Psion – Psion (EP)

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(29:31, CD, Illusionary Records, 2017)
Ja, die Songs auf der Debüt-EP von Psion versprühen eine ganze Menge an Dampf und Ideen; manchmal geht das musikalisch sogar in Richtung Verpuffung. Das Cover ist insofern sehr gut gewählt. Psion, das ist eine vierköpfige Band bestehend aus Tom MacLean (ex-Haken/To-Mera), Nik Wolf, Bryan Ramage (CILICE, Ramage Inc.) und Jasper Barendregt (Ulsect, Dodecahedron); keine Unbekannten also – und schon rein nominell dürfte klar sein, in welche Richtung die Musik dieses Vierers steuert: Tech-Math-Metal, garniert mit Prog-, Death- und Thrash-Metal.

Die EP “Psion” beginnt sphärisch, schon leicht bedrohlich, bevor dann bis zum Ende ein äußerst düsterer Schleier mit bösen Gitarren, ausdrucksstarkem Gesang und Growls sowie einem derart agilen – manch einer mag auch sagen: übertriebenem – Drumming loslegt, dass sogar Mike Portnoy als elegant-filigraner Schlagwerker durchgehen kann.

Die drei Longsongs mit je ca neun Minuten sind mustergültig durchkomponiert und lassen den Hörer staunen, ob ihrer immer wieder überraschenden Wendungen, Variationen und Dynamiken. Wirkliche Verschnaufpausen gibt es kaum – doch wenn, dann sind sie wohltuend kitschbefreit und liefern die perfekte Kulisse für das dann schnell wieder folgende Brachialgewitter. Manche Passagen erinnern an Devin Townsend aus seiner “Biomech”-Phase. Overkill also – aber manchmal braucht man das ja auch.

Das kann man sicher nicht jeden Tag zu jeder Uhrzeit hören – und wenn, sollte man es auch laut hören. Laut und laut ergibt hier tatsächlich: faszinierend. Insofern ist die Spieldauer dieser EP von 30 Minuten durchaus angemessen und ausreichend. Danach wird man sich erst wieder regenerieren müssen, um sich der einnehmenden Atmosphäre von Psion entziehen zu können.

Man darf sehr gespannt auf den ersten Long Player sein. Dass das Potenzial da ist und Psion eine Bereicherung für alle ist, die gerne beim Musikhören mitrechnen und/oder -zählen, denen es nie genug Spuren übereinander sein können und die hin und wieder gepflegtes Growling zu schätzen wissen, haben die vier Bandmitglieder mit diesem Debüt bewiesen.
Bewertung: 11/15 Punkten (DNL 11, KR 11)

Psion from London, UK

Psion (Abbildungen: Psion)

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Über den Autor

Dominik Nüse-Lorenz

Aufgrund einer familiär glücklichen Fügung lief ich als 12-jähriger mit diversen Genesis-Mixtapes und Pink Floyds "Dark side of the moon" im Walkman über den Schulhof und war - isoliert:-). Ok, ganz so schlimm war es nicht - aber die Liebe zum Prog, später zum ProgMetal, DeathMetal und all den anderen Spielarten blieb, und die Isolation nahm beständig ab. Heute lebe ich mit Frau und Sohn - ich traue es mich kaum zu sagen - in Franken. Da letzteres ansonsten kaum auszuhalten ist, bin ich mit einem halben Fuß in der Weinbranche gelandet, arbeite zudem auch in der Leseförderung und schreibe für die fantastischen booknerdsBooknerds.

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Psion – Psion (EP)

von Dominik Nüse-Lorenz Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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