Need – Norchestrion: A Song For The End

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Need – Norchestrion: A Song For The End (Ikaros Records, 12.01.21)

© Dimitris Tsoutsas

(66:02, Digital, CD, Ikaros Records, 2021)
„Norchestrion: A Song For The End“ ist nicht nur bereits das fünfte Album der griechischen Progressive Metal-Formation Need, sondern auch der dritte und letzte Teil eines Songzyklus, der 2014 mit „Orvam: A Song For Home“ begann und mit dem 2017er Werk „Hegaiamas: A Song For Freedom“ fortgeführt worden ist. Letztgenanntes Album war bereits vom damaligen Betreuer Dario Albrecht besprochen worden und auch vom 2017er Auftritt im Siegburger Kubana, im Vorprogramm von Evergrey hatte BetreutesProggen.de berichtet. Doch von all dem hatte meine Person nichts mitbekommen. Schaut man sich die Anzahl der Fans und Follower auf den bekannten Internet-Plattformen an, so bin ich wohl nicht der einzige, an dem das Phänomen namens Need bislang vorbeigegangen war. Was haben wir nur verpasst!

Viele Namen sind schon als Vergleiche für die fünf Athener herangezogen worden, doch vor allem Nevermore sind es, die auch mir beim ersten Hören der Hellenen in den Sinn kamen. Doch während Nevermore vor allem im Power Metal zu Hause waren, stehen Need ganz klar mit beiden Beinen auf dem Territorium des Progressive Metal.

Diesen erfinden Need auf „Norchestrion: A Song For The End“ zwar nicht neu, doch sie bewegen sich geschickt zwischen den verschiedenen Eckpfeilern des Genres. So Treffen auf der aktuellen Langrille technisch komplexe Strukturen immer wieder auf variablen Gesang und vor allem auch auf Killer-Hooklines. Antreibender Motor des Need-Sounds sind die stimmungsvollen Gitarrenriffs von George Ravaya, welche in Kombination mit John Voyagers markanter Stimme den opulenten Sound der Band prägen. Die atmosphärischen Keyboard- und Piano-Töne Anthony Hadjees, sowie die allzeit prominente Rhythmus-Fraktion um Stelios Paschalis (Schlagzeug) Viktor Kouloubis (Bass) vervollständigen den Klang der Band.

Schon der Einstieg in „Norchestrion“ ist mit dem fast sechsminütigen ‚Avia‘ mehr als gelungen. Groovende Rhythmusarbeit und zurückhaltender Gesang treffen hier auf lyrische Melodien und schöne Solo-Einsätze von Keyboards und Gitarre. Auch ‚Beckethead‘ macht progressiv abwechslungsreich weiter und ist geprägt von zahlreichen Stimmungs- und Tempowechseln.

An mancher Stelle des Albums hat man zwar das Gefühl, dass es Need mit ihrem Pomp ein wenig übertrieben haben, doch spätestens wenn Ohrwurm-Refrains wie bei ‚Nemmortal‘ oder ‚Circadian‘ in den Vordergrund dringen, sind diese Gedanken schnell wieder verflogen.

Obgleich nicht das längste Stück auf der Platte, stellt das Titelstück ‚Norchestrion‘ das Herz der Aufnahme dar, da hier alle Need-Trademarks aufeinandertreffen: abwechslungsreicher Gesang (von flüsternd bis harsch), melodische Gitarrenharmonien, treibende Rhythmen,  sowie atmosphärische Keyboardpassagen.

Leider kann der Longtrack ‚Ananke‘ nicht ganz das Niveau dieses Stückes halten, da sich in die fast 19 minütige, musikalische Achterbahnfahrt doch manche Längen geschlichen haben. Vor allem das Intro ist mit seinen gut zwei Minuten deutlich zu lang geraten. Andere Stücke, wie das abschließende, in griechischer Sprache vorgetragene ‚Kinwind‘ sind entweder belanglos oder stören sogar ein wenig den Flow des Albums, wie der eigentlich schön gemachte, musikalisch untermalte pseudo-philosophische Spoken-Words-Dialog namens ‚V.a.d.i.s.‘.

Trotz alledem ist „Norchestrion: A Song For The End“ ein sehr überzeugendes Album, welches zumindest bei mir zur Folge hatte, dass ich mich näher mit dem Back-Katalog der fünf Griechen beschäftigt habe, denn „Norchestrion“ macht ungemein Lust auf mehr.

Eine erste Messlatte für das Jahr 2021 ist schon mal gelegt worden.
Bewertung: 12/15 Punkte


Tracklist:
1. ‚Avia‘ (5:48)
2. ‚Beckethead‘ (7:01)
3. ‚Nemmortal‘ (5:23)
4. ‚Bloodlux‘ (6:17)
5. ‚V.a.d.i.s.‘ (3:18)
6. ‚Norchestrion‘ (9:28)
7. ‚Circadian‘ (7:01)
8. ‚Ananke‘ (18:55)
9. ‚Kinwind‘ (2:51)

Besetzung:
Jon Voyager (Gesang)
George Ravaya (Gitarre, Gesang)
Anthony Hadjee (Keyboards, Gesang)
Stelios Paschalis (Schlagzeug)
Viktor Kouloubis (Bass)

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Rezension: „Hegaiamas: A Song For Freedom“ (2017)
Konzertbericht: 27.09.17, Siegburg, Kubana
Wikipedia

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Holdtight zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Need – Norchestrion: A Song For The End

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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