New Artrock • Cinematic Progressive Rock •
(41:40; Digital; Eigenveröffentlichung; 17.04.2026)
Ging es beim Vorgänger "Man On The Shore" noch um den tragischen Fund eines toten Mannes am Fjord, möchte uns die neue Platte nicht die Fortsetzung präsentieren, sondern rückblickend die Vorgeschichte erzählen – sozusagen den Soundtrack zum Kalten Krieg innerhalb einer Familie: Entfremdung, Geheimnisse und der innere Zerfall eben dieser.
Musikalisch hört und fühlt man, dass der Musiker Paulo Chavarria viel an den Details gearbeitet hat und sich gerade diese kleinen, feinen Nuancen hier positiv widerspiegeln.
Der durchgehend halbballadeske Artrock setzt eher auf Stimmung, Atmosphäre, dramatische Bilder und erzählerische Melancholie.
Der Geschichte entsprechend geht es dunkler zu: perlende Pianoklänge, orchestral hintergründige Soundteppiche und viele Einflüsse zwischen Pink Floyd, Airbag, den sanften Opeth, Rhys Marsh, ruhigen Porcupine Tree und Riverside laden zum anspruchsvollen Zuhören ein.
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Man muss die Platte langsam kommen lassen, sich Schritt für Schritt einfühlen. Aus meiner Sicht findet man hier nicht den einen großen Song oder Hitmoment; vielmehr funktioniert "Stillborn.." als dicht inszeniertes, schwermütiges Gesamtpaket. Meist langsam, sanft proggy, eher kunstvoll und score-affin treiben und wogen die Songs durch die tragische Geschichte. Viele sehr schöne Gilmour-Gitarren und ein sehnsüchtiger Gesang, der eher weinerlich und zerbrechlich als kraftvoll intoniert.
Da ist man den Landsleuten von Airbag natürlich sehr nah. Somit bleibt – wie auch in deren Klangkosmos – eine breit gespannte Dynamikpalette eher aus; stattdessen werden oft und gerne sanft-akustische Momente kreiert, die sich hervorragend mit den feingliedrigen Vocals paaren. Richtig rockig oder straight wird es kaum, vielmehr sind es verschachtelte dynamische Verschiebungen, die den meist längeren Songs ihre subtile Spannung verleihen.
Die filmisch-synthetischen Sounds wirken wie ein liebevoll schwermütiger Mantel, und auch wenn der Gesang von Paulo erneut mit kleinen Schwachpunkten kämpft, tut dies der Atmosphäre und Schönheit der Tracks keinen Abbruch.
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Die Arrangements und der schwebend-nachdenkliche Flow greifen über die knapp 41 Minuten vollumfänglich, und gerade die vorsichtig inszenierten Dynamik-Wallungen – meist verbunden mit gelungenem, angenehm dramatischem Gilmour-Sound – ziehen den Hörer wie von selbst in die schwermütige Szenerie, ohne dass es dafür den großen kompositorischen Knall benötigt. Der Norweger hat merklich an den Details gefeilt und führt sein anspruchsvolles Konzept in die dritte Runde.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Ozul zur Verfügung gestellt.

