Metamorfosi – Purgatorio

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(55:18, CD, Sony Music, 2016)
Mit ihrem 73er-Werk „Inferno“ veröffentlichten Metamorfosi eines der beachtenswerten progressiven Kleinodien aus bella Italia. „Paradiso“ griff 2004 die Thematik der Divina Commedia („Göttliche Komödie“) des italienischen Dichters Dante Alighieri wieder auf, und mit „Purgatorio“ folgt nun der dritte Teil – eine Reise durch das Reich der Toten. Nicht nur das Thema sondern auch die Musik schlägt eine Brücke in die Vergangenheit. Zwar wurden die Sounds teilweise etwas modern aufgepeppt, dennoch bestimmt einmal mehr sinfonischer, Keyboard-lastiges Pathos das Geschehen.

Dabei ist die Band mit dem gleichen Line-up wie beim 2004er-Vorgänger am Start. Das bedeutet, dass vor allem die markante Gesangs- und Erzählstimme von Jimmy Spitaleri, der kurzfristig bei Le Ormes „La Via Della Seta“ als Aushilfe agierte, als prägendes Merkmal wieder recht deutlich im Vordergrund steht. Mit Leidenschaft, dem gewissen südländischen Schmalz, trägt er die Musik von Metamorfosi eindringlich und intensiv fast im Alleingang. Darunter legt Enrico Olivieri meist sanfte Keyboardteppiche, setzt aber ebenso mit kurzen Hammond- und Synthesizer-Soli elegante Farbtupfer. Das Rhythmus-Duo Leonardo Gallucci (Bass) und Fabio Moresco (Schlagzeug) bleibt eher unauffällig und setzt sich nur bei gelegentlichen Tempoverschärfungen und mit wohldosierten Breaks in Szene.

Die 19 Titel des Albums reihen sich meist übergangslos aneinander und schaffen Spannungstiefe sowie atmosphärische Abwechslung. Leider verfällt das Quartett im letzten Drittel vor allem mit dem sehr platten ‚Avari E Prodighi‘ kurzfristig in den Schunkel- und Mitsing-Modus, es kann sich dann aber doch noch stilsicher ins Ziel retten. Mit Dramatik, Bombast, aber auch mit feinsinniger Theatralik enthält „Purgatorio“ jene typischen Merkmale, die Metamorfosi auszeichnen. Die Dante-Trilogie findet damit ein solides, würdiges Ende.
Bewertung: 10/15 Punkten (JM 10, KS 10)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Metamorfosi – Purgatorio

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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