Symphonic Rock • Progressive Metal • New Artrock
(45:16; CD, Digital; Eigenveröffentlichung/Just For Kicks; 08.05.2026)
Karcius ist eine kanadische Formation, die 2001 gegründet wurde und zunächst mit rein instrumentalem Fusion Prog unterwegs war. Dazu gesellte sich schließlich auch eine Portion Symphonic Prog. Auf dem 2012 erschienenen vierten Album der Band kam zum ersten Mal durch den neu hinzu gekommenen Bassisten Sylvain Auclair Gesang hinzu. Nach sechs Jahren Pause folgte dann "The Fold", auf dem Keyboarder Sébastien Cloutier hinzu kam und das Quartett zu einem stabilen Line-Up kam, denn die Besetzung ist bis heute gleich geblieben. Es war der Start einer Trilogie, die mit "Grey Silver Yellow & Gold" (2022) ihre Fortsetzung fand und nun mit "Two Places" abgeschlossen wird.
Der Schreiberling hat die Band über deren Frühphase kennengelernt und war recht angetan. Als klar war, dass die Kanadier auch Gast beim Night of The Prog Festival sein würden (2019), war die Vorfreude groß und man wurde auch nicht enttäuscht. Karcius lieferten einen souveränen Auftritt ab, wobei man speziell darüber staunen konnte, wie sehr sich Herr Cloutier beim Tastenspielen verbiegen konnte. Danach verschwand die Band irgendwie vom persönlichen Radar, bis das aktuelle Werk auf den Tisch kam.
Nach dem ersten Durchlauf war eine gewisse Enttäuschung spürbar, denn es war etwas anderes erwartet worden. Also erst mal wieder auf Seite gelegt und nach einer Weile erneut aufgelegt. Verwundert stellt man fest, dass das Album doch sehr angenehm beginnt, unter anderem mit einem Gitarrenspiel, das von Pink Floyd inspiriert zu sein scheint. Doch dann kommen Momente, die klarmachen, warum es den persönlichen Geschmack nicht wirklich trifft – es ist die nicht erwartete Härte der Band. In Unkenntnis des Vorgängeralbums ist eine Aussage nicht möglich, ob diese Richtungskorrektur auf diesem Album beginnt oder schon auf "Grey Silver Yellow & Gold" zu erkennen war.
Jedenfalls schwenkt der 13-minütige Opener 'Wallow' plötzlich in eine deutlich härtere, bisweilen recht aggressive Richtung ein. Ähnliches gilt für 'Out Of Nothing', ebenfalls eine härtere Nummer, die aber – scheinbar aus dem Nichts – am Ende in ein wunderbares Mellotron-Outro wechselt.
Auf 'Slow Down Son' gibt es eine Verschnaufpause, die in Form eines sehr schönen balladesken Songs Balsam für die Seele bedeutet. Doch danach befinden sich die Kanadier direkt wieder auf dem Kriegspfad, denn auf 'Rise' geht es nach anfangs noch harmlosem Vorspiel mit akustischer Gitarre teils doch recht martialisch zu, der singende Bassist singt sich fast die Seele aus dem Leib, das geht gelegentlich gar in Richtung Growlen. Hard Rock mit Rush-Einflüssen, weit weg von dem, was sie noch in ihren Anfangstagen geboten haben.
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Das Album wächst mit der Zeit enorm, und nachdem die Erwartungshaltung mal ausgeblendet ist und man sich auch mit den Prog-Metal-Phasen auseinandersetzt, desto wirkungsvoller werden die Songs. Starke Gitarrenparts, sehr effektiv eingesetzte Keyboards, wuseliges Drumming und ein sehr starker Sänger. Das Ganze ergibt dann ein recht mächtiges Werk, das die Kanadier spätestens jetzt auch für Heavy-Fans interessant macht.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Besetzung:
• Sylvain Auclair - vocals / bass / words
• Thomas Brodeur - drums / percussions / sound design
• Sébastien Cloutier - piano / Hammond B3 organ / Wurlitzer / Synthesizers / mellotrons / additional keyboards
• Simon L’Espérance - guitars / synthesizers / percussions / keyboards / loops programming
Surftipps:
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Abbildungen: Karcius


