Roadburn Festival 2025 – Bilder statt Worte
Eigentlich sollte hier ein epischer Roadburn-Bericht stehen. Mit Konzerten, Begegnungen und kleinen Offenbarungen im Halbdunkel der Venues. Stattdessen: ein Text darüber, warum dieser Bericht zwölf Monate zu spät kommt.
Nach den Erfahrungen von 2024 hatte mein Chefredakteur beschlossen: Das tue ich mir nicht noch einmal an. Also bin ich 2025 allein losgezogen. Na ja, fast allein. Ein Freund sollte mich unterstützen – fotografieren, mitschreiben, ein bisschen Last von den Schultern nehmen. Auf dem Papier eine gute Idee. Auf dem Zeltplatz dann Rückenschmerzen. Ziemlich heftige. Ein paar Konzerte hat er noch gesehen, aber im Prinzip: Totalausfall.
Also vier Tage Roadburn auf eigene Faust. Vier Tage Kamera, Fotograben, Rennerei.
Der Job hinter der Kamera ist dabei gleichzeitig Traum und Albtraum. Traum, weil man Dinge erlebt, die normalen Besuchern verwehrt bleiben: Warteschlangen überspringen, Zugang zum Fotograben, unmittelbare Nähe zu den Künstlern. Man steht plötzlich keine zwei Meter von der Bühne entfernt, mitten im Lärm, im Licht, im Schweiß. Das Adrenalin schießt durch den Körper, fast wie im Moshpit – nur dass man versucht, dabei eine Kamera ruhig zu halten.
Der Albtraum beginnt dann, wenn es praktisch wird.
In den kleineren Venues gibt es nämlich oft gar keinen Bereich für Fotografen. Also heißt es: durchs Publikum kämpfen, sich irgendwie nach vorne wühlen und möglichst nah an die Bühne kommen. Dabei geht man zwangsläufig dem einen oder anderen Zuschauer auf die Nerven. Kamera, Objektive und Taschen, die um den Hals und an den Schultern hängen, machen das Ganze nicht gerade eleganter. Dazu kommt immer die Gefahr, dass im Gedränge plötzlich etwas aus der Hand rutscht und Kamera oder Objektiv auf dem Boden landen. Mit Kamera im Moshpit unterwegs zu sein hat eben seine Tücken – vor allem dann, wenn vorne ein Teleobjektiv dranhängt.
In den großen Hallen ist es nicht viel entspannter. Dort gibt es zwar den Fotograben – allerdings nur unter der berüchtigten Drei-Lieder-Regel. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben und bleibt draußen. Das Resultat: permanente Hetze. Man verlässt Konzerte, die gerade großartig sind, nur um rechtzeitig beim nächsten Act vorne stehen zu können.
Und wenn man zusätzlich auch noch schreiben soll, wird es endgültig kompliziert. Zeit für Notizen? Praktisch nicht vorhanden.
Irgendwann merkt man dann, dass man wieder einmal vergessen hat zu essen. Noch schlimmer: zu trinken. Man läuft von Bühne zu Bühne, von Venue zu Venue, und wundert sich irgendwann, warum die Beine schwer werden und der Rücken protestiert. Ein Festival, das eigentlich Genuss sein sollte, wird zwischendurch zur körperlichen Prüfung. Nicht musikalisch – musikalisch ist Roadburn nach wie vor ein Fest. Aber körperlich.
Die Kondition lässt nach. Die Konstitution auch.
Als wäre das noch nicht genug gewesen, kam in diesem Jahr eine zusätzliche Baustelle dazu. Da ich momentan etwas knapp bei Kasse bin, hatte ich im Vorjahr mit dem Zeltplatz einen Deal geschlossen: Ich fotografiere während des Festivals das Geschehen und die Location, im Gegenzug wird mir das Campingticket erlassen und ich darf die Räumlichkeiten dort zum Arbeiten nutzen.
Auf dem Papier klang das vernünftig. In der Praxis stellte es sich als weitere Überlastung heraus. Die wenigen Verschnaufpausen, die ich normalerweise morgens vor den ersten Konzerten gehabt hätte, wurden plötzlich zu Arbeitszeit.
Der Fototeil für das Magazin war immerhin irgendwann erledigt. Bilder sortiert, bearbeitet und in die Vorlage eingefügt. Ich lag sogar ganz gut in der Zeit. Und dann kam das, was man nicht planen kann: Kinder krank. Selbst krank. Familiäre und psychische Baustellen. Der Text rutschte Woche für Woche, Monat für Monat weiter nach hinten. Und plötzlich war sie da: die Blockade. Es ging sogar so weit, dass ich nicht einmal mehr in der Lage war, meinen Textentwurf zu öffnen. Alles, was mit Roadburn auch nur im Entferntesten zu tun hatte, hatte sich urplötzlich in Gift verwandelt.
Fast ein ganzes Jahr ist mittlerweile vergangen und ich bin gerade aus einer Fachklinik für – ach, lassen wir das – entlassen worden und mein Artikel ist noch immer nicht geschrieben Das nächste Roadburn steht schon vor der Tür – schon morgen ist es soweit und "The Spark" wird wieder entzündet.
Jetzt hier zu sitzen und so zu tun, als könnte ich jeden Moment, jedes Konzert, jede Setlist sauber rekonstruieren, wäre unehrlich. Also gibt es dieses Jahr keinen klassischen Festivalbericht. Kein Name-Dropping, keine chronologische Aufarbeitung.
Stattdessen: eine kleine Auswahl von Fotos.
Sie sind das, was von meinem Roadburn 2025 übrig geblieben ist. Und vielleicht erzählen sie ohnehin mehr als ein Text, der viel zu spät kommt.
Am Ende bleibt nur die ehrliche Erkenntnis, dass ich meinem eigentlichen Auftrag und meinen Erwartungen an mich selbst nicht gerecht werden konnte, da ich nicht dazu in der Lage bin, dem Festival das gegeben, was es verdient hätte – weswegen ich mir selbst eine Auszeit gebe und das 2026er Roadburn schweren Herzens ausfallen lassen werde.
Tag 1, Donnerstag, 17.04.25
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