(76:38, CD, Digital, Bellerophon Records, 2019) ‚Ümit! is a band‘ steht in erklärender Weise auf der Bandcamp-Seite der Institution aus Rommerskirchen, was, wenn wir es nicht schon längst wüssten, vielleicht sogar Sinn machte. Nach und nach legte die ‚Band‘ um Sänger / Gitarrist Jochen Oberlack die eigenen Intentionen offen, angefangen bei dem Fulltime-Album "The Spirit Of Ümit!", das von den Kleinformaten "The Gospel Of Ümit!", "The Curse Of Ümit!", "The Rise Of Ümit!" und "The Wake Of Ümit!" begleitet wurde. Dieser Reigen musikalischer Selbstoffenbarungen wurde erst neulich durch das mächtige Klangkunstwerk "The Testament Of Ümit!" komplettiert, womit wir erst einmal…
Autor: Carsten Agthe
(57:24, CD, Digital, Eigenveröffentlichung/No Name Records, 2018) Dass sich die St. Petersburger Wohlklangfraktion nach dem russischen Raumfahrtpionier Ziolkowski benannte, zeigt in ungefähr beziehungsweise eigentlich ganz deutlich, wohin hier die Reise geht. Циолковскaя steuern mit ihrem aktuellen Trip "Автомат Прошлого" (means: Vergangenheitsmaschine) zwar nicht unbedingt mit Warp-Geschwindigkeit, wohl aber unweigerlich und vehement in Richtung Walhalla, das irgendwo ganz weit da draußen zu suchen und zu finden ist. Die Band um Yegor Svysokihgor bedient sich hierfür der transzendenten Kraft der Mantras, die sich hier in einen psychedelisch anmutenden, aber nie ausartenden Rausch hineinmanövriert. Eine hin und wieder auftauchende melancholisch vor sich hin…
(37:59, CD, Digital, Art As Catharsis, 2019) The Biology Of Plants sind Jazz und auch wieder nicht, Prog Rock, aber nicht unbedingt, oder auch Minimal Music, aber nicht zwingend, da sich die australische Combo allem entzieht und im nächsten Augenblick wieder voll in die entsprechenden Nischen kracht. Nach der im letzten Jahr erschienenen EP "Vol. 1" folgt nun das quasi Fulltime-Debüt, obwohl "Vol.2" auch nicht zu ausschweifend geraten ist. Trotz allem haben The Biology Of Plants genügend Zeit, den Großteil ihrer wunderblumigen Extravaganz auszupacken und so ein ums andere Mal zu überraschen. In der Konstellation Cello, Bass, Synths und Schlagzeug…
(41:55, CD, Digital, Art As Catharsis, 2019) Songs vom Ende der Welt. Und das in zweierlei Hinsicht, da sich das australische Trio Lisathe auf seinem Debüt-Album Kompositionen von Künstlern aus Island vorgenommen hat. Was ja, für australische Verhältnisse, dann auch der nächste Weg ist. In der Besetzung Bass/Gitarre/Schlagzeug werden die Ursprungskompositionen aufgedröselt, kräftig durcheinandergewirbelt und lose wieder zusammengesetzt. Trotzdem ist ein Wiedererkennen in den meisten Fällen zwingend nötig, wenn man denn die Originale kennt, beziehungsweise im Hinterkopf hat. Mit Björks 'Pagan Poetry' kommt die wohl bekannteste Vertreterin isländischer Popkultur gleich am Anfang. Die Grundstruktur des Songs, der hier, wie alle…
(40:01, CD, Vinyl, Digital, Art As Catharsis, 2019) Erfrischender Jazz, Progressive, Post, Experimental und was auch immer, auf jeden Fall aber reichlich und beeindruckend spannender Instrumentalrock aus Dublin. Hier kommt wahrlich etwas Großes auf uns zu. Und das nicht nur, weil ein Track des neuen Alarmist-Output auf den Namen ‚Bronntanasaurus‘ hört. Aber die scheinbare Schwere löst sich alsbald auf, wird in ihre Bestandteile zerlegt, welche eben die weiter oben aufgezählten wären, wobei jedes dieser Ingredienzen auf jeden Fall auch für sich Bestandsschutz genießt. Weithin hallend verstrickt sich der Dreier dabei in manchmal wunderbar melancholischen Soundgeflechten aus Drums, Gitarre und Synths,…
(44:37, CD, Digital, Sound In Silence, 2019) Auf seinem Album „Alting Falder I Samme Rum“ - was auf Deutsch in etwa „Alter Falter bin ich (r)um“ bedeuten könnte - geht es Paw Grabowski überaus bedächtig an. Der dänische Musiker, der hier als øjeRum veröffentlicht und vorher schon mit diversen Releases auf verschiedenen Labels von sich reden machte, kommt mit einer analog-elektronisch geprägten Wabermasse, die es im Endeffekt auf eine Dreiviertelstunde bringt und, obwohl in sechs Tracks eingeteilt, als ein großes Ganzes durchgehen kann. Ähnlich dem früheren Werk eines Brian Eno oder Harold Budd kommen øjeRums Soundscapes dermaßen weitausladend und flächig,…
(20:31, CD, Digital, Sound In Silence, 2019) Nein, keine Angst, wir wollen hier mitnichten eine Diskussion bezüglich Klimaerwärmung vom Zaun brechen. Weil der Augenblick, in welchem uns HIN verweilen lassen, einfach zu schön ist. Auf zwanzig Minuten kuscheln sich Message To Bears Jerome Alexander und The Kids And The Cosmos Justin Lee Radford in Sounds, die eben wie gemacht sind für ein „Warmer Weather“, also für den Sommer, in dem das Lebensgefühl schon ein ganz anderes ist. Schon auf ‚The Lower Heat‘ lehnt man sich an einem Sommerabend zurück, wenn die zirkulierenden Winde ein wenig Erfrischung versprechen und die Cocktails…
(41:44, CD, Vinyl, Digital, Fuzzorama Records/Soulfood, 2019) Valley Of The Sun spielen sich auf ihrem neuen Album in jene Bereiche, in welche niemals ein Sonnenstrahl kommt. Und huldigen den alten Göttern. Den ganz alten. Jenen, die ob der neuen Götter, die da, der kultigen Serie „American Gods“ zufolge Society, Technology sowie Globalization, wären, im Hier und Jetzt eigentlich keine Daseinsberechtigung mehr haben dürften. Valley Of The Sun setzen diesen auf ihre Art und Weise ein Denkmal, wobei gerade diesbezüglichen soundtechnischen Stillleben wie 'Gaia Creates', 'Shiva Destroys' sowie 'Buddha Transcendents' zu lässigen Interimstunes im sonst überaus dynamischen und energiegeladenen Powersound geraten.…
(46:55, CD, Digital, Samum Publishing / Just For Kicks, 2019) Ja, die Russen aus den Staaten scheinen geradezu prädestiniert zu sein für die Lost World, die verlorene Welt, in der alles auf Anfang gesetzt wurde und auf klischeebelastete Befindlichkeiten überhaupt kein Wert gelegt wird. Wieso auch, ist doch keiner da, der so etwas goutieren würde. So präsentiert sich das immerhin schon 1991 im schönen Moskau gegründete Ensemble um den Multiinstrumentalisten Andy Didorenko auf seinem aktuellen Longplayer im Stil der Tanzkapelle Flotte Sohle – nett, freundlich, sympathisch - aber eben auch verdammt langweilig. Aber der äußere Eindruck täuscht dann wohl. So…
(46:23, Vinyl, CD, Digital, Sulatron Records / Broken Silence, 2019) Da darf doch mal wieder ganz tief im musikalischen Wohlbefinden umhergeschlurft werden. War Craig Williamson bisher schon für bezeichnende Trips wie "The Cosmic Union", "Echo In Light", "From The Mystic Rays Of Astrological Light", "Acid Mantra" oder "Transcendence" verantwortlich, so beamt uns der Soundguru in seinem zwölften Klangerlebnis geradewegs in die vierte Dimension. Wie auch zuvor gibt es hier, auf "Align In The Forth Dimension", keinerlei Aufreger. Das wäre der Sache, die der Arc Of Ascent / Datura Sänger und Bassist schon seit den frühen 2000ern veranstaltet, auch nicht dienlich.…
(39:23, CD, Vinyl, Digital, Atypeek Music/Solar Flare Records/Broken Silence, 2019) Das ist doch einmal eine klare Ansage – „Total Dump“. Was für alles, aber sicher nicht für die Franzosen von Sofy Major selbst zutrifft. Dreieinhalb Jahre nach dem mächtig rumpelnden „Waste“ vertrauen Mathieu Moulin, Mathieu Desternes und Thomas Dantil wieder auf die produktionstechnische Unterstützung von Dave Curran (Unsane), der aus dem Trio eben das Notwendigste herauskitzelt. So kommt „Total Dump“ schon von Anfang an beeindruckend druckvoll und direkt auf die Zwölf krachend. „So it is time. I fear this moment but I won’t run away. Inside it’s all flooding and…
(36:45, Vinyl, CD, Digital, Ormo Records/Atypeek Music, 2019) "#1" wurde aus einer dreistündigen Liveperformance herausgelöst und zeigt erst einmal an, wofür das Projekt um Matthieu Prual steht. Freie Improvisationen, apokalyptisch-dystoptische Klangmalereien und Atmosphären, die irgendwie nicht greifbar sind, da sie keinen Ansatzpunkt liefern. Mittels Schlagwerk, Effektgeräten und zweier (!) Saxophone schlurfen Sans Titre in Regionen herum, die zum Glück noch nie ein Mensch, und wenn, dann nur eine Schar von Auserwählten, zuvor gehört hat. Jazz, Noise und Ritualmusik bilden ein Grundrauschen, das immer präsent ist und dem man sich nicht entziehen kann, eine Art chinesische Tropfenfolter, die zwar nicht mit…
(43:43, CD, Vinyl, Digital, Ironclad Productions/Art As Catharsis, 2019) Mächtig gewaltig. Für zwei Leute machen Into Orbit mächtig Bumms. Es kann durchaus von Vorteil sein, als Duo zu agieren. Angefangen bei eventuellen Streitigkeiten über nicht akzeptierte Ideen, die sich hierbei schon auf ein Minimum reduzieren würden, als auch bei der Logistik groß angelegter Touren. Hier auf „Kinesis“, dem dritten Heavyplayer der Neuseeländer, werden einmal mehr Sounds und Riffgewalten übereinandergeschichtet, so dass sich ein hoch aufragendes Gebirge emporwuchtet, das sich auf verschiedene Arten bezwingen lässt. Der Hörer als Gipfelstürmer, der sich hier nicht zwischen instrumentalem Post-Metal, Post-Rock, Hard Rock und Doom…
(54:01, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Soulfood, 2019) Es ist wieder etwas im Anzug bei Bjørn Riis. Aber, obwohl mit einigen Härten bedacht und gesegnet, entpuppt sich „A Storm Is Coming“ als ein Sturm im Wasserglas, was durchaus nicht negativ zu werten ist. Denn das dritte Solo-Album des Airbag-Frontmanns, das gerade einmal ein Jahr nach der EP „Coming Home“ erscheint (was sicher auch ein Beweis für die umtriebige Produktivität des Musikers ist), kuschelt sich dermaßen in alle Nischen des mit Artrock und Progressive Rock bestempelten Klientels, dass es eine Freude ist. Hier kommen dann auch einmal mehr die Anhänger der späteren…
(31:02, CD, Digital, Addicted/No Name, 2019) Ähm, tja. Das Chaos hat dann wohl einen Namen – Злурад. Die Moskauer Krawallfraktion macht daraus auch keinen Hehl, dass man vehement die Chaostheorie in Sound verfolgt. Mit einer Spielzeit von etwas mehr als dreißig Minuten geriet „Во благо злу“ („A Blessing Or A Curse“) recht übersichtlich. Womit die klaren Strukturen dann wohl auch abgehakt wären. Zlurad bewegen (oder pogen) sich großflächig zwischen Nervenheilanstalt und Punkschuppen, wobei die einzigen Momente des Innehaltens dann auch wirklich zwischen den Tracks passieren. Der Fünfer um Furie Violetta Postnova wirkt hierbei in jedem der acht enthaltenen Tracks überaus…
(54:30, Vinyl, CD, Digital, Dark Essence Records/Soulfood, 2019) Die Wikinger segeln wieder, um sich mordend und brandschatzend über friedliche Enklaven zu ergießen. Und das schon zum zehnten Mal. Womit man das zu Erwartende schon irgendwie erwartet und sich diesem Schicksal ergibt. Aber das ist letztendlich vollkommen freiwillig. Mithin haben sich, vergleicht man „Rignir“ mit den Brutalitäten der Anfangstage, die Ausschweifungen ein wenig gezügelt, kommen nicht mehr ganz so blutdürstend und zerstörerisch daher. Im Siebenminutentakt (der Großteil der neuen Helheim-Songs verfügt über semi-epische Ausmaße) flaniert die Band von Ober-Wikinger V’gandr in hin und wieder anmutig erscheinenden Klangfjorden, die mal dem Neofolk…
(39:29, CD, Cassette, Digital, Elusive Sound, 2019) Eine Band aus St. Petersburg nennt sich nach einer Gemeinde in Westflandern. Warum auch nicht. The east strikes back, gibt es doch eben auch unzählige ausländische Bands, die sich namentlich mit wohlklingenden im Osten gelegenen Ortschaften schmücken. Minsk, Lost In Kiev, Murmansk und wie sie alle heißen. Es geht auch andersherum. Vor allem, weil Blankenberge ungefähr in jenem musikalischen Milieu angesiedelt sind, welches auch die oben angeführten Beispiele beackern. Das russische Klangkollektiv wartet dann auch mit den notwendigen zwei Gitarren auf, die den Sound des zweiten Albums der Band in optimale Höhen wuchten.…
(38:32, Vinyl, CD, Digital, Atypeek Music, 2019) Ähm, tja. Atypeek wird seinem Ruf wieder einmal mehr als gerecht und kommt mit einem Produkt, das stolz die Charakteristika wahnsinnig, abgefahren, bekloppt und unter gewissen Umständen auch genial auf der großformatigen Stirn trägt. Nach drei Kleinformaten, die, passend zum Thema, mit Titeln wie „Ebuz“, „Ebuzz“ und - klar doch - „Ebuzzz“ aufwarten, war es nun Zeit für ein Fulltime-Album. Was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Der Wahnsinn aus zappaeskem Schleudertrauma, Kirmesmusik und dadaistischem Trallala hat Methode. Und gerade hier dürften sich die Geister scheiden. Entweder ist Ultra Zook die Genialität in…
(13:41, Digital, Art As Catharsis, 2019) „Now, We have passed the peak. Reserves now dwindle. Our world, built from oil. Countries will clash Fuel for progress Lays locked beneath the ice." Der Wettlauf hat begonnen. Das Wettrennen um die riesigen Ressourcen der Arktis, die nun, in Folge der Schmelze der Polkappe(n), offenliegen. Cascades nehmen sich dem von Russland forcierten Problem an und gestalten aus diesem für die allgemeine Weltlage überaus heiklen Sachverhalt ihr neues Release, das sich als knapp 14-minütige One-Track-EP äußert. Wie schon das nach der Band betitelte Debütalbum gibt es diese Produktion als ‚pay what you want‘ auf…
(38:10, Vinyl, CD, Digital, Brainstorm Records/Rough Trade, 2019) Da hat man sich wohl die Ratschläge zum Debüt wenigstens partiell zu Herzen genommen. Ja, "Ape Shifter II" kommt dieses Mal mit Gesang. Wenn auch nur im abschließenden 'Matilda', das sich obendrein durch seine Gastvioline reichlich extrem vom Rest des Albums abhebt. Ape-Shifter-Chef Jeff Aug, welcher gar einen Guinness-Rekord vorweisen kann (9 absolvierte Konzerte in 24 Stunden) will es mit seinen Ape Shifters dann auch wirklich wissen, rockt er hier doch zusammen mit seinen Buddys Florian Walter (Bass) und Kurty Münch (Schlagzeug) wie die Hölle. Sonst bei Acts wie Dead Tuna, Floating…