Radio Moscow – Live at Rockpalast 2015

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Radio Moscow - Live at Rockpalast 2015 (MiG, 18.12.20)

Artwork: Hamoun Beyraghdar

(89:43/97:66, 2CD + DVD, MiG Music, 2020)
Das Jahr 2020 könnte als das Jahr der Live Releases in die jüngere Geschichte der Rockmusik eingehen. Insbesondere Blue Öyster Cult haben in diesem Kalenderjahr Live-Aufnahmen am laufenden Band herausgebracht. Und es ist ja halt auch immer wieder etwas Schönes, ein Konzert im Wohnzimmer zu hören – ganz gleich, ob man selbst dabei war oder eben nicht. Als schöne Zugabe haben die inzwischen in San Diego ansässigen Hard Rocker von Radio Moscow nicht nur für das auditive Wohl gesorgt. Neben dem 90-minütigen Konzertmitschnitt gibt es die Show auch noch auf DVD zum Anschauen. Das Videomaterial beinhaltet zusätzlich zwei Interviews mit der Band – jeweils einmal vor und einmal nach dem Auftritt.

Es begab sich also am 25. März des Jahres 2015, dass Radio Moscow im Rahmen des Crossroads Festivals in der Harmonie in Bonn spielten. Im Gepäck hatte das Trio eine umfassende Zusammenstellung ihrer bis dahin zwöfljährigen Schaffensphase. MiG kaufte sich die Rechte am aufgenommenen Ton- und Bildmaterial und beschert uns also nun ein großartiges Radio Moscow für zuhause. Die Begründung für dieses Unterfangen lässt sich wie folgt aus dem Booklet zitieren:

„Live it’s louder, more direct, and more open to free-form improvisation“.

Diese Freiheit stellen Radio Moscow auch gut unter Beweis. Gitarrist und Sänger Parker Griggs lässt sich beispielsweise im Lied ‚Before it burns‘ zu einem ausschweifenden und mitreißenden Gitarrensolo hinreißen. Und auch seine Mitstreiter Anthony Meier (Bass) und Paul Marrone (Schlagzeug) legen im Vergleich zu den Studioaufnahmen nochmal ein ordentliches Pfund drauf. GriggsMeier und Marrone lassen es gehörig krachen und präsentieren ihren psychedelisch angehauchten Hard Rock mit großem Selbstbewusstsein und unbändiger Spielfreude. Auch der Klang passt äußerst gut und lässt jedes der 19 Stücke zu einem Hörerlebnis werden.

Da ist es kein Wunder, dass auch das Publikum ordentlich mitzieht. Euphorische Rufe und schallender Applaus sind stetige Wegbegleiter während der 90 Minuten Laufzeit der zwei CDs. So wird das Bass-Intro zur Coda im Lied ‚These Days‘ von einer Welle der Begeisterung seitens der Fans kommentiert.

Es ist wahrlich eine schöne Erfahrung, ein solches Konzert (erneut) mitzuerleben. Im für Live-Musik unwirtlichen Jahr 2020 kommt natürlich noch eine gehörige Welle Sehnsucht dazu. Dahingehend besonders schön, dass das Booklet von „Live at Rockpalast 2015“ gänzlich auf Wörter wie Corona, Pandemie oder Lockdown verzichtet.

Und selbstverständlich lässt es sich die Band auch nicht nehmen, ein großartiges Finale für den Auftritt zu setzen. Nachdem das Publikum eindeutig klar machte, dass es nach ‚Frustrating Sound‘ doch wohl nicht schon zu Ende sein könne, griffen Radio Moscow nochmal tief in die Trickkiste. Als Zugaben spielen die Amerikaner akustische Versionen der Songs ‚World keep on turning‘ und ‚250 Miles‘.

„Live at Rockpalast“ von Radio Moscow überzeugt vor allem mit zwei Elementen. Zunächst ist da die großartige Souveränität, mit der Radio Moscow ihre Show präsentieren. Und zweitens wirkt sich dieses Selbstbewusstsein auf vielerlei Spielerei und Improvisationen aus, was diese Aufnahme einzigartig macht. Mit „Live at Rockpalast 2015“ bescheren uns Radio Moscow ein mitreißendes Konzert zum Mitnehmen.
Bewertung: 11/15 Punkten

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Konzertbericht, 2015, Köln
Wikipedia

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Über den Autor

Kontemporär in Würzburg ansässig. Irgendwo zwischen Punk, Psychedelic, Kraut, Wahnsinn und Jazz zuhause.

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Radio Moscow – Live at Rockpalast 2015

von Raphael Lukas Genovese Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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