
Cinematic Art Pop
(1:12:02; Vinyl, CD, Digital; Hungersleep Records; 29.05.2026)
Überall um uns herum liegt Schönheit – filtere den Lärm heraus.
Ein Album über eine Welt, ihre sich täglich verändernden Algorithmen und den immer größeren Mangel an Menschlichkeit. Ein Versuch von Künstlern, sich musikalisch zu positionieren, die selbst auch Filter universeller Erfahrungen, Gefühle und Gedanken sind.
Eine imposante Gästeliste, keine Frage. Dass mir Grice bisher noch nichts sagt, erstaunt mich zwar, aber um so mehr bin ich gespannt bei all den Prog-Prominenten auf "Filter". Was natürlich sofort auffällt, ist der besonders schöne audiophile Klang, den Hifi-Puristen lieben werden. Irgendwo zwischen ruhigen Porcupine Tree, Steven Wilson, David Sylvian, The Church und No-Man findet man den Sound dieses Projekts wieder.
Feiner Art Pop/Rock, viele elegische Parts, experimenteller Ambient, sanfte Töne, aber auch Jazz und Avantgarde sind inklusive. Stimmlich passt das genau in diese Schnittmenge, – maximaler, angenehm weicher Gesang zwischen Steve Kilbey und Steven Wilson. Man startet sehr atmosphärisch mit „Filter“ – wundervoll entrückte Stimmungen, akustische Gitarren, sanftes Schlagwerk, etwas jazziger Ambient-Sound und Streicher.
Besser kann stiller Artrock erstmal kaum geraten, vor allem die, mal an Steven Wilson, dann an David Sylvian angelehnten mehrstimmigen Vocals – Zucker pur. 'Canticle (Fayre) und die vorsichtige Ballade 'Love Me Out' (No-Man lassen grüßen) machen erstmal genauso schön weiter – driftend, melancholische Akkorde, verspielte Drums und eine entspannte Afternoon-Atmosphäre tut sich auf. Akustisch alles ein Ohrenschmaus, wird dann mit 'Judgement' erstmal zu konservativ gerockpoppt, as eher an meinem Ohr vorbeigeht, da es zu gewöhnlich wirkt.
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'Look To The Spring' mäandert dann wieder entrückt wie auf einem David-Sylvian-Stillleben durch das Abendlicht – ein Hauch Jazz, viele spannende Details im fragilen Spiel der Gitarren und Synths geben natürlich zusätzliche Rückschlüsse auf die hochkarätige Beteiligung. 'Desert Bloom', einer der über zehnminütigen Longtracks, hat wundervolle Score-Anleihen, eine mehr als gekonnt inszenierte Trompete und spinnt ein Netz aus fragilen Bildfolgen – berührend, vorsichtig und cineastisch. Tiefe Stille-Momente, Modern Classical, Ambient, Jazz und proggige Fragmente kreuzen sich hier.
'Time (is there any)' integriert World Music und Flöten, 'Dumah (silence)' ist mit ebenfalls fast elf Minuten ein experimenteller Showdown zwischen dunklem Art Pop, Chamber Rock, Jazz, Klangmalerei und Avantgarde. Etwas luftiger, weicher und poppiger holt der Rhythmus von 'Five Leaf Clover' wieder zurück an die Oberfläche. 'Tiny Things' spielt wieder mit instrumentalem Ausdruck, während die melancholische Prog-Folk-Ballade 'State Variable' ohne weiteres auf einer Steven-Wilson-Solo-LP stehen könnte. Es steckt in diesen fast 73 Minuten natürlich ganz viel Inhalt, den es zu entdecken gilt.
Ein wundervoll tiefgreifender Audio-Sound voller feingliedriger Details, bei dem die Grenzen zwischen lyrischem Prog, Art Pop, Klassik, Chamber Folk, Jazz, Ambient und Avantgarde fließend sind. Diese Platte musiziert handwerklich auf höchstem Niveau, mit atmosphärisch beeindruckenden Stücken, aber auch experimentellen Fragmenten, bei denen der offene, anspruchsvolle Hörer Zeit und Muße benötigt, um in einer vieldeutigen, meist stillen Welt immer wieder Neues zu entdecken.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Grice - vocals, electric & acoustic guitar, bass, drums, mellotron, sonics, keys, filters
• Richard Barbieri - keyboards, synthesisers, sonics, filters
• Steve Jansen - sonics, atmospherics, filters
• David Torn - guitars, loops, pedals
• Luca Calabrese - trumpet
• Theo Travis - duduk
• Al Swainger - bass, double bass
• Duncan Chave - filters
Gastmusiker:
• Robert Brian - drums
• BJ Cole - pedal steel guitar
• Eliza Carew - cellos
• Steve Bingham - violins
• Hossam Ramzy - percussion
• Marco Maggiore - drum loop
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Hungersleep Records zur Verfügung gestellt.

