(58:20, CD, Vinyl, Digital, KScope/Edel, 2018) An dieser Stelle soll nicht das Für und Wider von "Best Of"‘-Compilations diskutiert werden. Fakt ist, dass solche Releases eben nicht für den Fan gemacht sind, denn dieser hat sowieso schon alles von seinen angebeteten Stars, sondern für solche Klientel, denen die Hitvariante des jeweiligen Akteurs vollkommen ausreicht. Diese allerdings wirklich zum Kauf zu bewegen, ist in Zeiten von Spotify & Co. ein immer schwieriger werdendes Unterfangen. Nach fünf regulären Alben geht es aber schon okay, sich mit einer Werkschau zu präsentieren. Von Porcupine Tree-Fans wurde das Sideproject von Steven Wilson, das dieser seit…
Autor: Carsten Agthe
(41:31, CD, Vinyl, Digital, Rare Noise, 2018) Eigentlich fing alles vor ein paar Jahren, genauer 2004, an. Hier erschien nämlich das Album „Derbe Respect, Alder“, auf welchem die Pioniere des experimentellen Krautrock, Faust, eine überaus ertragreiche Kollaboration mit der amerikanischen Industrial Hip Hop-Fraktion Dälek eingingen. Das Resultat dieser Zusammenarbeit ließ eine gänzlich neue Sichtweise auf den Hip Hop zu, und wenn sich die Spielart großmäuliger Labersäcke nicht gänzlich im progressiven Rock festsetzen konnte (die Experimente von Archive in eben dieser Richtung wurden von deren Fans nun einmal überhaupt nicht goutiert), setzte dieses Album wohl erst einmal ein Ausrufezeichen. Anguish nun…
(50:10, Vinyl, Tonzonen Records/H‘Art, 2018) Zugegeben hatte sich der Rezensent das Album im Januar dieses Jahres schon als ‘name your price’ auf Bandcamp gezogen. Womit 2018 in postmusikalischer Hinsicht schon ganz gut losging. Und auch wirklich entwickelte sich „Noorvik“ in all seiner Eleganz und innewohnenden Energie zu einem Highlight in diesem Genre. Was mit daran liegt, dass wir es hier mit Könnern zu tun haben, welche sich in instrumentalen Höhenflügen ergehen, wobei die Suspense-Kurven vehement nach oben ausschlagen. Knapp ein Jahr nach dem digitalen Release nebst Kleinstauflage auf CD bekommt das Debüt der Kölner den Format-technischen Ritterschlag auf Vinyl. Die…
(41:36, CD, Vinyl, Digital, Bimba Records/Cargo Records, 2018) Alles fließt. Sicher sind C.A.R. keine Musikenthusiasten, die zurückblicken oder andächtig in der Vergangenheit verharren. Vorwärts heißt auch auf dem zweiten Album die Devise des Kölner Vierers, das sich dem Jazz verschrieben hat und diesen Begriff mit „Look Behind You“ auch nicht überstrapaziert. Doch wie so oft sind auch hier die Grenzen fließend. Das Album bringt den Jazz auf die Dancefloors der Welt und den Techno in die auf Blue Notes ausgerichteten Bars. Womit C.A.R. einmal mehr eine Kompatibilität erreichen, die ihresgleichen sucht. Und das auch noch ohne Anbiederungen an die jeweilige…
(39:28, 41:02, CD, Vinyl, Hubro/Brokensilence, 2018) Da kommt wieder einmal ein Brocken auf uns zu, der erst einmal verdaut werden muss. Ganze 82 Minute währt das vierte Album des Projekts um den norwegischen Saxophonisten Kjetil Traavik Møster. Und von diesen (Minuten) hat es jede einzelne in sich. Nun ist es ein Leichtes, gleich einmal Namedropping zu betreiben, gehören doch neben dem Namensgeber solche Zeitgenossen wie Motorpsychos Hans Magnus Ryan, Schlagzeuger Kenneth Kapstad (ex-Motorpsycho, Spidergawd) und Needlepoint-/Elephant9-Bassmann Nikolai Hængsle zum Line-Up der Noise-Core-Jazzisten. Mit dem Eifer, mit dem das Quartett hier unterwegs ist, ist es indes ein Leichtes, ein dezentes Doppelalbum…
(42:50, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records / Cargo, 2018) Ob die Rückkehr von Earthship zu Pelagic Records nun reumütig oder aus strategischen Gründen erfolgte, soll an dieser Stelle nicht Anlass für Diskussionen sein. Fakt ist, dass das Earthship nun nach einem kurzen Abstecher zu Napalm Records, der das Album „Withered“ zur Folge hatte, wieder sicher im heimatlichen Hafen anlegten. Mit Basti Grim empfiehlt sich ein neuer Schlagzeuger, der Jan und Sabine Oberg (Grin) den nötigen Druck und die bestätigte Basis zum erneuten Abheben liefert, obwohl „Resonant Sun“ eher geerdet als abgehoben wirkt. Man schwurbelt sich erneut durch Antigravitationen und schwarz…
(27:58, CD, Vinyl, Digital, Atypeek Music, 2018) Dream-Pop auf Atypeek? Es wird ja immer besser. Weil „It’s About Time“, das Debüt von I, Useless, so unschuldig wie eine Märchenwiese im Frühling oder ein erfrischender Landregen im Sommer wirkt. Nur: ganz so sorglos wie uns anfangs die lieblich/androgyne Stimme des Machers hinter I, Useless glauben machen möchte, ist „Twister“ dann eben nicht. Denn hier wird der Tod eines guten Freundes verarbeitet. Das zwar nachdenklich und intensiv aber eben nicht unbedingt in grenzenloser Trauer. Irgendwie schafft es das One-Mann-Project aus dem französischen Clermont-Ferrand absolut gechillte bis pathetisch-großflächige Atmos in Einklang zu bringen,…
(37:31, CD, Vinyl, Digital, Golden Antenna/Broken Silence, 2018) „I’ve been singing through the dark in me to find peace and calm down the fear of light outside, I’ve been screaming through the light outside to find anyone to fight to set this world on fire…“. Mit all seinem Hang zum Drama outet sich Dávid Makó definitiv auch als Kind von Traurigkeit. Die vehemente Intensität seiner Darbietung ist ebenfalls nicht dafür geeignet, für Stimmung im Altenheim zu sorgen. Aber bei uns! Vier Jahre nach seinem Debütalbum „Those Miles We Walked Alone“ kommt der Musiker unter seinem Moniker The Devil’s Trade mit…
(38:54, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Cargo, 2018) Die letzte Intronaut-Offerte „The Direction Of Last Things“ ist nun auch schon drei Jahre alt. Was so nicht weiter auffällig wäre, hält sich dieser Zeitraum doch noch im Rahmen aktueller Veröffentlichungspolitiken. Wenn man aber auf das Line-up von Future Usses blickt, die nun mit ihrem Debüt-Album „The Existential Haunting“ für Furore sorgen könnten, und wenn man hier auf einen Sacha Dunable stößt, seines Zeichens Frontmann von Intronaut, fragt man sich schon, ob dieses Vehikel hier nur Interimslösung und Auszeit oder doch Teil eines größeren Plans ist. Nun ist „The Existential Haunting“ von jener…
(40:29, CD, Vinyl, Digital, Unique Records/Rough Trade, 2018) Der Erfolg, den die Blackberries vor allem in Nordamerika zu verzeichnet haben, lässt die Vermutung aufkommen, ob es sich hierbei nicht doch um eine Band aus den Staaten handeln könnte. Dass die Psychedelic Four ihr drittes Album dann auch noch in Austin/Texas aufnahmen könnte erneut für Verwirrung sorgen. Aber, alles ist gut, die Blackberries sind weiterhin in Köln zu Hause und überzuckern ihren lavalampigen, halluzinogenen Sound erneut mit einer Portion Krautrock. Disturbia by Blackberries Auch auf „Disturbia“ betreibt man hoch ambitionierte musikalische Vergangenheitsbewältigung und schließt damit nahtlos an den mittlerweile in den…
(38:18, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records / Cargo, 2018) Verwirrend ist es schon, wenn einerseits bezüglich Set And Setting behauptet wird, dass es sich bei dem Quartett aus St. Petersburg / Florida um eine noch relativ junge Band handelt, man andererseits aber auch schon drei Platten auf dem Kerbholz hat. Und es muss auch wirklich etwas dran sein, an den Instrumentalrockern aus dem Trumpschen Großreich, dass sie nun unter die Fittiche von ‚Pelagic Records‘ kommen. Es ist aber nicht unbedingt der Fall eines ‚Klarschiffmachens‘, auch wenn Set And Setting ihr viertes Album „Tabula Rasa“ betitelten. Trotzdem ist es Zäsur und…
(39:14, CD, A-Sexy-Records/FineTunes/Hanseplatte/Broken Silence, 2018) „Tatortreinigung Lausen, Schotte ist mein Name!" „Danke für die Anteilnahme." Genau! „Alles was sich reimt, ist gut.“ Sicher ist diese Folge aus der Staffel 4 vom „Tatortreiniger“ eine der kultigsten der Serie. Hier muss nämlich Tatortreiniger Schotty in einem Schloss Leichenreste beseitigen und auf Grund eines Fluchs sind hier Konversationen nur in Form von Reimen erlaubt. Womit wir beim Kult wären. Die Serie des NDR mit Bjarne Mädel als „Tatortreiniger“ in der Hauptrolle, mauserte sich vom unangekündigten Beitrag im Nachtprogramm zum absoluten Geheimtipp, der mittlerweile in der sechsten Staffel steckt und sich zu einer der…
(44:05, Digital, Eigenvertrieb, 2018) Es ist schon irgendwie logisch, dass gerade einmal zwei Jahre nach der regulären Veröffentlichung von „Amaryllis“ dieses Werk in remasterter Form noch einmal erscheint, ist diesem progressive metallischen Epos doch einst nicht die Aufmerksamkeit zuteil geworden, die es eigentlich verdient hätte. Nun also erscheint das schon stark beeindruckende Debüt technisch aufgepimpt und, obwohl erst einmal nur in digitaler Form, mit neuem, aufwendigen und die hier erzählte Story bebildernden Artwork versehen. https://www.youtube.com/watch?v=5vjHE6AOT08 „Amaryllis“ selbst ist eine Laudatio auf Tech Metal und Progressive Rock, wobei sich beide Anteile lässig die Waage halten. Die in einer fernen Zukunft spielende…
(35:31, CD, Vinyl, Download, Riding Easy, 2018) Da ist man schon ein wenig erstaunt - „II“? Da muss das Debüt "I" von 2016 irgendwie unbeachtet an uns vorbeigerauscht sein. Merkwürdig, da die Jungs erst einmal aus Norwegen kommen und eigentlich (fast) alles von hier für gut zu befinden ist. Und weil die Band außerdem quasi den Weg des geringsten Widerstands geht. Inwiefern das? Nun, weil sich, welch Überraschung, auch Dunbarrow dem Sound der frühen Siebziger verschrieben haben und man schon einst gängige Acts wie Led Zeppelin und Black Sabbath heraushört. Aber wieso auch das Rad noch einmal ganz neu erfinden?…
(44:55, CD, Vinyl, Digital, The Sign /Cargo, 2018) Irgendwie schaffen es Wheel In The Sky auch in zweiter Instanz, nämlich mit ihrem demensprechenden Album, beindruckende Wohlfühlmomente zu inszenieren. Die Schweden legen sich dabei nicht unbedingt stilistisch fest sondern geben sich als Wirbelwinde, die zwischen Psychedelic, Garage und Stoner Rock sowie Weird Folk umher driften. Dabei passiert alles mit einer Leichtig- und Lässigkeit, die jedem der hier enthaltenen Songs beeindruckende Hooklines beschert, welche Initiator für die beschriebenen Wohlfühlmomente sind. https://www.youtube.com/watch?v=pkCVKhlsPd8 Die beiden Longtracks (wenn man denn sieben bzw. acht Minuten vereinnahmende Songs denn als Longtracks festmachen kann) ‚Rivers Of Dust‘ sowie…
(43:37, CD, Vinyl, Digital, Atypeek Music, 2018) „All sounds improvised by Spectrum Orchestrum…“. Nun weiß man nicht, ob das nun nur Info oder schon Drohung ist. Das Quintett aus dem französischen Lille hat es mit Improvisationen. Und das hör- sowie eben auch spürbar. So trägt ein Album des Spectrum Orchestrums schon einmal den Titel „Improvisarium III“ und enthält mit dem halbstündigen '20121027' (knapp an '2112' vorbei, d. alberne Schlussred.) gerade einmal einen Track. Und der wurde dann natürlich vollständig aus einer Laune heraus improvisiert. Wie auch sämtliches Material auf „It’s About Time“, dem neuen Oeuvre der Franzosen, das gerade einmal…
(37:58, 35:15, MC, Digital, Eigenveröffentlichung, 2018) "Привет, дорогие друзья психоактивных звуков. Здесь, на данный момент, появляются приятные музыкальные пути Балтийского моря." Bzw.: Der VEB Kombinat Robotron war der größte Computerhersteller der ehemaligen DDR und einer der bedeutendsten Produzenten von Informationstechnologie im RGW. Als Volkseigener Betrieb und Kombinat unterstand er dem Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik. Die Marke „Robotron“ ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus den Wortteilen Roboter und Elektronik“ (Wikipedia). Mitnichten kann man hingegen diesem Kieler Vierer vorwerfen, ein Kunstobjekt zu sein. Dafür ist die Musik der psychoaktiv Reisenden zu organisch und wie aus der Ursuppe menschlicher Musikwerdung entstanden. Hier, auf…
(42:17, CD, Vinyl, Digital, Phonofile/Rillbar, 2018) Hier also wieder einmal ein Artefakt der Sorte "Hören mit Schmerzen": die dänischen Avantgarderocker, mittlerweile auf ein Trio modifiziert beziehungsweise mutiert, greift auch mit seinem fünften Album in die Vollen der eigenen Kreativität und des eigenen Anspruchs. Letzterer ist dann auch wieder einmal ganz hoch angesetzt. So hoch, das sich auch der geneigte Hörer strecken muss, um bei der Stange zu bleiben. Denn die „Virgin Cuts“ irritieren, strangulieren und massakrieren. Nicht unbedingt immer in der Reihenfolge aber mit relativer Sicherheit. Wenn sich Strukturen vernehmen lassen, dann sind diese aus der Chaostheorie entliehen. Zwar nähert…
(16:08, CD, Vinyl, Digital, Slovenly Records/Cargo Records, 2018) „Here Comes…“. Ja, was denn nun? Genau! Tommy And The Commies kommen mit ihrem ersten Album. Aber weniger ist hier nun einmal mehr. Oder auch nicht. In acht Tracks versucht sich Tommy und seine Commies in Mod-Punk beziehungsweise Hooligan Pop. Was immer das auch ist. Der kanadische Dreier ist dabei aus, ins Guinness-Buch der Rekorde zu geraten. Acht Tracks in sechzehn Minuten - das ergibt einen respektablen Schnitt von zwei Minuten pro Song. Und diese tragen sympathische Titel wie 'Straight Jacket', 'Suckin‘ In Your 20s', 'Reggie Rocks' oder 'So Happy' („In the…
(45:28, CD, Vinyl, Digital, Art As Catharsis, 2018) Auch hier zeugt der Name von Kreativität. Was für eine Art von Musik kann es nur sein, die sich hinter diesem schwergewichtigen Titel verbirgt? Lange Rede, gar kein Sinn - natürlich machen auch Bear The Mammoth sympathisch auf Post-Rock, kommen, was noch sympathischer ist, from Down Under, und setzen mit ihrem aktuellen Album „Years Under Glass“ einen weiteren Meilenstein in diesem Genre für den fünften Kontinent. Weil das Album wahrhaft ein Fest für die Sinne ist. Die sieben hier enthaltenen Tracks sind eigentlich eher aus der DNA des Progressive Rock gezogen, Metal-lastige…