
Progressive Metal • Thrash Metal • Symphonic Metal • Progressive Thrash Metal • Avantgarde Metal
(1:13:27; Vinyl (2LP), CD, Digital; Century Media/Sony Music; 05.06.2026)
Braucht die Welt im Jahr 2026 wirklich noch ein Metal-Album mit Orchester? Die Antwort lautet normalerweise „Nein“. Irgendwann veröffentlicht schließlich jede langlebige Band entweder ein Akustikalbum, eine Best-Of oder lässt ihre Songs von Menschen in Frack und Abendkleid begleiten. Voïvod haben sich für Letzteres entschieden. Und ausgerechnet bei den Kanadiern wirkt das weniger wie ein Karriereschritt als vielmehr die Fortsetzung eines Experiments, das vermutlich schon auf "Killing Technology" begonnen hat.
Mein Verhältnis zu Voïvod war dabei immer etwas ambivalent. Einerseits habe ich die Québecer stets für ihren ungewöhnlichen Stil und ihre Konzepte bewundert. Dieses dystopische, sci-fi-hafte Universum, das sich seit Jahrzehnten wie das Storyboard eines nie realisierten Science-Fiction-Films entwickelt, sucht im Metal noch immer seinesgleichen. Andererseits blieb der progressive Thrash der Band für mich musikalisch stets ein kleines Stück auf Distanz. Zu echter Filmmusik fehlte mir immer das letzte Quäntchen Atmosphäre, zu Soundtrack-artigen Klanglandschaften waren Voïvod meist doch etwas zu sehr Thrash-Band.
Und genau hier setzt "Symphonique" an.
Denn wenn Schlagzeuger und Gründungsmitglied Michel „Away“ Langevin davon spricht, dies sei der Moment, in dem Voïvod einem dystopischen Science-Fiction-Soundtrack so nahe kommen wie nie zuvor, dann ist das ausnahmsweise einmal keine überambitionierte Werbefloskel. Die live am 4. Juni 2025 im Grand Théâtre de Québec mitgeschnittene Aufführung gemeinsam mit dem Orchestre Symphonique de Québec liefert den Songs genau jenes Gegengewicht, das mir bei Voïvod immer gefehlt hat. Die orchestralen Arrangements verleihen Klassikern wie 'Forgotten In Space', 'The Unknown Knows' oder 'Tribal Convictions' jene cineastische Größe, die in den zugrunde liegenden Kompositionen eigentlich schon immer angelegt war. Die Geschichten von technologischer Entfremdung, nuklearen Albträumen, kosmischer Isolation und alternativen Realitäten wirken dadurch nicht größer, sondern vollständiger.
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Dabei versucht "Symphonique" erfreulicherweise gar nicht erst, die Originale neu zu erfinden. Stattdessen wirkt das Orchester wie die logische Erweiterung dessen, was Voïvod seit über vierzig Jahren ohnehin machen. Songs wie 'The End Of Dormancy', 'Into My Hypercube' oder 'Holographic Thinking' entfalten dadurch eine Atmosphäre, die ihre Nähe zu Filmmusik, Prog Rock und futuristischen Klangexperimenten stärker betont als ihren thrashigen Ursprung. Plötzlich klingen Voïvod tatsächlich wie die Musik zu jener Geschichte, die sie seit Jahrzehnten erzählen.
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Besonders reizvoll gerät dabei ausgerechnet der Abschluss. Neben elf Voïvod-Kompositionen findet sich mit Pink Floyds 'Astronomy Domine' auch eine Coverversion auf der Setlist. Und tatsächlich entwickelt sich gerade diese zur heimlichen Hauptattraktion des Albums. Während die übrigen Stücke durch das Orchester jenes cineastische Gegengewicht erhalten, das ihnen in meinen Ohren lange gefehlt hat, läuft die Sache hier genau andersherum. Dem ohnehin schon spacigen Psychedelic-Klassiker verpassen Voïvod eine latente Thrash-Schlagseite, von der ich nie geahnt hätte, wie gut sie diesem Stück tatsächlich stehen würde.
So bleibt am Ende weniger ein Gimmick als vielmehr die Erkenntnis, dass ein Symphonieorchester bei Voïvod erstaunlich selbstverständlich wirkt. Nach vierzig Jahren voller Hyperwürfel, Atomkriege, Cyborgs, Parallelwelten und interdimensionaler Albträume ist ein Orchester vermutlich tatsächlich die normalste Idee, die diese Band jemals hatte. Und ausgerechnet diese Idee macht die Kanadier für mich runder als je zuvor.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Denis "Snake" Bélanger - Gesang
• Daniel "Chewy" Mongrain - Gitarre
• Dominic "Rocky" Laroche - Bass
• Michel "Away" Langevin - Schlagzeug
Gastmusiker:
• Orchestre Symphonique de Québec - Orchester
• Dina Gilbert - Dirigentin
• Hugo Bégin - Orchesterarrangements
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

