Frank Zappa – Road Tapes Venue #3 / The Crux Of The Biscuit / Frank Zappa For President

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(70:26+75:54 / 69:06 / 43:25, 4CD, Zappa Family Trust, 2016)frank-zappa-road-tapes-volume-3
Frank Zappa weilt seit 1993 nicht mehr unter den Lebenden, trotzdem oder gerade deshalb beglücken seine Nachlassverwalter die Fans weiterhin mit jeder Menge Veröffentlichungen, und auch die jährlich stattfindende Zappanale zeigt, dass der Geist des streitbaren Musikgenies immer noch auf fruchtbaren Boden fällt.

Einerseits ist es ein großes Glück, was aus umfangreichen Archiven immer wieder ausgegraben wird, andererseits ist die Qualität keineswegs gleichbleibend hoch, sodass man bei den nicht gerade billigen Veröffentlichungen des Zappa Family Trusts auch mitunter den Verdacht hat, dass alles worauf Zappa steht irgendwie zu Geld gemacht wird. Die aktuellen Veröffentlichungen offenbaren wieder ein sehr abwechslungsreiches Bild der Werkschau des Meisters.

Los geht’s mit dem dritten Teil der „Road Tapes“-Reihe, die Live-Mitschnitte ohne jegliche Nacharbeit ganz in der Tradition der „You Can’t Do This On Stage Anymore“-Alben beinhaltet. Auf „Road Tapes Venue #3“ sind zwei komplette Shows vom 5. Juli 1970 im Tyrone Gutrhie Theater, Minneapolis enthalten – zu erleben sind die damals neu besetzten Mothers Of Invention, mit u.a. George Duke, Aynsley Dunbar und Ian Underwood. Es geht dabei wesentlich jazz-rockiger zu Werke als noch bei den Ur-Mothers, trotzdem mangelt es nicht an durchgeknalltem Humor und schrägen Zwischentönen – ein Mix aus Rock, Doo Wop, Psychedelic und Jazzrock. Wegen mangelhafter Originaltapes ist die Klangqualität nicht immer perfekt und etwas muffig, aber trotzdem packend genug für ordentlichen Hörgenuss. Vertreten sind neben einem guten Querschnitt der frühen Mothers Of Invention-Alben einige Titel, die erst viel später offiziell auf Tonträger veröffentlicht wurden (z.B. ‚Wonderful Wino‘, ‚Pound For A Brown‘), außerdem bisher Ungehörtes und spontane Improvisationen.

frank-zappa-the-crux-of-the-biscuitBei Project/Object werden seit einigen Jahren bestimmte Zappa-Alben genauer unter die Lupe genommen und Alternativversionen, Fragmente, Liveaufnahmen oder Interviewschnipsel aus bestimmten Perioden zusammengefasst. Umfangreiche Booklets mit sehr ausgiebigen Hintergrundinformationen runden diese Pakete perfekt ab. Das kann wie „Freak Out“ in einer 4er-CD münden, die aktuelle Rückschau zum 74er-Album „Apostrophe (‚)“ namens „The Crux Of The Biscuit“ begnügt sich mit einem Silberling. In Zappas umfangreicher Diskografie gehört „Apostrophe (‚)“ zu den zugänglichen, eher klassischen Rockalben. Es wartete mit u.a. Jack Bruce und Tina Turner & The Ikettes mit namhaften Gastmusikern auf und war kommerziell recht erfolgreich. „The Crux Of The Biscuit“ ist ein schöner Blick hinter die Kulissen, den man nicht nur beinharten Fans empfehlen kann.

frank-zappa-frank-zappa-for-presidentTja, und dann wäre da noch „Frank Zappa For President“, das als Statement zur aktuellen Präsidentschaftswahl betrachtet werden soll. Hier wurden Titel aus unterschiedlichen Phasen in ein Konzept gepresst, die durch mehr oder weniger politische Botschaften im Zusammenhang stehen. So ist die Ouvertüre zur bisher unveröffentlichten Oper „Uncle Sam“ zu hören, die Zappa alleine auf dem Synclavier einspielte. Wer andere Synclavier-Werke von ihm kennt (z.B. „Jazz From Hell“), der weiß, dass man hier sehr anspruchvolle, neoklassische Kompositionen auf die Lauscher bekommt, die als starker Tobak tituliert werden können. Das macht nicht immer nur Spaß beim Hören und ist nicht immer leicht nachvollziehbar. Neben weiteren Synclavier-Spielereien gibt’s noch einen Remix von ‚Brown Shoes Don’t Make it‘ von 1969 sowie die Live-Titel ‚When the Lie’s So Big‘ und ‚America The Beautiful‘ von 1988. Wirkt insgesamt wie ein Flickenteppich und geht nur als absolutes Sammlerstück durch.

Für den Herbst sind bereits weitere Alben angekündigt – mal abwarten, welche zappaesken Happen dann auf den Tisch kommen.
Bewertung: 11/15 Punkten, („Road Tapes Venue #3“/„The Crux Of The Biscuit“), 7/15 Punkten („Frank Zappa For President“)

Surftipps zu Frank Zappa:
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Zappanale

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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