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    Du bist hier:Home»Reviews»Impure Wilhelmina - Le Sanglot

    Impure Wilhelmina - Le Sanglot

    0
    By flohfish on 23. Mai 2026 Reviews

    Impure Wilhelmina - Le Sanglot (Season of Mist, 22.05.2026)

    Post Metal • Doom • Dark Rock • Shoegaze
    (50:28; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist; 22.05.2026)
    Die Genfer Band Impure Wilhelmina hat mit "Le Sanglot" wieder genau dieses typische Zwischenstadium ihrer Bandgeschichte erreicht: zu etabliert, um noch wirklich zu überraschen, aber zu eigenständig, um einfach in irgendeine Post-Rock- oder Dark-Rock-Schublade zu passen. Das Ergebnis ist ein Album, das seine Dunkelheit nicht ausstellt, sondern sehr kontrolliert kuratiert – und seine melancholische Grundierung schon früh unmissverständlich klarzieht.

    Denn genau diese Melancholie zieht sich bereits im Opener 'Électricité Noire' deutlich durch die ersten Minuten und setzt sofort den Ton für alles Weitere: keine Einführung im klassischen Sinn, sondern ein unmittelbares Einziehenlassen von Stimmung, die das gesamte Album strukturell vorprägt.

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    Der erste markante Einschnitt ist die Sprache. Französisch durchgehend – und damit sofort der gedankliche Reflex Richtung Alcest. Aber genau dieser Reflex greift hier nur halb. Während Alcest oft ins Entrückte, fast Aufgelöste kippt, bleibt "Le Sanglot" deutlich körperlicher, dichter, weniger Traum als Zustand.

    Musikalisch verschiebt sich das Album deutlich stärker in Richtung dunkler Schwere, als es zunächst den Anschein hat. Neben Post-Rock- und Dark-Rock-Strukturen ist vor allem eine ausgeprägte Doom-Schlagseite spürbar, die sich immer wieder durchsetzt und das Grundtempo emotional nach unten zieht. Besonders in 'Abîme' wird das deutlich: ein Stück, das sich weniger entfaltet als langsam verdichtet, schwer atmet und diese typische, zähfließende Doom-Ästhetik in den Mittelpunkt rückt.

    Der Gesang und die Atmosphäre wirken dabei oft wie eine Mischung aus melancholischem Indie-Blick (The Smiths als grobe Gedankenfolie) und ausgedehnten Post-Rock-Flächen, die eher verweilen als eskalieren.

    Die Gitarrenarbeit bleibt zentral: flirrende, fast schwebende Strukturen, die permanent am Rand des Shoegaze operieren, aber nie vollständig darin aufgehen. Dazwischen immer wieder diese Leadgitarren, die eine deutlich klassischere Melancholie einziehen lassen. Besonders im Solo von 'Frelon Ivre' wird das greifbar – genau dieser Moment, in dem sich der Bezug zu Paradise Lost fast zwangsläufig aufdrängt. Nicht wegen Härte, sondern wegen dieser nach unten ziehenden, schwer atmenden Melodieführung.

    'Blanche Réalité' verschiebt diese Logik noch einmal weiter. Hier entsteht tatsächlich der Eindruck, als würde diese Gothic/Doom-Melancholie kurzzeitig in eine Blackgaze-Ästhetik übersetzt – ein Reibungsmoment zwischen zwei Klangwelten, die normalerweise nicht so direkt aufeinandertreffen.

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    Im größeren Bild funktioniert auch der Vergleich zu Crippled Black Phoenix gut: ähnliche Langsamkeit, ähnliche Lust an gedehnten Spannungsbögen, ähnliche Verweigerung klassischer Katharsis. IMPURE WILHELMINA bleiben dabei allerdings kompakter, introvertierter – weniger erzählerischer Horizont, mehr fokussierter Innenraum.

    Einer der stärksten Kontraste entsteht mit 'Demain J'abandonne'. Hier kippt das Album in einen sehr reduzierten, chansonhaften Zustand – französischer „Zartschwarz“-Moment, in dem alles auf Stimme, Stimmung und minimale Struktur zurückgefahren wird. Kein klassischer Höhepunkt, eher ein bewusster Entzug von der zuvor aufgebauten Gitarrendichte.

    Der Bruchpunkt bleibt 'Train Mort', in dem Marion Leclercq (Mütterlein) als Gast das Album kurzzeitig aus seiner kontrollierten Balance reißt. Plötzlich wird aus atmosphärischer Dunkelheit etwas deutlich Raueres, Störenderes – ein Einschub, der die sonst sehr gepflegte Emotionalität aufreißt.

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    Unterm Strich ist "Le Sanglot" ein Album, das seine eigene Sprache sehr genau kennt und sie entsprechend konsequent ausspielt. Kein Risikoentwurf, kein stilistischer Neustart, sondern die präzise Weiterentwicklung eines Sounds, der längst etabliert ist. Sehr dicht, sehr stimmig – und gerade dadurch immer wieder knapp davor, seine eigene Dunkelheit nur noch zu zitieren, statt sie wirklich auszuloten.
    Bewertung: 12/15 Punkten


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    Weitere Informationen

    Impure Wilhelmina - Le Sanglot (Season of Mist, 22.05.2026)

    Besetzung:
    • Michael Schindl - Vocals, Guitar
    • Mario Togni - Drums
    • Sébastien Dutruel - Bass
    • Edouard Nicod - Guitar

    Gastmusiker:
    • Marion Leclercq - Vocals (track 6)

    Surftipps:
    • Homepage
    • Linktree
    • Bandcamp
    • YouTube
    • Wikipedia
    • Rezensionen, Liveberichte & Interviews

    Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.

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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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