(41:15, CD, Vinyl, Digital, Small Pond, 2018) Eine dezente Orientierungslosigkeit mündet an dieser Stelle in wachsender Begeisterung. Begeisterung ob einer Sache, die aus Jazz, ostasiatischer Folklore und reichlich experimenteller Psychedelic einen beeindruckenden Kauderwelsch macht, der einerseits reichlich endemisch, also einzigartig geriet, der Hörer hier aber immer wieder Leuchtfeuer des Erkennens in einem Meer aus Fremdartigkeiten ausmachen kann. Hinter Yama Warashi agiert vor allem die aus dem japanischen Ashiya stammende Multiinstrumentalistin Yoshino Shigihara, die in Bristol eine neue musikalische Bestimmung suchte und auch fand. Nämlich als Mitglied in der mit dem Prädikat genial zu beschreibenden Band Zun Zun Engui. Nach dem…
Autor: Carsten Agthe
(41:12, CD, Vinyl, Prophecy Productions/Soulfood, 2017) Eye Of Nix müssen schon gehörig Eindruck hinterlassen haben, als die Band Ende letzten Jahres ihr Debütalbum als strikt limitiertes Vinyl veröffentlichten. Weil sich nun Prophecy der Band aus Seattle annahm, um „Black Somnia“ einer weiter gestreuten Audience zugänglich zu machen. Das 6-Track-Debüt ist ein Lehrstück in Sachen zu Musik gewordener Alptraum. Dabei scheint Sängerin und Gitarristin Joy Von Spain die treibende Kraft hinter diesem Spuk, zeigt sie doch zu jeder noch so komplizierten Anforderung eine gute Figur. Dort, wo die metallischen Avancen einen schwarzen Anstrich bekommen, macht Joy auf mordlustigen Berserker (‚Wound An…
(43:19, CD, Vinyl, Digital, Holy Roar Records, 2018) Das muss man erst einmal bringen - sein Album gleich mit einem Dreiundzwanzigminüter anfangen zu lassen. Aber OHHMS waren in ihrer, zugegeben, bisher doch recht kurzen Karriere noch nie Kinder von Traurigkeiten oder gar zeitlicher Beschränkungen. So hievten sich die beiden ersten Lautäußerungen des Schwergewichts aus dem britischen Kent, nämlich die EPs „Bloom“ sowie „Cold“ mit jeweils zwei ausufernden mäandernden Tracks über die dreißig Minuten, was für ein Kleinformat doch ein beachtliches Ausmaß ist. Mit der Gewissheit ausgestattet, dass die eigenen Vorlieben für die tiefsten Abgründe in Doom, Metal, Sludge und Stonerrock…
(79:34/71:59/74:15, CD, Vinyl, Svart Records, 2018) Willkommen in der unheiligen Dreifaltigkeit. Die Fröhlichkeit des Laughing Buddha war mir schon immer ein wenig unheimlich. Nun zeigt er auch prompt sein wahres Gesicht. Svart Records veröffentlicht an dieser Stelle Album Nummer zwei, drei sowie vier der finnischen SlowMo-Doomer und wieder einmal wird bestätigt, dass es nach Sleep irgendwo da draußen in der Einöde doch noch etwas anderes gibt. In den drei knapp achtzigminütigen Brocken „Ritual IX" (2008), „Entheomorphosis" (2009) sowie „Abyssolute Transfinite (2011)" erschaffen Dark Buddha Rising tiefschwarze Abgründe im Nirgendwo in jeweils vier Tracks, die es nicht nur bezüglich ihrer Lauflänge…
(38:08, CD, Digital, Vinyl, Moment Of Collapse/Broken Silence, 2018) Man muss aufpassen, wenn die Scholle bricht und sich als Lawine alles zerstörend und mitreißend ins Tal wälzt. Cataya geben sich ebenso harsch und eiskristallin wie eben jener Schnee, der titelgebend für das zweite Album des Aachener Sextetts ist. Wie schon auf dem vor drei Jahren erschienenen Debüt „Sukzession“ bringt man die Erfüllung in Post-Rock’n Metal in vier Tracks. Die Gitarrenbreitseiten kommen deswegen so intensiv, weil Cataya mit drei Gitarristen aufwarten, die im Verbund dem Sound die nötigen Härten liefern und so auch bei der sympathischen Headbanging-Fraktion landen könnten. Weil, auch…
(54:37, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Soulfood, 2018) Dieser Sache kann man ohne falsche Bescheidenheit und Magenschmerzen den Stempel ‚Progressive Rock‘ aufdrücken. Weil Oak auch in zweiter Instanz, nämlich mit „False Memory Archive“, auf ganzer Linie beeindrucken. Was vor allem daran liegt, dass die Norweger sich auf den Song an sich und nicht, obwohl durchaus vorhanden, zu vordergründiger technischer Finesse konzentrieren. Womit auch der zweite Streich von Oak einerseits Prog-Jünger, andererseits allen anderen Musikstilen offen gegenüberstehenden Gourmets eine Freude sein dürfte. Auf der einen Seite steht der Pop-Aspekt, der ja von ähnlich Aktiven wie Steven Wilson, Marillion, Riverside oder Airbag hin…
(38:05, CD, Vinyl, Digital, Pony Records/The Orchard, 2018) Speaker Bite Me schmieden wieder Pläne. Zukunftspläne, wohlgemerkt, was nach elf Jahren (relativer) Stille dann auch vonnöten ist. Dass die Band um Sängerin Signe Høirup Wille Jørgensen keine Leere hinterlassen hat mag daran gelegen haben, dass die Band trotzdem immer präsent war und auch regelmäßig Konzerte gab. So kommt „Future Plans“ nicht gänzlich aus dem Nichts, haben wir dieses Album doch insgeheim schon erwartet. „Future Plan“ macht dann auch lässig wieder auf einen Crossover aus Post-Rock, Wave und Elfengesang. Wobei für letztere natürlich wieder Signe zuständig zeichnet, die einmal wie Elizabeth Frazer…
(47:50, Download, Metal Blade Records/Sony, 2018) Dass sowieso alles seinem Ende entgegen geht, ist gewiss. Die sich breit machende Lethargie ist spürbar, als Einzelner kann man sowieso nichts ändern. Verglichen mit der Präsenz des Lebens auf der Erde ist die Anwesenheit des Menschen eben jener viel zitierte Vogelschiss. Die Menschheit entzieht sich selbst jegliche Lebensgrundlage – der Welt dürfte es egal sein. Denn auch wenn die Regeneration Millionen Jahre dauert, irgendwann ist von der so genannten ‚Schöpfung Gottes‘ kein Fußabdruck mehr festzustellen. Die Zeit heilt Wunden. Und eben auch das zurzeit flächendeckende Übel. Zu eben diesem Thema hat auch die…
(48:27, Digital, Eigenvertrieb, 2018) Sechs Jahre nach ihrem Debüt „Labels & Codes“ sowie den auf EP getrimmten „Universal Dreams“ ist sicher Zeit für eine Zäsur. Wohl nicht ohne Grund benannte das Trio aus dem Großraum Köln/Dortmund/Hannover ihr neues Werk nach sich selbst, macht es doch hier Nägel mit Köpfen und fährt zu einer Form auf, die nur noch mit meisterlich charakterisiert werden dürfte. Elizabeth the last by Elizabeth the last Das Beachtliche an „Elizabeth The Last“, dem Album, ist, dass mit den fünf überlangen Tracks die ganze Palette progmusikalischer Offenbarungen abgehakt wird, Offenbarungen, die schon mal in Richtung Post-Rock oder…
(52:39, CD, Vinyl, Digital, RareNoise, 2018) Hier scheinen sich vier Weltklassemusiker gesucht und gefunden zu haben. So kann man an dieser Stelle schon die Behauptung aufstellen – Cuong Vu hat gerufen, der Rest lief von selbst. Der vietnamesische Trompeter, der immerhin schon mit Pat Metheny, David Bowie und Laurie Anderson zusammenarbeitete, lebt seit 2007 in Seattle und hat an der Universität von Washington eine Professur inne. Was nicht gleichbedeutend damit ist, nicht selbst weiter musikalisch aktiv zu bleiben. Nach seine Laudatio für den britischen Jazzmusiker Michael Gibbs mit „Ballet: The Music Of Michael Gibbs“ im letzten Jahr, bei welcher er…
(46:42, CD, Vinyl, Digital, Kartel Music/Indigo, 2018) „Bristopia“ ist real. Nämlich eine Einstellung zum Leben in Bristol. Eben diese Einstellung verschaffte uns schon beeindruckende und sympathische musikalische Schöpfungen, welche vor allem unter dem seit Anfang der Neunziger überaus hippen Genre Trip Hop rangierten. Nun haben Get The Blessing, eine Band, die immerhin auch schon seit knapp zwanzig Jahren aktiv ist, ihrer Heimatstadt quasi ein Denkmal errichtet. Erst einmal ist da nämlich der Film „Bristopia“, welchen die Band zusammen mit ihrem Visual Member John Minton aus endlos scheinendem Archivmaterial um und über die Szene in Bristol zusammenstellte. Dann ist da weiterhin…
(58:20, CD, Vinyl, Digital, KScope/Edel, 2018) An dieser Stelle soll nicht das Für und Wider von "Best Of"‘-Compilations diskutiert werden. Fakt ist, dass solche Releases eben nicht für den Fan gemacht sind, denn dieser hat sowieso schon alles von seinen angebeteten Stars, sondern für solche Klientel, denen die Hitvariante des jeweiligen Akteurs vollkommen ausreicht. Diese allerdings wirklich zum Kauf zu bewegen, ist in Zeiten von Spotify & Co. ein immer schwieriger werdendes Unterfangen. Nach fünf regulären Alben geht es aber schon okay, sich mit einer Werkschau zu präsentieren. Von Porcupine Tree-Fans wurde das Sideproject von Steven Wilson, das dieser seit…
(41:31, CD, Vinyl, Digital, Rare Noise, 2018) Eigentlich fing alles vor ein paar Jahren, genauer 2004, an. Hier erschien nämlich das Album „Derbe Respect, Alder“, auf welchem die Pioniere des experimentellen Krautrock, Faust, eine überaus ertragreiche Kollaboration mit der amerikanischen Industrial Hip Hop-Fraktion Dälek eingingen. Das Resultat dieser Zusammenarbeit ließ eine gänzlich neue Sichtweise auf den Hip Hop zu, und wenn sich die Spielart großmäuliger Labersäcke nicht gänzlich im progressiven Rock festsetzen konnte (die Experimente von Archive in eben dieser Richtung wurden von deren Fans nun einmal überhaupt nicht goutiert), setzte dieses Album wohl erst einmal ein Ausrufezeichen. Anguish nun…
(50:10, Vinyl, Tonzonen Records/H‘Art, 2018) Zugegeben hatte sich der Rezensent das Album im Januar dieses Jahres schon als ‘name your price’ auf Bandcamp gezogen. Womit 2018 in postmusikalischer Hinsicht schon ganz gut losging. Und auch wirklich entwickelte sich „Noorvik“ in all seiner Eleganz und innewohnenden Energie zu einem Highlight in diesem Genre. Was mit daran liegt, dass wir es hier mit Könnern zu tun haben, welche sich in instrumentalen Höhenflügen ergehen, wobei die Suspense-Kurven vehement nach oben ausschlagen. Knapp ein Jahr nach dem digitalen Release nebst Kleinstauflage auf CD bekommt das Debüt der Kölner den Format-technischen Ritterschlag auf Vinyl. Die…
(41:36, CD, Vinyl, Digital, Bimba Records/Cargo Records, 2018) Alles fließt. Sicher sind C.A.R. keine Musikenthusiasten, die zurückblicken oder andächtig in der Vergangenheit verharren. Vorwärts heißt auch auf dem zweiten Album die Devise des Kölner Vierers, das sich dem Jazz verschrieben hat und diesen Begriff mit „Look Behind You“ auch nicht überstrapaziert. Doch wie so oft sind auch hier die Grenzen fließend. Das Album bringt den Jazz auf die Dancefloors der Welt und den Techno in die auf Blue Notes ausgerichteten Bars. Womit C.A.R. einmal mehr eine Kompatibilität erreichen, die ihresgleichen sucht. Und das auch noch ohne Anbiederungen an die jeweilige…
(39:28, 41:02, CD, Vinyl, Hubro/Brokensilence, 2018) Da kommt wieder einmal ein Brocken auf uns zu, der erst einmal verdaut werden muss. Ganze 82 Minute währt das vierte Album des Projekts um den norwegischen Saxophonisten Kjetil Traavik Møster. Und von diesen (Minuten) hat es jede einzelne in sich. Nun ist es ein Leichtes, gleich einmal Namedropping zu betreiben, gehören doch neben dem Namensgeber solche Zeitgenossen wie Motorpsychos Hans Magnus Ryan, Schlagzeuger Kenneth Kapstad (ex-Motorpsycho, Spidergawd) und Needlepoint-/Elephant9-Bassmann Nikolai Hængsle zum Line-Up der Noise-Core-Jazzisten. Mit dem Eifer, mit dem das Quartett hier unterwegs ist, ist es indes ein Leichtes, ein dezentes Doppelalbum…
(42:50, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records / Cargo, 2018) Ob die Rückkehr von Earthship zu Pelagic Records nun reumütig oder aus strategischen Gründen erfolgte, soll an dieser Stelle nicht Anlass für Diskussionen sein. Fakt ist, dass das Earthship nun nach einem kurzen Abstecher zu Napalm Records, der das Album „Withered“ zur Folge hatte, wieder sicher im heimatlichen Hafen anlegten. Mit Basti Grim empfiehlt sich ein neuer Schlagzeuger, der Jan und Sabine Oberg (Grin) den nötigen Druck und die bestätigte Basis zum erneuten Abheben liefert, obwohl „Resonant Sun“ eher geerdet als abgehoben wirkt. Man schwurbelt sich erneut durch Antigravitationen und schwarz…
(27:58, CD, Vinyl, Digital, Atypeek Music, 2018) Dream-Pop auf Atypeek? Es wird ja immer besser. Weil „It’s About Time“, das Debüt von I, Useless, so unschuldig wie eine Märchenwiese im Frühling oder ein erfrischender Landregen im Sommer wirkt. Nur: ganz so sorglos wie uns anfangs die lieblich/androgyne Stimme des Machers hinter I, Useless glauben machen möchte, ist „Twister“ dann eben nicht. Denn hier wird der Tod eines guten Freundes verarbeitet. Das zwar nachdenklich und intensiv aber eben nicht unbedingt in grenzenloser Trauer. Irgendwie schafft es das One-Mann-Project aus dem französischen Clermont-Ferrand absolut gechillte bis pathetisch-großflächige Atmos in Einklang zu bringen,…
(37:31, CD, Vinyl, Digital, Golden Antenna/Broken Silence, 2018) „I’ve been singing through the dark in me to find peace and calm down the fear of light outside, I’ve been screaming through the light outside to find anyone to fight to set this world on fire…“. Mit all seinem Hang zum Drama outet sich Dávid Makó definitiv auch als Kind von Traurigkeit. Die vehemente Intensität seiner Darbietung ist ebenfalls nicht dafür geeignet, für Stimmung im Altenheim zu sorgen. Aber bei uns! Vier Jahre nach seinem Debütalbum „Those Miles We Walked Alone“ kommt der Musiker unter seinem Moniker The Devil’s Trade mit…
(38:54, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Cargo, 2018) Die letzte Intronaut-Offerte „The Direction Of Last Things“ ist nun auch schon drei Jahre alt. Was so nicht weiter auffällig wäre, hält sich dieser Zeitraum doch noch im Rahmen aktueller Veröffentlichungspolitiken. Wenn man aber auf das Line-up von Future Usses blickt, die nun mit ihrem Debüt-Album „The Existential Haunting“ für Furore sorgen könnten, und wenn man hier auf einen Sacha Dunable stößt, seines Zeichens Frontmann von Intronaut, fragt man sich schon, ob dieses Vehikel hier nur Interimslösung und Auszeit oder doch Teil eines größeren Plans ist. Nun ist „The Existential Haunting“ von jener…