Noise Rock • Punk • Experimental Rock
(13:38; Vinyl, Digital; Ipecac; 20.03.2026/01.05.2026)
Es ist mal wieder soweit. Ich widme mich einer Band, deren Namen mir seit Ewigkeiten immer wieder über den Weg läuft, von der ich eine grobe Ahnung habe, wo sie musikalisch einzuordnen ist, die mich schon immer irgendwie gereizt hat – ich aber trotzdem nie wirklich bei ihr gelandet bin: Mclusky.
Und dann passiert dieser kleine, aber nicht ganz unwichtige Zufall: Ich bespreche dieses Mini-Album "I Sure Am Getting Sick Of This Bowling Alley" zur gleichen Zeit wie "The Great Parrot-Ox And The Golden Egg Of Empathy", das neue Werk von The Claypool Lennon Delirium. Und plötzlich ergibt das in meiner Wahrnehmung eine seltsame Art von Verwandtschaft. Beide erinnern mich – auf völlig unterschiedliche, leicht verdrehte Weise – an Primus.
Beim Claypool-Lennon-Universum ist das naheliegend, fast schon genetisch bedingt: Les Claypool ist ja nun mal Primus in Reinform, nur eben durch psychedelische Beatles-Farben weichgezeichnet. Hippie-Primus, wenn man so will.
Bei Mclusky hingegen ist genau das Gegenteil der Fall. Keine Herkunft aus diesem Funk-Zirkus, kein Bass-Guru im Zentrum – und trotzdem dieses Gefühl von schräger, körperlicher Unruhe im Sound. Wenn man The Claypool Lennon Delirium als Beatles-infundierte Hippie-Version von Primus versteht, dann ist dieses Mini-Album hier so etwas wie die Noise-Rock-/Dead-Kennedys-Interpretation derselben schiefen Realität. Eine aggressive, rotzige Gegenform. Dead Kennedys steckt da eher als Schatten im Hintergrund: nicht direkt zitiert, aber atmosphärisch irgendwie immer mit am Tisch.
Und genau da setzt "I Sure Am Getting Sick Of This Bowling Alley" an: als etwas, das gleichzeitig vertraut und permanent aus der Spur ist.
"I Know Computer" eröffnet das Ganze mit einem sehr markanten Basslauf, der tatsächlich diese kleine Claypool-Illusion im Hinterkopf erzeugt, ohne je in Referenzhuldigung abzurutschen. Die Rhythmik ist nervös, fast fiebrig, alles wirkt permanent kurz davor, auseinanderzufallen – und genau daraus entsteht diese unterschwellige Aggressivität, die sich nicht ankündigt, sondern irgendwann einfach durchbricht. Die Vocals dazu: spoken word, halb gerufen, halb hingeweht, sehr punkig in ihrer Direktheit, eher Ansage als Gesang.
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"As A Dad" kippt das dann abrupt: plötzlich Zugänglichkeit, fast schon Wärme. Der Gesang strahlt etwas Unerwartet Positives aus, fast gute Laune, mit leichten The-Toy-Dolls-Anklängen in dieser überdrehten, aber sympathischen Art der Darstellung. Und inhaltlich: Vatersein, Beziehung, Alltag – aber ohne Zynismus, eher mit einer seltsam ehrlichen, fast freundlichen Überzeichnung. Ein Song, der sich weigert, so zu sein wie der Rest, und genau dadurch funktioniert.
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"Spock Culture" zieht die Perspektive dann raus ins Gesellschaftliche: Kapitalismus, Leere, Strukturbruch. Politisch aufgeladen, aber nicht als Predigt, sondern als treibender Motor. Der Rhythmus trägt, die Gitarren setzen Akzente wie kleine Stiche – alles wirkt gleichzeitig kommentierend und mittendrin steckend.
"Hi! We’re On Strike" ist dann genau das, was der Titel verspricht: mechanisch, verspielt, rhythmisch fast maschinenartig, aber mit einer absichtlich überdrehten, leicht gaga wirkenden Energie. Hier wird der Protest selbst zum Spielmaterial, ohne seine Schärfe zu verlieren.
"Fan Learning Difficulties" geht noch weiter in Richtung kontrolliertes Chaos. Es ist nicht leicht zugänglich, aber genau das macht den Reiz aus: Strukturen brechen auf, formen sich neu, wirken aber nie komplett willkürlich. Es ist eher ein System, das sich weigert, lesbar zu bleiben.
Und dann der Bruch: "That Was My Brain On Elves". Akustisch, ruhig, fast folkig. Eine Ballade als Epilog. Nach all dem Lärm wirkt das wie ein bewusst gesetztes Zurücknehmen, ein Nachhall statt Finale. Fast so, als würde das Album kurz aufhören, sich zu beweisen, und einfach nur noch existieren.
Was am Ende bleibt, ist vielleicht genau diese Spannung, die sich schon in der Ausgangsbeobachtung versteckt hat: Mclusky wirken im Kontext von Primus-ähnlichen Assoziationsketten plötzlich wie die kantige, noisige Gegenbewegung zu allem, was in irgendeiner Form verspielt oder psychedelisch ist. Keine Hippie-Vernebelung, kein Funk-Exzess – sondern kantige, rotzige Verdichtung.
Und trotzdem: überraschend kohärent. Überraschend geschlossen. Und – trotz aller Absurdität – erstaunlich fokussiert.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe dieses Mini-Albums: dass es sich weigert, in irgendeine der naheliegenden Schubladen zu passen, selbst wenn es ständig so tut, als würde es genau das gleich tun.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Besetzung:
• Andrew Falkous
• Jack Egglestone
• Damien Sayell
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Rarely Unable zur Verfügung gestellt.

