Psychedelic Drone Rock • Heavy Psych
(40:54; Vinyl, CD, Digital; Heavy Psych Records; 31.07.2026)
"Foundlings" in der Doppelbetreuung
Teil 1: Rajko Baers
Da ich die Kultband aus Amiland passenderweise gerade die Tage auf dem Blue Moon in Cottbus erleben durfte, schiebe ich hier gleich die Rezi zum neuen Release (Cover/Outtakes) "Foundlings" nach bzw. rein.
Ein Album, welches auf so unnachahmliche Weise zur Schau stellt, wie sich psychedelischer Drone Rock/Pop perfekt dazu eignet, artfremdes Material solcher Bands wie den Beatles oder Led Zeppelin spielerisch in die eigenen vorhandenen Outtakes zu integrieren, sodass ich in den knapp 40 Minuten absolut das Gefühl habe, einem langen, schön vor sich hin driftenden Trip zu lauschen.
Alles tröpfelt sanft, mit Fuzz und sowieso mächtig vielen Effekten auf den Gerätschaften vor sich hin, will von treibenden Tempi nicht so viel wissen, und ja, man verliert sich irgendwann im Drehmoment der Songs. Der in sich kreisende, dichte, immer irgendwie verträumte/verstrahlte Vibe macht den eigenen Charme dieses Releases aus.
Ein sehr präsenter Bass, knarzige Riffs, dunkle Synths und die immer schön nörglig-melodischen Vocals von Fronter Jason Simon finden sich jederzeit stimmig zusammen. Album-Outtakes, 7inches-Releases, eigentlich egal, es passt zusammen bzw. hatte man ein richtig gutes Händchen, diese sieben Tracks gut aneinanderzureihen und in Position zu bringen, sodass ein stimmiges Ganzes entsteht.
Immer mit etwas Feedback/Distortion auf den Röhren – dem nach Substanzen klingenden Hauch Neo Space/Psych von Kultbands wie Spacemen 3 nahestehend – wabert man sich in Songs wie 'Nobody Home' immer mit ’nem Hauch introspektiver/dröger Sperrigkeit voran. Nur lösen sich all diese Zutaten beim mehrmaligen Genuss im trippigen Allerlei so schön auf, dass es mir einfach Spaß macht, dem effektüberladenen Gitarren-Zirkus zu lauschen.

Das ist Trio-Mucke, man kommuniziert miteinander, die Drums haben was Lo-Fi-Affines, ohne simpel zu agieren, der Bass tänzelt immer widerwillig zu den Psych-Gitarren, um sich am Ende im Gesamtergebnis doch irgendwie zu finden und zu umarmen. Doomig, trippig wimmert das stoische Cover 'Kingdom Of Heaven' von Powell St. John durch die späte Abendsonne, und auch hier wabert es so wundervoll substanznah, was der Atmosphäre einfach unglaublich zuträglich ist. 'Tomorrow Never Knows' von den Beatles wird mit all seinem Fuzz und psychedelischen Rock-Phrasen schnell ein Dead-Meadow-Song … Punkt! Geil, wie all die Drone-Effekte auf der Gitarre und der pumpende Bass ihren eigenwilligen Sog erzielen.
Dieses immer etwas düstere, aber auch irgendwie vorsichtig poppige Zeug kriegt mich und kann schnell zu einer Endlosschleife mutieren. Magisch, wie mysteriöse Synths den wunderschön melodischen, siebenminütigen Slo-Motion-Drone-Pop von 'Everything's Goin' On' vergolden – absoluter Favorit des Albums! Led Zeppelins 'No Quarter' bekommt auch fast acht Minuten und erhält natürlich ebenfalls ’ne komplett neue Struktur.
Für Freunde des Fuzz-Club-Katalogs, generell verstrahlter Neo-Psych- und Drone-Rock/Pop-Klänge sei diese Platte mehr als nur empfohlen – ist definitiv ’ne Entdeckungsreise wert!
Bewertung: 12/15 Punkten
Teil 2: Carsten Agthe
"Foundlings" gibt sich als schwer transzendente Collection aus bisher Unveröffentlichtem und diversen Coverversionen – „… serving as a tribute to bassist and founding member Steve Kille, who passed away two years ago after a long battle against cancer.“ Aufgenommen im Zeitraum 2002 bis 2024 transportiert das Album die Intentionen des Trios aus Washington D.C. auf das Perfekteste. Mit sieben Tracks – vier unveröffentlichten sowie drei beeindruckenden Coverversionen – können die "Foundlings" somit als komplettes Album und nicht nur als Beiwerk durchgehen.
Mit den beiden wabernden Boliden 'Lost To Light' und 'Nobody Home' startet diese Werkschau reichlich entspannt und transzendent. Und eben so soll es auch bleiben. Hier gibt sich das Trio um Gitarrist und Sänger Jason Simon, den verstorbenen Bassisten Steve Kille und die wechselnden Schlagzeuger Mark Laughlin (1998–2002, ab 2010) und Steve McCarty (2002–2010) als eher lässige Inkarnation des Stoner 'n' Psychedelic Rock. Und eben diese Lässigkeit färbt auch auf Songs wie 'No Quarter' (Led Zeppelin), 'Tomorrow Never Knows' (Beatles) und 'Kingdom Of Heaven' (Powell St. John) ab, die mit psychoaktiver Motivation in den bandeigenen Soundkosmos überführt werden. Und wer denkt, es geht nicht noch breiter, der wird via 'Everything’s Goin‘ On' sowie 'From The Children Of Planet Earth' eines Besseren belehrt. Denn hier versinken Dead Meadow endgültig im Lavalamp-igen Morast der Verzückung …
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Jason Simon - guitar, vocals, organ
• Steve Kille - bass
• Mark Laughlin - drums (tracks 1, 2, 4, 5, 7)
• Stephen McCarty - drums (tracks 3 and 5), organ (track 5)
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Abbildungen: Dead Meadow/Bandcamp


