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    Du bist hier:Home»Reviews»Karmanjakah - Diamond Morning

    Karmanjakah - Diamond Morning

    0
    By flohfish on 11. Mai 2026 Reviews

    Karmanjakah - Diamond Morning (Eigenveröffentlichung, 08.05.2026)
    Djent • Thall • Progressive Metal • Ambient
    (43:41; Vinyl, CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 08.05.2026)
    Wenn ein Album "Diamond Morning" heißt, klingt das erstmal nach Sonnenaufgang in Zeitlupe, nach irgendwas zwischen spirituellem Erwachen und überteuertem Duftkerzenkonzept – sollte es heißen. Karmanjakah haben daran ungefähr so viel Interesse wie an klaren Zuständigkeiten im Songwriting: nämlich wenig bis gar keins.

    Stattdessen wird man direkt in einen Zustand gezogen, der sich nur sehr ungern als „Album“ bezeichnen lässt. "Diamond Morning" läuft nicht, es passiert. Und zwar durchgehend.

    Denn was hier sofort auffällt: Das Ding hat keine klassischen Kanten. Keine wirklich greifbaren Songanfänge, keine sauberen Enden, kein „jetzt kommt Track 3“-Gefühl. Alles fließt ineinander, als wäre die gesamte Platte ein einziger, sich ständig verändernder Körper. Und genau das ist auch die eigentliche Leistung: Der Flow ist nicht nur gut, er ist das Konzept.

    Geduld spielt dabei eine zentrale Rolle. Nichts wird überhastet ausgespielt, nichts wirkt auf schnellen Effekt gebaut. Stattdessen entsteht ein Spannungsbogen, der sich nicht über einzelne Höhepunkte definiert, sondern über permanentes Weiteratmen. Man bleibt drin, auch wenn man längst gemerkt hat, dass es eigentlich keinen „Ausstiegspunkt“ gibt, der sich wirklich richtig anfühlt.

    Musikalisch wird dabei ein Spannungsfeld aufgezogen, das sich schon auf dem Vorgänger "A Book About Itself" angedeutet hat, hier aber deutlich konsequenter ausgearbeitet wirkt. Während dort noch stärker mit klassischeren Djent- und Prog-Strukturen gearbeitet wurde, wirkt "Diamond Morning" wie die Weiterführung eines Gedankens: weniger Song, mehr Zustand.

    Ein Begriff, der in diesem Kontext oft fällt, ist „Thall“. Gemeint ist damit kein sauber abgegrenztes Genre, sondern eher eine Ästhetik innerhalb moderner, extrem tief gestimmter, rhythmisch betonter Metal-Spielarten, die besonders auf Wucht, Dichte und Atmosphäre setzt statt auf klassische Komplexitätsdemonstration. Bei Karmanjakah wird genau dieses Element aber nicht isoliert ausgestellt, sondern in ein viel größeres, deutlich offeneres Klangbild eingebettet. Die Riffs drücken, ja – aber sie stehen nie allein im Raum, sondern werden ständig von luftigen, fast schwebenden Passagen umspült.

    Und genau hier wird der Unterschied zum Vorgänger interessant: Wo "A Book About Itself" noch stärker zwischen hellen, fast poppigen Momenten und schweren Riff-Achsen pendelte, wirkt "Diamond Morning" homogener, dichter und gleichzeitig paradoxerweise freier. Die Extreme sind geblieben, aber sie sind stärker ineinander verwoben.

    Dabei lebt das Album enorm von seinen permanenten Überraschungen. Immer wieder brechen Jazz-Anklänge, akustische Passagen oder völlig unerwartete rhythmische Verschiebungen in den Fluss hinein, ohne ihn je wirklich zu stören. Selbst die Rap-Passagen, die vereinzelt auftauchen, wirken nicht wie ein Fremdkörper, sondern fügen sich erstaunlich selbstverständlich in dieses ohnehin sehr fluide Gesamtbild ein.

    Der Gesang bewegt sich häufig im Falsettbereich und wirkt dadurch weniger als Führung, sondern eher wie eine weitere Ebene im Gesamtgewebe. Fragil, aber nicht zerbrechlich – eher etwas, das sich bewusst weigert, zu viel Gewicht zu übernehmen.

    Dass es zusätzlich eine durchgehende Video-Visualisierung zum Album gibt, passt ins Bild: nicht als Erklärung, sondern als Verstärkung. Es macht das Ganze nicht greifbarer, sondern dichter.

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    Am Ende bleibt ein Werk, das sich weniger als Sammlung von Songs versteht und mehr als kontinuierlicher Zustand. Einer, der sich permanent verschiebt, ohne je wirklich auseinanderzufallen.
    Bewertung: 12/15 Punkten


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    Besetzung:
    • Viggo Örsan - guitars, backing vocals
    • Jonas Lundquist - vocals, keyboards
    • Lukas Ohlsson - bass, acoustic guitar
    • Sebastian Brydniak - drums

    Surftipps:
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    • Bandcamp
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    • Rezensionen, Liveberichte & Interviews

    Abbildungen: Karmanjakah/Bandcamp

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    Ambient CD Digital Djent Eigenveröffentlichung Jonas Lundquist Karmanjakah Lukas Ohlsson Post Metal Progressive Metal Progressive Rock Schweden Sebastian Brydniak Stockholm Thall Viggo Örsan Vinyl
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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