(22:53, CD, Vinyl, Digital, Waveland Records, 2022) Gut ein Jahr nach ihrer Debüt-EP „Darkness And Bright Thoughts“ schlagen die Düsseldorfer mit einer weiteren EP zu, mit der man noch tiefer in die Wave-punkigen Eighties hineinkriecht und es sich dort gemütlich macht. Weil, es war ja nicht alles so schlecht in diesem Jahrzehnt aus Neonfarben, Plastiksounds und Hairspray. Ungestüm gehen es die Carpet Waves mit ‚Biography‘ schon mal an. Garage- meets Wave-Rock, Sonic Youth liefert sich eine Feedbackschlacht mit den Jesus And Mary Chain, alles bewusst rough und unpoliert in Szene gesetzt. Inner Weapons by Carpet Waves Nachfolgendes ‚Narrow Dream Factory‘…
Autor: Carsten Agthe
(38:56, CD, Vinyl, Digital, Unique Records/The Orchard, 2022) Hier gibt es einen heftigen Flashback zurück in eine Zeit, als vom heutigen Standpunkt aus gesehen alles viel, viel besser und vor allem lässiger war. Voraussetzung war aber – wie immer - am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen zu sein. Fooks Nihil beglücken uns nun schon zum zweiten Mal mit luftig, blumig, hippiesken Klängen, die ihren Ursprung auf jeden Fall im San Francisco beziehungsweise Kalifornien der Endsechziger haben. Hier klingen schon mal mehr als nur dezent damalige Zeitgenossen wie The Byrds, Crosby, Stills, Nash & Young oder Jefferson Airplane durch. Tranquility…
(59:29, CD, Vinyl, Digital, Banditt Media, 2022) Den Härtegrad hat das Quartett aus Oslo im Vergleich zum Vorgängeralbum schon ein wenig angezogen. Gut, „Serene“ wurde auch schon vor mehr als sechseinhalb Jahren veröffentlicht und Veränderungen sind das, was das Leben an sich bestimmt. Weniger Synths und orchestraler Pathos, dafür deutlich rockiger und psychedelischer, wenn man so will, Tool-iger, so präsentieren sich Delvoid nun hier, auf „Swarmlife“. Die sechs Acht- bis Dreizehnminüter fangen ihre Intentionen für die entsprechenden Stimmungsschwankungen mit ihren gut gemeinten epischen Formaten wirkungsvoll auf. Jeder der Tracks badet sich und uns in einem Wechselbad der Gefühle, das alle…
(38:01, CD, Vinyl, Digital, All Good Clean/Stickman, 2022) Und wieder Norwegen. Und wieder Trondheim. Die europäische Talenteschmiede in Sachen hipper Sounds ist dann auch immer wieder für eine Überraschung gut. Jene kommt an dieser Stelle von Waste A Saint, die unter dem gefährlich anmutenden Titel "Hypercarnivore" ihr Albumdebüt an den Start bringen. Das Quartett um Sängerin Bogey Stefansdottir startet dann auch ganz zünftig Riff-gewaltig und mit mehr als nur ambitionierter Gitarrenarbeit. Bei Tracks wie 'Shoot Your Way Out', 'The Healer' und 'Textbook People Pleaser' braucht es dann auch keine Erklärungen, dass die Vorlieben von Waste A Saint ganz eindeutig in…
(1:03:22; Vinyl, CD, Download; Sulatron Records/Brokensilence, 2022) Das mit dem neben der Mütze agieren haben Centre El Muusa wohl in den falschen Hals bekommen. Weil "Purple Stones", das zweite Album der Esten, dermaßen somnambul und geistesabwesend geriet, dass man sich sofort in den Strudel schlurfender Ekstase hineingezogen fühlt. Die offiziell sechs (auf der CD neun) Instrumentals gehen flächendeckend und -wirksam auf Kuschelkurs mit transzendenter Erhabenheit. Es blubbert, quietscht und schwillt in allen messbaren Dimensionen auf und ab, dass es eine Freude ist. Zwar wurde von Multiinstrumentalist Misha Panfilov im die "Purple Stones" eröffnenden 'Pony Road' ein fast schon Western-mäßiger Twang…
(23:04, Vinyl (10"), Digital, Sulatron Records/Brokensilence, 2022) Da gibt es zum 25-jährigen der Spaceheads um Sula Bassana Dave Schmidt eine ganz spezielle Spezialität, nämlich die beiden Tracks, die in jenen Anfangstagen, nämlich 1997, zusammen mit der Interimssängerin Jodi Barry entstanden, zum ersten Mal auf Vinyl. Und zwar als grüne 10". Die beiden musikalischen Psychedelic-Brocken, um die es hier geht, waren zwar schon Teil der 2007 erschienenen CD "10 Years Or Aural Psychedelic Journeys", was in diesem Zusammenhang aber keine Rolle spielen dürfte, da es hier in erste Linie um das Vinyl-Release geht. Zusammen mit den ex-Liquid Visions Hans-Peter Ringholz an…
(41:53, CD, Vinyl, Digital, Eigenproduktion, 2022) Wie so oft liegen auch hier, bei Future Jesus & The Electric Lucifer, Genie und Wahnsinn ganz nah beisammen. Woher die Idee für dieses irrwitzigen Crossover aller Sounds aus dem für Auserwählte erreichbaren Paralleluniversen stammen, weiß nur die Band allein. Die Band, die diese Mixtur, frei nach dem Motto – Hör oder stirb – ungefiltert auf uns einhämmern. Hier geht das eigentlich nicht zu vereinbarende eine heilige (oder doch eher unheilige?) Allianz ein – der Future Jesus veranstaltet mit dem Electric Lucifer eine Kur der speziellen Art. Mächtige Synth-Berge kollidieren mit Gitarrensoli der posend-breitbeinigen…
(42:28, CD, Vinyl, Digital, Vinter Records, 2022) Sind sie zu stark, bis du zu schwach. Aber, im Fall von Norna darf man das. Schwach sein. Das Trio, welches sich aus den beiden Ølten Christophe Macquat (Guitars, Bass) und Marc Theurillat (Drums) sowie Tomas Liljedahl (Vocals/Guitar) von Breach/The Old Wind zusammensetzt, macht auf seinem Debütalbum dann genau das, was man von dieser Konstellation erwartet – knochentrockenen und harschen Doom’n Sludge Metal. Und definitiv keine Gefangenen. Hierfür verlegten die beiden Schweizer ihr Betätigungsfeld zu Tomas, also in den Norden von Schweden. Und das eben nicht nur geographisch sondern auch soundtechnisch. Weil „Star…
(50:16, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Plastic Head, 2022) Uff, da drückt aber wieder einer ganz fest auf die Bedeutungsschwangerenblase. Auf seinem fünften (!) Solo-Album macht der Airbagger das, was er am besten kann, nämlich Musik zu kreieren, bei der jeder Track ein Statement für den Artrock von Bands wie Pink Floyd, No-Man, Crippled Black Phoenix & Co. ist. Mithilfe einiger mehr oder weniger bekannter Kollegen von Institutionen wie Airbag (klar doch!), Wobbler, Oak oder White Willow versinkt Bjørn Riis auch hier, auf „Everything To Everyone“, in Melancholie und Nachdenklichkeit. Eigentlich hat der Musiker auch einen entspannten Rhythmus gefunden, wechselt er…
(45:58, Vinyl, Digital, Home Service Recordings, 2022) Der Anfang weckt schon ein wenig Erinnerungen an ein ‚In The Air Tonight‘ von Phil Collins. Was dem Vintage Drumsound geschuldet ist, der auch auf dem vierten Testcard-Oeuvre für reichlich nostalgische Atmosphären sorgt. Die daraufhin hineinblubbernde Gitarre macht lässig auf Lone Ranger, der Synth auf Seventies. Lee Nicholson zieht auf ‚Return Parts Rewind‘, dem Opener seines neuen Albums, schon einmal alle Register, um die Moods so heimelig wie möglich zu machen. So bleibt ‚Patterns‘ vor allem eins, behaglich wie ein Abend vor dem Kamin. In seiner Verquickung aus entspannter Electronica und postrockigem Breitwand…
(38:20, CD, Vinyl, Digital, Jazzland, 2022) Oh, wie haben wir damals abgefeiert, als ein Bugge Wesseltoft einst mit seiner New Conception Of Jazz neuen beziehungsweise komplett anderen Wind in eine bis dato reichlich elitäre musikalische Ausdrucksform hineinbrachte. Weil der Jazz bei dem norwegischen Pianisten auf einmal groovte und Spaß machte. Dann gab es noch seine essentiellen Kooperationen mit Henrik Schwarz, Laurent Garnier, Erik Truffaz oder Dan Berglund, mit denen er seinen (und unseren) musikalischen Horizont noch einmal erweiterte. Und da waren außerdem Alben wie „Songs“ oder „It’s Snowing On My Piano“, mit denen er sich solistisch am Piano präsentierte. So…
(60:16, CD, Vinyl, Digital, Brain Feeder, 2021) Ein Jahr nach der Jaga Jazzist-Pflicht („Pyramid“) sowie ein halbes nach der -Kür (das Live-Release „The Tower“) kommen hier Auf- und Abarbeitungen der „Pyramid“-Tracks von anderen Künstlern. Aus den vier Original-Tunes wurden acht, was daran liegt, dass es ‚The Shrine‘ und ‚Tomita‘ auf jeweils drei Bearbeitungen bringen, während sich ‚Apex‘ und ‚Spiral Era‘ mit jeweils einem Remix begnügen müssen. Pyramid Remix by Jaga JazzistSo wurde ersterer im ‚Lindtstrøm & Prins Thomas Remix‘ von acht auf elfeinhalb Minuten ‚aufgepimpt‘, was der groovig-entspannten Atmosphäre Rechnung trägt. ‚Spiral Era‘ zeigt sich im ‚Prins Thomas Remix‘ ebenso…
(31:10, CD, Digital, Bird’s Robe Records, 2022) Mit Schmackes wirft/warf unser australisches Lieblingslabel anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums sein gesamtes Backprogramm auf einen bunten Haufen. Das rockt, weil sich darunter jede Menge Rohdiamanten befinden, die man damals über die Grenzen von Down Under hinaus nur bedingt wahrgenommen hat und bei denen sich darum so ein Reissue dringend notwendig macht. Wie eben auch beim 2010er Debütalbum der in Sydney beheimateten Pirate. Fegte die selbstbetitelte Vorab-EP in ihrem irrwitzigen Mix aus Crimson’schem Art- und Battle’schem Freerock über uns hinweg, so kommt es nun doppelt dick. Gut, mit einer knappen halben Stunde könnte man…
(40:46, CD, Vinyl, Digital, Denovali Records, 2022) Gerade einmal ein halbes Jahr nach seinem The Lovecraft Sextet-Debüt „In Memoriam“ steht der ex-The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble-Workaholic Jason Köhnen erneut mit einem Album auf der Matte. Sein Faible für gepflegten Horror lebt der Musiker hier schon mit dem Namen aus, mit dem er dem Erschaffer des Cthulhu-Mythos' ein respektables Denkmal setzt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er mit seinem aktuellen Projekt (derweil er mit den spannenden Mansur eine weitere hochgradig spannende Spielwiese am Start hat) just in die Nische atmosphärischer B-Movies eintaucht. Obwohl man auch hier gänzlich dunkelbunte Stillleben pflegt,…
(41:06, CD: Vinyl, Digital, Prophecy Productions/Soulfood, 2022) Jayn Hanna Wissenberg aka Jayn Maiven wird sich ihren Künstlernamen sicher nicht ohne Grund gewählt haben, da ihrer Musik schon eine gewisse dunkle Aura anhaftet. Bereits mit ihrem Debüt „Realms“ erschuf sie geisterhafte Atmosphären, die geradezu nach cineastischer Untermalung forderten. Natürlich vorzugsweise nach düsteren, im viktorianischen England situierten Gothic Horror Movies. Und erregte hiermit schon mal eine Menge Aufmerksamkeit. Fünfeinhalb Jahre später nun entfacht die Musikerin einen weiteren Malstrom tiefdunkler Sounds, die wieder einmal direkt aus der Hölle zu kommen scheinen. Die Stimmungsbilder waten tief im Morast von selbstvergessenem Doom, Folk und Dark…
(27:40, CDr, Digital, Sound In Silence, 2022) Mit seinen knapp 30 Minuten nimmt das "Ambient Mixtape" eben nur eine Seite einer C-60 ein. Deswegen und in Erwartung, was dann noch kommen mag, jenes "Volume 1". Nun sind The Kids And The Cosmos das Solo-Vehikel des Texaners Justin Lee Radford, den man nebenbei bemerkt von HIN kennen könnte, einem Duo, das er zusammen mit Message To Bears' Jerome Alexander am Laufen hat. Wenn es eine nach unten offene Skala für Mellow & Smooth Atmospheres gäbe, dann müsste die Einheit hierfür Radford heißen. Denn bedächtiger und entspannter als hier auf dem "Ambient…
(46:39, Vinyl, CD, Digital, Prophecy Productions/Souldfood, 2022) Nun existiert Eight Bells, eigentlich als ein Interimsprojekt der ehemaligen SubArachnoid-Space-Gitarristin Melynda Jackson auf den Weg gebracht, auch schon zwölf Jahre und veröffentlich mit "Legacy Of Ruin" das nunmehr dritte Album. Zwar wechselte das Besetzungskarussell mit Jackson als Motor nahezu nach jeder Veröffentlichung, dennoch ist Eight Bells zu einer beständigen Größe des US-Doom-Metal erwachsen (das zweite Album "Landless" zählte hier zu den 'Top 10 Metal Albums of 2016') und zeigt sich mit Bassist Matt Solis (Cormorant, URSA) sowie Schlagzeuger Brian Burke (No Shores, Cave Dweller) mittlerweile relativ konstant. Mit "Legacy Of Ruin" frönt…
(40:25, CD; Digital, Atypeek Diffusion, 2022) Tanidual ist William Laudinat, der uns mitten im Frühling mit einem warmen Frühlingsregen aus elektronischen Downbeats und verträumten Trompetensounds beeindruckt. Alles ist einem angenehmen Flow aus Semi-jazzigem Spielereien und Sounds aus der Chill-Out-Ecke untergeordnet, alles wabert und pulsiert, derweil die Posaunen schon spannende Akzente setzen. Schon der „Alignement“-Opener und Titeltrack wirkt, als hätte ein Nils Petter Molvaer endlich seinen Frieden gefunden – wobei der Gamelan-Effekt in Tunes wie ‚Suling‘ und ‚La Main Mise‘ tatsächlich eher südostasiatische als melancholisch-skandinavische Stimmungen transportiert. Eine indonesische Flöte greift hin und wieder diese Stimmungen auf und führt diese zur…
(40:54, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 2022) Einen Briten zieht es nach Finnland. Dort lernt er einen Schlagzeuger kennen und beide haben nun nichts Eiligeres zu tun, als eine Band beziehungsweise ein Duo zu gründen. Benannt nach einem todbringenden See in Kamerun, soviel Drama muss sein, legte man sich gleich zu Beginn auf seinen Sound fest, der als nicht unbedingt radiowirksam beschrieben werden kann. Das war 2012. Das erste NYOS-Release kam dann, man gönnt sich ja sonst nichts, in Form des 26-minütigen Tracks 'Vltava', mit dem Gitarrist Tom Brooke und Schlagzeuger Tuomas Kainulainen erst einmal alle aus Math Rock, Post…
(37:51, CDr, Digital, Sound In Silence, 2022) Hier bricht Sound In Silence ein wenig mit seinen Traditionen, groß angelegter ambienter Flächen und Soundskulpturen. Weil Sweeny Songs schreibt. Zwar Songs mit ambientem Überbau, dennoch Songs mit einem erkennbaren Statement. Aber immerhin ist "Stay For The Sorrow" das vierte Album des Südaustraliers Jason Sweeney für das Label, so dass sich schon eine gewisse Routine eingestellt haben müsste. Hier wirken die Songs einmal mehr verhuscht und transparent wie das Oeuvre eines David Sylvian oder Tim Bowness, gedankenverloren kreist Sweeny über Soundbildern, die reichlich nebulös erscheinen und sich auch nicht in irgendwelche Formen oder…