Teramaze – And The Beauty They Perceive

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Teramaze – And The Beauty They Perceive (Wells Music/Just For Kicks Music, 05.10.21)

Credit: Matt Mills Art & Design

(40:42, Digital, CD, Eigenproduktion (Wells Music)/Just For Kicks Music, 2021)
In den zwei Jahrzehnten zwischen 1995 und 2015 nahmen Teramaze lediglich fünf Studioalben auf. Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Taktzahl ihrer Veröffentlichungen deutlich erhöht. Denn seit 2019 haben es die Australier auf ganze vier Alben gebracht, von denen die drei letzten binnen zwölf Monaten auf den Markt geworfen worden sind. Man könnte annehmen, dass eine solche Frequenzerhöhung zu Lasten der Qualität ginge, doch bei Teramaze ist das Gegenteil der Fall. Denn spätestens seit dem 2015er Album “Her Halo” liefern die Melbournians durchweg gute bis hochqualitative Ware ab. Dies zeigt sich vor allem daran, dass Teramaze aufgehört haben, mit verschiedenen Stilen zu experementieren und stattdessen ihre ureigene Mischung aus Progressive Rock, Thrash und Melodic Metal ausleben. Dass Teramaze schließlich zu einem unverkennbaren Stil gefunden haben, dürfte letztendlich auch daran liegen, dass Bandkopf Dean Wells, nach vielen Besetzungswechseln hinterm Mikrofon, seit “I Wonder” (2020) nunmehr selbst für die Lead-Vocals verantwortlich zeichnet und diese Rolle seither nicht mehr abgegeben hat.

Zwar ließen die Gastauftritte von Silvio Massaro, Jennifer Borg und vor allem von Ex-Sänger Nathan Peachey beim Titelstück des im Frühjahr erschienenen “Sorella Minore” anderes erahnen, doch waren diese Befürchtungen letztendlich unbegründet.

Und so setzt “And The Beauty They Perceive” lückenlos dort an, wo sein Vor-Vorgänger die Hörerschaft im vergangenen Jahr zurückgelassen hat. Schließlich verfolgen Teramaze die zwischenzeitliche Rückkehr in die konzeptionelle Welt von “Her Halo”, die sie mit “Sorella Minore” vorgenommen hatten, auf ihrem aktuellen Album nicht weiter. Stattdessen liefern Dean Wells, Andrew Cameron, Chris Zoupa und Nick Ross erneut eine Sammlung eigenständiger Songs, die weder textlich noch musikalisch in direktem Zusammenhang stehen. Und auch die Mischung aus Progressivem Gefrickel, groovigen Rhythmen, Thrash-Riffs, Melodic Metal-Melodien und geschmeidigem Gesang erinnert nicht nur an die 2020er Scheibe, sondern weiß in gleichem Maße zu begeistern – fast. Denn “And The Beauty They Perceive” fehlt einfach jene musikalische Weiterentwicklung, die den Übergang von “Are We Soldiers” zu “I Wonder” kennzeichnete und so spannend machte.

Doch “And The Beauty They Perceive” ist alles andere als abwechslumsarm. So finden sich auf der Platte u.a. ein eingängiger Rocker mit prägnanten Hooklines (‘Jackie Seth’), eine Power Ballade, die das Herz berührt (‘Waves’), sowie der Ohrwurm ‘Son Rise’, bei dem Teramaze dem Sound von Symphony X sehr nahe kommen. Zudem scheint der kompositorische Ansatz des Mammutstück ‘Sorella Minor’ nicht ganz in Vergessenheit geraten zu sein, da sich mit ‘Head Of the King’ und dem die seeligen Rush heraufbeschwörenden ‘Modern Living Space’ auch zwei Longtracks auf dem Album befinden. Besonders herausstechend ist allerdings das gut sieben-minütige ‘Search For The Unimaginable’, das mit seinen spooky Keyboard-Sounds eine ganz besondere Atmosphäre schafft.

Unterm Strich ist “And The Beauty They Perceive” also ein Album, das mit dem die Diskografie überstrahlenden “I Wonder” zwar mithalten kann, dem aber die eigenständigen Akzente fehlen, um dieses noch überragen zu können.
Bewertung: 11/15 Punkte (FF 11, KR 12)

Teramaze – And The Beauty They Perceive (Wells Music/Just For Kicks Music, 05.10.21)

Credit: Karina Wells

Tracklist:
1. ‘And The Beauty They Perceive’ (6:00)
2. ‘Jackie Seth’ (5:50)
3. ‘Untide’ (6:05)
4. ‘Modern Living Space’ (10:10)
5. ‘Blood Of Fools’ (6:22)
6. ‘Waves’ (4:37)
7. ‘Son Rise’ (5:45)
8. ‘Search For The Unimaginable’ (7:08)
9. ‘Head Of the King’ (11:11)

Besetzung:
Dean Wells (Vocals, Guitars, Keyboards)
Andrew Cameron (Bass Guitar)
Chris Zoupa (Guitars, Keyboards)
Nick Ross (Schlagzeug)

Diskografie(Studioalben):
“Doxology” (1995)
“Tears to Dust” (1998)
“Anhedonia” (2012)
“Esoteric Symbolism” (2014)
“Her Halo” (2015)
“Are We Soldiers” (2019)
“I Wonder” (2020)
“Sorella Minore” (2021)
“And The Beauty They Perceive” (2021)

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Rezension: “Sorella Minore” (2021)
Rezension “I Wonder” (2020)
Rezension “Are We Soldiers” (2019)

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Just For Kicks Music zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Teramaze – And The Beauty They Perceive

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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