(68:17, CD, Vinyl, Digital, Dur et Doux/Inouie, 2018) Antoine Mermet musste dann wohl einsehen, dass sich seine musikalischen Vorstellungen als Einmann-Projekt dann doch nicht so recht umsetzen lassen. Zwar nahm er seine Debüt-EP „Building Lampshades“, auf welcher er erst einmal sämtliche Ideen aufarbeitete, die in seinen diversen anderen Projekten nicht zünden mochten, im Alleingang auf. Aber spätestens mit der Live-Umsetzung seiner Ideen taten sich die ersten Probleme auf, so dass sich der bisherige Eigenbrötler mit einigen Musikern umgab. Aus Saint Sadrill, dem Projekt, wurde dann Saint Sadrill, die Band. Und mit eben dieser wurde das erste reguläre Album eingespielt. In…
Autor: Carsten Agthe
(64:33, Digital, Eigenvertrieb, 2018) Mit Tosca kam die Zärtlichkeit… OK, den Werbeslogan aus den Siebzigern für einen Frauenduft kann man dann doch nicht für den Dreier aus Brighton festmachen, weil “Fire By The Silos” mit der etwas brutaleren Art des Post’n Progressive Metals anbandelt. Wenn man gewisse härtere Ausbrüche denn gleich als brutal verstanden wissen möchte. „Fire By The Silos“ kommt als (bis auf einige Samples) instrumental gestaltetes Konzeptalbum über die entscheidende Frage, wohin die Menschheit steuert. Sicher können auch Toska keine Antworten liefern, betrachtet man jedoch die Musik an sich, ist jedoch eines gewiss – es ist die bevorstehende…
(39:02, CD, Digital, Subsound/Cargo, 2018) Nach „Maciste Nell’Inferno Dei Morti Viventi – Peplum Holocaust“ und „Squartami Tutta – Black Emanuelle Goes To Hell“ vervollständigt „La Albicocco Al Curaro – Decameron 666“ nun die unheilige Dreifaltigkeit mit Soundtracks für imaginäre Horrorfilme. Solche, die man eigentlich nicht unbedingt sehen möchte. Natürlich haben Kotiomkin, und das schon aus eigener Tradition, ein Faible für italienische Billiggruselschinken, weswegen das Duo seine instrumentalen Scores dann auch ebenso in Szene gesetzt hat. Mittels rumpeligem Bass, analogem Synthesizer und scheppernden Drums pressen Kotiomkin ihren eigenen Horror, oder jedenfalls was sie dafür halten, in trashige Töne aus Sludge- und…
(41:38, CD, Vinyl, Digital, Bird’s Robe Records, 2018) Und der diesjährige Preis für den einfallsreichsten Bandnamen geht…, tata…, an die Hazards Of Swimming Naked! Nun könnte man ob des Problems leicht einige Dissertationen verfassen, die sicherlich mit interessanten Thesen und wohl noch interessanteren Fakten aufwarten würden, was aber an dieser Stelle nur vom Wesentlichen, nämlich von der mit einem gewissen anzüglichen Humor belegten Band ablenken würde. Es ist uns eine Freude, uns auf das zweite Album des australischen Fünfers einzulassen. Weil auch die Jungs aus Brisbane mit einem Post-Rock aufwarten, der sich auf das Jubilieren und somit auf pathetische Momente…
(23:13, Digital, Eigenvertrieb, 2018) Instrumental is the new cool. Auf jeden Fall bei Bands und Kapellen wie Crevassian, die schon ab dem ersten Ton ihrer Debüt-EP dezent abklären, welch Geistes Kind sie sind. Mit Schmackes rifft sich das Quartett aus dem englischen Croydon durch vier Tracks, die eindeutig anzeigen, wo genau der Hammer hängt. Dabei schrammen Crevassian gerade so auf dem Grat entlang, der Rock vom Metal trennt, weshalb man schon einmal stilübergreifend kompatibel wäre. Kann ja schon einmal nicht schlecht sein. „Crevassian“, die EP, schert dabei mehr oder weniger grazil alles das über einen Kamm, was gemeinhin mit dem…
Jack Of All Trades Mit der TaboTago-Veröffentlichung „Kymatica“, mit dem der Musiker der elektronischen Musik der Berliner Schule huldigte, sowie seinem aktuellen Release „Elsewhere“, welches er unter eigenem Namen herausbrachte und das vom Stimmungsbild gar nicht einmal so weit entfernt von TaboTago ist, hat Bernhard Wöstheinrich 2018 schon zwei Alben auf der eigenen Agenda. Aber auch so ist der Neu-Berliner umtriebig und emsig unterwegs, wobei dieser zusammen mit Touch-Guitarero Markus Reuter und centrozoon, ein Projekt, welches sogar ein Tim Bowness stimmlich unterstützte, auch dem Prog nicht unbedingt abgeneigt ist. Wobei sein aka, der Redundant Rocker, auch nicht allzu weit entfernt…
(39:17, CD, Digital, Neurot Recordings/Cargo, 2018) Die unheilige Allianz geht also in die zweite Runde. Scott Kelly (Neurosis) und Sanford Parker (Buried At Sea) wissen, was sie tun und bleiben deswegen wie die Schuster bei ihren Leisten. Somit macht man wieder das, was man am besten kann, nämlich das Kreieren böser Soundmonster, die kompromisslos auf die selbst geschaffenen Abgründe zu walzen. Auf "I See What I Became" lässt man sich auch keine Zeit; die Songs oder besser klanglich inszenierte Malströme bleiben übersichtlich, handhabbar und längst nicht so zäh und selbstzerstörerisch wie bei Corrections House, bei denen das Duo ebenfalls zusammen…
(54:39, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Cargo, 2018) Ungewöhnliches aus dem Reich der Mitte. Beziehungsweise aus dem mehr oder weniger trostlosen Norden Chinas. Von hier kommt nämlich mit Wang Wen eine Band, die sich wirklich dem Postrock verschrieben hat. Was ja keine stylistische Eigenart ist, mit der sich chinesische Musiker typischerweise auszeichnen. Bekannt wurde die Band in unseren Breiten durch ihr letztes Werk "Sweet Home, Go!", welches als Erstes offiziell in Deutschland veröffentlicht wurde. Wobei "Invisible City" nun schon das zehnte Album des Sextetts um Gitarrist Xie Yugang, das im nächsten Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert, ist. Der klangliche Unterschied zum…
(101:39, CD, Digital, Ihaveadrum Records / VEA Music, 2018) Der gute Livedoppeldecker – Relikt aus vergangenen (besseren?) Tagen. Jede Band, die etwas auf sich hielt, veröffentlichte quasi als Kür ein Livedoppelalbum – viele davon, wie etwa "Made In Japan" von Deep Purple oder "Seconds Out" von Genesis sind längst Kult und gelten in der Vita der jeweiligen Band schon einmal als Highlight. Nach achtzehn Jahren Bandgeschichte und fünf Alben (das aktuelle Werk "Eleven The Hard Way" erschien ebenfalls vor ein paar Tagen) haben Planet Of Zeus schon einige Argumente in petto, eben auch ein Livestatement unters Volk zu bringen. Wenn…
(41:15, CD, Vinyl, Digital, Small Pond, 2018) Eine dezente Orientierungslosigkeit mündet an dieser Stelle in wachsender Begeisterung. Begeisterung ob einer Sache, die aus Jazz, ostasiatischer Folklore und reichlich experimenteller Psychedelic einen beeindruckenden Kauderwelsch macht, der einerseits reichlich endemisch, also einzigartig geriet, der Hörer hier aber immer wieder Leuchtfeuer des Erkennens in einem Meer aus Fremdartigkeiten ausmachen kann. Hinter Yama Warashi agiert vor allem die aus dem japanischen Ashiya stammende Multiinstrumentalistin Yoshino Shigihara, die in Bristol eine neue musikalische Bestimmung suchte und auch fand. Nämlich als Mitglied in der mit dem Prädikat genial zu beschreibenden Band Zun Zun Engui. Nach dem…
(41:12, CD, Vinyl, Prophecy Productions/Soulfood, 2017) Eye Of Nix müssen schon gehörig Eindruck hinterlassen haben, als die Band Ende letzten Jahres ihr Debütalbum als strikt limitiertes Vinyl veröffentlichten. Weil sich nun Prophecy der Band aus Seattle annahm, um „Black Somnia“ einer weiter gestreuten Audience zugänglich zu machen. Das 6-Track-Debüt ist ein Lehrstück in Sachen zu Musik gewordener Alptraum. Dabei scheint Sängerin und Gitarristin Joy Von Spain die treibende Kraft hinter diesem Spuk, zeigt sie doch zu jeder noch so komplizierten Anforderung eine gute Figur. Dort, wo die metallischen Avancen einen schwarzen Anstrich bekommen, macht Joy auf mordlustigen Berserker (‚Wound An…
(43:19, CD, Vinyl, Digital, Holy Roar Records, 2018) Das muss man erst einmal bringen - sein Album gleich mit einem Dreiundzwanzigminüter anfangen zu lassen. Aber OHHMS waren in ihrer, zugegeben, bisher doch recht kurzen Karriere noch nie Kinder von Traurigkeiten oder gar zeitlicher Beschränkungen. So hievten sich die beiden ersten Lautäußerungen des Schwergewichts aus dem britischen Kent, nämlich die EPs „Bloom“ sowie „Cold“ mit jeweils zwei ausufernden mäandernden Tracks über die dreißig Minuten, was für ein Kleinformat doch ein beachtliches Ausmaß ist. Mit der Gewissheit ausgestattet, dass die eigenen Vorlieben für die tiefsten Abgründe in Doom, Metal, Sludge und Stonerrock…
(79:34/71:59/74:15, CD, Vinyl, Svart Records, 2018) Willkommen in der unheiligen Dreifaltigkeit. Die Fröhlichkeit des Laughing Buddha war mir schon immer ein wenig unheimlich. Nun zeigt er auch prompt sein wahres Gesicht. Svart Records veröffentlicht an dieser Stelle Album Nummer zwei, drei sowie vier der finnischen SlowMo-Doomer und wieder einmal wird bestätigt, dass es nach Sleep irgendwo da draußen in der Einöde doch noch etwas anderes gibt. In den drei knapp achtzigminütigen Brocken „Ritual IX" (2008), „Entheomorphosis" (2009) sowie „Abyssolute Transfinite (2011)" erschaffen Dark Buddha Rising tiefschwarze Abgründe im Nirgendwo in jeweils vier Tracks, die es nicht nur bezüglich ihrer Lauflänge…
(38:08, CD, Digital, Vinyl, Moment Of Collapse/Broken Silence, 2018) Man muss aufpassen, wenn die Scholle bricht und sich als Lawine alles zerstörend und mitreißend ins Tal wälzt. Cataya geben sich ebenso harsch und eiskristallin wie eben jener Schnee, der titelgebend für das zweite Album des Aachener Sextetts ist. Wie schon auf dem vor drei Jahren erschienenen Debüt „Sukzession“ bringt man die Erfüllung in Post-Rock’n Metal in vier Tracks. Die Gitarrenbreitseiten kommen deswegen so intensiv, weil Cataya mit drei Gitarristen aufwarten, die im Verbund dem Sound die nötigen Härten liefern und so auch bei der sympathischen Headbanging-Fraktion landen könnten. Weil, auch…
(54:37, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Soulfood, 2018) Dieser Sache kann man ohne falsche Bescheidenheit und Magenschmerzen den Stempel ‚Progressive Rock‘ aufdrücken. Weil Oak auch in zweiter Instanz, nämlich mit „False Memory Archive“, auf ganzer Linie beeindrucken. Was vor allem daran liegt, dass die Norweger sich auf den Song an sich und nicht, obwohl durchaus vorhanden, zu vordergründiger technischer Finesse konzentrieren. Womit auch der zweite Streich von Oak einerseits Prog-Jünger, andererseits allen anderen Musikstilen offen gegenüberstehenden Gourmets eine Freude sein dürfte. Auf der einen Seite steht der Pop-Aspekt, der ja von ähnlich Aktiven wie Steven Wilson, Marillion, Riverside oder Airbag hin…
(38:05, CD, Vinyl, Digital, Pony Records/The Orchard, 2018) Speaker Bite Me schmieden wieder Pläne. Zukunftspläne, wohlgemerkt, was nach elf Jahren (relativer) Stille dann auch vonnöten ist. Dass die Band um Sängerin Signe Høirup Wille Jørgensen keine Leere hinterlassen hat mag daran gelegen haben, dass die Band trotzdem immer präsent war und auch regelmäßig Konzerte gab. So kommt „Future Plans“ nicht gänzlich aus dem Nichts, haben wir dieses Album doch insgeheim schon erwartet. „Future Plan“ macht dann auch lässig wieder auf einen Crossover aus Post-Rock, Wave und Elfengesang. Wobei für letztere natürlich wieder Signe zuständig zeichnet, die einmal wie Elizabeth Frazer…
(47:50, Download, Metal Blade Records/Sony, 2018) Dass sowieso alles seinem Ende entgegen geht, ist gewiss. Die sich breit machende Lethargie ist spürbar, als Einzelner kann man sowieso nichts ändern. Verglichen mit der Präsenz des Lebens auf der Erde ist die Anwesenheit des Menschen eben jener viel zitierte Vogelschiss. Die Menschheit entzieht sich selbst jegliche Lebensgrundlage – der Welt dürfte es egal sein. Denn auch wenn die Regeneration Millionen Jahre dauert, irgendwann ist von der so genannten ‚Schöpfung Gottes‘ kein Fußabdruck mehr festzustellen. Die Zeit heilt Wunden. Und eben auch das zurzeit flächendeckende Übel. Zu eben diesem Thema hat auch die…
(48:27, Digital, Eigenvertrieb, 2018) Sechs Jahre nach ihrem Debüt „Labels & Codes“ sowie den auf EP getrimmten „Universal Dreams“ ist sicher Zeit für eine Zäsur. Wohl nicht ohne Grund benannte das Trio aus dem Großraum Köln/Dortmund/Hannover ihr neues Werk nach sich selbst, macht es doch hier Nägel mit Köpfen und fährt zu einer Form auf, die nur noch mit meisterlich charakterisiert werden dürfte. Elizabeth the last by Elizabeth the last Das Beachtliche an „Elizabeth The Last“, dem Album, ist, dass mit den fünf überlangen Tracks die ganze Palette progmusikalischer Offenbarungen abgehakt wird, Offenbarungen, die schon mal in Richtung Post-Rock oder…
(52:39, CD, Vinyl, Digital, RareNoise, 2018) Hier scheinen sich vier Weltklassemusiker gesucht und gefunden zu haben. So kann man an dieser Stelle schon die Behauptung aufstellen – Cuong Vu hat gerufen, der Rest lief von selbst. Der vietnamesische Trompeter, der immerhin schon mit Pat Metheny, David Bowie und Laurie Anderson zusammenarbeitete, lebt seit 2007 in Seattle und hat an der Universität von Washington eine Professur inne. Was nicht gleichbedeutend damit ist, nicht selbst weiter musikalisch aktiv zu bleiben. Nach seine Laudatio für den britischen Jazzmusiker Michael Gibbs mit „Ballet: The Music Of Michael Gibbs“ im letzten Jahr, bei welcher er…
(46:42, CD, Vinyl, Digital, Kartel Music/Indigo, 2018) „Bristopia“ ist real. Nämlich eine Einstellung zum Leben in Bristol. Eben diese Einstellung verschaffte uns schon beeindruckende und sympathische musikalische Schöpfungen, welche vor allem unter dem seit Anfang der Neunziger überaus hippen Genre Trip Hop rangierten. Nun haben Get The Blessing, eine Band, die immerhin auch schon seit knapp zwanzig Jahren aktiv ist, ihrer Heimatstadt quasi ein Denkmal errichtet. Erst einmal ist da nämlich der Film „Bristopia“, welchen die Band zusammen mit ihrem Visual Member John Minton aus endlos scheinendem Archivmaterial um und über die Szene in Bristol zusammenstellte. Dann ist da weiterhin…