East – Symphonic

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east-symphonic_1(58:03 + 74:17, CD + DVD, EPS Produkciós Iroda, 2015)
Zum 40-jährigen Bandjubiläum haben sich die Progressive Rocker von East anno 2015 nicht lumpen lassen und zusammen mit dem ungarischen Radio Sinfonieorchester die Alben „Hűség“ (1982), „A Szerelem Sivataga“ (1988) und „Játékok“ (1981) bei einem einmaligen Konzert in Budapest fast in Gänze live präsentiert.

Passend zum jeweiligen Album standen zudem auch noch die unterschiedlichen East-Besetzungen auf der Bühne, um das Material nahezu im jeweiligen Original-Line-up zu präsentieren. Als umfangreiches Gesamtpaket bestehend aus einer Doppel-CD mit dem kompletten Konzert sowie einer rund 75-minütgen DVD mit Ausschnitten davon (keine Ahnung, warum man nicht den gesamten Auftritt veröffentlichte) liegt seit letztem Jahr „Symphonic“ vor.

Die Umsetzung kann man als geglückt bezeichnen, da das Orchester komplett in die Arrangements eingebunden wurde und nicht nur als bloße Hintergrundbegleitung agiert. Zwar sind die Soloparts weiterhin auf Gitarre (besonders beeindruckend János Varga bei „Hűség“ und „Játékok“ sowie Gábor Madarász bei den späteren Aufnahmen) und Keyboards (alle von Ur-Mitglied Géza Pálvölgyi) verteilt, doch steuert die klassische Begleitinstrumentierung jede Menge Bombast und variationsreiche Zwischentöne bei.

Gerade die sinfonische Note wird noch weiter unterfüttert, die in wenigen Nuancen ganz leichten jazzigen Parts und natürlich auch der Rockaspekt bleibt der Band vorbehalten. Einziger durchaus verschmerzbarer Schwachpunkt im Gesamtkontext ist Originalsänger Sänger Miklós Zareczky, der stimmlich mitunter etwas wacklig wirkt und nicht mehr ganz die Kraft der ursprünglichen Aufnahmen erreicht. Sein Nachfolger Tamás Takáts schmettert und meckert wie eh und je.

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Leider sind alle Informationen im Booklet bzw. auch die Zwischenansagen beim Konzert und logischerweise auch die Texte komplett ungarisch gehalten, sodass man sich als Nicht-Magyar schwer tut und außer „Köszönöm“ (= danke) leider nichts versteht. Doch die Kraft der Musik überzeugt – vor allem das Material aus den beiden East-Klassikern „Játékok“ und „Hűség“, die zwar erst Anfang der 80er entstanden, aber dennoch deutliche Verweise auf den klassischen sinfonischen Progressive Rock der 70er aufweisen. Mit jeder Menge Pathos und spielerischer Leidenschaft strahlt das Material immer noch überzeugende Eleganz und Würde in leicht osteuropäischer Färbung aus.

Wie so vielen Bands in den 80ern fiel das spätere Material bei East, auch bedingt durch einige Umbesetzungen, wesentlich geradliniger aus. Zwar wurde das Material von „A Szerelem Sivataga“ ansprechend orchestral aufgepeppt, doch ist es immer noch mit weiblichem Background-Gesang versüßt und kompositorisch stromlinienförmiger im Rock/Pop-Bereich angesiedelt.  Im Livekontext wirkt es dennoch besser, als noch im Original.

Ein schönes Package zum Anhören und Anschauen als wenig peinliche Zeitreise zurück in die 80er.
Bewertung: 11/15 Punkten

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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East – Symphonic

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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