Progressive Rock • Psychedelic Rock
(43:25; Vinyl, CD, Digital; Progressive Gears/Just For Kicks; 06.06.2025/24.04.2026)
Mein erster und bisher einziger Kontakt mit den Italienern ist bereits einige Jahre her, genauer gesagt war das 2019 mit ihrem Debüt "Solitaire". Ja, das war ein richtig gutes Album damals. Klang ein bisschen nach Pink Floyd, was man von ihrem neuen Album aber nicht mehr sagen kann. Die Band hat sich emanzipiert und zusätzlich mit einem dritten (!) Gitarristen verstärkt. Trotzdem klingt die Musik nie überladen und bleibt weitgehend in einer Zone, die sich von melodisch bis zu progressiv erstreckt. Dabei erinnern sie mich phasenweise an Künstler wie Rick Miller oder die Band Machines Dream aus den USA. Wer also mit denen etwas anfangen kann, der kann hier bedenkenlos rein hören.
Als Rezensent wird man mit vielen Neuheiten konfrontiert. Nicht immer macht neues Material anhören Spaß und genau deshalb freue ich mich über Alben wie dieses. Die Sizilianer wissen kompositorisch genau wie sie den Hörer packen können, ohne allzu verkopft zu klingen. Dazu singen sie diesmal in Englisch und Italienisch, was recht originell ist und überhaupt nicht stört. Im Gegenteil. Es verleiht dem Album Eigenständigkeit. Die Tracks sind dabei fast alle „al dente“, besitzen hie und da eingestreute Fetzen von Musik oder Sprache, fangen oft zahm an, um sich dann langsam zu steigern. Der Albumtitel in Persisch bedeutet ja „es ist vorbei“ und diesen Gedanken kann man in manchen Tracks schon bekommen. 'Sail' ist so ein Titel, wo man Trauer oder verlorene Liebe regelrecht spürt. Solche Momente gibt es öfters, zum Beispiel sehr dominierend im Titeltrack. Da schimmert dann doch tatsächlich ein bisschen Pink Floyd durch. Aber nur ein bisschen....
Wer befürchtet, dass eine Band mit drei Gitarristen schroff und laut klingen müsse, ist hier also komplett falsch. Es sind die leisen Töne, die dem Album diese gewisse Magie verleihen. 'Woodwo/Vertigo' als letzter Track trieft fast vor Trauer und Melancholie. Trotzdem klingt das nicht nach Resignation, sondern eher nach Anklage und Protest gegen die Kriege in der Welt.
Die Sizilianer verkörpern einen ganz eigenen Stil, der nicht viel Platz für die sizilianische Sonne lässt und sicherlich eher im regnerischen London zu Hause sein könnte. Die Musik klingt wolkenverhangen, gleitet dabei aber dennoch nicht zu viel in Moll ab. Kompositorisch kann das Album somit alle Wünsche erfüllen, wenn man es eher ruhig angehen möchte. Bitte nicht Ruhe mit Langeweile gleich setzen, denn langweilig wird es in meinen Ohren zu keinem Moment.
Bewertung: 12/15 Punkten
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