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    Betreutes Proggen
    Du bist hier:Home»Reviews»Robert Reed - Sanctuary Live

    Robert Reed - Sanctuary Live

    0
    By Daaty on 5. Juli 2017 Reviews

    (72:40; 88:00; CD/DVD, Tigermoth Records/Just for Kicks, 2017)
    Robert Reed ist ein Phänomen. Inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, dass der Waliser mit  "Sanctuary" und "Sanctuary II" Alben veröffentlicht hat, die den Sound von Mike Oldfield in der Zeit von "Tubular Bells" (1973) bis ca. "Incantations" (1978) bis ins kleinste Detail reproduzieren. Erstaunlich, dass er dafür kaum Prügel in Form von Verrissen und Plagiatsvorwürfen bezieht. Ganz im Gegenteil: Nicht wenige Kommentatoren schwärmen von der Qualität und stellen die Platten auf eine Stufe mit  jenen klassischen Oldfield-Werken.

    Fakt ist, dass weder "Sanctuary" noch "Sanctuary II" in ihrer Form existieren könnten, hätte das Werk von Mike Oldfield Robert Reed nicht über alle Maßen inspiriert. Er selbst sagt, dass er jene Fackel weiterträgt, die Oldfield in den güldenen Siebzigern entzündete. Darüber hinaus soll Oldfield  in einem Interview selbst gesagt haben, dass er darüber enttäuscht sei, dass niemand nach ihm diese Art von Musik fortgeführt habe. Ob Mike Oldfield das genau so gemeint hat, wie Robert Reed es interpretiert, sei dahin gestellt.

    In jedem Fall lädt Reeds Output zu manchem Gedankenspiel ein. So wurde an anderer Stelle die durchaus steile These aufgestellt, erst Robert Reeds Alben hätten Mike Oldfield zur Vernunft gebracht und zur Arbeit an "Return to Ommadawn" bewegt. Lassen wir das unkommentiert. Spielte man allerdings einem beinharten Oldfield-Fan, der aus Gram dereinst in die Wildnis ging, weil er Oldfields Pop- und Lounge-Musik Verwirrungen nicht mehr ertrug, nacheinander "Sanctuary" und "Return To Ommadawn" vor und stellte die Frage, welches der beiden Alben denn nun vom echten Oldfield sei? Dann stände er womöglich vor einem Problem. Oder gab es gar einen diskreten Anruf eines Herrn O. bei einem Herrn R., der ihn vor Wahl stellte, die Bekanntschaft diverser Anwälte zu machen, oder alternativ ein Album aufzunehmen, das statt des Namens von Herrn R. den von Herrn O. trüge, der sich derweil ein paar weitere gemütliche Tage unter südlicher Sonne zu gönnen plane. Alles reine Spekulation.

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    Zurück zur Sache. Die hier vorliegende Live-Einspielung der "Sanctuary"-Teile im Real World Studio auf DVD und CD bringt eines erneut mit aller Deutlichkeit zu Tage: In beiden Alben stecken unüberhörbarer und ansteckender Enthusiasmus und die Lust, genau diese Musik zu machen. Dieses Engagement führt an der einen oder anderen Stelle vielleicht dazu, dass Reed übers Ziel hinausschießt, indem er zu viele Ideen auf einmal in die Suiten einfließen lässt. Wahrscheinlich hätte auch die Hälfte der Ideen für ein komplettes Album gereicht. Die Gefahr endloser Wiederholungen, wie man sie beispielsweise auf Oldfields "Incantations" kennt, hätte trotzdem längst noch nicht bestanden.

    So aber ist diese bunte Melange aus Zitaten Oldfield'scher Kunst dem einen oder anderen Hörer vielleicht zunächst ein Spur zu bunt. Hat man allerdings die Stücke ein wenig besser kennengelernt, dann fällt dieser Umstand immer weniger ins Gewicht, weil sich schließlich doch ein roter Faden zu erkennen gibt. Reeds Liebe zum Detail und sein Gespür für Melodie und Arrangement beeindrucken ein ums andere Mal. Auch wenn der Gedanke fast unanständig anmutet, Oldfields "Return To Ommadawn" klingt im Vergleich zu den hier live dargebotenen Stücken geradezu bemüht und ein wenig fad. Wo sich das Original heute bisweilen mühsam dahinschleppt und den Melodiebögen ein wenig Feinschliff fehlt, fließt das Reed'sche Oeuvre geschmeidig und gut geölt in die Gehörgänge.

    Dass es sich tatsächlich um eine Live-Einspielung handelt, glaubt man erst, wenn man das Bild zum Ton sieht. Trotz der Tatsache, dass die acht Musiker und fünf Sängerinnen mit äußerster Konzentration ihrer Arbeit nachgehen, ist die DVD ausgesprochen kurzweilig. Grund dafür ist, dass der Focus der Instrumente ständig wechselt und man Zeuge werden darf, wie hier jeder Ton von Hand gespielt wird. Dass das eine oder andere Instrument als Konserve vom Keyboarder gespielt wird, sei verziehen.

    Letztlich kommt man trotz aller Skepsis und Voreingenommenheit nicht umhin, dass, Klonen hin oder her, erstklassige Unterhaltung geboten wird. Mike Oldfield darf sich damit trösten, dass ohne sein Werk jenes von Robert Reed nicht möglich wäre. Ganz abgesehen davon kann man die ganze Darbietung auch als große Huldigung interpretieren und damit jeglichen faden Beigeschmack beseitigen.
    Bewertung: 12/15 Punkten (DH 12, JM 12, KR 12)

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    CD DVD Just For Kicks Klon Live-Aufnahme Mike Oldfield Real World Studio Robert Reed Tigermoth Records Wales live
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    Daaty

    Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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