Kiev Stingl – Teuflisch & Hart wie Mozart & Ich wünsch den Deutschen alles Gute“ (Reissues)

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Kiev Stingl - Teuflich (1975/2017)(36:21, 40:10, 42:20, CDs, Sireena/Broken Silence, 2017)
Dreifachkult vom Maestro der teutonischen Undergroundpoesie Kiev Stingl, der zwischen 1975 und 1981 unter der Ägide von Achim Reichel drei Alben veröffentlichte, welche bezüglich ihrer Punk und Wave-Einflüsse die NDW um ein paar Jahre vorwegnehmen sollten.

Da war erst einmal das Debüt „Teuflisch“. Erschienen 1975 war diesem Werk leider nicht der Erfolg beschieden, den es eigentlich verdient hätte. Der wohl unterschätzteste deutschen Songpoeten, der im wirklichen Leben Gerd Stingl heißt, hatte seine Hausaufgaben bei Kollegen wie Ton Steine Scherben oder bei einem (rebellischen) Udo Lindenberg gemacht. So ist „Teuflisch“ wahrhaft teuflisch, mit witzig bis anarchischen Textgut und in der Fahrrinne des Pre-Punk schippernden Songs. Eindeutig Punk ist dann auf jeden Fall Liedgut vom Format
‚Ihr Blick ist höllisch kalt‘ oder ‚Teuflisch‘, ‚Rocker‘ gerät zu tiefschwarzem Rock’n Roll. Ist die erste Hälfte der rockige Part des Albums, driftet Stingl mit Songs wie ‚Morgen komm ich‘, ‚Der Sommer ist längst vorbei‘ und ‚Seltsam, dich hier zu sehn‘ ins hypnotische, fast verträumte ab. Ja, auch Rocker können träumen. Manchmal. Nur sollte das Album zwei/drei Jahre später, zur Hochzeit des Punk, dann doch noch einmal eine Chance bekommen. Und dann lief alles besser.

Kiev Stingl - Hart wie Mozart (1979/2017)Beziehungsweise so gut, dass 1979 mit „Hart wie Mozart“ das zweite Album des Rock’n Roll-Rebellen erschien. Zusammen mit seiner damaligen Band Sterea Lisa ergeht sich der Sänger hier Bukowski-like in schlüpfrigen Fantasien (‚Babies‘, ‚Einmal erröten‘) und konnte mit dem schmissigen ‚Lila Diva‘ sogar einen veritablen Hit landen. Ja, Kiev Stingl war provokant, brachial und radikal.

Kiev Stingl - Ich wünsch den Deutschen alles Gute (1981/2017)Mit „Ich wünsch den Deutschen alles Gute“ erschien 1981 das vorerst letzte Album des Undergroundpoeten, das mit dem Titeltrack und ‚Wie von Sinnen‘ wieder hypnotisches Ohrenfutter enthält. Und da sind noch die ‚Einsam Weiss Boys‘, mit denen Stingl Bowies ‚Let’s Dance‘ vorweg nahm. Kultfaktor hoch! Zeitgeistgehalt ebenso!
Bewertung: 11/15, 11/15, 10/15 Punkten

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Über den Autor

Carsten Agthe

-Vermessungsingenieur
-Weltenbummler
-involviert in: Ornah-Mental, Nostalgia, Vanille & The Woodpeckers, Palin-Drone, Stella Maris, Das Zeichen (RIP), Schl@g, Karmacosmic…

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von Carsten Agthe Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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