(48:08, CD, Digital, Honeysound, 2018) Wer aus einem deutlich überschaubaren Nest kommt, muss nicht auch deutlich überschaubare Musik machen. Schon mit ihren wahrlich mit pathetischen Momenten ausstaffierten Werken „Fetus In Fetu“, „Odyssea“ und „Ophelia“ zeigten sich Indignu [lat.] als Meister der großen Gesten, welche nun, auf und mit „Umbra“ nur noch intensiviert und somit erhabener werden. Erhabenheit ist auf jeden Fall eine der offensichtlichsten Stärken der Band aus dem portugiesischen Barcelos, die sich dann auf Tracks manifestiert, die sich ins Unendliche zu winden scheinen. Dabei fängt alles sehr dezent an. Wie aus dem Nichts mäandern sich Soundcapes an die Oberfläche,…
Autor: Carsten Agthe
(46:34, CD, Digital Fysisk Format/Cargo, 2018) Erweiterten Spurv mit ihrem letzten Album, dem epochalen „Skarntyde“ den Postrock um einige Nuancen, geht die norwegische Formation mit „Myra“ mehr als einen Schritt weiter. Bestand nämlich das Vorgängerwerk aus fast endlos erscheinenden, weithin hallenden Flächen, was zur Folge hatte, dass auch die Kompositionen selbst ins schier Endlose tendierten, bleibt es auf „Myra“ relativ übersichtlich. Wobei die Betonung auf "relativ" liegt, eben weil wir es hier mit einer Band wie Spurv zu tun haben. Hier auf „Myra“, geht es um Leben und Tod, was sich auch auf die Stimmung des Albums ausschlägt. Die nämlich…
(29:55, Digital, Art As Catharsis, 2018) Willkommen auf Skull Island. Würde man Australien als eine Insel betrachten (eine ganz große!), dann könnte man das auch so stehen lassen. Mit seinen knapp dreißig Minuten und vier Tracks ist dieses Debüt-Dingens wohl nur als EP zu betrachten. Aber Zeit ist letztendlich relativ. Auch bei der Formation aus Sydney, die sich darauf spezialisiert hat, die Soundscapes psychedelischer Transzendenz auszuloten und für sich gefügig zu machen. Tonnenschwerer Fuzz erdet die Tracks von Turtle Skull ein wenig, was aber längst noch kein Grund ist, eben nicht abzuheben und in Klanggalaxien vorzudringen, die nie ein Mensch…
(40:13, CD, Digital, Eigenveröffentlichung, 2018) Wer noch nicht ganz mitbekommen hat, wie sehr es in psychedelisch-doomiger Hinsicht in Sankt Petersburg rumort, der kann dieses Manko nun ganz schnell beheben. Denn was da mit den Flynotes über uns kommt, das muss man gehört beziehungsweise gefühlt haben. Immerhin weiß das russische Trio genau, was es tut, kommt es doch schon mit seinem vierten Album in Form von „Child In The Woods“. Die acht Tracks, allesamt Instrumentals, legen sich mit allem an, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Doch obwohl man leichtfertig schon mal dem Psychedelic-, Stoner-, Doom-, Progressive- sowie Post-…
(39:49, CD, Vinyl, Digital, Listenable/Edel, 2018) Was macht eine sich auf Krach machen spezialisierende und ein wenig Sabbath-Flair offerierende Institution am liebsten? Genau, sich aufs Krach machen spezialisieren und ein wenig Sabbath-Flair offerieren. Auch mit ihrem neuen, werweißwievielten Album kracht das Trio um Tony Reed einmal mehr in die Kerbe, die in den langen Jahren ordentlich bearbeitet wurde. Das Rad wird bei dieser Anhäufung lieb-gewonnener Stoner’n Hardrock-Klischees zwar nicht neu erfunden, was aber an dieser Stelle vollkommen egal ist, rockt sich das Trio doch angenehm durch die favorisierten Jagdgründe. Am Anfang steht natürlich das Riff, das fast immer in einen…
(31:44, CD-EP, Digital, Atypeek Music, 2018) Wieder einmal eine Wunderlichkeit aus dem Hause Atypeek Music, die allerdings nicht ganz so extrem wie jenes daherkommt, was man sonst von diesem Label gewohnt ist. Weil es sich Mia Vita Violenta auch mit ihrer dritten EP (auch hier ist man konsequent) im Postrock bequem machen, wobei man es sich nicht nehmen lässt, diesen mit eloquenten Momenten aus Hardcore und Noise zu veredeln. Man soll es sich nicht zu heimelig machen mit den sechs Tracks dieser EP, weswegen die Pariser Institution diese schon mal mit Dornen und Scherben auspolstert. Die heftigeren Ausbrüche schlagen vehement…
(40:42, CD, Vinyl, Digital, Fluttery Records, 2018) Erstaunlich, wie weit sich Sairen als Einmannprojekt auf die opulent-pathetischen Ebenen des Postrock vorwagte. Und das noch überaus erfolgreich. Aber nach Großtaten wie „Her Animae“ und „Ultima Lux“ kann von "wagen" eigentlich gar nicht mehr die Rede sein, da sich der Multiinstrumentalist aus der französischen Bretagne mittlerweile durch eine beeindruckende Beständigkeit, die nun mit „Neige Nuit“ einen Status erreicht, der als Opus Magnum gewertet werden kann, auszeichnete. Sairen erschafft eine zu Sound gewordene Weiße Nacht, die „Neige Nuit“ – kalt, harsch und von einem diffusen Zwielicht geprägt, das bei näherer Betrachtung einmal ausgemachte…
(50:53, CD, Vinyl, Digital, Fluttery Records, 2018) Fluttery Records nahm sich nun auch dieser Band aus Phoenix/Arizona an, um die Kunde davon hinaus in die weite Welt zu tragen. „Assimilation“, im Frühjahr erschienen, greift die melancholische Atmosphäre des „Twin Peaks“-Soundtracks auf, ohne jedoch mit der Frage zu konfrontieren, wer nun Laura Palmer getötet hat. Das interessiert hier auch keinen, da der Sound von Ghost Island eine Bank für sich ist, der mit allen Vorzügen kommt, die der Postrock so mit sich bringt. Dabei gerät „Assimilation“ zum schmerzhaft sehnsüchtigen Klanggemälde, welches mit Titeln wie 'Your Hope', 'Your Joy', 'Your Doubt', 'Your…
(53:30, 39:40 / 57:35, 44:20, CD, Picture-Vinyl, Cherry Red, 2018) Zugegeben zählen beide Releases der Twin-Guitars nicht unbedingt zu den Sternstunden von Wishbone Ash – weder von den Songs noch vom Cover, welche grenzwertig („Twin Barrels Burning“) bis absolut vergeigt („To The Bone“) daherkommen. Die Band war in den Achtzigern angekommen – kein gutes Jahrzehnt für sie, obwohl man mit einem Album wie „Just Testing“ noch ganz gut begann, da es mit Songperlen wie 'Living Proof' und 'Helpless' aufwarten konnte. Auffallend war weiterhin der Verschleiß an Bassisten. Der in Proggerkreisen geschätzte John Wetton hatte 1981 für das Album „Number The…
(64:45, CD, The Right Honourable Recording Company /Cherry Red /Rough Trade, 2018) Ob man hier nun von Grenz- oder darüber hinausgehende Erfahrungen philosophieren kann ist an keineswegs klar. Weil das vorliegende Album konventionelle, in Richtung Rock tendierende Hörgewohnheiten nicht nur auf die Probe stellt. Sondern diesen mittels „Better Together“ schon eine Menge abverlangt. Hinter Ted verbirgt sich kein Geringerer als Ted Turner, Gründungsmitglied von Wishbone Ash und somit Mitbegründer des Twin-Guitar-Rocks. Nun kann man den Gitarristen eigentlich nicht als konstantes oder gar beständiges Mitglied in dieser Institution harmonisch mäandernder Rockmusik werten. Zweimal, nämlich von 1969 bis 1974 sowie von 1987…
(72:31/76:57, 2 CD + DVD, Digital, Cherry Red/Rough Trade, 2018) Neben Andy Powell, der nach einigem juristischen Hickhack als einziger den Namen Wishbone Ash weiterführen darf streift auch ein Martin Turner mit dem gleichen Anliegen durch die Lande. Nämlich der Bewahrung des kollektiven Wishbone Ash-Erbes (und eines gewissen Wasserstandes im Portemonnaie, steht zu vermuten, d. Schlussred.). Erst als "Martin Turner’s Wishbone Ash", später - nach einigen juristischen Spannungen mit seinem ex-Kollegen - unter dem Motto "Martin Turner ex Wishbone Ash". Wie auch bei diesem Release. Immerhin hat diese Band einen dermaßen umfangreichen Backkatalog, dass es für mehrere Inkarnationen reicht. Mit…
(31:15, LP, CD, Digital, The Lasting Dose, 2018) Kurz, prägnant, schmerzhaft. So muss es sein, um sich in heutigen reizüberfluteten Zeiten abzuheben, in die Synapsen einzubrennen und seine Duftmarken zu hinterlassen. Grin, das ist ein neues Ding aus Berlin. Wobei ‚Ding‘ eine brauchbare Vokabel für das ist, was sich hier auf den Hörer zubewegt. Das Ding aus dem Sumpf? Das Ding aus einer anderen Welt? Eher das Ding aus den Tiefen des Sludge. Es handelt sich um das Debüt des aus dem Ehepaar Sabine (Bass) und Jan Oberg (Drums, Noises) bestehenden Duos, die nebenbei oder besser hauptberuflich bei Earthship mäandern.…
(49:25, CD, Digital, Layered Reality Productions, 2018) The Misplaced Childhood auf Postrock’n Metal - wie auch der Meilenstein des Progressive Rock gehen es Hillsphere auf „Florescence“ konzeptmäßig an. Der Unterschied: bei "Florescende" handelt es sich um ein Debüt, das als Konzept die Zeitspanne von der Kindheit bis hin zum Erwachsenen behandelt. Womit die Sache auf der nach oben offenen Progressive-Skala schon einmal einen Punkt höher angesetzt werden könnte. Sicher sind die Gitarrenovationen durchaus von allen Facetten des mit "Post-" klassifizierten Genres gekennzeichnet. Wobei die Niederländer in energisch-aggressiven Momenten schon ein wenig ProgMetal-mäßig das Dream Theater-Maskottchen heraushängen lassen. Hingegen sind es…
(56:16, CD, DoLP, Digital, RareNoise Records, 2018) Es gibt Kollaborationen, auf die scheint die Welt gewartet zu haben. Nach drei ganz speziellen Alben, die den Art Rock von King Crimson mit groovenden Minimal Jazz verquickten, kam das Schweizer Quartett in Kontakt mit David Torn. Der wusste um die Qualitäten der Band und war nicht abgeneigt, das nächste Sonar-Album zu produzieren. Doch da zwei derartige Ausnahmetalente, Sonar auf der einen, Torn auf der anderen Seite, aufeinandertrafen, blieb es nicht beim bloßen Produzieren. https://www.youtube.com/watch?v=t1o08CcoiNY Torn ließ es sich nämlich nicht nehmen, erst auf einem, dann auf allen Stücken die Band mit seinem…
(34:47, LP, CD, Digital, Tonzonen Records/H‘Art, 2018) Alles so schön bunt hier. Denn farbenfroh geht es wirklich zu, auf dem neuen Album des Kölner Trios Mouth. Dabei ist nicht einmal das Cover gemeint, das ob seiner farbenfrohen geometrischen Strukturen fast schon Augenherpes verursacht. Auch die Musik, mit welcher uns Mouth auf ihrem dritten offiziellen Album beglücken, vermittelt mächtig Lavalampen-intensiviertes Couleur. Erst einmal gibt es eine Art Déjà-vu in Form des das Album eröffnenden „Floating (Reprise)“. Und auch wirklich ist da ein nicht abstreitbares Wiederkennen am Wirken, ist eben das doch das letzte Aufbäumen des Vorgängeralbums „Vortex“, das mittels dieses Hidden…
(48:52, LP, Digital, Space Rock Productions, 2018) Ein Space Trip ist immer eine feine Sache. Ein Space Alien Planet Trip noch viel mehr. Und eben dieser - ausgeführt von Dr Space aka Scott Heller - die Krönung von allem. Nun ist eben dieser Dr Space Haus- und Hoftastateur des Øresund Space Collectives. Womit auch gesagt ist, dass Herr Doktor sich mit Trips in the inner mind und darüber hinaus dann auch auskennt. Nun schwurbelt sich unser Protagonist beinahe solo durch unendliche Weiten, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Und hier schon in zweiter Instanz. Durch die Gitarristen Stefan Krey…
(53:08, CD, DoLP, Digital, RareNoise, 2018) November im Frühjahr. Passiert wettertechnisch schon mal, geht aber eigentlich gar nicht. Wenn da nicht ein Album mit dem Titel „In November“ wäre. Auf seinem immerhin schon siebenten Werk präsentiert sich der Trompeter Joshua Trinidad zusammen mit dem Gitarristen Jacob Young und dem norwegischen Ausnahmedrummer Ståle Liavik Solberg als Trio. Was hier - wegen der aufspielenden Schwergewichte, einem Trio mit gleichberechtigter Gewichtung gleichkommt. Der Trompeter, der bei Größen wie Ron Miles, Al Hood und Walter Barr in die Lehre ging, verleiht entgegen dem in diesem Genre vorherrschendem Credo elitären Aufspielens seiner Hingabe und Leidenschaft…
(68:47, CD, Digital, Freia /FMLS, 2018) Downriver Dead Men Go sind, wie fast alle Vertreter dieses Genres, Verfechter ganz großer Gesten. Und das nicht nur auf den Namen bezogen. Nomen est omen. Mit breitgewandeter Epik kommt der postrockende Fünfer aus dem niederländischen Leiden nun auch schon mit seinem zweiten Album. Nach „Tides“, mit welchem man sich in diesem Metier schon einen nicht als zu gering zu erachtenden Achtungserfolg einspielte, wollen DDMG nun mit „Departures“ hörbar alles klar machen. Auf den siebzig hier anfallenden Minuten regiert die pure Coolness und Lässigkeit, was damit zusammenhangt, dass die Niederländer vor allem in Downtempo-Bereichen…
(45:46, CD, LP, Digital, Denovali Records/Cargo Records, 2018) Da heißt es wohl mal wieder, sich warm anziehen (passend zum tagesaktuellen Aprilwetter, d. Schlussred.). Alicia Merz versprüht zwar keine Eiseskälte, wohl aber einen wohligen Schauer des Fröstelns. Vier Jahre ist es nun schon her, dass die neuseeländische Musikerin als Birds Of Passage mit „This Kindly Slumber“ ihr letztes Album veröffentlicht hat. Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn. Und schon gar nicht aus den Ohren. Zu sehr haben uns die elektrisierenden Sound-Landschaften aus Drones, dezenten Electronics und Field Recordings, welche die Musikerin vor uns ausbreitete, fasziniert. Umso mehr schürt ein…
(39:20, CD, LP, Digital, Denovali Records/Cargo Records, 2018) Wieder einmal ein Werk, dessen Titel bereits einigen Aufschluss darüber gibt, was hier zu erwarten ist. „The Endless Sea“ schließt nicht nur vom Sound her an das Terminal Sound System-Vorgängeralbum „Dust Songs“ an, es bildet auch zusammen mit dem 2013er Longplayer „A Sun Spinning Backward“ den letzten Teil einer ganz speziellen Dreifaltigkeit. Skye Klein, der alles symbolisiert, was das Terminal Sound System ausmacht, war von jeher nicht darum verlegen, was die Quellen seiner Klangerzeugung anbelangte. Ob nun mit defekten Kassettenrekordern, verstimmten Gitarren oder diversen Störsignalen - nichts war zu abgefahren, um nicht…