Tillian – Lotus Graveyard

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(46:58, CD, Digital, Eigenpressung / Just For Kicks, 2019)
Dass Prog Metal international weit verbreitet ist, belegen nicht nur die vielen Reviews, die sich in der Zwischenzeit bei Betreutes Proggen angesammelt haben. Trotzdem scheint es auf den ersten Blick ziemlich ungewöhnlich, dass ausgerechnet Musiker aus Israel sich diesem Genre widmen. Mit Orphaned Land gibt es bereits einen etwas bekannteren israelischen Vertreter des progressiven Metals. Ihr ehemaliger Gastmusiker Erez Yohanan (Amaseffer) hat die aus Tel Aviv stammende Formation Tillian, so der Bandname, unter seine Fittiche genommen. Als zählbares Ergebnis seiner Zusammenarbeit mit den Musikern, kam das Debütalbum “Lotus Graveyard” heraus. Nicht ohne Grund nennt die Band Pain Of Salvation, Ayreon und Kate Bush als ihre musikalisch, progressiven Einflüsse. Damit reicht ihre musikalische Bandbreite von epischem Rock / Metal, bis hin zu orchestralen Kompositionen und sehr intensiven Balladen mit tiefgehenden Texten.

“Lotus Graveyard” ist die reinste Überraschungsbox, die Songs sind selten ausrechenbar. Hierzu tragen sicherlich auch der Einsatz von klassischen Instrumenten, wie Cello und Klavier bei. In Kombination mit krachenden Gitarrenriffs und dem emotionalen, sowie energiegeladenen Gesang der Frontfrau und Songwriterin Leah Marcu, ergibt das einen variantenreichen Mix, bei dem auch vor klassischen, keltischen, orientalischen, sowie spanischen Elementen nicht halt gemacht wird. Vor allem die charismatische Sängerin, mit ihrer stimmgewaltigen Performance, die eins um andere Mal ins opereske oder musicalhafte abgleitet, trägt deutlich zum Erscheinungsbild der Band bei.

Wenn man gesangliche Vergleiche ziehen möchte, so fällt einem als erstes der klangvolle Name, wie der der zuvor erwähnten Kate Bush, ein. Wer schon damals Freude an ihrer Ausdrucksform hatte, dürfte auch jetzt an Leah Marcu’s Stimme gefallen finden. Die Kombination aus Female Vocals und Instrumenteneinsatz verdeutlicht, welche Bandbreite die Musiker verkörpern. Auf “Lotus Graveyard”, einem Schmelztiegel u.a. aus Progressive Rock, Metal und Symphonic Metal, entwickeln die Israelis ihre Songs stetig fort, sodass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt.

Tillian gelingt mit “Lotus Graveyard” ein interessantes Debütalbum, welches mit vielen hörenswerten Momenten zu glänzen weiß. Einzig die charismatischen Vocals von Leah Marcu treffen möglicherweise nicht jedermanns Geschmack. Freunde des Progmetals dürften dennoch ihre Freude daran haben.
Bewertung: 9/15 Punkten

Lineup Tillian:
Vocals: Leah Marcu
Cello: Alexandra Marcu
Guitars: Yadin Moyal
Drums: Yoav Weinberg
Bass: Yanai Avnet
Keyboard: Lior Goldberg
Harsh Vocals: Shachar Bieberon (auf “Love of Heaven”)
Bass: Alon Shulman (auf “Love or Heaven” & “Moonlight Dancer”)

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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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