
Cinematic Post-Rock • Electronica
(45:10; Vinyl, CD, Digital; Pelagic Records; 29.05.2026)
Beim Hören der letzten EP "Disruption" dachte ich des Öfteren, es wird Zeit für einen Longplayer der Franzosen – zu gut klang das alles in meinen Ohren.
Was kam nun aus der Stille...wird auf dieser neuen vollständigen Rille gefragt. Der sehr cineastische Ansatz, der bereits die wunderbare EP kennzeichnete, findet nun in seine vollumfängliche Blüte.
Aufgenommen in einem langen Winter in der Bretagne, kulminieren die Musiker ein subtil gewebtes Netz aus drei Gitarren, feinster elektronischer Soundspielereien, die Hinzunahme des Pianisten Mariposa gibt dem Ganzen eine zusätzliche Tiefe.
Hanry agieren sehr aufgeräumt, geben dem Hörer jede Zeit, die er benötigt, um sich maximal mit dem warmen, fließenden, oftmals melancholisch aufgeladenen Szenario zu verbinden. Dynamik, wie man sie natürlich innerhalb des Post-Rock Œuvres lieben gelernt hat, wird hier mit ganz viel Feingefühl akzentuiert – Klarheit, Eleganz und Bilderfluten zeugen von filmischer Qualität, einer klaren Vorstellung vom Gesamtbild und all dies findet sich im Fluss des Albums auf hypnotische Weise wieder.
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Der unaufgeregte Tune, das Innehalten, die Reflexion, sich wunderschön auflösendes Crescendo werden in warmen Soundscapes mit viel ambienten Texturen, einer generell wohltuenden Einbindung elektronischer Elemente um so präziser. Das Piano erzeugt den Score-affinen Habitus, die meist langsam, sich in feinen Pinselstrichen verschiebenden Strömungen wirken wie langsame Augenaufschläge. Majestätische Gitarrenwände wird der geneigte Genre-Freund punktuell zu umarmen wissen, insgesamt ist der cineastische Einschlag, der Flow im Loslassen – ähnlich Künstlern wie Hammock, gar Archive in ihrer elektronisch trippigen Seite – eine absolute Stärke der Franzosen.
Nimm exemplarisch einen Titel wie 'Dustwake'. Es breitet sich ein Teppich aus, in die Weite blickend, mit langsamem Druck auf den Instrumenten und irgendwann bricht sich das Eis in 1000 Risse. 'Her Crown, Her Empire', ein Stück Richtung Massive Attack, Bruit≤ oder Archive – voller Melancholie, schöner Synth-Fäden und epischer Kraft. Könnte in jedem Fall für einen Soundtrack, gar Videospiel die perfekte Untermalung definieren.
Ob nun die berüchtigten KEXP-Sessions, ein Auftritt beim berüchtigten Trans Musicales Fest in Rennes – die Franzosen sind bereit für mehr. Schönster Post-Rock, atmosphärisch, in sich ruhend, tief ausatmend und mit einer Menge Licht, welches durch die Wolkendecke bricht. Wer die schimmernd-experimentierfreie, eher elektronisch bildhafte Variante des Genres liebt, wird dieses Pelagic-Gewächs hoffentlich genauso umarmen wie ich es tue.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Jessica/Hold Tight zur Verfügung gestellt.


