tragen ihre Intentionen schon einmal großspurig im Namen, welcher einem dann auch noch lässig über die Lippen kommt. Und kommen soundtechnisch dann eben so, wie man es sich vorstellen würde. Und das nun auch mit dem dritten Album, das die Osloer der Einfachheit willen „Tre“, drei, betiteln. Mit sechs Songs in knapp fünfzig Minuten warten The Devil And The…
(44:06, Vinyl, Digital, Art As Catharsis/Small Pond, 2019) Mit Gewalt, das heißt schon irgendwie reichlich brachial, gehen Town Portal ihr drittes Album an. „Of Violence“ ist dann auch das erste Album der Dänen, welches via Art As Catharsis nun auch in Australien Fuß fassen könnte. Mit seinen harschen, noisigen Soundexkursionen scheinen Town Portal fast schon prädestiniert für das Label from Down Under, Soundexkursionen, die nun auch schon in dritter Instanz die Ruhe vor dem Sturm zelebrieren, bei der es wie zu erwarten aber nicht bleibt. Denn der Sturm kommt auf jeden Fall, ein Sturm, der ob seiner auf- und abschwellenden…
(14:58, CD, Digital, Art As Catharsis/Bird’s Robe, 2019) „3.1“ scheint nicht nur die konsequente Fortsetzung von „3“, die EP ist es in der Tat auch. Wurde doch auf der Vorabveröffentlichung mit ‚Cyan‘, ‚Magenta‘, ‚Yellow‘ und ‚Imperfect Black‘ das CMYK-Farbmodell im Ansatz abgearbeitet, so folgt, jedenfalls partiell, nun die Weiterleitung auf dem Fuß. Mit ‚Absolute Black‘ startet das Projekt um Multiinstrumentalist Simeon Bartholomew nun tiefschwarz und in ein stilistisches Tohuwabohu aus Math-, Prog-, Noise- und Post-Rock. Mithin sind bis zu zwölf Musiker damit beschäftigt, die musikalischen Vorstellungen ihres Leaders in die Tat umzusetzen. Nur nimmt das vermeintliche Tohuwabohu Strukturen an, kristallisiert…
(40:28, Vinyl, CD, Digital, Tonzonen Records/H‘Art, 2019) Jedwede Herkunft könnte man No Man’s Valley bescheinigen, nur dass die Band aus den Niederlanden kommt, das muss man so erst einmal sacken lassen. Denn No Man’s Valley steht in erster Instanz für grenzenlose Weite in Sound und Habitus, und zweitens eben für grenzenlose Weite in Sound und Habitus. In Siebenmeilenstiefeln durcheilt der Fünfer die doch beachtliche Strecke zwischen dem amerikanischen Joshua Tree Nationalpark und dem australischen Outback, wobei man lässigst hemdsärmeligen Swamp Rock mit transzendenten Psych in Einklang bringt. Was auf „Outside The Dream“ bezogen bedeutet, dass einerseits die Bourbon-Flaschen kreisen, andererseits…
(50:40, Vinyl, CD, Digital, Dur et Doux/Inouie, 2019) So viel Phobien, nämlich ganze elf, wie sich ni auf’s Revers geheftet haben, kann man sich wirklich nicht ausdenken. Von der Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Geräuschen (‚Phonophobie‘), über die Angst vor Gemüse (‚Lachanophobie‘), die Angst vor Versagen (‚Kakorraphiphobie‘) bis hin zur Angst vor der Unendlichkeit (‚Apéirophobie‘), nichts ist für das französische Projekt zu abstrakt, um nicht irgendwie in den eigenen musikalischen Konsens gepresst zu werden. Unter dem Konzept „Pantophobie“ (was so zur Phobie Nummer zwölf, nämlich der Angst vor ALLEN Dingen, gerät) zusammengefasst teilen uns ni ihre Ängste und Sorgen in Form von…