Autor: Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

12.0
Reviews

(64:32, Download, Exowax, 2016) Anspruchsvolle, nicht kategorisierbare  Musik - so lässt sich der zweite, wesentlich zugänglichere Teil des recht schrägen, kompromisslosen "Scambot"-Konzepts von Mike Keneally beschreiben. Sieben Jahre nach dem ersten Teil ist er jetzt erschienen. Wer es etwas genauer wissen will, dem kann man einen sehr eigenständigen, überaus originellen Stilmix aus diversen Schattierung von Progressive-, Jazz- und Country Rock bis hin zu kammermusikalischen sowie zappaesken Momenten sowie kleineren Schippen Progmetal und Hard Rock anbieten. Zum Konzept nur so viel: In der epischen Geschichte geht es um einen miesepetrigen Typen namens "Scambot", dessen Verhalten und Persönlichkeit von einem bösen Industriemagnaten namens Ophunji kontrolliert wird…

Weiterlesen
10.0
Reviews

(55:18, CD, Sony Music, 2016) Mit ihrem 73er-Werk "Inferno" veröffentlichten Metamorfosi eines der beachtenswerten progressiven Kleinodien aus bella Italia. "Paradiso" griff 2004 die Thematik der Divina Commedia ("Göttliche Komödie") des italienischen Dichters Dante Alighieri wieder auf, und mit "Purgatorio" folgt nun der dritte Teil - eine Reise durch das Reich der Toten. Nicht nur das Thema sondern auch die Musik schlägt eine Brücke in die Vergangenheit. Zwar wurden die Sounds teilweise etwas modern aufgepeppt, dennoch bestimmt einmal mehr sinfonischer, Keyboard-lastiges Pathos das Geschehen. Dabei ist die Band mit dem gleichen Line-up wie beim 2004er-Vorgänger am Start. Das bedeutet, dass vor allem die markante Gesangs-…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(75:42+58:13+73:38 / 52:54+67:00 / 71:09, 6 CD, Zappa Family Trust, 2016) Seitdem die Veröffentlichungen von Frank Zappa durch den Zappa Family Trust zu Universal Music gewandert sind, wird in regelmäßigen Abständen Neues aus den umfangreichen Archiven des Meisters an Tageslicht gefördert. Gerade dieses Jahr war man sehr aktiv und legt einen weiteren Schwung an Veröffentlichungen vor. Nach dem eher überflüssigen Werk "Zappatite" - dem zum Scheitern verurteilten  Versuch, auf einer CD einen Überblick über das facettenreiche Schaffen von Frank Zappa zu ermöglichen - sind in den letzten Wochen drei neue Alben erschienen. Aus der Reihe Project/Object wird auf drei CDs das Vinyl-Doppelalbum "Uncle…

Weiterlesen
13.0
Reviews

(51:35 + 48:33, CD, DVD, InsideOut / Sony Music, 2016) Über den energiegeladenen, leidenschaftlichen Mitschnitt des Konzertes von Leprous im Juni dieses Jahres in der Rockefeller Music Hall in Oslo stattfand und über das Crowdfunding, mit dem die DVD-Produktion finanziert wurde, gibt es an dieser Stelle mehr zu lesen, seit Ende November liegt nun das entsprechende Paket wahlweise als DVD/CD, DVD, CD, LP/CD  oder digitaler Download vor. Zur Rezension lag lediglich der Audiopart vor, er allein übt schon genügend Faszination aus, um das Live-Phänomen Leprous begreifbar zu machen. Angeblich wurden keinerlei Nachbesserungen im Studio vorgenommen, sondern der organische, rohe, aber…

Weiterlesen
10.0
Reviews

(51:46, CD, InsideOut / Sony Music, 2016) Drei Jahre nach ihrem Debüt "Rubidum" liefert die Band Maschine um Mastermind Luke Machin den Nachfolger ab. Die spielerische Lockerheit und eine gewisse Unbekümmertheit sind geblieben, aber "Naturalis" erweckt den Eindruck von mehr Reife und Geschlossenheit. Geschehnisse um verheerende Naturereignisse halten das Album als loses inhaltliches Konzept zusammen, die Auswirkungen des Tsunamis in Japan  2011 haben Luke Machins Interesse daran geweckt. "Ich wollte dennoch kein Album nur über Naturkatastrophen aufnehmen, das kann ein wirklich düsteres Thema sein", sagt er. "Ich wollte vielmehr betonen, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt und dass Hoffnung für die Menschheit besteht. Dieser…

Weiterlesen
12.0
Reviews

(39:20, CD, Smalltown Supersound / Rough Trade, 2016) Inspiriert durch den 1926 entstandenen Animationsfilm "Die Abenteuer des Prinzen Achmed", überrascht das aktuelle Dungen-Album "Häxan" ("Die Hexe") als ein rein instrumentales, stilistisch etwas untypisches Werk des schwedischen Quartetts. Die Musik entstand als Auftragsarbeit zwischen den beiden letzten Studioalben "Skit I Allt" (2010) und "Allas Sak" (2015), jedoch war das Resultat dann wohl doch so ansprechend, dass man es auf Tonträger bannen wollte und den Record Store Day am 25. November als Veröffentlichungstermin wählte. Grundkomponenten sind der für Dungen typische Spätsechziger-Psychedelic, deutliche Anleihen an frühen Progressive Rock und schwedische Folklore. Doch während sonst auch immer leichtfüßiger Pop-Appeal…

Weiterlesen
11.3
Reviews

(78:58, CD, Season Of Mist, 2016) Crippled Black Phoenix lassen sich nur schwer kategorisieren, sie haben zwischen Gitarren-Dröhnorgien und sphärischem Aufbruch ihre eigene Nische gefunden. Zum Vergleich fällt immer wieder der Name Pink Floyd - vielleicht auch, weil die Vorgänger-EP "New Dark Age" eine eigenständige, mehr als 37 Minute lange Coverversion von Floyds 'Echoes' enthielt. Mit "Bronze" ist die Band jetzt wieder auf eigenen Pfaden unterwegs. Fast schon cineastisch mit Samples und flirrenden, spacigen Klängen startet das neue Werk, bevor nach sehr langem Vorlauf tonnenschwere Doom-Riffs die Rückkehr aus dem Weltall auf die Erde einläuten. Der Endzeit-Rock der Briten um Mastermind Justin Greaves handelt von Angst, Verzweiflung,…

Weiterlesen
10.5
Reviews

(67:23 + 79:50, DVD, CD / DVD, Privatpressung, 2016) Zum 25-jährigen Bandjubiläum lassen sich Flying Circus nicht lumpen: Das Quintett bringt mit „Starlight Clearing“ ein Konzeptalbum heraus, und als Rundum-sorglos-Paket gibt's das Ganze auch als Package mit einer 80-minütigen Live-CD und -DVD, die im November letzten Jahres aufgenommen wurden. Seit dem letzten Longplayer „Forth“ (2010) stießen mit Ande Roderigo (Schlagzeug) und Rüdiger Blömer (Keyboards, Geige) zwei neue Bandmitglieder hinzu, die auf der 2013er-EP „Ones And Zeroes“ ihren Einstand feierten. Zusammen mit Michael Dorp (Gesang), Michael Rick (Gitarre) und Roger Weitz (Bass) liefern sie eine sehr ausgereifte und souveräne Mixtur aus härterem Rock und Progressive Rock…

Weiterlesen
10.5
Reviews

(50:03 + 52:26, CD, InsideOut / Sony Music, 2016) Was nur als Übergangsalbum gedacht war, endete als eine Art Requiem, als Abschied vom unter tragischen Umständen verstorbenen Riverside-Gitarristen Piotr Grudziński. Wer nur die regulären Alben der Polen kennt, der lernt auf „Eye Of The Soundscape“ eine ganz andere Facette der Band abseits von Progressive Rock und Progressive Metal kennen. Ein Teil des Materials, das sich im Grenzbereich zwischen atmosphärischen, schwebendem Art Rock, Electronic und Ambient bewegt und zwischen 2007 und 2016 aufgenommen wurde, war bereits als Bonusmaterial auf den letzten beiden Alben „Shrine Of New Generation Slaves“ (2013) und „Love, Fear And The Time…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(61:27, CD, Noisy Records, 2016) Obwohl der klassisch ausgebildete Geiger David Cross an King Crimsons 70er-Jahre-Werken "Larks' Tongues In Aspic", "Starless And Bible Black" und "Red" mitwirkte, ist er ein wenig bekannter Elder Statesman des Progressive Rocks. Vor allem seit den 90ern bringt er unter seinem Namen,  oder wie beim 2008er-Album "Alive In The Underworld" mit der David Cross Band, seine eigene Musik unter die Leute. Diese hat nichts Angestaubtes, sie ist auch nicht rückwärts gewandt. Cross lässt es immer noch ordentlich krachen, wenn er die Violinensaiten elektrisch verstärkt zum Schwingen bringt. Das letzte Studioalbum "Closer To Skin" liegt bereits elf Jahre zurück,…

Weiterlesen
8.5
Reviews

(36:45, CD, Doone Records, 2016) Bereits 2001 veröffentlichten IZZ mit "Ampersand Volume 1" eine Sammlung von Songs, die es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht auf die regulären Alben der Band geschafft hatten. Nun folgt  mit "Volume 2" ein weiteres Album, das sich vermehrt auf die Songschreiberqualitäten und musikalischen Erkundungen abseits der progressiven Seite der Amerikaner konzentriert. Wiederum entstanden die Songideen über einen längeren Zeitraum und ebenfalls passte das Material nicht in den Kontext des jeweiligen Albums. Dennoch fand es die Band einfach schade, nachdem man so viel Herzblut in das Schreiben, Arrangieren und das Aufnehmen der Musik gesteckt hatte, diese…

Weiterlesen

Hamatai! Magma in Stuttgart - 30 Jahre ist es her, dass man die Urväter des Zeuhl (= himmlische Musik) in der schwäbischen Metropole begrüßen durfte. Auf dem Weg zum Theaterhaus, einer Location in der in den letzten Jahren aus dem progressiven Umfeld u.a. Steven Wilson, Steve Hackett und Van Der Graaf Generator auftraten, sind überraschend viele Menschen unterwegs. Eigentlich viel zu viele für ein (übrigens mit besonderem Stolz von BetreutesProggen.de präsentiertes) Magma-Konzert, trotz deren ewig langer Benztown-Abstinenz. Des Rätsels Lösung: Am gleichen Abend tritt im großen Saal T1 der bayerische Kabarettist und Liedermacher Georg Ringsgwandl mit seiner Band auf. Der fast ausverkaufte…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(58:03 + 74:17, CD + DVD, EPS Produkciós Iroda, 2015) Zum 40-jährigen Bandjubiläum haben sich die Progressive Rocker von East anno 2015 nicht lumpen lassen und zusammen mit dem ungarischen Radio Sinfonieorchester die Alben „Hűség“ (1982), „A Szerelem Sivataga“ (1988) und „Játékok“ (1981) bei einem einmaligen Konzert in Budapest fast in Gänze live präsentiert. Passend zum jeweiligen Album standen zudem auch noch die unterschiedlichen East-Besetzungen auf der Bühne, um das Material nahezu im jeweiligen Original-Line-up zu präsentieren. Als umfangreiches Gesamtpaket bestehend aus einer Doppel-CD mit dem kompletten Konzert sowie einer rund 75-minütgen DVD mit Ausschnitten davon (keine Ahnung, warum man nicht den gesamten…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(56:10, CD, InsideOut / Sony Music, 2016) Bereits mit dem beachtenswerten Vorgänger „Disconnect“ bewies John Wesley, dass er mehr als nur Begleitmusiker bei z.B. Porcupine Tree oder Fish sein kann. „a way you'll never be“ (absichtlich alles in Kleinbuchstaben geschrieben) ist das mittlerweile achte Soloalbum des Amerikaners. Ein kerniges Rockalbum mit 70s-Touch und progressiven Anleihen, das aber dennoch nicht in der Vergangenheit stehen geblieben ist. Als stilistische Einflüsse nennt Wesley Rush, Pink Floyd und Porcupine Tree, bei den Gitarristen führt er u.a. Robin Trower, Jeff Beck, Alex Lifeson und Warren Haynes an. Dennoch offenbaren die Eigenkompositionen Wesleys genügend eigene Identität,…

Weiterlesen
12.0
Reviews

(53:26, CD, InsideOut / Sony Music, 2016) Vor 16(!) Jahren erschien „Somewhere To Elsewhere“, das letzte Studioalbum von Kansas. Es sah lange danach aus, dass dies das letzte Wort in deren langer Historie sein könnte, auch wenn die Band bis zum heutigen Tage ständig auf Tour ist und dabei immer noch einen sehr vitalen Eindruck hinterlässt. Doch nachdem Hauptsongschreiber Kerry Livgren nur noch für die Studioarbeiten zu „Somewhere To Elsewhere“ als Unterstützung zurückkehrte, sich aber anschließend wieder auf seine Farm zurückzog und vor allem mit Proto Kaw Erfüllung fand, hing schließlich alles am zweiten Songschreiber Steve Walsh. Doch dieser hatte einfach…

Weiterlesen
8.3
Reviews

(70:26+75:54 / 69:06 / 43:25, 4 CD, Zappa Family Trust, 2016) Frank Zappa weilt seit 1993 nicht mehr unter den Lebenden, trotzdem oder gerade deshalb beglücken seine Nachlassverwalter die Fans weiterhin mit jeder Menge Veröffentlichungen, und auch die jährlich stattfindende Zappanale zeigt, dass der Geist des streitbaren Musikgenies immer noch auf fruchtbaren Boden fällt. Einerseits ist es ein großes Glück, was aus umfangreichen Archiven immer wieder ausgegraben wird, andererseits ist die Qualität keineswegs gleichbleibend hoch, sodass man bei den nicht gerade billigen Veröffentlichungen des Zappa Family Trusts auch mitunter den Verdacht hat, dass alles worauf Zappa steht irgendwie zu Geld gemacht wird. Die aktuellen…

Weiterlesen
10.0
Reviews

(64:19, CD, InsideOut / Sony Music, 2016) Hier steht nicht nur "Project" drauf, diesmal steckt auch wirklich jede Menge Project drin! Denn im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen unter dem Namen Devin Townsend Project, kurz DTP, hat der manische Kontrollfreak aus Kanada bei „Transcendence“ einiges an Fremdeinwirkung zugelassen. Townsends Band a.k.a. The Project - Ryan Van Poerderooyen (Schlagzeug), Dave Young (Gitarre, Keyboards), Brian 'Beav' Waddell (Bass), Mike St-Jean (Keyboards, Programming) - bekam nicht nur bei den Kompositionen mehr Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten, mit Adam 'Nolly' Getgood  war sogar ein externer Produzent am Start. Zwar betrachtet Devin Townsend DTP weiterhin grundsätzlich als Soloprojekt, da er die Ideen…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(56:53, CD, Alchemy Records, 2016) Hinter Burnt Belief, die mit „Emergent“ ihr drittes Album veröffentlichen, stecken der amerikanische Gitarrist Jon Durant und der australische Bassist Colin Edwin. Dritter im Bunde ist diesmal Schlagzeuger Vinny Sabatino. Jon Durant ist in erster Linie für seine Soundscapes und schwebenden Gitarrenklänge bekannt, wobei er bereits bei diversen Produktionen als Gastmusiker (u.a. Tony Levin) mitwirkte, aber auch an einigen Soundtracks beteiligt war. Colin Edwin kennt man vor allem als Bassist von Porcupine Tree, er war zudem an sehr unterschiedlichen Projekten von World Music über Jazz bis Elektronik beteiligt. Als stilistische Umschreibung wählt die Band den Begriff Progressive Ambient/Fusion mit einer gehörigen Portion…

Weiterlesen
11.5
Reviews

(52:01, CD, Timeless Momentum, 2016) Mit „Sphère“ legt der franco-kanadische, inzwischen in London lebende Bassist und Komponist Antoine Fafard sein viertes Soloalbum vor. Im Gegensatz zum sinfonischen Jazz Rock seiner ehemaligen Band Spaced Out hat er sich stilistisch inzwischen etwas mehr Richtung Jazz bewegt, doch sind hier neben dem versierten Gefrickel immer noch progressive Zutaten und verspielte, keineswegs zu verkopfte Elemente zu finden. Zusammen mit dem wie immer technisch beeindruckenden Gary Husband (u.a. Billy Cobham, John McLaughlin, Level 42, U.K.) an Schlagzeug und Tasteninstrumenten und  dem Gitarristen Jerry De Villiers Jr. lebt das leidenschaftliche Songmaterial aber auch von mitreißenden Grooves und ansteckender…

Weiterlesen
12.3
Reviews

(41:09, CD, Kscope / Edel, 2016) „Your Wilderness" ist der elfte Longplayer der britischen Band um Mastermind, Sänger und Gitarrist Bruce Soord. Nicht jedes Album von The Pineapple Thief zündete sofort, denn deren atmosphärischer, eigenständiger Mix aus gitarrenlastigem Alternative Rock, sanften Pop-Ansätzen und schwebendem Art Rock hatte immer eine etwas andere genrebedingte Schlagseite. Je nachdem kamen dabei stimmige Highlights wie die mehr progressiv versetzten Alben „Variations On A Dream“ (2003) und „What We Have Sown“ (2007) heraus, während zum Beispiel zuletzt „Magnolia“ recht heftig mit Pop-Arrangements flirtete, aber dafür entsprechend kommerziell erfolgreich war. „Your Wilderness“ ist von Beginn an ein Gewinneralbum, was vielleicht auch daran…

Weiterlesen