(35:21, CD, Tambou Rhinoceros/Indigo, 2018) The New Spring ist eher dafür gemacht, die diesigen Herbstabende zu versüßen. Aber da es bis dahin noch ein wenig Zeit ist, kann man die Zimmer verdunkeln, auf dass die länger werdenden Tage diese dunkel skizzierten Soundbilder beziehungsweise songorientierten Stillleben nicht stören. Bastian Kallesøe mag es dunkelbunt und kuschlig. Seine angenehme Samtstimme verhilft seinem Album zu einem Wohlfühlbonus, der nebenbei noch irgendwie glücklich macht. Wenn es nur dabei dunkel oder dämmrig bleibt. War The New Spring bis dato das persönliche Steckenpferd des dänischen Crooners, mauserte sich das Projekt durch Hinzunahme befreundeter Musiker nun zur ‚richtigen‘…
Autor: Carsten Agthe
(44:37, CD-R, Atypeek Music, 2017) Schräg, schräger, Heliogabale. Die Pariser Band, deren Karriere schon einmal die von Machern wie Steve Albini, Iain Burgess und Karl Blake kreuzte, äußert sich hier, auf ihrem siebenten Album, zum ersten Mal in ihrer Muttersprache. Äußern deswegen, weil das, was ‚Sängerin‘ Sasha Andrès hier von sich gibt, eher mit echauffierten Lautmalereien denn mit Gesang zu charakterisieren ist. Mit dem Opener 'Tobbaggan' führen Heliogabale, die sich immerhin schon im fünfundzwanzigsten Jahr ihres Bestehens befinden, erst einmal komplett aufs Glatteis. Denn die Band macht hier doch fast mehr auf besänftigenden Shoegaze denn auf Noiserock, welcher sich aber…
(73:04, 2LP, Download, Artificial Head/Atypeek Music, 2015/2017) Muddis Käsekuchen ist der beste. Auf die Konsistenz kommt es an. Leicht, fluffig und cremig. Terminal Cheesecake sind allerdings weit davon entfernt, leicht, fluffig oder auch cremig zu sein. Der Londoner Fünfer, der seine Hoch-Zeit in den Jahren von 1988 bis 1994 hatte, überlegte es sich seither anders und gab knapp zwanzig Jahre nach der Auflösung seine Reunion bekannt. Diese gipfelte in einen für sicherlich alle Beteiligten denkwürdigen Auftritt 2014 in Marseille, der 2015 von der Band selbst und nun via Artificial Head/Atypeek noch einmal offiziell veröffentlicht wurde. Terminal Cheesecake - Cheese Brain…
(42:07, CD-R, L'Affect/Atypeek Music, 2017) Einmal mehr Hören mit Schmerzen. Der MathRock eines Projekts wie Ça, deren Hauptbestandteil hierbei die Quintessenz bildet, kollaboriert mit dem Dub Techno von Submarine FM – eine Allianz, die schon ein wenig als eine unheilige angesehen werden kann. Der Finten und Haken schlagende MathRock besticht dabei keineswegs durch Mars Volta’sche Großmäuligkeit, sondern durch harschen Noise, der durch brachiale Breitseiten in seine Grundbestandteile zerfetzt wird. Wobei sich die so entstandenen Einzelteile via Eskapaden zum DubRock in Merkwürdigkeiten zusammenfügen, welche gelegentlich sogar die DNA von King Crimson („Franssais“) oder Primus („Philosophie“) intus haben. https://www.youtube.com/watch?v=g92qZ7Ud2SA Dabei scheint eine…
(73:58, CD, Eigenproduktion, CD Baby, 2018) Nach fünf regulären Alben sowie einer Reihe EPs erscheint mit „So Far, So Good“ nun eine Art Werkschau des ambitionierten Finnen. Dass Charming Timur nun einmal ein Soloprojekt des Multiinstrumentalisten Lauri Santeri Lohi ist, dürfte schon durchgesickert sein. Falls doch nicht, so müsste das nun mit dieser Compilation eintreten, welche auf 74 Minuten ganze 18 Tracks versammelt. Vom 2014er Debütalbum „A Brief Moment Of Existence“ bis hin zum letzten Brachialwerk „Focused Rage“ gibt es hier auf die Zwölf beziehungsweise um die Ohren. Die wenigen Momente andächtigen Innehaltens ('A Human Cell', This Miracle') gehen in…
(16:44, CD-EP, Eigenverlag, 2017) Jeder bekommt eine zweite Chance. Auch wenn man diese nicht wahrhaben möchte, wie es Rodeo Drive auf ihrer zweiten Veröffentlichung anzumerken haben. Knapp vier Jahre nach dem Debüt „Morbid Beauty“ meldet sich das Trio mit einer 3-Track-EP zurück. Was an dieser Stelle allemal reicht, ist diese Sache doch eigentlich nur als kurzes Lebenszeichen zu werten. "Ja, wir leben noch...". Und wie. Agil und dynamisch rocken sich Rodeo Drive durch ihre drei Tracks, wobei der sonst bei dem Samsara Blues Experiment aufspielende Sänger und Bassist Hans Eiselt hin und wieder Rasierklingen spuckt, wie einst uns' Lemmy. https://www.youtube.com/watch?v=1r8dR_UbMwM&list=PLJ0MXBd77p3q65jAsFjBpBxJtL2GkYIUE…
(35:20, CD, Atypeek Music/ Wooaaargh, 2017) Milkilo machen auf Drum’n'Bass. Beziehungsweise, um nicht auf die falsche Fährte zu locken, auf Bass’n'Drum. Weil Milkilo, das sind Anto und Gab, die einzig aus der Kraft aus Bass und Schlagzeug ein wahrhaftes Gebirge aus Sounds erschaffen, womit der Titel zum Album gar nicht einmal so weit her gegriffen erscheint. Beeindruckend, welche Klangpalette das Duo aus Saint Etienne trotz des eigentlich beschränkten Instrumentariums zu erschaffen in der Lage ist. Neben den fragmentarisch gehaltenen Interludien 'Atleast', 'Athome', 'Atoms' sowie 'Atlast', die der eigentlich nicht als Konzept gedachten Angelegenheit doch eine Art Konzeptcharakter verleihen, stehen die…
(37:02, CD, Crispin Glover/Stickman/Soulfood, 2018) Supergroup? Jein. Aber immerhin wirkt Sunswitch-Tommler Tomas Järmyr, neben seinen Aktivitäten in Pet Zoo und The Void Expansion seit einiger Zeit bei den Überhelden von Motorpsycho mit (hier: „The Tower") wohingegen Bassist Trond Frønes bei solchen Unternehmungen wie Blood On Wheels, Goat The Head, Cadillac und Grand General zu finden ist und der dritte im Bunde, Kristoffer Lo an der Tuba (!) im Trondheim Jazz Orchestra verpflichtet ist. Als Sunswitch kommt das Trio nun, nach dem 2012 veröffentlichten selbstbetitelten Debüt, mit seinem zweiten Album, welches als Verbeugung vor der psychoaktiven Slow-Motion verstanden werden kann. https://youtu.be/xpOhZE68QJE…
(41:16, Download, Eigenveröffentlichung, 2017) Ob hier Träume wahr werden, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall kredenzen uns Woodsplitter auf den sieben Tracks ihres neuen Albums sieben Arten von dem, was gemeinhin unter Post Rock verstanden wird. Dabei ist das Projekt aus Nashville/Tennessee noch nicht einmal als Band zu sehen, besteht es doch allein aus Multiinstrumentalist Ben McLeod (All Them Witches. Eine reife Leistung, die uns der Macher hier abliefert. Mit 'World Series' gleitet der Woodsplitter erst einmal geschmeidig in sein Holz bzw. Album, das mit diesem Track eine kühle Swamp Rock-Komponente als Richtung vorgibt. Ein ähnliches Stimmungsspiel erfährt man mit 'Rano…
Verstärkung durch Verstümmelung Schon der Trailer zum Album, der mit dem überwältigenden Track 'Overwhelming' aufwartete, hatte beeindruckt. Obwohl nur zwei Minuten lang, aber mit einer breitwandigen Soundkulisse und einer Choreographie versehen seitens der schwedischen Butoh-Tänzerin Frauke, die aus dem Teaser ein wahres Kunstwerk macht. Das daraufhin veröffentlichte Album „Between Darkness And Light“ hielt das großzügige Versprechen, welches der Trailer lieferte, und wuchtete sich aus dem Stand zu einem der gewaltigsten PostRock-Releases des Jahres 2017 auf. Carles PD, Eloi Casellas und Eloi Roca, wir müssen reden. Ihr kommt aus dem idyllischen Roda de Ter. Gibt es denn hier eine Art ‚Szene“…
(45:10, Download, Eigenverlag/Bandcamp, 2017) Post Rock ist Post Rock ist Post Rock. Oder so ähnlich. Nur eben lässt sich dieser bezüglich Intensität, Dynamik, Suspense, Arrangements und Instrumentalfaktor eben nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen, auch wenn als charakteristischer Link dann auch immer dieselbe Klientel herhalten muss. Also ist Post Rock nun eben nicht gleich Post Rock, so wie, um einmal ganz weit zu greifen, Jazz eben nicht gleich Jazz ist. Der Fünfer In Lights aus dem kalifornischen San Jose hat sich mit Sicherheit auch die Blaupausen des Post Rock einverleibt, kommt aber obendrein mit einer gewissen Endemik, die auch aus…
(45:38, Download, Eigenveröffentlichung, 2018) ‘It is the business of the future to be dangerous’. Da stand einmal wieder ein Zitat Pate, um das Universum einer Band zu erschaffen. Ein Zitat vom Schöpfer des ewigen Helden, Michael Moorcock nämlich, der auch hin und wieder bei Vertretern psychoaktiver Soundgebilde wie Hawkwind anzutreffen war. Auf „Race Against Time“, dem Debüt der The Dead Centuries, scheint sich das Trio aus Ottawa einen Wettlauf mit den eigenen Ansprüchen zu liefern. Schneller, weiter, höher ist auch hier die Devise. Dabei wirkt die anvisierte Dystopie gar nicht einmal so ausweglos wie man wohl gerne hätte. Sodass ein…
(66:23, CD, Green Brain Krautrock, 2017) Schwer dräut die Orgel, man wähnt sich Ende der Sechziger, ein sympatisches Charakteristikum, das man von Space Debris schon irgendwie gewohnt ist. Erneut wurde man in den Archiven fündig und da eben diese die eigenen sind, kann man in diesem Zusammenhang auch nicht von einer Plünderung sprechen. Vier Tracks aus dem Jahr 2004 förderte man so zutage. Als Trio, hier noch mit Keyboarder Tom Kunkel, schlurften Space Debris hier tief in einem Hammond-Orgel-infizierten Morast und matschte aus diesem improvisierte Kleckerburgen aus psychedelischen Hardrock zusammen, die sich bis in eine Höhe von zwanzig Minuten aufbäumen,…
Eingebung und Zufallsprinzip Dystopien, Weltuntergang, die Apocalypse – Szenarien, auf die der Sound von Collapse Under The Empire (C.U.T.E.) geradezu zugeschnitten scheint. Das instrumentale Duo, das im letzten Jahr seine Livepremiere feierte, veröffentlichte jüngst sein Album „The Fallen Ones“, das sound- und konzepttechnisch fast schon nahtlos an die beiden Vorzeigealben „Shoulders & Giants“ sowie „Sacrifice & Isolation“ anknüpft, jenes beeindruckende Doppel, mit dem C.U.T.E. bereits tiefe Spuren im Postrockigen Schlamm für die Nachwelt hinterließen. „Shoulders & Giants“ und „Sacrifice & Isolation“ hatten ein zusammenhängendes Konzept. Kann man das auch von eurem aktuellen Album „The Fallen Ones“ behaupten? Chris: Einen direkten…
(46:20/48:47, CD/CD, Progressive Promotion/PPR-Webshop, 2017/2016) Nach dem ersten Eindruck könnte man Starsabout vorwerfen, ein wenig zu viel Weichspüler in den Hauptwaschgang geschüttet zu haben. Weil sich die Songs des polnischen Quartetts eigentlich ein wenig zu behaglich in den Gehörgängen einnisten. Sicher hat sich die Band selbst den Anspruch auferlegt, in progressiv rockenden Bereichen aufzuspielen. Obwohl der Aufbau der Songs eben auch einen gewisses Pop-Appeal aufweist. Was hier bedeutet, dass Starsabout auf maximalen Wohlklang ausgerichtet wurden. „Longing For Home“ setzt auf Entschleunigung und harmonische Auszeiten. Die Songs wirken, als hätte sich ein David Gilmour mit The Church ins Studio zurückgezogen –…
(42:47, Download, Tambou Rhinoceros/Indigo, 2017) Musik, wie aus einem Kunstfilm aus den Sechzigern. Verträumt, verhuscht und sonderbar melancholisch. August Rosenbaum war schon immer ein Strebertyp. Schon in der Schule interessierte er sich mehr für Sentimentales wie Erik Satie oder Thelonious Monk anstatt sich dem schnelllebigen Zeitgeist hinzugeben. Ein Anfang, der sich auch auf seine weitere musikalische Entwicklung ausschwirkte. Eine Entwicklung, die ihm mehrere Preise und Kollaborationen mit Acts wie Rhye, Nils Frahm, Quadron oder MØ einbrachte und welche nun beim vierten Album angekommen ist. https://www.youtube.com/watch?v=_NPAO6DSA00 Alles an „Vista“ wirkt merkwürdig gedämpft, man nimmt die Musik wie durch einen Schleier wahr.…
(39:22, Download, Pelagic/Cargo, 2017) Pg.lost. Tiny Fingers. Wang Wen. Tangled Thoughts Of Leaving… Und nun Spook The Horses: Pelagic Records hat es einfach drauf, besonders interessante Bands an Land zu ziehen. Es herrscht Goldgräberstimmung im Land des Postrock, Postmetal und Posthardcore. Und das Berliner Label hat es verstanden, sich hier die größten Nuggets herauszupicken. Obwohl Spook The Horses, das neuseeländische Sextett mit dem Hang zum Dunkelbunten, auf seinen bisherigen beiden Alben „Brighter“ und „Rainmaker“ wirklich von Rock bis Metal alle Facetten im Post-Universum abdeckte ,gibt es mit „People Used To Live Here“ eine geringfügige Richtungskorrektur. Aller guten Dinge sind drei…
(42:05, Download, This Charming Man/Cargo, 2017) Der Wolf ist das neue Black. Die Wölfe sind keine bedrohte Spezies im kontemporären Bandgefüge mehr und zeigen uns mit Rudeln wie Wolfmother, Wolf Parade, Wolf People, Wolf & Cub, Wolf Eye, Wolf Alice (oder Those Amongst Us Are Wolves, d. Schlussred.) usw. usf., dass sie gehörig mitmischen! Womit wir bei Wolf Mountains wären, die uns schon vor einiger Zeit mit ihren „Birthday Songs For Paul“ schräg und schroff beglückten, wobei man hier aber nicht so sicher war, ob die hier gezeigte Lässigkeit nun echt oder nur gespielt war. Nein, gespielt ist hier nichts.…
(14:31, Download, Eigenproduktion/Cargo, 2017) Für einen Extrem-Metaller (bis 2013: War From A Harlots Mouth, ab 2013: The Ocean) wirkt das neue Projekt von Paul Seidel reichlich entspannt und - Achtung! Wortspiel! – FERN ab seiner bisherigen Betätigungsfelder. Obwohl der Schlagzeuger schon bei WassBass und – ganz aktuell - bei Caspers „Lang lebe der Tod“ mitmischte, also nicht immer unbedingt Metal-affin unterwegs war. Nun also FERN, eine Band, die sich aus ihm sowie Jan Kerscher (Like Lovers), Peter Voigtmann (Heads, Hepting) zusammensetzt und mit welcher Paul Seidel wieder eine neue Facette seiner musikalischen Ausrichtung offenbart. Gerade einmal 15 Minuten lang aber…
(42:55, CD, Sportklub Rotter Damm, 2017) 'Monument', 'Haven', 'Maelstrom', 'Home', 'Waldeinsamkeit'. Die Titel – kurz, prägnant, auf den Punkt gebracht. Was man von der Musik, welche die Kölner Band hier zum Besten gibt, nicht behaupten kann. Denn eben diese ist pathetisch, episch und ausufernd. Und vor allem instrumental. Was nach einer Blaupause des Postrock klingt, ist dennoch viel mehr. Die fünf sieben- bis elfminütigen Stillleben kokettieren mit eruptiven Ausbrüchen, bis an die Grenzen ausgereizten ruhigen und lauten Momenten und perfekt ausgearbeiteten Spannungskurven, welche die Spannung in den einzelnen Tracks bis zum Reißen spannt. Beeindruckend auch der Melodiegehalt, der die doppelt…