(42:02, CD, Vinyl, Digital, Dunk! Records, 2019) "Wir wollen, dass die Leute Hoffnung und Freude von unserer Platte mit nach Hause nehmen und nicht, dass sie traurig und verzweifelt sind, wie es sonst bei Postrock- oder Instrumentalmusik üblich ist. Wir versuchen, etwas Positives zu vermitteln." Gitarrist Bruce Malley und seine Band Pray For Sound wissen genau, was sie mit ihrem neuen - dem vierten - Album erreichen wollen. Nicht, dass Pray For Sound nun in regelrechte Jubelarien ausbrechen, trotzdem ist man hin und wieder kurz davor. Und es scheint wirklich, dass uns das Quartett aus Boston auf "Waves" ein wenig…
Autor: Carsten Agthe
(59:51/59:59/58:35, CD, Digital, Aural Films, 2019) Der Weltraum, unendliche Weiten… Ebenso könnten die Bestrebungen dieser von Aural Films initiierten "Astronauts"-Reihe beginnen: "Astronauts is a series of releases by electronic space music artists inspired by the NASA moon landing and exploration of the universe", womit die Intentionen hinter allem hier wohl ein wenig klarer scheinen. 2019 jährte sich die Mondlandung zum fünfzigsten Mal und obwohl danach bezüglich der Eroberung des Kosmos beziehungsweise besagter unendlicher Weiten nicht mehr allzu viel passiert ist, ist das allemal ein Grund, dieses Ereignis gebührend abzufeiern. Den Anfang machte Christian Fiesel, Michael Brückner folgt gleich mit einem…
(40:59, Vinyl, Digital, Subsound Records, 2019) Die Pleiadees debütieren mit einer EP, welche es mit 20-, zehn- sowie elfminütigen Übergewichten auch hinsichtlich der Spielzeit ganz gut meint. Diese ausladenden Strukturen sind für den Sound, den das italienische Trio hier fährt, dann auch zwingend notwendig, brauchen die Kolosse in Dark Jazz eben diesen Raum zum großzügigen Manövrieren. Überhaupt ist auf "Pleiadees" alles ein wenig größer und weiter als üblich bemessen – 'How to step out of solidity and vaporize yourself', 'They offer platitudes, you will learn to breathe underwater' und 'A diamond hidden in the mouth of a dragon' nennen sich…
(47:08, Vinyl, Digital, Big Scary Monsters/Art As Catharsis, 2020) Anfänglich wirkend wie der nächste Kandidat auf das Rennen zum Anwärter auf den nächsten Queens Of The Stone Age-Lookalike, wissen InTechnicolour ihre Vorzüge doch tatsächlich nach und nach hervorzuheben. Es scheint, als ob das Quartett aus dem englischen Brighton anfänglich erst einmal Dampf ablassen muss, was die schnell durchgehechelten Stonerbrocken ‚Miami Funk‘, ‚Under The Sun‘ und ‚Big Sleeper‘ auch erklären dürfte. Bezüglich ‚Under The Sun‘ könnte gerade dieser Track ob seines Riffs und Melodieführung als ‚No One Knows‘ (QOTSA) Part II durchgehen. Nun wollen wir InTechnicolour aber mitnichten Epigonentum unterstellen, weil…
(65:35, CD, Vinyl, Digital, Shunu Records, 2019) Keine leichte Sache, die sich das Kompressor Experiment hier vorgenommen hat. Und zwar wird durch die schweizerische Institution hier versucht, Stanley Kubricks philosophischen Weltraum-Klassiker „2001: A Space Odyssey“ in entsprechende Musik zu fassen. Das Resultat kommt derweil weniger philosophisch, dafür eher überaus monolithisch daher. Und auch wirklich tragen hier vor allem die epischen Ausuferungen diese Charaktereigenschaft im Titel. So nimmt der auf drei Parts aufgedröselte 'Monolith' mit insgesamt 35 Minuten schon mehr als die Hälfte der hierfür vorgesehenen Spielzeit ein. Macht Sinn, ist es doch eben jener Monolith, der mit seiner Symbolkraft neben…
(69:05, CD, Digital, Eigenvertrieb, 2020) Im März 2009 erschien mit „Dependere“ das Debütalbum der Dresdener Progressive Metaller THYBEAUX. Nun ganze elf Jahre später folgt mit dem nach der Band selbst betitelten zweiten Werk nun doch endlich der Nachfolger. "This album evolved between 2009 and 2018‘"gibt die Band selbst zu Protokoll und zeigt damit an, dass sie mitnichten die lange Zeit zwischen den beiden Album untätig gewesen ist, sondern dass man diese Zeit auch wirklich genutzt hat. Nun ist „THYBEAUX“, das Album, auch aus jedem Blickwinkel gewaltig, wohl durchdacht und ausgefeilt: Angefangen von der Spielzeit von (in der CD-Ausgabe) siebzig Minuten,…
(35:31, CDr, Digital, Sound In Silence, 2020) Beim Label Sound In Silence ist der Titel Programm, räkelt man sich doch auf allen seinen Releases in einem wohligen Spannungsfeld aus Electronica und Ambient, wobei das mit der ‚Spannung‘ dann schon eher mit Entspannung in Verbindung zu bringen ist. worriedaboutsatan nun, welches als Einmannprojekt von Gavin Miller begann, mit Thomas Ragsdale zum Duo avancierte, nur um Mitte letzten Jahres wieder zum ursprünglichen Solounternehmen zurückzukehren, passt sich mit seinem jüngsten Release voll und ganz den Intentionen seines neuen Labels an. Hier auf „Crystalline“ inszeniert Miller Flächen, die sich deutlich reduzierter als bisherige soundtechnische…
(54:54, CD, Vinyl, Digital, Art As Catharsis, 2020) Mit „Metempsychosis“ wandeln Hubris. tief in der griechischen Antike und lassen dabei Protagonisten wie ‚Hepius‘ (=Asclepius), ‚Dionysus‘, ‚Adonis‘, ‚Icarus‘, ‚Dadelius‘ sowie ‚Heracles‘ auflaufen. So gerät das zweite Album der schweizerischen Postrock-Fraktion zur musikalischen Wandelhalle für Götter, Helden und Antihelden, wobei jede der hier agierenden Figuren seinen angemessenen Platz zugewiesen bekommt. Hier, auf „Metempsychosis“, reinkarnieren diese zu gewaltig ausladenden Soundflächen, in welchen sich deren glorreichen oder gar nicht einmal so glorreichen Taten widerspiegeln. Die (fast) durchweg zehnminütigen Klanggebilde (dass gerade der ‚Icarus‘ mit fünf Minuten eher ein bescheidenes Dasein fristet, mag dessen abruptes…
(44:45, CDr, Digital, Sound In Silence, 2020) Wenn man denkt, es geht nimmer entspannter und entschleunigter, dann kommt irgendwann ein neues Ambient-Album um die Ecke, das einen sofort eines Besseren belehrt. Nun ist Lee Nicholson, der Verursacher dieser ganzen unaufgeregten Aufregung, mitnichten Neuling oder Eleve, macht der Kanadier doch schon seit über zwanzig Jahren mehr oder minder sphärische Musik – erst bei Bands und Projekten wie Formula One und Domstic4, dann als Duo mit Future Peasant oder solistisch als Electrohome. Mit „Music For The Towers“ veröffentlicht Nicholson nunmehr sein drittes Album als Test Card, wobei er sich dieses Mal noch…
(43:32, CD, Digital, Eigenproduktion, 2019) Oooops, das klingt doch hochdramatisch: ‚For fans of Karnivool, Tool, Porcupine Tree, Katatonia, Riverside ...‘. Da wurden aber gleich einmal die ganz Großen heran bemüht. Blasphemie und Sakrileg? Immerhin muss sich die 2016 gegründete französische Band erst einmal in den stürmischen Gestaden des Progressive Rocks bzw. Metals behaupten. Und das taten Catchlight in erster Instanz und mit dem Debütalbum „Amaryllis“ von 2017, das durchaus in eben jene Nische der o.a. Protagonisten zielte. Und nun das zweite Album, das vom Titel für Großes gemacht wurde (da harren wir doch der Dinge, die noch kommen sollen) und…
(36:43, CD, Vinyl, Digital, Crazysane Records, 2020) Der goldene Knochenbrecher geht an dieser Stelle an Grin, die mit „Translucent Blades“ bezüglich harter, spröder und knochentrockener Heftigkeit den Vogel abgeschossen haben. Sabine (Bass) und Jan Oberg (der ganze ‚Rest‘, ja, wir haben es hier doch wirklich mit einem Ehepaar zu tun, was man in diesem Metier so oft nicht antrifft) machen dann auch niemals einen Hehl daraus, wo ihre Intentionen zu suchen und hinsichtlich ihres zweiten Albums wohl auch zu finden sind – im kompromisslosen Sludge. Da ist es auch nicht verwunderlich, wenn auch Harmonien fehl am Platz sind – das…
(52:16, CD, Vinyl, Digital, Napalm Records/Universal, 2019) Die Schweizer entwickeln sich immer weiter zu einer unverzichtbaren Bank - einer Wohlfühlgarantie zwischen psychoaktivem Drahtseilakten und geerdeter Stonerplauze. Derweil man bisher sowieso in ferne Welten vorgestoßen ist, die nie ein Mensch zuvor gesehen beziehungsweise sich erhört hatte („The 5th Sun“, „Beyond The Black Sky“, „Astra Symmetry“), werden mit Album Nummer sechs erneut die Tore zu höheren Dimensionen und Sphären aufgestoßen. Von letzteren gibt es hierbei ganze sechs – ‚Spirals‘, ‚Axis‘, ‚Prism‘, ‚Mass‘, ‚Ida‘, ‚Ellipsis‘ …, kurz, knapp, prägnant und leicht zu merken. Und schon von Anbeginn, quasi aus der Ursuppe bewusstseinserweiternder Wabermasse,…
(45:21, CD, Digital, Sound In Silence, 2019) Stéphane Recrosio hat doch wirklich schon einen ganzen Stapel an Veröffentlichungen vorzuweisen. Und das nicht nur mit Acetat Zero, seinem Hauptprojekt, sondern vor allem mit Astatine, das schon als Soloding durchgehen kann. Hier hat sich der Pariser Musiker hauptsächlich auf Lo-Fi festgelegt. Ganze zwanzig Stücke umfasst "Global Exposure", wobei die Charakteristik "Stück" den hier vorliegenden Sachverhalt am besten beschreibt. Weil man sich als Hörer strikt weigert, den eher wie schnell angefertigte Skizzen wirkenden Stillleben das Prädikat Song aufdrücken zu wollen. Global Exposure by AstatineZwar gibt es homöopathische Versuche in die Song-Richtung, was vor…
(27:02, Digital, Eigenvertrieb, 2019) Gut, nach zwei ausschließlich digitalen Releases ist es noch nicht an der Zeit darüber zu spekulieren, ob sich Walk Among Statues auf Kleinformate spezialisieren. Jedenfalls kommt die Band aus Wroclaw nach ihrem Debüt, welches gerade einmal zwei Tracks umfasste, nun auch wieder mit einer EP, die, was den Umfang anbelangt, auch nicht unbedingt schwerer wiegt. Aber, wie heißt es so schön, auf den Inhalt kommt es an. Und dieser hat es hörbar in sich. Mit den drei Neunminütern 'When', 'The Last Man' sowie 'Burst' (die vom Titel her schon einmal auf den Konzeptcharakter des Ganzen hinweisen)…
(36:48, CD, Vinyl, Digital, Metro Beach / A Tant Réver Du Roi, 2019) VvvV fahren ihre Sounds auf analogen Synthesizern ab. Vintage ist das neue Cool, was vielleicht daran liegt, dass hier irgendwelche Déjà-vus am Arbeiten sind und aufgebrochen werden. Die beiden hier Aktiven, Bardou-Jacquet und Le Mage, kennt man sonst vom Techno-Outfit Franco Divine sowie den Psychedelic Doomern von Year Of No Light. Hier nun, mit VvvV, bündeln die Beiden ihre soundtechnischen Vorlieben und katapultieren uns ins EBM’n Wave’n Industrial und Electro-Beat-Universum der Achtziger. Die Maschinenbeats scheppern und marschieren. Und das nun in zweiter Instanz, ist "The Wreck" doch…
(24:40, CD-R, Digital, Sound In Silence, 2019) "Phantom Lights" erschien schon 2018 als limitierte Tour-CD, was so nicht bleiben konnte, da es ein größeres Publikum verdient hätte, mit den hier enthaltenen knapp 25 Minuten äußerst anschmiegsamen Sounds konfrontiert zu werden. Hauptklangkörper im Klangbild der Band ist die Hammered Dulcimer von Joel Hanson (Judgement Of Paris), wobei dessen KollegInnen wie Gitarrist und Multiinstrumentalist Richard Adams (Hood, The Declining Winter, Western Edges), Violinistin Sarah Kemp (Lanterns On The Lake, Brave Timbers), Pianist Gareth S Brown (Hood) sowie Multiinstrumentalist Chris Cole (Movietone, Manyfingers) die Musik von Memory Drawings um mehr als nur Nuancen…
(39:05, CD, Vinyl, Digital, Rare Noise Records, 2019) Diese Kollaboration funktioniert nun schon zum zweiten Mal und soll, dem Titel zufolge, noch eine weitere konstruktive Zusammenarbeit nach sich ziehen. Dabei entstand das erste Produkt dieser Symbiose, "Vortex", noch relativ spontan – Torn wurde von Sonar als Produzent am Bord geholt, klinkte sich dann aber ob steigender Begeisterung für das, was die Schweizer Progressive Jazzer hier inszenierten, alsbald in die Aufnahmen ein. Eine spontane Entscheidung, die Früchte tragen sollte, trafen sich die Musiker doch im Mai dieses Jahres im Studio von Sonar, um die überaus kreative Wechselwirkung des Zusammenspiels fortzusetzen. Nur…
(34:50, CD, Vinyl, Digital, Erased Tapes/Indigo, 2019) Anne Müller präsentiert also endlich ihr erstes Soloabum. Wobei das 'solo' wirklich für solo steht, hat die Musikerin, die bis dato auf Produktionen für und mit Lubomyr Melnyk, Ólafur Arnalds und (dem auch hier mitwirkenden) Nils Frahm zu hören war, auf "Heliopolis" von den Kompositionen bis hin zur Produktion alles im Alleingang bewältigt. Die klassisch ausgebildete Cellistin/Komponistin geht thematisch dabei bis ganz weit nach draußen, bis zu den Grenzen unseres Sonnensystems, der Heliosphäre. Also bis dorthin, wohin der Sonnenwind nicht mehr reicht. Und es einmal mehr so richtig kalt ist. Müller flaniert dezent…
(33:39, CD, Vinyl, Digital, Sireena Records/Broken Silence, 2019) Da hat sich einer einen Traum erfüllt. Und zwar ein Album, aufzunehmen, wie es so Anfang der Siebziger geklungen hätte. Inklusive zeitgeistige Atmos und Stimmungen. Diesen Traum erfüllte sich Jakob Künzel alias Jakob K. nun mit "Your Great Imagination". Der Musiker, der in den Siebzigern bei Schweizer Kapellen wie Hammerfest sowie der Lazy Poker Blues Band aktiv war, füllte sein Album also mit zehn Semi-Standards, bei denen mehr als nur ein dezentes Déjà-vu aufkommt. Gut, hier ist eine Phase von 'Summertime' herauszuhören ('Pale Singer'), dort gibt es ein wirkliches Wiedererkennen. Und das…
(56:31, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Cargo Records, 2019) Wir haben schon einige Seuchen an der Backe. Nein, nicht solche, die uns in eine so üble Lage bringen, welche die Protagonisten von "The Walking Dead" zu bewältigen haben. Doch es reicht schon aus, um mehr als nur dezente Sorgen auftauchen zu lassen. Zwar liefern uns The Shaking Sensations mit ihrem vierten Output nicht unbedingt ein Rezept, wie man diese bekämpfen könnte - obwohl man das vollmundig ankündigt. Wohl aber setzt das Ensemble aus Kopenhagen alles daran, uns ein wenig Licht in die manchmal schon extrem dystoptische Szenerie des Alltags zu bringen.…