Galahad – Quiet Storms

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(75:14, CD, Avalon Records/Oskar Productions, 2017)
Bereits 1994 legte die Mitte der Achtzigerjahre gegründete Band Galahad mit „Not All There…“ unter dem Projektnamen Galahad Acoustic Quintet ein Album mit Akustikversionen ihrer Frühwerke sowie teils unveröffentlichtem Material vor. „Quiet Storms“, unter dem originären Bandnamen erschienen, ist jetzt so etwas wie eine Fortsetzung dieses Konzepts.

Auch hier wird das eigene Werk in akustischen, recht sparsam neu arrangierten Versionen präsentiert, die zum Teil bereits als Bonustracks auf den letzten Alben enthalten waren. Interessanterweise wagen die Briten dabei einen Brückenschlag zum ersten Versuch, denn mit ‚Iceberg‘ und ‚Melt‘ sind auch Titel in neuen Arrangements vertreten, die bereits auf „Not All There…“ zu hören waren und auf keinem regulären Galahad-Studioalbum enthalten sind.

Material akustisch neu aufzubereiten kann nach unterschiedlichen Ansätzen erfolgen: Entweder man orientiert sich relativ exakt an der Originalversion und nimmt nur die Instrumentierung zurück, oder man wagt sich daran, die Songs komplett neu zu arrangieren und ihnen damit etwas Eigenständiges zu verleihen. Auf „Not All There…“ verfolgten Galahad den zweiten, wesentlich spannenderen Weg – was auf „Quiet Storms“ teilweise seine Fortsetzung erfährt. Interessanterweise setzen die Musiker dabei nicht nur auf eigenes Material. Sie interpretieren auch den John Grant-Titel ‚Marz‘ sowie Rammsteins ‚Mein Herz brennt‘ akustisch, was bei letzterem Titel durch den deutschen Gesang einen gewissen schrägen, ironischen Charme hat. Dennoch Hut ab dafür, dass sich eine Band aus England an fremdsprachigen Texten versucht.

Ansonsten setzen Galahad auf ein sehr weites zeitliches Spektrum, das bis in die frühen 90er zurückgeht und bis zu Material der 2000er- und 2010er-Jahre reicht. Dabei wird die Gruppe u.a. von Magenta-Sängerin Christina Booth und Threshold Gitarrist Karl Groom unterstützt, zudem sind Violine, Klarinette und Saxophon zu hören. Mitunter vermisst man zwar die Dramatik und den Bombastanteil der Originale, trotzdem überzeugt die Essenz der jeweiligen Songs. Ausufernde Tracks, wie z.B. ‚Guardian Angel‘, werden auf knapp vier Minuten zusammengestutzt und nur noch von Gesang und Keyboards getragen.

Die zurückgenommenen Arrangements gefallen durch ihr eigenes Flair, auch wenn auf einer Länge von 75 Minuten Ermüdungserscheinungen auftreten. Trotzdem eine interessante Facette des Schaffens von Galahad. Mit ‚Willow Way‘ und ‚Weightless‘ sind außerdem zwei komplett neue, recht pastorale und etwas düsterere Songs vertreten.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 6, KS 10)

Galahad (Foto: Band)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Galahad – Quiet Storms

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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