(1:03:22; Vinyl, CD, Download; Sulatron Records/Brokensilence, 2022) Das mit dem neben der Mütze agieren haben Centre El Muusa wohl in den falschen Hals bekommen. Weil "Purple Stones", das zweite Album der Esten, dermaßen somnambul und geistesabwesend geriet, dass man sich sofort in den Strudel schlurfender Ekstase hineingezogen fühlt. Die offiziell sechs (auf der CD neun) Instrumentals gehen flächendeckend und -wirksam auf Kuschelkurs mit transzendenter Erhabenheit. Es blubbert, quietscht und schwillt in allen messbaren Dimensionen auf und ab, dass es eine Freude ist. Zwar wurde von Multiinstrumentalist Misha Panfilov im die "Purple Stones" eröffnenden 'Pony Road' ein fast schon Western-mäßiger Twang…
Autor: Carsten Agthe
(23:04, Vinyl (10"), Digital, Sulatron Records/Brokensilence, 2022) Da gibt es zum 25-jährigen der Spaceheads um Sula Bassana Dave Schmidt eine ganz spezielle Spezialität, nämlich die beiden Tracks, die in jenen Anfangstagen, nämlich 1997, zusammen mit der Interimssängerin Jodi Barry entstanden, zum ersten Mal auf Vinyl. Und zwar als grüne 10". Die beiden musikalischen Psychedelic-Brocken, um die es hier geht, waren zwar schon Teil der 2007 erschienenen CD "10 Years Or Aural Psychedelic Journeys", was in diesem Zusammenhang aber keine Rolle spielen dürfte, da es hier in erste Linie um das Vinyl-Release geht. Zusammen mit den ex-Liquid Visions Hans-Peter Ringholz an…
(41:53, CD, Vinyl, Digital, Eigenproduktion, 2022) Wie so oft liegen auch hier, bei Future Jesus & The Electric Lucifer, Genie und Wahnsinn ganz nah beisammen. Woher die Idee für dieses irrwitzigen Crossover aller Sounds aus dem für Auserwählte erreichbaren Paralleluniversen stammen, weiß nur die Band allein. Die Band, die diese Mixtur, frei nach dem Motto – Hör oder stirb – ungefiltert auf uns einhämmern. Hier geht das eigentlich nicht zu vereinbarende eine heilige (oder doch eher unheilige?) Allianz ein – der Future Jesus veranstaltet mit dem Electric Lucifer eine Kur der speziellen Art. Mächtige Synth-Berge kollidieren mit Gitarrensoli der posend-breitbeinigen…
(42:28, CD, Vinyl, Digital, Vinter Records, 2022) Sind sie zu stark, bis du zu schwach. Aber, im Fall von Norna darf man das. Schwach sein. Das Trio, welches sich aus den beiden Ølten Christophe Macquat (Guitars, Bass) und Marc Theurillat (Drums) sowie Tomas Liljedahl (Vocals/Guitar) von Breach/The Old Wind zusammensetzt, macht auf seinem Debütalbum dann genau das, was man von dieser Konstellation erwartet – knochentrockenen und harschen Doom’n Sludge Metal. Und definitiv keine Gefangenen. Hierfür verlegten die beiden Schweizer ihr Betätigungsfeld zu Tomas, also in den Norden von Schweden. Und das eben nicht nur geographisch sondern auch soundtechnisch. Weil „Star…
(50:16, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Plastic Head, 2022) Uff, da drückt aber wieder einer ganz fest auf die Bedeutungsschwangerenblase. Auf seinem fünften (!) Solo-Album macht der Airbagger das, was er am besten kann, nämlich Musik zu kreieren, bei der jeder Track ein Statement für den Artrock von Bands wie Pink Floyd, No-Man, Crippled Black Phoenix & Co. ist. Mithilfe einiger mehr oder weniger bekannter Kollegen von Institutionen wie Airbag (klar doch!), Wobbler, Oak oder White Willow versinkt Bjørn Riis auch hier, auf „Everything To Everyone“, in Melancholie und Nachdenklichkeit. Eigentlich hat der Musiker auch einen entspannten Rhythmus gefunden, wechselt er…
(45:58, Vinyl, Digital, Home Service Recordings, 2022) Der Anfang weckt schon ein wenig Erinnerungen an ein ‚In The Air Tonight‘ von Phil Collins. Was dem Vintage Drumsound geschuldet ist, der auch auf dem vierten Testcard-Oeuvre für reichlich nostalgische Atmosphären sorgt. Die daraufhin hineinblubbernde Gitarre macht lässig auf Lone Ranger, der Synth auf Seventies. Lee Nicholson zieht auf ‚Return Parts Rewind‘, dem Opener seines neuen Albums, schon einmal alle Register, um die Moods so heimelig wie möglich zu machen. So bleibt ‚Patterns‘ vor allem eins, behaglich wie ein Abend vor dem Kamin. In seiner Verquickung aus entspannter Electronica und postrockigem Breitwand…
(38:20, CD, Vinyl, Digital, Jazzland, 2022) Oh, wie haben wir damals abgefeiert, als ein Bugge Wesseltoft einst mit seiner New Conception Of Jazz neuen beziehungsweise komplett anderen Wind in eine bis dato reichlich elitäre musikalische Ausdrucksform hineinbrachte. Weil der Jazz bei dem norwegischen Pianisten auf einmal groovte und Spaß machte. Dann gab es noch seine essentiellen Kooperationen mit Henrik Schwarz, Laurent Garnier, Erik Truffaz oder Dan Berglund, mit denen er seinen (und unseren) musikalischen Horizont noch einmal erweiterte. Und da waren außerdem Alben wie „Songs“ oder „It’s Snowing On My Piano“, mit denen er sich solistisch am Piano präsentierte. So…
(60:16, CD, Vinyl, Digital, Brain Feeder, 2021) Ein Jahr nach der Jaga Jazzist-Pflicht („Pyramid“) sowie ein halbes nach der -Kür (das Live-Release „The Tower“) kommen hier Auf- und Abarbeitungen der „Pyramid“-Tracks von anderen Künstlern. Aus den vier Original-Tunes wurden acht, was daran liegt, dass es ‚The Shrine‘ und ‚Tomita‘ auf jeweils drei Bearbeitungen bringen, während sich ‚Apex‘ und ‚Spiral Era‘ mit jeweils einem Remix begnügen müssen. Pyramid Remix by Jaga JazzistSo wurde ersterer im ‚Lindtstrøm & Prins Thomas Remix‘ von acht auf elfeinhalb Minuten ‚aufgepimpt‘, was der groovig-entspannten Atmosphäre Rechnung trägt. ‚Spiral Era‘ zeigt sich im ‚Prins Thomas Remix‘ ebenso…
(31:10, CD, Digital, Bird’s Robe Records, 2022) Mit Schmackes wirft/warf unser australisches Lieblingslabel anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums sein gesamtes Backprogramm auf einen bunten Haufen. Das rockt, weil sich darunter jede Menge Rohdiamanten befinden, die man damals über die Grenzen von Down Under hinaus nur bedingt wahrgenommen hat und bei denen sich darum so ein Reissue dringend notwendig macht. Wie eben auch beim 2010er Debütalbum der in Sydney beheimateten Pirate. Fegte die selbstbetitelte Vorab-EP in ihrem irrwitzigen Mix aus Crimson’schem Art- und Battle’schem Freerock über uns hinweg, so kommt es nun doppelt dick. Gut, mit einer knappen halben Stunde könnte man…
(40:46, CD, Vinyl, Digital, Denovali Records, 2022) Gerade einmal ein halbes Jahr nach seinem The Lovecraft Sextet-Debüt „In Memoriam“ steht der ex-The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble-Workaholic Jason Köhnen erneut mit einem Album auf der Matte. Sein Faible für gepflegten Horror lebt der Musiker hier schon mit dem Namen aus, mit dem er dem Erschaffer des Cthulhu-Mythos' ein respektables Denkmal setzt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er mit seinem aktuellen Projekt (derweil er mit den spannenden Mansur eine weitere hochgradig spannende Spielwiese am Start hat) just in die Nische atmosphärischer B-Movies eintaucht. Obwohl man auch hier gänzlich dunkelbunte Stillleben pflegt,…
(41:06, CD: Vinyl, Digital, Prophecy Productions/Soulfood, 2022) Jayn Hanna Wissenberg aka Jayn Maiven wird sich ihren Künstlernamen sicher nicht ohne Grund gewählt haben, da ihrer Musik schon eine gewisse dunkle Aura anhaftet. Bereits mit ihrem Debüt „Realms“ erschuf sie geisterhafte Atmosphären, die geradezu nach cineastischer Untermalung forderten. Natürlich vorzugsweise nach düsteren, im viktorianischen England situierten Gothic Horror Movies. Und erregte hiermit schon mal eine Menge Aufmerksamkeit. Fünfeinhalb Jahre später nun entfacht die Musikerin einen weiteren Malstrom tiefdunkler Sounds, die wieder einmal direkt aus der Hölle zu kommen scheinen. Die Stimmungsbilder waten tief im Morast von selbstvergessenem Doom, Folk und Dark…
(27:40, CDr, Digital, Sound In Silence, 2022) Mit seinen knapp 30 Minuten nimmt das "Ambient Mixtape" eben nur eine Seite einer C-60 ein. Deswegen und in Erwartung, was dann noch kommen mag, jenes "Volume 1". Nun sind The Kids And The Cosmos das Solo-Vehikel des Texaners Justin Lee Radford, den man nebenbei bemerkt von HIN kennen könnte, einem Duo, das er zusammen mit Message To Bears' Jerome Alexander am Laufen hat. Wenn es eine nach unten offene Skala für Mellow & Smooth Atmospheres gäbe, dann müsste die Einheit hierfür Radford heißen. Denn bedächtiger und entspannter als hier auf dem "Ambient…
(46:39, Vinyl, CD, Digital, Prophecy Productions/Souldfood, 2022) Nun existiert Eight Bells, eigentlich als ein Interimsprojekt der ehemaligen SubArachnoid-Space-Gitarristin Melynda Jackson auf den Weg gebracht, auch schon zwölf Jahre und veröffentlich mit "Legacy Of Ruin" das nunmehr dritte Album. Zwar wechselte das Besetzungskarussell mit Jackson als Motor nahezu nach jeder Veröffentlichung, dennoch ist Eight Bells zu einer beständigen Größe des US-Doom-Metal erwachsen (das zweite Album "Landless" zählte hier zu den 'Top 10 Metal Albums of 2016') und zeigt sich mit Bassist Matt Solis (Cormorant, URSA) sowie Schlagzeuger Brian Burke (No Shores, Cave Dweller) mittlerweile relativ konstant. Mit "Legacy Of Ruin" frönt…
(40:25, CD; Digital, Atypeek Diffusion, 2022) Tanidual ist William Laudinat, der uns mitten im Frühling mit einem warmen Frühlingsregen aus elektronischen Downbeats und verträumten Trompetensounds beeindruckt. Alles ist einem angenehmen Flow aus Semi-jazzigem Spielereien und Sounds aus der Chill-Out-Ecke untergeordnet, alles wabert und pulsiert, derweil die Posaunen schon spannende Akzente setzen. Schon der „Alignement“-Opener und Titeltrack wirkt, als hätte ein Nils Petter Molvaer endlich seinen Frieden gefunden – wobei der Gamelan-Effekt in Tunes wie ‚Suling‘ und ‚La Main Mise‘ tatsächlich eher südostasiatische als melancholisch-skandinavische Stimmungen transportiert. Eine indonesische Flöte greift hin und wieder diese Stimmungen auf und führt diese zur…
(40:54, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 2022) Einen Briten zieht es nach Finnland. Dort lernt er einen Schlagzeuger kennen und beide haben nun nichts Eiligeres zu tun, als eine Band beziehungsweise ein Duo zu gründen. Benannt nach einem todbringenden See in Kamerun, soviel Drama muss sein, legte man sich gleich zu Beginn auf seinen Sound fest, der als nicht unbedingt radiowirksam beschrieben werden kann. Das war 2012. Das erste NYOS-Release kam dann, man gönnt sich ja sonst nichts, in Form des 26-minütigen Tracks 'Vltava', mit dem Gitarrist Tom Brooke und Schlagzeuger Tuomas Kainulainen erst einmal alle aus Math Rock, Post…
(37:51, CDr, Digital, Sound In Silence, 2022) Hier bricht Sound In Silence ein wenig mit seinen Traditionen, groß angelegter ambienter Flächen und Soundskulpturen. Weil Sweeny Songs schreibt. Zwar Songs mit ambientem Überbau, dennoch Songs mit einem erkennbaren Statement. Aber immerhin ist "Stay For The Sorrow" das vierte Album des Südaustraliers Jason Sweeney für das Label, so dass sich schon eine gewisse Routine eingestellt haben müsste. Hier wirken die Songs einmal mehr verhuscht und transparent wie das Oeuvre eines David Sylvian oder Tim Bowness, gedankenverloren kreist Sweeny über Soundbildern, die reichlich nebulös erscheinen und sich auch nicht in irgendwelche Formen oder…
(44:20, CD, Vinyl, Digital, The Sign Records, 2022) "Children of the Sün look like hippies, sound like hippies and they bring a wooden sun on stage. The sunshine comes by itself." So in etwas beschreiben die sechs SchwedInnen sich selbst. Mit den Sängerinnen Josefina Berglund Ekholm und Ottilia Berglund Ekholm, Sängerin und Keyboarderin Wilma Ås, Gitarrist Jacob Hellenrud, Bassistin Ida Wahl sowie Drummer Johan Lööf präsentiert man sich selbst als so etwas wie eine Musik-Kommune, wobei man schon ein wenig ausschaut, wie aus einem Film wie z. B. (Grusel) "Midsommar" entsprungen. Mit Blumen im Haar zelebrieren die Children Of The…
(45:26, CD, Vinyl, Digital, Apollon Records/Plastic Head, 2022) Ein Eldorado (sagenhaftes Goldland)? Was gut abgehangenen Seventies-Sound angeht, trifft diese Beschreibung mal sicher auf das zweite Album der Band aus dem norwegischen Bergen zu. Zugegeben kam Kryptograf mit dem gleichnamigen Debütalbum vor gut eineinhalb Jahren wie aus dem Nichts und konnte gleich mit einem authentischen Sound aus der Mottenkiste überzeugen-/raschen. Und gleichzeitig zum Abdriften als auch zum bodenständig Cruisen animieren. Nun gibt es kryptografischen Nachschlag, der uns erneut verzaubert. Hardrock, Psych, Prog und Doom werden zu einem Vintage-Eldorado verquickt, was uns zu einer Zeitreise nicht nur drängt. Sondern die auch gleich…
(53:34, CD, Digital, Eigenvertrieb, 2022) Wer, wie was? Wieso, weshalb, Warum? Fragen über Fragen. Die Band selbst hält sich bezüglich ihrer Identität jedenfalls schon mal bescheiden zurück. Das Einzige, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu ermitteln ist – das Far From Your Sun aus Paris kommen. Ansonsten gilt – ‚Anonymous and studio-based band‘. Mit ihrem zweiten Album haben sich die Unbekannten unter anderem von Ellis Normandys Buch „Awakening Osiris: A New Translation of the Egyptian Book of the Dead“ (‚Water Of Osiris‘), von Oscar Wilde (‚La Fuite De La Lune‘) oder von einem William Ernest Henley (‚Enough‘) inspirieren lassen.…
(42:50, Vinyl, CD, Digital, Moment Of Collapse Records, 2022) Bruecken errichten ebensolche monolithischen Ausmaße, um sie gleich darauf wieder in Grund und Boden zu stampfen. Das Oldenburger Quartett schwadroniert auch auf seinem jüngsten Album in klassischen postrockenden Eskapaden, die mit Macht aus den Blaupausen dieses Genres gestanzt wurden. Die Titel geben uns dann auch gleich die nötigen Intentionen mit auf den Weg – 'Fluthoch', 'Abgrundtief', 'Zerrbild', 'Ataxie', 'Lichterloh'. Es scheint geradezu, als ob das namentlich Erwähnte jeweils tatsächlich auf jeden der natürlich wieder vollkommen instrumental gehaltenen Tracks zutrifft. Vor allem 'Ataxie' schwingt sich zum metallenen Monstrum auf, das die Qualitäten…