Atmospheric Black Metal • Blackgaze • Progressive Metal
(51:29; Vinyl, CD, Digital; Debemur Morti; 06.03.2026)
"In uns wohnt ein Fremder, den wir nicht kennen – ganz ohne Lügen. Manche erforschen ihr Inneres, Tag für Tag. Ob’s Geheimnisse hütet oder Chaos mag. Kontrolliert es uns mit Angst und Gewohnheit? Oder bringt’s Ordnung in unser Geleit?"
Dieser Vers, frei nach dem Schweizer Psychologen Carl Jung, inspirierte die 2008 in Montreal gegründete Band Miserere Luminis drei Jahre nach ihrem Album "Ordalie" dazu, mit dem Nachfolger "Sidera" dem Gleichgewicht aus Chaos und Kosmos weiter auf den Grund zu gehen.
Das kanadische Trio – bestehend aus Musikern der Black Metal-Bands Gris und Sombres Forêts – vereint traditionellen Black Metal mit Streichern, Klavier und Saxophon, die auf stark verzerrte und dann wieder engelsgleich klingende Gitarren treffen. Eine enorm ästhetische Mischung aus Trauer, Wut und Ekstase tritt hier in einem ausgewogenen Verhältnis zum Vorschein.
Der Autor hat in früheren Artikeln bereits darauf hingewiesen, dass Black Metal zunehmend als eine der kraftvollsten Formen musikalischen Ausdrucks gilt. Und das trifft auch hier wieder auf die Kanadier zu, die auf Promobildern zwar Masken tragen, deren Identität aber kein Geheimnis ist.
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Schon im ersten Song 'Les fleurs de l’exil' bricht ein Feuer aus. Schlagzeuger Icare beherrscht nicht nur Blastbeats, sondern erzeugt mit den tief gestimmten Trommeln ebenso hypnotische – und bisweilen tribal anmutende – Klanglandschaften ('De cris & de cendres'). Außerdem teilt er sich die Vocals mit Gitarrist Annatar. Die beiden liefern sich dabei ein Duell aus verzweifelten Wutausbrüchen.
Das mit diesem unglaublich schönen Cover-Artwork von Adam Burke versehene dritte Album von Miserere Luminis ist eindeutig düsterer als jeder Song des Vorgängers "Ordalie". Das Hin und Her zwischen explosiven Klangwänden, massiv packenden Gitarrensoli und dröhnenden Instrumentalpassagen, dazu die immer wieder sehr passend eingeflochtenen Streicherharmonien, sorgt für eine überwältigende Dynamik und eine anziehende, unfassbar dichte, fesselnde Atmosphäre. Alle Fans von Alcest sollten sich 'Aux bras des vagues & des vomissures' gönnen und wer da keine weichen Knie vor Ergriffenheit bekommt, hat das Genre nie verstanden.
Ganz klar ein Kandidat für das Album des Jahres: unerbittlich und gnadenlos, aber gleichzeitig tiefgründig und zutiefst emotional.
Bewertung: 14/15 Punkten
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Surftipps zu Miserere Luminis:
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Alle Abbildungen stammen von Debemur Morti.

