Mike Oldfield – Return To Ommadawn

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(41:06, CD, Universal, 2017)
„Return To Ommadawn“ – der Name weckt hohe Erwartungen. Er verspricht genau das, wonach Oldfield-Fans seit Jahren darben. Kein „Man On The Rocks“ oder Ettikenschwindel wie „The 1984 Suite„.

Der Oldfield-Fan will Oldfield-Musik, und zwar von Mike Oldfield, nicht etwa von Robert Reed. Genau das verspricht der Name „Return To Ommadawn“. Zwei Titel, schlicht ‚Part 1‘ und ‚Part 2‘, und fertig ist die Laube. Kaum ist die Nadel in der Rille, hat man die Gewissheit, dass Mr. Oldfield seinen Fans endlich mal wieder das gibt, was sie von ihm hören wollen. Ein Album in der Tradition von Klassikern wie „Tubular Bells“ bis „Incantations“. In der ersten Euphorie überschlagen sich die Kommentatoren. In den Ohren des Rezensenten hat sich nach etlichen Durchläufen allerdings eine gewisse Ernüchterung eingestellt. Gut, die vertrauen Klänge und die Auswahl der Instrumente bringen zwar jenen typischen Sound zurück, den man mit dieser Epoche verbindet. Begeht man jedoch den Fehler, sich nach zwei bis drei Durchläufen von „Return To Ommadawn“, „Ommadawn“ selbst oder „Hergest Ridge“ anzuhören, dann stellt man fest, dass diese beiden Alben von ganz anderem Kaliber sind.

Insbesondere „Ommadawn“ hat eine atmosphärische Dichte, die sie sogenannte „Rückkehr“ zu keinem Zeitpunkt erreicht. Auch die Melodien und deren Derivate erscheinen bei weitem  leichtgewichtiger und längst nicht so geschickt variiert, wie auf den Alben von 1973 bis 1978. Ein unfairer Vergleich? Nun, wer ein Album „Return To Ommadawn“ nennt, fordert dies eben heraus. Damit kennt sich Mike Oldfield doch aus – „Tubular Bells Part …“. Ein weiteres Album, das Kennern beim Hören von „Return To Ommadawn“ unweigerlich in den Sinn kommt, ist „Voyager“ aus dem Jahr 1996. In dessen Titelstück hat nämlich eines der Hauptthemen von „Return To Ommadawn“ seinen Ursprung.

Dass Oldfield er es in rein formaler Hinsicht immer noch kann, sei ihm nicht abgesprochen. Inwieweit sein aktuelles Oeuvre allerdings bleibenden Eindruck hinterlässt, ist zumindest fraglich. Unbestritten ist er allerdings mit „Return To Ommadawn“ wieder auf Kuschelkurs zu seinen Fans, mit denen auch sogleich die Pferde durchgegangen sind. Belege dafür findet man allerorten, alleine gut hundert Jubelarien bei Amazon. Mission accomplished! Oldfields Ankündigung, er arbeite an einem Prequel zu „Tubular Bells“, wirft natürlich die Frage auf, was man da erwarten darf. Möglicherweise erfahren wir dann, wie der gute Mike auf den ersten Ton von „Tubular Bells“ gekommen ist, oder wie das Rohr klang, als es noch gerade war.

Letztlich ist „Return To Ommadawn“ Futter für fast verhungerte Fans, die bereits damit begonnen hatten vegetarische Würstchen aus dem Hause Reed zu verspeisen. Mike Oldfield hatte schließlich ein Einsehen, dafür danken wir ihm.
Bewertung: 10/15 Punkten (DH 10, HK 11, KS 11, PR 11)

Foto: Oldfield

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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