(46:55, CD, Digital, Samum Publishing / Just For Kicks, 2019) Ja, die Russen aus den Staaten scheinen geradezu prädestiniert zu sein für die Lost World, die verlorene Welt, in der alles auf Anfang gesetzt wurde und auf klischeebelastete Befindlichkeiten überhaupt kein Wert gelegt wird. Wieso auch, ist doch keiner da, der so etwas goutieren würde. So präsentiert sich das immerhin schon 1991 im schönen Moskau gegründete Ensemble um den Multiinstrumentalisten Andy Didorenko auf seinem aktuellen Longplayer im Stil der Tanzkapelle Flotte Sohle – nett, freundlich, sympathisch - aber eben auch verdammt langweilig. Aber der äußere Eindruck täuscht dann wohl. So…
Autor: Carsten Agthe
(46:23, Vinyl, CD, Digital, Sulatron Records / Broken Silence, 2019) Da darf doch mal wieder ganz tief im musikalischen Wohlbefinden umhergeschlurft werden. War Craig Williamson bisher schon für bezeichnende Trips wie "The Cosmic Union", "Echo In Light", "From The Mystic Rays Of Astrological Light", "Acid Mantra" oder "Transcendence" verantwortlich, so beamt uns der Soundguru in seinem zwölften Klangerlebnis geradewegs in die vierte Dimension. Wie auch zuvor gibt es hier, auf "Align In The Forth Dimension", keinerlei Aufreger. Das wäre der Sache, die der Arc Of Ascent / Datura Sänger und Bassist schon seit den frühen 2000ern veranstaltet, auch nicht dienlich.…
(39:23, CD, Vinyl, Digital, Atypeek Music/Solar Flare Records/Broken Silence, 2019) Das ist doch einmal eine klare Ansage – „Total Dump“. Was für alles, aber sicher nicht für die Franzosen von Sofy Major selbst zutrifft. Dreieinhalb Jahre nach dem mächtig rumpelnden „Waste“ vertrauen Mathieu Moulin, Mathieu Desternes und Thomas Dantil wieder auf die produktionstechnische Unterstützung von Dave Curran (Unsane), der aus dem Trio eben das Notwendigste herauskitzelt. So kommt „Total Dump“ schon von Anfang an beeindruckend druckvoll und direkt auf die Zwölf krachend. „So it is time. I fear this moment but I won’t run away. Inside it’s all flooding and…
(36:45, Vinyl, CD, Digital, Ormo Records/Atypeek Music, 2019) "#1" wurde aus einer dreistündigen Liveperformance herausgelöst und zeigt erst einmal an, wofür das Projekt um Matthieu Prual steht. Freie Improvisationen, apokalyptisch-dystoptische Klangmalereien und Atmosphären, die irgendwie nicht greifbar sind, da sie keinen Ansatzpunkt liefern. Mittels Schlagwerk, Effektgeräten und zweier (!) Saxophone schlurfen Sans Titre in Regionen herum, die zum Glück noch nie ein Mensch, und wenn, dann nur eine Schar von Auserwählten, zuvor gehört hat. Jazz, Noise und Ritualmusik bilden ein Grundrauschen, das immer präsent ist und dem man sich nicht entziehen kann, eine Art chinesische Tropfenfolter, die zwar nicht mit…
(43:43, CD, Vinyl, Digital, Ironclad Productions/Art As Catharsis, 2019) Mächtig gewaltig. Für zwei Leute machen Into Orbit mächtig Bumms. Es kann durchaus von Vorteil sein, als Duo zu agieren. Angefangen bei eventuellen Streitigkeiten über nicht akzeptierte Ideen, die sich hierbei schon auf ein Minimum reduzieren würden, als auch bei der Logistik groß angelegter Touren. Hier auf „Kinesis“, dem dritten Heavyplayer der Neuseeländer, werden einmal mehr Sounds und Riffgewalten übereinandergeschichtet, so dass sich ein hoch aufragendes Gebirge emporwuchtet, das sich auf verschiedene Arten bezwingen lässt. Der Hörer als Gipfelstürmer, der sich hier nicht zwischen instrumentalem Post-Metal, Post-Rock, Hard Rock und Doom…
(54:01, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Soulfood, 2019) Es ist wieder etwas im Anzug bei Bjørn Riis. Aber, obwohl mit einigen Härten bedacht und gesegnet, entpuppt sich „A Storm Is Coming“ als ein Sturm im Wasserglas, was durchaus nicht negativ zu werten ist. Denn das dritte Solo-Album des Airbag-Frontmanns, das gerade einmal ein Jahr nach der EP „Coming Home“ erscheint (was sicher auch ein Beweis für die umtriebige Produktivität des Musikers ist), kuschelt sich dermaßen in alle Nischen des mit Artrock und Progressive Rock bestempelten Klientels, dass es eine Freude ist. Hier kommen dann auch einmal mehr die Anhänger der späteren…
(31:02, CD, Digital, Addicted/No Name, 2019) Ähm, tja. Das Chaos hat dann wohl einen Namen – Злурад. Die Moskauer Krawallfraktion macht daraus auch keinen Hehl, dass man vehement die Chaostheorie in Sound verfolgt. Mit einer Spielzeit von etwas mehr als dreißig Minuten geriet „Во благо злу“ („A Blessing Or A Curse“) recht übersichtlich. Womit die klaren Strukturen dann wohl auch abgehakt wären. Zlurad bewegen (oder pogen) sich großflächig zwischen Nervenheilanstalt und Punkschuppen, wobei die einzigen Momente des Innehaltens dann auch wirklich zwischen den Tracks passieren. Der Fünfer um Furie Violetta Postnova wirkt hierbei in jedem der acht enthaltenen Tracks überaus…
(54:30, Vinyl, CD, Digital, Dark Essence Records/Soulfood, 2019) Die Wikinger segeln wieder, um sich mordend und brandschatzend über friedliche Enklaven zu ergießen. Und das schon zum zehnten Mal. Womit man das zu Erwartende schon irgendwie erwartet und sich diesem Schicksal ergibt. Aber das ist letztendlich vollkommen freiwillig. Mithin haben sich, vergleicht man „Rignir“ mit den Brutalitäten der Anfangstage, die Ausschweifungen ein wenig gezügelt, kommen nicht mehr ganz so blutdürstend und zerstörerisch daher. Im Siebenminutentakt (der Großteil der neuen Helheim-Songs verfügt über semi-epische Ausmaße) flaniert die Band von Ober-Wikinger V’gandr in hin und wieder anmutig erscheinenden Klangfjorden, die mal dem Neofolk…
(39:29, CD, Cassette, Digital, Elusive Sound, 2019) Eine Band aus St. Petersburg nennt sich nach einer Gemeinde in Westflandern. Warum auch nicht. The east strikes back, gibt es doch eben auch unzählige ausländische Bands, die sich namentlich mit wohlklingenden im Osten gelegenen Ortschaften schmücken. Minsk, Lost In Kiev, Murmansk und wie sie alle heißen. Es geht auch andersherum. Vor allem, weil Blankenberge ungefähr in jenem musikalischen Milieu angesiedelt sind, welches auch die oben angeführten Beispiele beackern. Das russische Klangkollektiv wartet dann auch mit den notwendigen zwei Gitarren auf, die den Sound des zweiten Albums der Band in optimale Höhen wuchten.…
(38:32, Vinyl, CD, Digital, Atypeek Music, 2019) Ähm, tja. Atypeek wird seinem Ruf wieder einmal mehr als gerecht und kommt mit einem Produkt, das stolz die Charakteristika wahnsinnig, abgefahren, bekloppt und unter gewissen Umständen auch genial auf der großformatigen Stirn trägt. Nach drei Kleinformaten, die, passend zum Thema, mit Titeln wie „Ebuz“, „Ebuzz“ und - klar doch - „Ebuzzz“ aufwarten, war es nun Zeit für ein Fulltime-Album. Was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Der Wahnsinn aus zappaeskem Schleudertrauma, Kirmesmusik und dadaistischem Trallala hat Methode. Und gerade hier dürften sich die Geister scheiden. Entweder ist Ultra Zook die Genialität in…
(13:41, Digital, Art As Catharsis, 2019) „Now, We have passed the peak. Reserves now dwindle. Our world, built from oil. Countries will clash Fuel for progress Lays locked beneath the ice." Der Wettlauf hat begonnen. Das Wettrennen um die riesigen Ressourcen der Arktis, die nun, in Folge der Schmelze der Polkappe(n), offenliegen. Cascades nehmen sich dem von Russland forcierten Problem an und gestalten aus diesem für die allgemeine Weltlage überaus heiklen Sachverhalt ihr neues Release, das sich als knapp 14-minütige One-Track-EP äußert. Wie schon das nach der Band betitelte Debütalbum gibt es diese Produktion als ‚pay what you want‘ auf…
(38:10, Vinyl, CD, Digital, Brainstorm Records/Rough Trade, 2019) Da hat man sich wohl die Ratschläge zum Debüt wenigstens partiell zu Herzen genommen. Ja, "Ape Shifter II" kommt dieses Mal mit Gesang. Wenn auch nur im abschließenden 'Matilda', das sich obendrein durch seine Gastvioline reichlich extrem vom Rest des Albums abhebt. Ape-Shifter-Chef Jeff Aug, welcher gar einen Guinness-Rekord vorweisen kann (9 absolvierte Konzerte in 24 Stunden) will es mit seinen Ape Shifters dann auch wirklich wissen, rockt er hier doch zusammen mit seinen Buddys Florian Walter (Bass) und Kurty Münch (Schlagzeug) wie die Hölle. Sonst bei Acts wie Dead Tuna, Floating…
(58:32, Vinyl, CD, Digital, RareNoiseRecords, 2019) Die Primi-Band, welche Marilyn Mazur 1978 mit durchweg weiblichen Musikerinnen gründete, bekommt nun, vierzig Jahre später, via "Shamania" eine spektakuläre Wiederauflage. Dabei ist der Name "Shamania" hierbei auch Programm, inszenieren die zehn hier versammelten Künstlerinnen einen mithin reichlich rituellen Crossover aus Worldmusic und nordischem Jazz. Dabei konnte die Leiterin dieses überaus beeindruckenden Kollektivs, die nebenbei in den Achtzigern als Percussionistin im Ensemble von Miles Davis diesbezüglich schon einmal geadelt wurde, dann auch die innovativsten Kolleginnen Skandinaviens versammeln, die aus "Shamania" eine Wechselwirkung der Gefühle aus jazziger Ekstase und rhythmischem Voodoo machen. Eine Kombination, die…
(50:16, CD, Digital, Trail Records, 2019) Irgendetwas ist dort, ganz weit draußen. Aus den unübersichtlichen Weiten des Altai-Gebirges heraus schicken sich Sonora Sunrise an, uns die Route durch bunte Landschaften zu zeigen, die sich nach und nach auffalten und zu Canyons verdichten, welchen die Konsistenz von Lavalampen anhaftet. Es liegt auf der Hand, dass man einen Guide bräuchte, der einen sicheren Fußes durch die sich in Form und Farbe ständig veränderlichen Landscapes führt. "The Route Through The Canyon" entpuppt sich als psychoaktiver Trip aus dem tiefsten Sibirien, der nun diesen bisher weißen Fleck auf der Spacerock'n Psychedelic-Karte mit Farbe beseelt.…
(33:38, Vinyl, CD, Digital, Tonzonen Records/H‘Art, 2019) Kamala geben dem Affen Zucker. Und das mittels einer überaus entspannten Symbiose aus Psych- und Krautrock, die mittels gar nicht einmal so homöopathisch eingesetzter Saxophonstöße hin und wieder ins dezent Jazzige abdriftet. Man merkt also schon, dass es nicht ganz uninteressant ist, was die mittlerweile in Leipzig beheimatete Band auch auf ihrem zweiten Album musikalisch vielschichtig breitwalzt. Und das auf gerade einmal etwas mehr als einer halben Stunde. „Your Sugar“ ist gepflastert mit angenehmen Déjà-vus, einem Wiedererkennen, wobei Kamala den Trip am Ende doch in eine gänzlich andere Richtung als vorher angenommen driften…
(63:34, CD, Digital, Moment Of Collapse Records, 2019) Nein, Stoner’n Doom ist mitnichten nur ein Jungen-Ding. Black Vulpines Sarah Voß und Daria Stirnberg relativieren die Frauenquote, jedenfalls in ihrer Band, und zünden mit „Veil Nebula“ schon in zweiter Instanz ein Brett, bei welchem einem Hören und Sehen vergeht. In positiver Hinsicht. Mit seinen über sechzig Minuten ist das zweite Album der Dortmunder, die sich in den letzten Jahren eine respektable Vita erspielt haben, nicht nur im Sound ein Schwergewicht. https://youtu.be/iEan67EHMn4 Nun gibt sich „Veil Nebula“ als Yin und Yang des Stoner Rock, warten die hier enthaltenen Tracks doch einerseits mit…
(45:27/45:27, Vinyl, CD, Digital, This Charming Man/Cargo, 2019) Das Brett des Monats dürfte dann wohl von BLCKWVS kommen. Ganze sieben Jahre nach ihrem epochal hämmernden „0150“ bringen BLCKWVS einen Doppeldecker an den Start, der eine Neuerung im Vorgehen der Band darstellt. Bisher komplett instrumental, wartet man dieses Mal mit Vocals auf, die von SängerInnen befreundeter Kapellen beigesteuert wurden. Wahlweise erscheint „0160“ nun als Instrumental- oder Vocalversion sowie auf der Hand liegend als Doppeldecker. Letzteres macht auch Sinn, funktionieren die Tracks doch in jeder Ausführung. Dabei hilft sicher, dass die jeweiligen Tracks den Gästen angepasst wurden. Unter der Ägide von Space…
(39:35, Vinyl, CD, Digital, Neurot Recordings/Cargo, 2019) Da haben die Deafkids ja bei Neurosis einen mächtigen Stein im Brett, war das brasilianische Trio doch bei der letzten Tour des postmetallischen Großkalibers zugegen und wird mit „Metaprogramação“ nun auch sein drittes Album auf dem Neurosis-eigenen Label Neurot Recordings veröffentlichen dürfen. Was insofern Sinn macht, da die Deafkids doch mit der gleichen Kompromisslosigkeit agieren wie ihre Förderer. Nur sind die Südamerikaner nicht in metallischen Gefilden, sondern in den trostlosen Brachen postindustrieller Landschaften unterwegs, in welchen noch der Lärm und der stoische Maschinenbeat vergangener Tage zu vernehmen ist. Sicher, „Metaprogramação“ ist wahrlich harter…
(70:25, Vinyl, CD, Digital, Denovali Records/Cargo, 2019) „Als Automatismus (plural: Automatismen) bezeichnet man in der Verhaltensbiologie alle Aktivitäten, die ohne erkennbare willentliche oder äußere Steuerung und Kontrolle vollzogen werden. Dies unterscheidet sie von Reflexen und Instinktverhalten, die zumindest durch äußere Faktoren beeinflusst werden können“ (Wikipedia). Mit dieser Intention als Grundlage könnte man das aktuelle Release des aus Sardinien stammenden Musikers Eugenio Caria aka Saffronkeira schon als Konzeptalbum sehen. Der Künstler betrachtet in diesem Zusammenhang vom Menschen geschaffene Kunst, die eher unbewusst entstanden ist. Soviel zum Konzept, das, auf „Automatism“ bezogen, eben auch ein Konzept bleibt. Weitaus entspannter und weniger harsch…
(34:20, Vinyl, CD, Digital, Kapitän Platte/Cargo, 2019) From Another Mother haben keine Lust auf vorhersehbare Geradlinigkeiten. Die Songs von „ATATOA“, dem zweiten Longplayer der Kroaten, entpuppen sich als sprunghafte, dynamische Kleinode in mit Math Rock-Einsprengseln versehenem Indie Rock, welche auf jeden Fall das Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben. Weil sich FAM auch auf in die Gehörgänge bohrende Hooklines verstehen, die den Songs hin und wieder einen nicht unangenehmen Hit-Appeal bescheren. Unter dieser Vorgabe macht sich „ATATOA“, aufgedröselt in seine Bestandteile, zum Hort singletauglicher Alternative Rocker, weil das Trio sich vor allem wendungsreichen Dreiminütern verschrieben hat, die zwischen offensichtlichem Spaß (‚May‘),…