Teramaze – I Wonder

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Teramaze – I Wonder (Wells Music/Just For Kicks Music, 09.10.20)

© Gustavo Sazes

(44:55, Digital, CD, Vinyl, Wells Music/Just For Kicks Music, 2020)
27 Jahre hat die australische Band Teramaze mittlerweile auf dem Buckel, doch mit der Formation der Anfangstage haben die Teramaze des Jahres 2020 nur noch wenig gemeinsam, weder personell noch musikalisch. Die Thrash-Anteile im Sound der einstmaligen Progressive Thrash Metal-Band sind über die Jahre gänzlich verschwunden und von den Gründungsmitgliedern ist heute nur noch Dean Wells übrig geblieben.

Überhaupt, Dean Wells: schaut man sich das Booklet der aktuellen Scheibe „I Wonder“, sowie die dazugehörige Presseinfo an, so könnte man fast denken, dass es sich hier um das Solo-Projekt des Musikers handelt, da dieser außer dem Bass, der zweiten Gitarre und dem Schlagzeug praktisch alle Aufgaben übernommen hat.

Zwar war Dean Wells schon immer der Kopf der Band, doch war ein Teramaze-Album niemals zuvor so persönlich geraten:

It’s the most emotional and honest I have been as a songwriter in my life and it’s been a great challenge. I’ve truly enjoyed the process of writing, singing and recording lead vocals as well. If you are a true Teramaze fan, then you are going to love this album!

Herausstechend ist auch, das sich Wells auf dem neuen Album zum ersten Mal als Lead-Sänger versucht. Was auf den ersten Blick, nach so vielen Jahren, wie eine Notlösung erscheint, entpuppt sich nach dem ersten Hören als Glücksfall für die Truppe, denn niemals zuvor hat irgendeine Stimme besser zum Gesamtsound der Australier gepasst. Auch dieser hat sich weiterentwickelt und so klingen Teramaze heute weniger 20th-Century-lastig als auf all ihren vorherigen Aufnahmen. Die Attitüde ist weniger breitbeinig als in den Anfangstagen und das technische Gefrickel dient nicht mehr dem Selbstzweck. Niemals zuvor klangen Teramaze emotionaler, runder, songdienlicher und moderner als auf „I Wonder“.

Vielleicht konnte man sich von Vorbildern wie Dream Theater und Devin Townsend noch immer nicht ganz distanzieren, doch haben Dean Wells und seine drei Mitstreiter Andrew Cameron (Bass), Chris Zoupa (Gitarren, Keyboards) und Nick Ross (Schlagzeug) mittlerweile ihre eigene Nische im Bereich des keyboardlastigen, melodischen Progressive Metal gefunden.  Zwar besticht das Album immer wieder durch grandioses Riffing, ansprechende Gitarrensoli von Wells und Souza, sowie unzähligen Tempowechsel,, doch steht bei allen Liedern niemals die Technik, sondern immer der Song im Mittelpunkt. Und so ist es dann auch kein Wunder, dass sich Stücke wie ‚Ocean Floor‘, ‚A Deep State of Awake‘, ‚Sleeping Man‘ oder auch das abschließende ‚I Wonder‘ mit ihren Hooklines und eingängigen Gesangsmelodien ruckzuck in die Hirnwindungen einbrennen.

Suchtfaktor hat vor allem die wunderschöne Power-Ballade ‚Here To Watch You‘, der man ihre Nähe zum AOR gerne verzeiht.

Das Überstück der Platte ist jedoch das über neunminütige Magnum Opus ‚Idle Hands/The Devil’s Workshop‘, bei dem die Melbournes alle Register ihres Könnens ziehen.

Unterm Strich ist „I Wonder“ ein äußerst erquickendes Album geworden, das gute Laune verbreitet und zum Besten zählt, was die Band in fast drei Dekaden veröffentlicht hat.
Bewertung: 12/15 Punkte

Tracklist:

1. ‚Ocean Floor‘ (6:17)
2. ‚Only Daylight‘ (7:33)
3. ‚Lake 401‘ (3:37)
4. ‚A Deep State Of Awake‘ (8:44)
5. ‚Here To Watch You‘ (6:44)
6. ‚Sleeping Man‘ (5:00)
7. ‚Idle Hands/The Devil’s Workshop‘ (9:16)
8. ‚Run‘ (5:32)
9. ‚This Is Not A Drill‘ (8:40)
10. ‚I Wonder‘ (7:48)

Besetzung:
Dean Wells (Gesang, Gitarren, Piano, Keyboards)
Andrew Cameron (Bass Gitarre)
Chris Zoupa (Gitarren, Keyboards)
Nick Ross (Schlagzeug)

Gäste:
Jason Wisdom (Gesang – 4)
Ned Dixon (Piano – 7)

Surftipps zu Teramaze:
Rezension: „Are We Soldiers“
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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Just For Kicks Music zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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