Matthew Parmenter – All Our Yesterdays

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Matthew Parmenter - All Our Yesterdays(41:41, CD, Bad Elephant Music/Just For Kicks, 2016)
Waren die bisherigen Soloalben von Matthew Parmenter in erster Linie ein willkommener Ersatz für seine Band Discipline, so stellt sich nach deren erfolgreicher Rückkehr logischerweise die Frage, welche neuen Schwerpunkte er mit seinem aktuellen Solowerk setzen kann. Auf dem Cover mit Sepiatönung in Napoleon-Pose in Szene gesetzt, richtet der Mann aus Detroit seinen musikalischen Blick ganz auf die Vergangenheit. Zu Beginn scheint „All Our Yesterdays“ eine konsequente Fortsetzung seines bisherigen Schaffens. Weniger opulent als mit seiner Stammband, konzentrierter in der Ausrichtung, beklemmend, dunkel und düster in der Interpretation, sind die intimen Arrangements zuallererst auf die eindringliche Stimme des Protagonisten ausgerichtet.

Dennoch funktioniert dieses Album nicht ausschließlich auf der gesanglichen Ebene – auch instrumental hat es sich der Multi-Instrumentalist nicht nehmen lassen, fast alles im Alleingang zu kreieren, und selbst das Artwork stammt aus seiner Hand. Lediglich der trommelnde Bandkollege Paul Dzendzel unterstützt ihn dezent bei einigen Stücken. Dabei bestimmen in erster Linie die melancholische Atmosphäre und ein retro-progressives Stimmungsbild das Songmaterial, das weniger mit Dynamik-Steigerungen als mit traurigem, von Weltschmerz geprägtem Fernweh und innerer Schönheit punktet. Kein Album also für grundlegend fröhliche Menschen, doch eben genau das, was man von Matthew Parmenter erwarten durfte. Sachte Geigentöne, etwas Saxophon, düstere Pianoakkorde – intensiv und tief ins Herz treffend entfaltet hier sich bis über die Mitte des Albums hinaus eine wunderbare Spannungstiefe, die alle anonymen Mellotroniker (auch ohne Mellotron) beeindrucken dürfte.

Matthew ParmenterDoch gegen Ende des Albums kommt es auf einmal zu mehreren inhaltlichen Brüchen, die unter der Kategorie „Mal etwas anderes ausprobieren“ für leichtes Stirnrunzeln sorgen. ‚Stuff In The Bag’ geht noch als shuffelige, fast schon fröhliche Rock’n’Roll-Nummer durch, während die kurze Schrammelnummer ‚Consumption’ recht orientierungslos wirkt. Beim abschließenden ‚Hey For The Dance’ wird noch leichte Shanty-Atmosphäre eingebracht, auch damit steht gerade diese Nummer zum restlichen, sehr stimmungsvollen und intensiven Material in krassem Kontrast.

Am Mix deslangjährigen Rush-Produzenten Terry Brown gibt es nichts auszusetzen, musikalisch ist „All Our Yesterday“ zu gut zwei Dritteln eine lohnenswerte Angelegenheit.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 11, KS 10)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Matthew Parmenter – All Our Yesterdays

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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